Spielbericht: 1. FC Kaiserslautern - Preußen Münster 1:1

Zurück auf dem Boden der Tatsachen

Zurück auf dem Boden der Tatsachen


Der 1. FC Kaiserslautern verpasst auch gegen Preußen Münster den ersten Sieg im neuen Jahr. Kurz vor dem Ende des wenig mitreißenden 1:1-Unentschiedens ist der Geduldsfaden bei vielen Lautrer Fans fürs Erste gerissen.

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Es läuft bereits die Nachspielzeit, als viele der 18.332 Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion nochmal richtig aus dem Sattel gehen. Leider ist die laute Geräuschkulisse keine Reaktion auf ein packendes Spiel ihrer Roten Teufel, sondern vielmehr die Quittung für das in diesem Moment einmal mehr träge Aufbauspiel. Querpass, Querpass, Rückpass zum Torwart: So kann der erste Sieg im neuen Jahr auch im vierten Anlauf nicht mehr gelingen.

Mit dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Harm Osmers wenige Augenblicke später wiederholt sich das Schauspiel der Pfiffe und Unmutsbekundungen noch einmal etwas heftiger. Nichts, das man nicht schon unzählige Male auf dem Betzenberg gesehen und gehört hätte. Aber eben doch ein Stimmungsbild, das nicht so recht zur beschworenen Aufbruchstimmung der vergangenen Wochen passen mag. Als die gefrustete Mannschaft zur Westkurve geht, bekommt sie von den verbliebenen FCK-Anhängern aber auch noch ein paar aufmunternde Worte zurück.

Schwächste Leistung seit dem Jahreswechsel

Tatsächlich zeigt das Team von Trainer Boris Schommers an diesem Samstag ihre bis dahin schwächste Vorstellung seit dem Jahreswechsel - die deutlich verlorene zweite Halbzeit gegen den Erstligisten Düsseldorf im Pokal einmal außen vor. Klar sind die Lautrer gegen die von Sascha Hildmann bei seiner Rückkehr auf den Betzenberg ultradefensiv gestaffelten Preußen deutlich feldüberlegen, so richtig zwingend sind das Spiel und die Chancen der Gastgeber trotz zweier Treffer ans Aluminum aber nicht.

Zuerst in Führung geht dann auch der Tabellen-Drittletzte aus Westfalen durch Luca Schnellbacher, der nach einem Bock von Janik Bachmann aus rund 20 Metern links unten einschießt. Während die rund 700 mitgereisten Münster-Fans nach ihrer kleinen Pyroshow zum Anpfiff im Gästeblock zum zweiten Mal steil gehen, schwant dem ein oder anderen FCK-Anhänger womöglich in diesem Moment schon, dass es mit dem ersten Dreier 2020 wieder nichts werden könnte. Zumal die durch den krankheitsbedingten Ausfall von André Hainault sowie die Verschnaufpause für Dominik Schad neuformierte Abwehr nicht in allen Situationen ganz sattelfest wirkt.

Bevor die allergrößten Sorgen aufkommen können, zahlt sich auf der anderen Seite des Balles zumindest eine andere personelle Umstellung aus. Simon Skarlatidis, der den aufgrund seiner im Pokal erlittenen Gehirnerschütterung fehlenden Timmy Thiele vertritt, verarbeitet einen verzogenen Distanzschuss von Carlo Sickinger technisch gekonnt, bedient Christian Kühlwetter, der schließlich keine Mühe hat, mit seinem achten Saisontreffer den schnellen Ausgleich zu markieren.

Zweimal Latte vorne, hinten retten Grill und der Pfosten

Unmittelbar vor der Halbzeitpause klären die Münsteraner noch einen Ball kurz vor der Linie. Nach Wiederbeginn streichelt ein Abschluss von Florian Pick die Querlatte. Trotzdem hat man nicht unbedingt das Gefühl, als würde die eigene Führung in der Luft liegen. Die Stimmung ist entsprechend. Der große Push von den Rängen will an diesem Nachmittag nicht kommen. Einmal stimmt sich die Westkurve stattdessen schon auf das in drei Wochen steigende Derby in Mannheim ein.

Die mit Abstand größte Möglichkeit zum 2:1 soll aber noch kommen. Nach etwas mehr als einer Stunde fällt Hendrick Zuck nach einem missglückten ersten Schussversuch der Ball optimal vor den Schlappen. Besser geht es eigentlich nicht, allerdings trifft auch der Routinier aus vier Metern lediglich die Latte. Wer solche Chancen nicht macht, kann eben nur schwer gewinnen. Vor allem wenn es die mit Abstand größte für den FCK in diesem Spiel ist. Hinten müssen die Lautrer bei einer weiteren Gelegenheit für Schnellbacher sogar noch einmal kurz den Atem anhalten, ehe Lennart Grill das Geschoss mit den Fingerspitzen gerade noch so an den Pfosten lenkt.

Zurück im Tabellen-Niemandsland

In der Schlussviertelstunde sind die Roten Teufel zu allem Überfluss auch noch ein Mann weniger, nachdem der eingewechselte Hikmet Ciftci nach einer Notbremse die Rote Karte sieht. Das numerische Kräfteverhältnis hält die Preußen nicht davon ab, den einen Zähler mit Mann und Maus sowie ständigen Verzögerungen weiter zu verteidigen. Weil ganz am Schluss auch den Lautrern nicht mehr viel einfällt, bleiben nach dem Abpfiff vor allem die eingangs beschriebenen Reaktionen zurück.

Mehr als dem Spiel sind sie wohl der Erkenntnis geschuldet, dass in dieser Saison trotz der Siegesserie aus dem November und Dezember vermutlich nicht mehr viel zu retten ist. Knapp zwei Wochen nach dem Auftakt ins neue Jahr stehen die Roten Teufel wieder da, wo sie schon weite Teile der Vorrunde verbracht haben: im Niemandsland der 3. Liga.

Autor: Ingo

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