Spielbericht: Waldhof Mannheim - 1. FC Kaiserslautern 1:1

So nah am Derbysieg... 

So nah am Derbysieg... 


Beim Erzrivalen Waldhof Mannheim legt der 1. FC Kaiserslautern einen beherzten Auftritt hin, wird am Ende aber nicht mit einem Sieg belohnt. Nach dem 1:1-Unentschieden im Südwestderby heißt die Realität somit weiterhin: Abstiegskampf.

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Waldhof gegen FCK. Für manche nur eine Fußballpartie, doch für die Region zwischen Mannheim und Kaiserslautern ist es wohl das Spiel der Spiele. Das wurde auch am Samstag wieder deutlich. Schon sehr früh machten sich zahlreiche FCK-Fans auf zum Treffpunkt am Berliner Platz nach Ludwigshafen. Letztendlich hatten sich gegen 10:00 Uhr rund 2.000 Schlachtenbummler in roter Montur dort versammelt, um sich auf das Spiel gegen den Erzrivalen einzustimmen. Nachdem in Ludwigshafen alles friedlich und gediegen verlaufen war, ging es bereits um 10:30 Uhr mit mehreren Zügen Richtung Bahnhof der Mannheimer Eishockey-Arena. Dort standen unter großer Polizeipräsenz Shuttlebusse bereit, die die Gästefans zwar manchmal etwas schleppend, aber doch pünktlich zum Carl-Benz-Stadion brachten. 

Die Fans, die mit dem Auto anreisten, konnten einen extra abgesperrten Teil eines Parkplatzes direkt gegenüber des Stadions ansteuern. Die Polizei zeigte auch dort starke Präsenz und leitete die FCK-Anhänger in Gruppen über die Straße Richtung Gästebereich. Wenn man die Gegebenheiten der Heimspielstätte des SV Waldhof kennt, war diese Möglichkeit wohl die einzig sinnvolle. Alles in allem lief das ganze sehr routiniert und ohne große Probleme ab. Nur ein paar Pöbeleien waren zu vernehmen, mehr nicht. Einen Schaden nahm allerdings der Mannschaftsbus: Aufgrund schlechter Koordinierung seitens der Polizeibegleitung fand sich das FCK-Gefährt plötzlich inmitten eines Pulks von Mannheimern wieder, worauf diese mit reichlich Wurfgeschossen antworteten. Eine Bierflasche zerschepperte dabei eine seitliche Fensterscheibe. Verletzt wurde aber glücklicherweise niemand.

Eingeworfene Scheibe am FCK-Bus - Enger Gästeeingang als Nadelöhr

Am Stadion angekommen entpuppte sich der enge Eingang zur Westtribüne als Nadelöhr. Nach der Kartenkontrolle, die am Zugang zu dem engen Gang stattfand, standen die FCK-Fans förmlich Arm an Arm am Einlass. Umso weiter es nach vorne ging, desto enger wurde es. Für Personen mit Platzangst eher nicht so schön. Zumal bei der Personenkontrolle einzig ein Tor geöffnet war und es eher schleppend voran ging. Trotzdem war den Fans, die nahezu komplett das ausgerufene Motto "Alle in Rot" befolgt hatten, die Vorfreude auf die Partie anzumerken. Und so ging es dann gemeinsam auf die Tribüne. Gegen 12:30 Uhr fielen die mitgereisten FCK-Fans unter lauten "Hurra, Hurra, die Lautrer sind da" dort förmlich ein, begleitet von einigen Böllern und anderer Pyrotechnik.

Lautstarke Derbystimmung schon weit vor Spielbeginn


 
Vor dem Gästeblock hatte es vorher nochmal kurz Unruhe gegeben, als einige Waldhöfer mal kurz vorbeischauen wollten. Die Polizei unterband dieses Vorhaben aber recht zügig. 90 Minuten vor dem Anpfiff war die Stimmung unter den rund 4.000 mitgereisten Anhängern der Roten Teufel schon sehr gut. Spätestens zum Warmmachen der Mannschaften setzten beide Fanlager ein erstes Ausrufezeichen in Sachen Lautstärke. Da könnten viele Kurven der ersten beiden Ligen sicher nur schwer mithalten. Kompliment! Während die Waldhof-Profis sich vor dem Gang in die Kabine nochmal im Kreis einschworen, machten sich die FCK-Spieler zusammen mit ihren Anhängern gegenseitig heiß. Zudem drückte der Gästeblock per Spruchband seinen Dank an den überraschend freigestellten Publikumsliebling Gerry Ehrmann aus: "Danke für 36 Jahre FCK, Gerry!"

Alles war angerichtet! Die eindrucksvolle rote Wand war bereit! Auch die Heimkurve zeigte während der 90 Minute einige Spruchbänder. Um diese mal so zusammenzufassen: Beleidigen können sie, die Waldhöfer. In Hoffenheim wäre die Partie wohl sicher mehrmals unterbrochen worden, aber das hier war halt das Südwest-Derby.

