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Taktik-Nachlese zum Spiel FCK-FCN

Die DBB-Analyse: Warum ein 1:0 ein "Scheißergebnis" ist

27.10.2025, 14:30 Uhr - Autor: Eric Scherer

Vergangene Woche gewann der FCK in der Nachspielzeit, diesmal kostet sie ihn zwei Punkte. Entscheidend beim 1:1 gegen Nürnberg waren erneut die berühmten Nuancen in einem von beiden Seiten gut anzusehenden Spiel. Wirklich genervt hat nur der VAR.

Titelfoto

Foto: Imago Images

Torsten Lieberknecht war sich hinterher nicht so sicher, ob er tatsächlich das bislang beste Heimspiel seiner Jungs gesehen hatte, wie manche es ihm gegenüber behaupteten. "Es war zumindest nicht schlecht", wog der Trainer des 1. FC Kaiserslautern ab. Sein Nürnberger Kollege Miro Klose dagegen war überzeugt, ein "sehr, sehr gutes Zweiliga-Spiel" hinter sich zu haben. Also was denn nun?

Auf jeden Fall war's spannend. Vor allem ein höchst interessantes Aufeinandertreffen zweier Übungsleiter, die sich gegenseitig zu überraschen verstanden.

Klose verwirrt: Viel Rotation in der Offensive



Rafael Lubach hatte in den jüngsten Partien des 1. FC Nürnberg einen "schwimmenden Mittelstürmer" gegeben, wie Lieberknecht es am Freitag in der Spieltags-PK erklärt hatte. Und wohl deswegen Luca Sirch diesmal nicht halbrechts, sondern ins Zentrum seiner Dreierkette gestellt, da Sirch ein Typ ist, der einem solchen Schwimmer gut ins Mittelfeld folgen kann.

Diesmal aber bot Klose Lubach als halblinken Achter auf. Und ließ Artem Stepanov erstmals seit dem 2. Spieltag wieder in seiner Startelf auflaufen. Der junge Ukrainer ist schon eher der Typ klassischer Mittelstürmer, nur ließ Klose ihn zunächst über links kommen. Im Sturmzentrum war der quirlige Mohamed Ali Zoma unterwegs, der diese Position aber nicht stur hielt, sondern gerne mit seinen Kollegen switchte.

So kamen Sirch und der nach Rot-Sperre zurückgekehrte Maxwell Gyamfi bei den mannorientiert spielenden Lautrern bisweilen ins Rotieren. Gaben sich dabei allerdings kaum Blöße. Die größte herausgespielte Chance bot sich für Nürnberg kurz vor dem Pausenpfiff. Julian Krahl wehrte einen Schuss von Stepanov nach vorne ab, wohin dann doch Lubach mal eben hingeschwommen war. Er jagte den Ball aber übers Tor.

Lautern mit Hanslik und seinen drei Kreativen

Der FCK-Trainer wiederum konnte gar nicht anders, als seinen Kollegen bis vor dem Anpfiff im Unklaren zu lassen, mit welchem Personal er es denn versuchen wollte. Lieberknecht musste bekanntlich Ivan Prtajin, Fabian Kunze und Jisoo Kim wegen Verletzungen und Gelb-Sperre ersetzen. Für Prtajin kam Daniel Hanslik, für Kim Leon Robinson und für Kunze Afeez Aremu. Aber auch Marlon Ritter durfte wieder von Anfang an ran.

"MR7", Semih Sahin uns Naatan Skyttä in einer Startelf? Das lief bislang mindestens für einen der drei Kreativ-Dienstleister nie so richtig rund. Diesmal aber ordnete sie der Trainer ein wenig anders an: Skyttä gab den zweiten Stürmer neben Hanslik, Ritter war der mehr offensiv denkende Freigeist dahinter, Sahin der nicht minder bewegungsfreudige Aufbauspieler.

Da die durch die Medien geisternden Taktik-Schemata diese Rollenverteilung kaum widerspiegeln, sei sie hier durch Heatmaps von "Sofascore" belegt.

Hier Skyttäs Bewegungsprofil:

Heatmap Naatan Skyttä

Also klar zweiter Stürmer, der in der Defensive auf der rechten Seite aushalf. Insgesamt 38 Ballkontakte. Dazu insgesamt 81 Prozent Passquote. Stolze 79 Prozent in Gegners Hälfte. Das ist stark für einen Spieler so weit vorne im Feld. Auch wenn der Finne diesmal nicht unmittelbar vorm Tor gefährlich war.

