Willkommen bei Der Betze brennt!




AnmeldenRegistrierenPasswort vergessen?Benutzername vergessen?


Quick-Links:

 

Taktik-Nachlese zum Spiel Fürth-FCK

Die DBB-Analyse: Am Ende greift die Fatalisten-Faustregel

30.10.2025, 14:00 Uhr - Autor: Eric Scherer

In einem in der Schlussphase zunehmend zerfahrenen Pokalfight siegt der FCK mit 1:0 gegen Fürth und qualifiziert sich für die nächste Runde. Weil, wie so oft, das Team den Kürzeren zieht, für das schon die ganze Saison schlecht läuft.

Titelfoto

Im Pokal einen Gegner vor der Brust zu haben, der in den jüngsten beiden Liga-Partien zehn Gegentreffer gefressen hat, mag vielleicht den Anhang zuversichtlich stimmen. Torsten Lieberknecht dürften diese Vorzeichen eher ins Grübeln gebracht haben. Denn der Trainer des 1. FC Kaiserslautern musste davon ausgehen, dass sein Kollege für den Pokal-Auftritt einiges verändern würde, um neue Impulse zu setzen und die negative Kontinuität so gegebenenfalls brechen zu können. Aber was?

Eine erste Antwort bekam er, als er die Mannschaftsaufstellungen bekanntgegeben wurden. Nach dem 1:4 am vergangenen Wochenende in Karlsruhe hatte Thomas Kleine die Startelf seiner SpVgg Fürth auf gleich fünf Positionen neu besetzt. Vier davon betrafen die hinteren Reihen, lediglich eine die vordere: Branimir Hrgota kehrte zurück. Okay, dass die Fürther Ikone dauerhaft auf der Bank Platz nimmt, war auch nicht zu erwarten. Und vorne drückt dem Tabellen-14. ohnehin nicht der Schuh. Mit erzielten 16 Treffern stellt er die siebtbeste Offensive der Zweiten Liga.

Dreierkette und Mann gegen Mann: Fürth macht's wie Lautern



Mit dem Anpfiff war dann zu erkennen: Die Franken setzten hinten wieder auf eine Dreierkette, davor installierten sie mit Marco John und Mathias Olesen eine Doppelsechs. "Wir wollten das Zentrum dicht machen, aber auch die 1:1-Situationen auf außen suchen", erklärte Kleine hinterher. "Und wir wollten die Lautrer Mann gegen Mann anlaufen." Das klingt, als habe er das Konzept kopieren wollen, mit dem der FCK zuletzt recht erfolgreich punktete.

Allerdings ordnete der Gastgeber sein Offensivtrio ein wenig anders an als der Gast: Der eigentlich klassische Zehner Hrgota agierte ungewohnt weit vorne, als bewegliche Spitze, um mit dem von links einrückenden Rechtsfuß Noel Futkeu und dem von rechts in die Mitte ziehenden Linksfuß Felix Klaus Verwirrung in der Pfälzer Dreier-Abwehr zu stiften.

Nach neun Minuten hätte ein solcher Move auch fast geklappt: Hrgota serviert dem aufs kurze Eck gesprinteten Klaus eine flache Linksflanke, die dieser aber übers Tor zieht.

MR7 diesmal offensiver - vorm 1:0 braucht er Schützenhilfe

Lieberknecht dagegen bevorzugte vorne erneut den Zehner mit zwei Spitzen. Im Gegensatz zum jüngsten Liga-Auftritt gegen Nürnberg (1:1) durfte diesmal jedoch Marlon Ritter den offensiveren Part übernehmen, Nataan Skyttä den zurückgezogeneren. Zunächst jedenfalls. Mit Dauer des Spiels orientierte sich der Finne mehr über den rechten Flügel, während MR7 zentraler den Ball forderte, beim Anlaufen aber stets vorne dabei war.

Was bereits in Minute 12 zum Erfolg führte.

