Neues vom Betzenberg

Erster Winter-Neuzugang: Willkommen daheim, Jean!

Erster Winter-Neuzugang: Willkommen daheim, Jean!


Es hat tatsächlich geklappt: Das Pfälzer Urgestein Jean Zimmer kehrt zum 1. FC Kaiserslautern zurück. Ein sportlicher Rückschritt für den dynamischen Flügelspieler, der mit 27 Jahren im besten Fußball-Alter ist, aber für den FCK ein echter Coup. Und eine Herzenssache.

Die Bundesliga und Jean Zimmer - das schien lange Jahre die unendliche Geschichte einer großen Liebe zu sein, die sich einfach nicht erfüllen will, über der vielleicht sogar ein Fluch liegt. Bereits 2015 schien es, als sei es geschafft - beinahe. Der 1. FC Kaiserslautern stand fast die komplette Zweitliga-Saison hindurch auf einem Aufstiegsplatz. Und sogar die Trainergilde erkannte immer wieder neidlos an, dass das Team des Kollegen Kosta Runjaic den technisch anspruchsvollsten Fußball dieser Klasse bot.

Dass es am Ende mit dem Aufstieg doch nichts wurde, lag unter anderem an sechs Elfmetern, die in dieser Spielzeit gegen den FCK verhängt wurden. Vier davon wurden selbst von Beobachtern ohne Vereinsbrille als krasse Fehlentscheidungen eingestuft. Die damals vielbeachtete Internetseite "wahretabelle.de", mittlerweile nicht mehr aktiv, kam auf insgesamt elf Punkte, um die die Lautrer in dieser Runde gebracht wurden. Aber auch eigene Fehler vor allem in der Rückrunde, zu ängstliche Spielweise nach Führungen und die fehlende Erfahrung des damals sehr jungen Teams trugen ihren Teil dazu bei: Der FCK scheiterte 2014/15 zum dritten Mal hintereinander knapp an der Rückkehr ins Oberhaus.

2015 am Aufstieg gescheitert: Eine Erfahrung - und eine Warnung

Jean Zimmer nahm es als Lehre an: "Das, was ich mit Kaiserslautern 2015 erlebt habe, ist vielleicht die wichtigste Erfahrung, die ich als noch junger Profi mit schon über 70 Zweitliga-Spielen mitgenommen habe - und eine Warnung: Es kann noch viel passieren auf den letzten Metern", erklärte er später im Interview.

In der folgenden Spielzeit zeichnete sich schnell ab, dass der FCK fortan nicht mehr in der Lage sein würde, im Unterhaus oben mitzuspielen. Wodurch Jean Zimmer zu der Einsicht kam, dass er den zweiten seiner beiden großen Träume woanders verwirklichen musste: In der höchsten deutschen Spielklasse zu spielen.

Für den FCK war es zu diesem Zeitpunkt bereits kein Entgegenkommen mehr, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit, ihm diesen Wunsch zu erfüllen: Zur Sicherung der Lizenz wurden Transfereinnahmen benötigt. Schon im Frühjahr 2016 gab der FCK Zimmers Wechsel nach Stuttgart bekannt. Der VfB hielt sich da noch kommod von den Abstiegsrängen der Bundesliga fern.

Danach aber gingen die Schwaben auf sportliche Talfahrt. Als sich Jean Zimmer nach dem Abpfiff der Saison 2015/16 von seinen Fans verabschiedete, stand fest, dass er nur zu einem Zweitligisten wechseln würde. Das dürfte aber nicht der einzige Grund gewesen sein, weshalb ihn der Abschied so sehr bewegte. Er verließ den Verein, dessen Farben er, einer aus der Region, zwölf Jahre lang getragen hatte.

» Zum Video: Jean Zimmers emotionale Verabschiedung vor der Westkurve

2004 war der damals zehnjährige Jean vom SV Bann in die Jugendabteilung des FCK gewechselt und hatte anschließend den ersten seiner beiden großen Träume geträumt, den, den alle jungen Pfälzer träumen, die einigermaßen regelmäßig gegen einen Ball treten: Einmal als Profi im Trikot der Roten Teufel auflaufen.

Die Anfänge: Als Kosta Runjaic ihn ins kalte Wasser warf

2013, einen Tag vor Weihnachten und wenige Tage nach seinem 20. Geburtstag, ging dieser Traum in Erfüllung. Beim Auswärtsspiel in Ingolstadt wechselte Kosta Runjaic den Nachwuchsspieler, der mit seiner Aggressivität und Dynamik in der Zweiten Mannschaft aufgefallen war, nach 34 Minuten für Jan Simunek ein, der FCK gewann die Partie 2:1.