Das war Sahin, diesmal wieder mit etwas mehr Spielfeld vor sich, was er sich ja nach dem KSC-Spiel öffentlich gewünscht hatte:

Heatmap Semih Sahin

Sahin im Prinzip überall, bietet sich auch den Flügeln an. 84 Prozent Passpräzision, in der gegnerischen Hälfte immerhin noch 72 Prozent. Und 60 Ballkontakte. Das sind Werte, die sich seinen Elversberger Zeiten nähern.

Und so war Ritter unterwegs:

Heatmap Marlon Ritter

Sehr beweglich also, mit leichtem Schwerpunkt rechts offensiv. Insgesamt 36 Ballberührungen, 62 Prozent Passpräzison insgesamt, 61 Prozent in Gegners Hälfte. Das sind nicht ganz so überzeugende Zahlen, aber MR7 sucht meist das riskante Spiel, das mehr Fehlpässe zeitigt. Dafür ist er oft näher am Torerfolg. Auch am Führungstreffer war Ritter maßgeblich beteiligt.

Das 1:0: Lohn für frühes Pressing

Der fiel in der 45. Minute. Ein Zufallsprodukt insofern, als dass der Ball vor Hansliks linkem Fuß landete, nachdem ihn Nürnbergs Tim Drexler Ritter vom Fuß geblockt hatte. Kein Zufallsprodukt insofern, als dass der Aktion ein früher Ballgewinn in Gegners Hälfte vorausgegangen war, wie ihn der FCK zu diesem Zeitpunkt schon mehrmals erzielt hatte. Etwa in der 21. Minute, worauf Paul Joly halbrechts in Schussposition kam und sich FCN-Keeper Jan Reichert strecken musste, um das Leder über die Latte zu lenken.

Den Ball gegen Nürnbergs Zehner Julian Justvan erobert hatte Afeez Aremu. Der strahlte auf der Sechs vielleicht nicht ganz dessen Ruhe aus, präsentierte sich aber jederzeit kampfbereit. Ritter nahm sein Zuspiel auf, marschierte und kombinierte sich fein in den Strafraum, wo das Glück den Torschützen Hanslik ins Spiel brachte.

"Wir wollten viel flanken"

Wie sich die Roten Teufel ihr Spiel vorstellten, war erstmals nach acht Minuten deutlich geworden: Diagonaler Seitenwechsel von Joly auf Mika Haas, der startet links durch, flankt, Hanslik köpft, Reichert hält. Worauf unter den 48.000 Zuschauern auf den Rängen Diskussionen entbrennen, ob Prtajin nicht mehr Wucht hinter diesen Kopfball gebracht und ihn versenkt hätte. Müßig.

"Wir wollten viel flanken, weil wir in der Verteidigung von Flanken eine Nürnberger Schwäche ausgemacht hatten", bestätigte Lieberknecht hinter. Allerdings nahm er mit Haas den Mann, der sich bis dato für die meisten Flanken verantwortlich gezeichnet hatte, nach 38 Minuten vom Feld. Warum das?

Haas sorgte beim Trainer für "ungute" Gefühle

"Eine Gefühlsentscheidung", so der Trainer. Haas habe zwar nach vorne starke Szenen gehabt, aber ebenso seien Nürnberg über diese Seite ein paar Aktionen geglückt, die ihm ein "ungutes Gefühl" bereitet hätten.

In einem Fall hatte sich dieses auch bereits konkret bestätigt. In Minute 11, als Haas den halbrechts im Strafraum durchgebrochenen Drexler touchierte, Schiri Sören Störks Elfmeter pfiff, Justvan bei der Ausführung aber ausrutschte und verschoss.

Eine vertretbare Entscheidung, wie die TV-Bilder bestätigen. Doch blieb einmal mehr rätselhaft, wieso der VAR mehrere Minuten benötigte, um zu entscheiden, dass Störks sich die Szene gefälligst selber am Monitor ansehen soll.

So stand es 1:0 nach einer Halbzeit, in der FCK sich einige Tor-Aktionen von eher geringem xG-Faktor herausgespielt hatte, dabei aber um einiges druckvoller und energischer aufgetreten war als sein Gast. Der wiederum musste mit sich hadern, weil er zwei richtig dicke Dinger versemmelt hatte.

Hälfte zwei: FCN kommt auf, FCK kontert

In Hälfte zwei drehten die Nürnberger spielerisch auf, schraubten ihre Ballbesitz-Anteile auf 54 Prozent hoch. Indes: Vor Krahls Kasten wurden sie nicht wirklich gefährlich, brachten lediglich zwei Versuche aufs Tor.

