Spielbericht: MSV Duisburg - 1. FC Kaiserslautern 3:1

Zum Abwinken

Zum Abwinken


Die Bilder gleichen sich: Auch beim keineswegs unschlagbaren MSV Duisburg gerät der 1. FC Kaiserslautern früh in Rückstand und muss ohne Punkte die Heimfahrt antreten. Nicht nur für die mitreisenden Fans sind die Lautrer Auswärtsspiele derzeit eine Tortur.

- Fotogalerie | Fanfotos: MSV Duisburg - 1. FC Kaiserslautern
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Direkt neben dem Stadion hätte man es sich an einem Imbiss so schön machen können. Bier für 1,50 Euro und Currywurst mit Pommes für 3,80 Euro. So billig kommt man als FCK-Fan selten weg. Vor dem Spiel traf man dort auch auf viele bekannte Gesichter: Lautern auswärts - man kennt sich, man schätzt sich. Was auch schnell zu spüren war: Die Vorfreude auf die anstehende Partie im Wedaustadion hielt sich in Grenzen, die Hoffnung auf drei Punkte ebenso. "Ich fahre eigentlich nur noch wegen der Leute (der FCK-Fans; Anm. d. Red.) mit", ein Spruch, der schon vor dem Anpfiff mehrmals zu hören war. Die vergangenen Monate haben die Anhänger des FCK geprägt.

"Mit euren Leistungen (v)erspielt ihr euch unseren Rückhalt!"

Untermalt von rot-weißen Fahnen und Blinkern rund um den Block wurde beim Einlaufen beider Teams ein großes Spruchband präsentiert: "Mit euren Leistungen erspielt ihr euch unseren Rückhalt!" Dieses Motto war angelehnt an den Lautrer Fanprotest vor zwei Wochen gegen Jena, als die halbe Westkurve sich leerte und auf die Südtribüne wechselte. Auch die Heimkurve zeigte zum Intro mit Blockfahne und Spruchbändern eine kleine Choreographie mit antirassistischem Fußball-Motiv.

Die Erwartungen der rund 1.300 mitgereisten FCK-Fans waren also eh schon begrenzt und nach elf Minuten lagen die Roten Teufel auch gleich wieder zurück. Janek Sternberg und Florian Pick spielten auf der linken Lautrer Seite den Begleitservice für den an diesem Tag starken MSV-Angreifer Leroy-Jacques Mickels, der in aller Seelenruhe den Ball in den Strafraum flanken durfte. Der nur 1,77 Meter große Lukas Daschner konnte im Strafraum unbedrängt einköpfen, weil sich das Innenverteidiger-Duo Kevin Kraus und Gino Fechner auch irgendwie nicht einig war.

Der anfangs noch recht gute Support im Gästeblock verstummte erstmals und irgendwie wussten die meisten, was nun kommen würde. Nach 24 Minuten war es wieder Daschner, der durchs Mittelfeld spazieren durfte und MSV-Torjäger Moritz Stoppelkamp versenkte die Kugel unhaltbar für Lennart Grill zum 2:0 für die Zebras. Erste Fans dachten wohl nun an ihre Gesundheit und holten sich lieber mal etwas zu essen und zu trinken. Man sah nun wieder die mittlerweile leider gewohnten Bilder: Abwinken, Kopfschütteln und Fassungslosigkeit.

Erst keine Leistung, dann kein Support

Mit dem 0:2 zur Pause war der FCK noch gut bedient, denn Grill hielt mehrmals glänzend. Das Umschaltspiel der Roten Teufel war viel zu behäbig und wenn man doch mal nach vorne kam, vergab Christian Kühlwetter leichtfertig. Und ja, wer dachte, dass die Lautrer nach Wiederbeginn ein anderes Gesicht zeigen würden, der wurde erneut enttäuscht. Denn nach 52 Minuten entschied Mickels die Partie endgültig, als er Fechner im Zweikampf wie einen Schulbuben aussehen ließ. In der Heimkurve und auf der Gegentribüne hatten es sich auch einige mit den MSV-Anhängern befreundete Mainzer breit gemacht, diese hatten natürlich gut lachen. Andererseits könnten sie auch mal überlegen, wie man gegen so eine Mannschaft aus dem DFB-Pokal ausscheiden konnte. Naja.

Die Stimmung im Gästeblock war nun jedenfalls endgültig am Ende, aber die Fans waren nicht unvorbereitet: Hinter dem an den Spielbeginn angelehnten Spruchband "Mit euren Leistungen verspielt ihr euch unseren Rückhalt!" wurde es nun phasenweise mucksmäuschenstill. Man ließ es jetzt über sich ergehen. Verständlich! Einige Anhänger hatten sich nach dem dritten Gegentreffer sogar schon auf den rund 300 Kilometer weiten Heimweg gemacht.

Maskenmann Thiele nach Einwechslung als Lichtblick

Die Gastgeber nahmen nun ein wenig das Tempo aus der Partie. FCK-Trainer Boris Schommers korrigierte seine Aufstellung. Die nahezu unsichtbaren Christoph Hemlein und Antonio Jonjic mussten Simon Skarlatidis und Timmy Thiele weichen. Interessant: Keines seiner bisherigen zehn Saisonspiele hat Kapitän Hemlein über 90 Minuten (eine Einwechslung, neun Auswechslungen) absolviert. Der wegen seines Nasenbeinbruchs als Maskenmann auflaufende Thiele hatte mehr Durchblick als manche seiner Kollegen und brachte zumindest ein wenig Schwung am rechten Flügel. Nach 73 Minuten nutzte er einen Fehler in der MSV-Abwehr zum Anschlusstreffer. Die noch anwesenden Fans konnte nicht mal mehr dieser mehr animieren. Mit "verhalten" wäre der "Torjubel" auf dem Spielfeld und im Gästeblock noch beschönigend beschrieben.

Ja, der FCK hätte in der Folge noch einen Foulelfmeter bekommen müssen und war etwas besser in der Partie. Insgesamt werden Leistungen wie die in Duisburg aber natürlich nicht reichen, um mal wieder ein Spiel gegen einen Gegner zu gewinnen, der nicht mit einem Punkt abgeschlagen Tabellenletzter ist. Außer in Großaspach hat der FCK zudem in dieser Saison in jedem Auswärtsspiel dieser Saison mindestens drei Gegentore (!) kassiert.

Immerhin kam die Mannschaft diesmal im Gegensatz zur 1860-Pleite nach dem Spiel an den Gästeblock und holte sich berechtigte Pfiffe und Kritik ab. Nach einer kurzen Ansprache (Tenor: "Ist das euer Ernst? Es geht um die Existenz des Vereins!") durch die Fans in den vorderen Reihen verließen sie dann den Platz Richtung Kabine. Die Bilder gleichen sich mittlerweile nach nahezu jedem Spiel. Es macht einfach keinen Spaß mehr...

Autor: Flo

Weitere Links zum Thema:

- Stimmen zum Spiel | Schommers hadert mit den individuellen Fehlern (Der Betze brennt)
- Blick in die Kurve | "Ihr verspielt unseren Rückhalt" (Der Betze brennt)

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