Choreo und Rauchbomben zum Intro - und leider auch Böller

Während der Waldhof-Block zum Einlaufen der Mannschaften eine zweiteilige Choreo zeigte, gab es im Gästeblock eine große Pyroshow mit rot-weißen Rauchbomben. Leider auch mit Böllern und Raketen, die auf den Platz geschossen wurden. Die Partie begann mit einigen Minuten Verspätung. Die Lautrer starteten besser ins Spiel und hatten gleich eine ganze Serie von Eckbällen. Doch der schnelle Führungstreffer wollte nicht gelingen, auch weil Waldhof-Keeper Timo Königsmann nach sieben Minuten einen Schuss von Kevin Kraus noch an den Pfosten lenken konnte. Mit zunehmender Spieldauer waren die Gastgeber dann besser im Spiel. Die FCK-Mannschaft, in der Hikmet Ciftci den gesperrten Janik Bachmann vertrat und Manfred Starke für Hendrick Zuck spielte, ließ sich nun immer weiter hinten rein drängen. Die Lautrer schafften bis zur Pause nur noch wenig Entlastung, aber der Waldhof spielte sich keine großartigen Torchancen heraus und so ging es mit 0:0 in die Kabine. Man merkte jetzt an der Stille im Stadion: Beide Fanlager mussten sich von der stimmungs- und emotionsgeladenen ersten Halbzeit erst einmal erholen.

Pyro in beiden Lagern: Teams müssen zurück in die Katakomben

Auch die zweiten 45 Minuten begannen mit leichter Verzögerung. Weil diesmal in beiden Fankurven Pyrotechnik gezündet und auch wieder geworfen wurde, schickte Schiedsrichter Tobias Reichel die Mannschaften erstmal zurück in die Kabine. Im Lautrer Block wurden geschätzt über hundert Bengalos abgebrannt. Nachdem sich der Rauch verzogen hatte, konnte es aber nach fünf Minuten weitergehen. 

Der Waldhof war weiter die spielbestimmende Mannschaft, schaffte es aber nicht wirklich, die dicht gestaffelte Lautrer Abwehr auszuspielen. FCK-Coach Boris Schommers reagierte schnell und wechselte in der 56. Minute Hendrick Zuck ein. Der früh gelbverwarnte Manfred Starke musste den Platz verlassen. Starke hatte in Halbzeit 1 seinen Gegenspieler ziemlich derbylike weggeflechst. 

Hendrick Zuck sorgt für völlige Ekstase im FCK-Block

Und nachdem Königsmann einen Schuss von Philipp Hercher noch entschärfen konnte, war es nach 73 Minuten dann soweit. Ausgerechnet der eingewechselte Zuck brachte seine Farben in Führung. Der starke Florian Pick hatte vorbereitet, Völlige Ekstase im Gästeblock, Freudenfeuer, wildfremde Menschen lagen sich in den Armen! Sollte hier heute die Sieglosserie des FCK endlich beendet werden? Ausgerechnet im Derby gegen den verhassten Nachbarn aus Mannheim? 

Nein. Denn die Roten Teufel konnten nun kaum noch für Entlastung sorgen und so segelte in der Schlussphase eine Ecke nach der anderen in den Strafraum der Gäste. Drei Minuten vor Schluss stand dann Waldhofs Marco Schuster nach einer unglücklichen Kopfballverlängerung des erst drei Minuten zuvor in die Partie gekommenen Lucas Röser frei und setzte den Ball sehenswert ins Lautrer Tor. Pure Freude auf der einen, Entsetzen auf der anderen Seite. Der Waldhof drängte nun gar noch etwas mehr auf den Siegtreffer, doch dieser fiel zum Glück nicht mehr. 

Nach dem Abpfiff gab es nochmal kurz chaotische Szenen, als ein kleiner Teil aus beiden Fankurven auf den Platz stürmte. Nach nichtmal 30 Sekunden hatte die Polizei aber beide Parteien schon wieder zurückgedrängt, so dass nichts Großartiges passierte. Ansonsten behielten die Beamten ihre bereits vor dem Spiel angewandte Strategie bei und sperrten vor dem Stadion immer wieder kurzzeitig die Straße für die Heimfans, so dass sich die per Auto angereisten wie auch die mit dem Zug gekommenen Anhänger der Lautrer schnell auf den Heimweg machen konnten. Am Abend sprach die Polizei angesichts der hohen Brisanz von einem erfolgreichen Einsatz und zog ein positives Resümee.

Lautern verpasst den Derbysieg und verharrt im Abstiegskampf

Insgesamt ein mehr als unglückliches Unentschieden für den FCK, der von den wenigen Chancen im Spiel die besseren hatte. Nach dem siebten sieglosen Liga-Spiel in Folge heißt die Realität nun endgültig wieder Abstiegskampf.

Quelle: Der Betze brennt | Autor: Flo

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- Stimmen zum Spiel | Schommers: "Hätten drei Punkte verdient gehabt" (Der Betze brennt)
- Blick in die Kurve | Viel Rot, viel Pyro: Hitziges Derby in Mannheim (Der Betze brennt)

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