In den fünf abschließenden Partien dieser Spielzeit kam er über die volle Distanz zum Einsatz, viermal davon als Linksverteidiger. Runjaic war sich jedoch sicher, dass die Zukunft des Talents auf der rechten Seite lag. Und dass der Trainer so überzeugt von dem Eigengewächs war, war auch ein Grund dafür, dass Publikumsliebling Florian Dick nach sieben Jahren beim FCK an Arminia Bielefeld abgegeben wurde.

Zimmer dankte Runjaic dieses Vertrauen mit Leistung - und später auch mit Worten: "Ich bin ihm sehr dankbar, dass er mich als jungen Spieler ins kalte Wasser geworfen hat, das ist nicht selbstverständlich. Ich würde jederzeit wieder unter ihm arbeiten, wenn sich die Gelegenheit bietet."

"Ich hab' mein FCK-Trikot, da brauche ich kein Bayern-Trikot"

In den beiden folgenden Spielzeiten profilierte Zimmer sich als moderner Außenverteidiger im besten Sinne: Zweikampfstark, mit starkem Vorwärtsdrang und ordentlicher Flankentechnik. "Kult" wurde Zimmer unter anderem mit seinen energischen Auftritten gegen zwei bei FCK-Fans besonders unbeliebte Klubs.

Einmal gegen den Emporkömmling Rasenballsport Leipzig, wo er Stürmer Yussuf Poulsen mit Taten und Worten verdeutlichte, was ein Gast auf dem Betzenberg spüren soll:

» Zum Video: Zimmer zeigt Leipzigs Yussuf Poulsen, wer am Betze das Sagen hat

Und einmal beim DFB-Pokal-Spiel gegen Bayern, das der FCK zwar 1:5 verlor, sich aber zumindest Zimmer von Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm nicht den Schneid abkaufen ließ:

» Zum Video: Lahm beißt sich im DFB-Pokal-Halbfinale 2014 an Zimmer die Zähne aus

Danach klopfte er einen Spruch für die Ewigkeit. Vom SWR-Moderator gefragt, weshalb er nach dem Spiel nicht mit Lahm das Trikot tauschte, antwortete er mit seinem typischen Lausbubengrinsen: "Ich hab' mein FCK-Trikot, da brauche ich kein Bayern-Trikot."

Erstliga-Klubs machte er weiter mit sportlichen Leistungen auf sich aufmerksam. Den VfB Stuttgart etwa, bei dem Jean Zimmer im Frühjahr 2016 unterschrieb. Der aber nur noch zweitklassig war, als er im Sommer das Training im Ländle aufnahm.

Das schnelle Ende in Stuttgart - Neuanfang in Düsseldorf

Es folgte die nächste schmerzliche Erfahrung: Er wurde Opfer einer Laune des Geschäfts, wie sie viele FCK-Profis gerade auch in der jüngeren Vergangenheit erlebten. Robin Dutt, der Sportvorstand, der ihn zum VfB geholt hatte, wurde zu Beginn der neuen Spielzeit durch Jan Schindelmeiser ersetzt. Bei Jos Luhukay, dem Trainer, der Zimmer gewollt hatte, stand der Neuzugang in den ersten vier Partien der Saison noch in der Startelf. Danach verlor auch Luhukay den Machtkampf gegen Schindelmeiser. Er wurde entlassen, und bereits am 5. Spieltag, als es ausgerechnet gegen den 1. FC Kaiserslautern ging, vor fast 46.000 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion, war Zimmer nur noch 13 Minuten im Einsatz. Auch danach setzte ihn der neue Trainer Hannes Wolf meist nur noch auf die Bank.

Am Ende der Spielzeit stieg Stuttgart zwar als Zweitliga-Meister auf, Zimmer aber fand sich auf dem Abstellgleis wieder. Fortuna Düsseldorf lieh ihn aus. Wieder nur ein Zweitligist, wieder keine Bundesliga. Und im ersten Liga-Spiel traf er auf wen? Richtig: Den 1. FC Kaiserslautern. Manche Wege kreuzen sich eben immer wieder. Zimmer legte seinem neuen Teamkollegen Florian Neuhaus den Treffer zum 2:0-Endstand auf.

