Neues vom Betzenberg

 

Tragödie: Fritz-Walter-Nachlass wird versteigert

Das Erbe von Fritz Walter, der größten Legende des 1. FC Kaiserslautern und des deutschen Fußballs, kommt im Februar unter den Hammer. Es ist der traurige Höhepunkt eines seit Jahren schwelenden Kampfs um den Nachlass.

Es war eine zunächst nüchterne Meldung, die das Heidelberger Auktionshaus "Kunst und Kuriosa" auf seiner Website veröffentlichte. Der "Memorabilien-Nachlass einer deutschen Fußball-Legende" solle unter den Hammer kommen. Inzwischen ist bekannt: Dabei handelt es sich um das private Erbe von Fritz Walter. Das bestätigte das Auktionshaus dem "Wochenblatt". Die Hinterlassenschaft soll im kommenden Monat versteigert werden.

Der renommierte Sachverständige, Historiker und Experte für Fußball-Memorabilien Hagen Leopold hatte schon im vergangenen Herbst auf entsprechende Gerüchte aufmerksam gemacht und Alarm geschlagen. Er sah die letzte Chance gekommen, den Nachlass des Weltmeisters von 1954 noch irgendwie zusammenhalten und nicht komplett zerfleddern zu lassen. Inzwischen scheint die letzte Möglichkeit verpasst, um die Stücke aus dem Walter-Besitz in die Hände eines zentralen Archivs, einer Stiftung oder eines Museums zu übergeben. Schlimmstenfalls verteilt sich das materielle Vermächtnis im Februar über die ganze Welt und geht in den Besitz vieler Einzelpersonen über.

Immer wieder ausgebremst: Bemühungen gab es seit Jahren

Leopold kämpft seit Jahren darum, den Nachlass zu erhalten und zugänglich zu machen. Die Walters hatten keine Kinder, der Besitz ging nach dem Tod von Fritz im Jahr 2002 in den Besitz eines Privatmanns über. Immer wieder gab es Gespräche und Verhandlungen über den Verkauf der Sammlung. Doch wie so oft bremsten persönliche Eitelkeiten, nicht eingehaltene Versprechen, politische Verstrickungen und letztlich auch die chronische finanzielle Knappheit des FCK alle Bemühungen aus. Das "Wochenblatt" weist beispielhaft darauf hin, dass der Verein vor einigen Jahren die Gelegenheit verstreichen ließ, den Nachlass für einen vergleichsweise kleinen Preis zu kaufen und im Museum auszustellen.

Inzwischen ist gar nicht mehr klar, welche Gegenstände aus dem Walter-Erbe überhaupt noch erhalten sind und nun zur Auktion geboten werden. Es soll sich um rund 1.000 Stücke handeln, die in 300 Positionen angeboten werden. Es ist aber gut möglich, dass wesentliche Teile nicht mehr zur Sammlung gehören und das Erbe schon zerschlagen ist.

Bittere Fußnote: Versteigerung parallel zum Südwest-Derby

Gewissheit besteht erst am 25. Januar, wenn das Heidelberger Auktionshaus den Katalog zur Übersicht veröffentlichen wird. Wenige Tage vor der Versteigerung ist es dann möglich, sich vor Ort einen Eindruck von den Stücken zu verschaffen.

Hagen Leopold arbeitet derweil mit Hochdruck an einer letzten Lösung, bemüht sein Netzwerk und führt viele Gespräche. Er schätzt die Chancen aber als nicht mehr sehr hoch ein, den Walter-Besitz doch noch zusammenzuhalten. Ein kleines Wunder ist nötig, wenn die Auktion am 16. Februar um 14:00 Uhr beginnt - parallel zum FCK-Auswärtsspiel beim Karlsruher SC. Es ist eine ironische, schlimme Fußnote, dass die Roten Teufel in der 3. Liga um Derby-Punkte kämpfen, während im nicht weit entfernten Heidelberg der Nachlass der größten Vereinslegende versteigert wird - ein Jahr vor dem 100. Geburtstag von Fritz Walter.

Choreo in der Westkurve zu Ehren von Fritz Walter

Quelle: Der Betze brennt

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