Das torgefährlichere Team blieb der FCK. Der für Haas eingewechselte Florian Kleinhansl scheiterte mit einem Schuss aus spitzem Winkel an Reichert. Noch näher kam dem 2:0 Ritter mit einem Kopfball nach Kleinhansl-Flanke. Zudem landeten zwei vielversprechende Freistoß-Möglichkeiten von Ritter und dem eingewechselten Richmond Tachie nur in der Mauer.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Bei einigen Konterangriffen verdattelten die Betze-Buben den letzten Pass, bei anderen ließen sie es schon vorher am entschlossenen Vortrag vermissen. Ein Grund dafür, dass Torsten Lieberknecht hinterher Probleme damit hatte, seinen Jungs ihr bestes Heimspiel zu attestieren.

Das VAR-Gedöns nimmt kein Ende, das Spiel schon

Und weshalb ein 1:0 ein "Scheißergebnis" ist, wie der Trainer ebenfalls feststellte, zeigte sich dann in der Nachspielzeit. Einwurf des eingewechselten Robin Knoche in Strafraumhöhe. Fabio Gruber verlängert mit dem Kopf vors Tor, der eingewechselte Jan Elvedi bringt Luka Lochoshvili zu Fall, Storks pfeift abermals Elfmeter. Elvedis Attacke war ja auch strafstoßwürdig, doch was passiert dann? Der VAR benötigt erneut viereinhalb Minuten, um zu überprüfen, oft Lochoshvili eventuell im Abseits stand.

Dies aber ließ sich am Ende nicht hundertprozentig verifizieren, da die dazu notwendige Computertechnik versagt habe, hieß es hinterher. Was für eine Farce. Knoche verwandelt den Elfer souverän. Den "Sky"-Bildern zufolge hing Lochoshvilis rechte Flosse im Moment der Ballabgabe leicht über der vom Computer eingefügten Abseitslinie. Wie sehr man sich als FCK-Anhänger darüber ärgern will, soll jedem selbst überlassen bleiben.

Lieberknecht nimmt's sportlich - Robinson bärenstark

"Vergangene Woche in Karlsruhe hatten wir in der Nachspielzeit das glücklichere Ende für uns, diesmal der Gegner", versuchte der Trainer, es sportlich statt allzu tragisch zu nehmen. Zumal ja ein paar durchaus positive Erkenntnisse bleiben.

Die Roten Teufel haben gezeigt, dass sie auch bei einem Ausfall ihrer Korsettstangen Prtajin und Kunze ein Spiel gewinnen können. Dass sie es nicht getan haben, haben einmal mehr die berühmten Nuancen entschieden, die in dieser ausgeglichenen Liga halt immer entscheiden können.

Was die Vertretung von Jisoo Kim angeht: Da muss der Trainer nun sogar entscheiden, ob Leon Robinson nach diesem Auftritt nicht vielleicht sogar an dem Südkoreaner vorbeigezogen ist. Denn der 24-Jährige lieferte als linker Innenverteidiger bärenstark ab. Als Balleroberer, Zweikämpfer und Nemesis für jeden Gegenspieler, dem er sich an die Fersen heftet.

Starke Defensivleistung gegen die xG-Champs

Zu unseren üblichen Grafiken. Nach xGoals gewinnt Nürnberg augenscheinlich 1,92 : 1,29. Was aber den beiden Elfmetern geschuldet ist. Ohne die würde sich der Wert auf etwa 0,5 einpendeln. Und das darf die Lautrer Hintermannschaft als Erfolg für sich werten, denn die "Glubberer" sind sowas wie Champs im Herausarbeiten qualitativ hochwertiger Torchancen.

xG-Timeline FCK-FCN

Die Positions- und Passgrafik des FCK. Bestätigt die Rolle Skyttäs als zweiter Stürmer (Nr. 15). Zeigt aber auch, wie hoch die Schienenspieler Joly (26) und Haas (22) agierten. Kleinhansl (3) positionierte sich nach seiner Einwechslung ein gutes Stück tiefer.

Passmap FCK

Zum Vergleich die Passmap des FCN: Ganz schön viel Passspiel um Justvan (10). Und Stepanov (11) war eben doch nicht nur Linksaußen, sondern switchte viel mit Zoma (23), so dass ihre beiden Spots am Ende in der Mitte wiederfinden.

Passmap FCN

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