Ritter jagt dem jungen Lukas Reich halblinks vorm Fürther Strafraum den Ball ab, flankt - und Skyttä vollstreckt. Das heißt, ganz so glatt lief das nicht ab: Ritters Flanke wird erst dadurch gefährlich, dass sie in hohem Bogen abgefälscht wird. Und der vom Flutlicht geblendete Skyttä drückt erst im zweiten Versuch das Spielgerät über die Linie. Zum Leidwesen von Schlussmann Silas Prüfrock, der sein Pflichtspiel-Debüt bei den Profis gibt.

Für die schon zuletzt schwer gebeutelten Franken bewahrheitet sich in diesem Moment eben einmal mehr des Fatalisten liebste Faustregel: Wenn's mal scheiße läuft, dann läuft's richtig scheiße.

Früh anlaufen ist hui, alles andere pfui

Aus Lautrer Sicht zeigt diese Szene, was an diesem Abend typisch für sie sein wird: Sie sehen dann gut aus, wenn sie den Gegner früh anlaufen, dessen Abwehrspieler inklusive Torwart beherzt bejagen, um das Tor auf kurzem Weg zu suchen, sobald sie Ball erobert haben. Beim Spielaufbau aus den eigenen Reihen, auch aus Umschaltsituationen nach tiefen Ballgewinnen, gelingt wenig bis gar nichts.

Ausnahme: Die Torchance von Faride Alidou kurz vor der Pause. Florian Kleinhansl, der den Vorzug vor Mika Haas erhielt, erobert den Ball in der linken Verteidigerposition, Semih Sahin passt zu Ritter, der flankt diagonal in den Lauf des durchstartenden Alidou. Der Stürmer tankt sich gegen Bewacher Reno Münz durch und scheitert an Prüfrock.

Es fehlt die "gewisse Ruhe am Ball"

Vor anderthalb Wochen hatten die Pfälzer bei ihrem 3:2-Erfolg in Karlsruhe den zweiten und den dritten Treffer nach solchen tiefen Ballgewinnen markiert. Diesmal blieb's bei diesem Ausrufezeichen. Warum? "Uns fehlte heute sehr oft eine gewisse Ruhe am Ball", brachte Coach Lieberknecht es nach dem Spiel auf den Punkt.

Für den Gegner gilt im Prinzip das Gleiche. Auch die Fürther beschwörten die meiste Gefahr herauf, wenn sie früh attackierten. So wie in der 38. Minute, als sich Kleinhansl auf der linken Abwehrseite den Ball von Hrgota abjagen ließ. Der Schwede schickte Klaus halbrechts in den Strafraum, und der drosch das Leder aus spitzem Winkel übers kurze Eck.

Simonis Saisondebüt: Ordentlich, nur am Ende nervös

Nach der Pause machte das Kleeblatt für rund 20 Minuten mal ein wenig heftiger Druck. Philipp Ziereis köpfte ein Klaus-Ecke übers Tor, Hrgota scheiterte an Simon Simoni, der den Vorzug vor Julian Krahl erhalten hatte.

Es war der vierte Pflichtspieleinsatz des 21-Jährigen, der im Januar von der Frankfurter Leihgabe geliehen - wobei der erste nur eine Minute gedauert hatte. Ob er nun regelmäßig als "Pokaltorhüter" eingesetzt wird, um Spielpraxis zu sammeln, ließ Lieberknecht offen. In Fürth machte der Albaner jedenfalls einen ordentlichen Job. Erst in der Schlussphase ließ er sich zu ein paar Ungenauigkeiten hinreißen. Die aber leistete sich in den finalen 25 Minuten so ziemlich jeder, der noch auf dem Platz stand.

