Neues vom Betzenberg

 

Schommers: "Der ärmste Kerl ist der Videoanalyst"

Seine sechs Jahre als verantwortlicher Trainer in einem Nachwuchsleistungszentrum stellen eine mindestens ebenso wertvolle "Berufserfahrung" dar wie das Arbeiten als Assistent im Profibereich. Dass Pressingspiel des FC Liverpool fasziniert ihn, aber einfach so kopieren lässt es sich in Kaiserslautern nicht. Auf dem Platz so oft wie möglich die spielerische Lösung zu finden, ist weniger ein Anspruch, der sich aus einer "Philosophie" ergibt, sondern aus nüchternen Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Und das sind nur einige seiner Ansichten, die uns Boris Schommers im ersten Teil unseres Interviews verriet. In Teil II sprechen wir nun über seinen Wechsel und seine ersten Wochen beim 1. FC Kaiserslautern.

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Block 4.2: Ihre ersten sechs Wochen am Betzenberg waren nicht einfach für Sie. Die Ergebnisse stimmten noch nicht, der Druck wuchs weiter, so dass auch an Ihnen bereits Zweifel aufkamen. Dennoch haben Sie sich die Zeit genommen, alle Spieler erst einmal unter Wettkampfbedingungen zu testen, dabei auch Profis wiederentdeckt, die aufs Abstellgleis geraten waren. Wenn Sie bereits über Erfahrungen in der Dritten Liga verfügt hätten, wenn Sie einen Teil der Spieler bereits persönlich oder aus Analysen gekannt hätten, hätten Sie diese Findungsphase dann schneller abschließen können?

Schommers:: Das weiß ich nicht. Ich glaube aber nicht, dass ein sogenannter ligaerfahrener Trainer die Sache hier schneller in den Griff bekommen hätte. Wenn eine Mannschaft 80 Prozent ihrer Gegentreffer durch Eigentore, individuelle Fehler und Standardsituationen kassiert, dann hat das nichts mit der mangelnden Ligaerfahrung des Trainers zu tun. Und auch nichts damit, ob Sie in einer 4-4-2- oder 5-3-2-Formation spielen lassen. Da müssen Sie erst einmal an die Psyche der Spieler ran. Und auch dem ein oder anderen die Gelegenheit geben, sich unter einem neuen Trainer zu beweisen. Und alte Gerüste und Strukturen aufbrechen. Das braucht nun einmal eine gewisse Zeit.

Block 4.2: Jetzt steht das Team auf dem Platz sehr stabil, hat vor allem gelernt, sich kompakt in Ballrichtung zu verschieben. Ordentliches Pressing, auch Gegenpressing, war auch unter ihren Vorgängern immer mal zu erkennen, aber nur über kurze Phasen, dann ging der Faden wieder verloren. Unter ihnen wirkt das Team nun insgesamt konzentrierter, noch nicht immer über 90 Minuten, aber über wesentlich längere Zeiträume. Wie haben Sie das hinbekommen?

Schommers:: Ich denke, das ergibt sich aus dem hohen Anspruch, den wir im Training stellen. Wir fordern jeden Tag, in jeder Spielform, von unseren Spielern hohe Aufmerksamkeit. Denn nur, was du Tag für Tag im Training umsetzt, wird dir auch am Wochenende im Spiel gelingen. Und wir coachen laut, sprechen die Spieler immer wieder persönlich an, um ihnen zu zeigen, was sie falsch machen.

Block 4.2: Sie haben auf einer Pressekonferenz mal erzählt, dass Sie auch in Einzelgesprächen auf Videoanalysen setzen…

Schommers:: Ja, seit Kevin McKenna und ich hier arbeiten, ist unser Videoanalyst der ärmste Kerl am Betzenberg… Es hilft nun einmal nichts, wenn Du bei der Analyse in der Teambesprechung sagst, da hat die Viererkette was falsch gemacht - da fühlt sich keiner angesprochen. Wenn du aber dem Spieler, um den es geht, am Tablet zeigst, da hast du gestanden und da hättest du stehen müssen, nimmt er das ganz anders wahr und kann das viel besser für sich selbst reflektieren. Menschen denken nun einmal visuell.

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Quelle und kompletter Text: Block 4.2

Weitere Links zum Thema:

- Teil 1 des Interviews | Schommers: "Immer offen bleiben für Innovationen" (Block 4.2)

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