Unter dem Bundesliga-Urgestein - und Ex-Lautrer - Friedhelm Funkel blühte der Pfälzer endlich wieder auf. 31 Einsätze in der ersten Spielzeit und nach 34 Spieltagen: Aufstieg. Jean Zimmer war in Liga eins angekommen. Endlich. Auch wenn es sich noch ein bisschen zog, bis die Fortuna es geschafft hatte, den Leihkontrakt mit dem VfB in einen Kaufvertrag umzuwandeln.

Das Tor, das ihn in Düsseldorf unsterblich machte

Der Aufsteiger, obwohl als Absteiger Nummer 1 gehandelt, schlug sich prächtig. Angetrieben von einem überragenden Kevin Stöger - 2015 noch Mitspieler Zimmers in Runjaics Beinahe-Aufstiegsmannschaft - schloss die Fortuna diese Erstliga-Saison auf einem fantastischen zehnten Rang ab. Bis zu seinem Außenbandriss am 22. Spieltag stand Zimmer 17-mal in der Startelf.

Und am 18. Dezember 2018 sicherte er sich auf ewig einen Platz im Herzen aller Düsseldorfer Fußballfans. Sein fulminanter Treffer zum 2:0 gegen Borussia Dortmund leitete die erste Niederlage des BVB in jener Spielzeit ein - und wurde später zum "Tor des Monats" gewählt.

» Zum Video: Zimmers "Tor des Monats" gegen Dortmund

Im zweiten Bundesligajahr jedoch tat sich die Fortuna schwer, und die berühmten "Mechanismen des Geschäfts" begannen zu greifen. Ende Januar 2020 wurde Friedhelm Funkel entlassen, Uwe Rösler übernahm - und Jean Zimmer fand fortan wieder auf der Bank seinen Stammplatz. Düsseldorf stieg dennoch ab. Seit Beginn dieser Saison verzeichnet der Pfälzer nur acht von 15 möglichen Zweitliga-Einsätzen (davon fünf in der Startelf), an den jüngsten vier Spieltagen stand er gar nicht mehr im Kader.

Zurück zum FCK: Home is where the heart is

Dass er sich in diesen Tagen nach einer Wechselmöglichkeit umschaute, wundert kaum. Wohl aber, dass er - im nunmehr besten Fußball-Alter von 27 Jahren - in die 3. Liga geht. Neben der tiefen Verbundenheit mit seinem Herzensverein, dessen Heimspiele er auch als Spieler eines anderen Vereins immer mal wieder als Fan besuchte, dürften bei dieser Entscheidung auch familiäre Bande eine Rolle gespielt haben. Jean Zimmer ist vor kurzem Vater geworden, da ist es hilfreich, die Großeltern in der Nähe zu wissen.

Ob die Rückkehr in die Pfalz allerdings von Dauer sein wird? FCK-Sportdirektor Boris Notzon konnte im Leihvertrag bis Sommer immerhin eine Kaufoption einbauen, was positiv hervorzuheben ist. Die Finanzierung eines Spielers dieses Kalibers in der 3. Liga wird aber auch im Sommer eine Herkulesaufgabe darstellen - schon jetzt mussten die regionalen Investoren bei der Umsetzung des Leihgeschäfts mithelfen. Aber erstmal zählt nicht der Sommer, sondern das Jetzt: Zimmer ist rechts auf der offensiven Flügelposition eingeplant. Eine Position, die dem gelernten Rechtsverteidiger nicht fremd ist. Er spielte sie schon öfter, vor allem nach Einwechslungen, nach denen es eine Führung über die Zeit zu bringen galt - da kann Zimmer einer sein, der mit langen Tempoläufen entlastet.

Die zuletzt schwer kritisierte sportliche Leitung des FCK jedenfalls dürfte froh sein, in diesen trüben Zeiten dem ebenso unzufriedenen wie unglücklichen Anhang nun eine Verpflichtung präsentieren zu können, die nicht nur sportlich Einiges verspricht, sondern auch über jeden Zweifel erhaben ist, mit ganzem Herzen FCK'ler zu sein. Und der gegebenenfalls nun auch die nötige Reife mitbringt, der Leader zu werden, den das Team braucht.

Wie Jean Zimmer die Aufgabe wohl anzugehen gedenkt? Das beschreibt am besten wohl ein Zitat, das sich auf seiner Facebook-Seite findet:

"Das größte Vergnügen, das du jemals haben wirst, ist, das zu tun, was andere dir sagen, du könntest es nicht tun."

Quelle: Der Betze brennt

Weitere Links zum Thema:

- Leihe mit Kaufoption: Jean Zimmer zurück beim FCK (Pressemeldung FCK)

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