Nach hinten raus wird's fahrig

Mit Fabian Kunze ging nach 63 Minuten der Lautrer vom Feld, der in seinem Team noch am ehesten so etwas wie einen Ruhepol darstellte. Nachfolger Afeez Aremu, der den Stamm-Sechser gegen Nürnberg zwar längst nicht so souverän, aber immerhin zweikampfstark vertreten hatte, zog diesmal wiederholt den Kürzeren, wenn's eng wurde. Womöglich wurde er von der allgemeinen Verunsicherung angesteckt.

Denn das Spiel wurde immer zerfahrener, die Ballbesitzphasen auf beiden Seiten zusehends kürzer. Lieberknecht brachte den robusten Innenverteidiger Jan Elvedi für den filigranen Mittelfeldmann Sahin, um den kampfstarken Leon Robinson ins Zentrum vor die Abwehr ziehen zu können. Auch Skyttä operierte in den Schlussminuten aus der Tiefe. Das sorgte wenigstens für ein bisschen mehr Sicherheit.

Und im Ronhof machte sich zunehmend das Gefühl breit, dass es am Ende wohl für das Team schlecht laufen wird, für das es schon die ganze Saison schlecht gelaufen ist - siehe Fatalisten-Faustregel oben. Und so kam es dann auch.

Zerfahren war auch des Schiris Kartenspiel

Signifikant zwei Szenen gegen Ende: In Minute 86 spielt Keeper Prüfrock einen Aufbaupass Richtung rechte Verteidigerseite direkt in die Füße des eingewechselten Daniel Hanslik. Der aber schafft es nicht, den Ball einigermaßen präzise zum ebenfalls eingewechselten Tobias Raschl zu passen, der in der Mitte vollkommen freisteht. Und tief in der Nachspielzeit leistet sich Maxwell Gyamfi vorm eigenen Sechzehner einen irren Fehlpass, der auf der Linkaußen-Position bei Hrgota landet. Der Fürther Kapitän aber flankt ins Nirvana.

Zerfahren wirkte auch das Kartenspiel von Schiri Marc Philipp Eckermann. Er schickte in der 93. Minute den Fürther Omar Sillah mit Gelb-Rot vom Platz. Der Junge war erst drei Minuten zuvor eingewechselt worden. Das Foul, das er sich da geleistet hatte, war in der Tat gelbwürdig, aber die erste Gelbe hatte Sillah gesehen, weil er bei seiner Einwechslung zu früh aufs Feld gelaufen war. Echt jetzt. Auch wenn das Regelwerk dergleichen hergibt, ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl darf's schon sein.

Denn auch sonst offenbarte der unerfahrene Referee aus Winnenden ein geradezu exhibitionistisches Vorzeigeverhalten, was den gelben Karton angeht. Gleich sechs Lautrer wurden verwarnt - und ein reichlich verdutzt dreinschauender Torsten Lieberknecht. Was sich im Augenblick des Sieges aber leicht verwinden lässt.

Lautern in Hälfte zwei mit xG-Faktor 0,14 - noch Fragen?

Zu den Grafiken. Endergebnis nach xGoals: 2,23 : 1,34 für den FCK. Nur für sich betrachtet, lautete es in Hälfte eins: 2,10 : 0,61. In Hälfte zwei: 0,14 : 0,73 zuungunsten des FCK. Ein Beleg dafür, wie zerfahren vor allem das Lautrer Spiel mit zunehmender Spieldauer wurde.

xG-Timeline Fürth-FCK

Die Positions- und Passgrafik des FCK: Ziemlich asymmetrisch diesmal, Kleinhansl (Nr. 3) hält die linke Seite längst nicht so strikt wie Gegenüber Joly (26), Ritter (7) zieht's mehr in die Mitte als Pendant Skyttä (15).

Passmap FCK

Zum Vergleich die Passgrafik des Kleeblatts: Ein ähnliches Bild. Futkeu (9) hält's nicht auf Linksaußen. Als Umschaltstation mittendrin statt nur dabei: John (24).

Passmap Fürth

Forum:   168 Kommentare

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2025/26: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage