Rezension: Buch "Eigentlich bin ich ein super Typ"

Mario Basler: Das Großmaul mit dem Zauberfuß

Mario Basler: Das Großmaul mit dem Zauberfuß


Die Meinungen über Mario Basler gehen weit auseinander - nicht nur bei den Fans des 1. FC Kaiserslautern, bei dem er einstmals seine Bundesliga-Karriere startete und beendete. Für Der Betze brennt hat sich Eric Scherer die neu erschienene Biographie des gebürtigen Pfälzers durchgelesen und ist dabei über manche Anekdote gestolpert.

Wenn seine eigene Theorie stimmt, wird jetzt die Hälfte aller Leser die Augen verrollen, wenn sie diesen Buchtitel liest, die andere Hälfte aber wird vor Vorfreude aufjauchzen: "Eigentlich bin ich ein super Typ", hat Mario Basler seine Autobiografie genannt, die in diesen Tagen in den Handel kommt. Eine Zeile, die zu dem Pfälzer mit dem übergroßen Ego passt wie so mancher seiner Freistöße ins Tordreieck, und die seiner Meinung nach entweder nur gehasst oder geliebt werden kann, wie alles an ihm: Denn er sei nun einmal einer, der polarisiert, einer, zu dem man einfach keine neutrale Meinung haben könne, hat Basler erkannt. Der 1. FC Kaiserslautern, bei dem "Super Mario" seine Karriere startete und beendete, kommt natürlich auch im Buch vor, spielt allerdings nur eine Nebenrolle. Aber muss das in einem Buch, in dem Mario Basler vorkommt, nicht zwangsläufig jeder?

"Langsam trabe ich vom Rasen, drehe an der Uhr und genieße den Applaus von den Rängen. Ich weiß es, die 90.245 wissen es, Hitzfeld weiß es: Der beste Mann geht vom Platz." Welcher Fußballprofi außer "Super-Mario", Stefan Effenberg vielleicht ausgenommen, könnte mit so viel Liebe über sich und zu sich selbst schreiben?

Im Einleitungskapitel seiner Autobiographie schildert Basler das legendäre Champions-League-Finale zwischen Bayern München und Manchester United im Jahr 1999. Die Bayern führen 1:0, erzielt hat den Treffer wer wohl? Natürlich der gleiche, der auch schon das Halbfinale gegen Dynamo Kiew für die Seinen entschieden hat, und zwar mit einem absoluten Traumtor. Und der sich zuvor im Viertelfinale auf dem Ball tänzelnd zur Hassfigur aller FCK-Fans gemacht hatte. Basler halt. Doch jetzt, in der 89. Minute, wird der beste Mann ausgewechselt, und was passiert, im Nachhinein darf man wohl sagen: zwangsläufig? Die Bayern verlieren noch, 1:2 heißt es nach drei Minuten ohne Basler.

"Fußballprofi, Fernsehexperte und Entertainer"

Um fair zu bleiben: Nein, "Eigentlich bin ich ein super Typ" geht nicht über die vollen 224 Seiten in diesem Stil weiter. "Super Mario" kann es auch zurückhaltender, kann auch reflektieren, auch wenn er dies am liebsten über sich selbst tut. Eigentlich ledert der "ehemalige Fußballprofi, Fernsehexperte und Entertainer" (Verlagstext) sogar weniger heftig ab als erwartet. Über Erich Ribbeck, den Bundestrainer, der ihn einst schmähte, sagt er, er sei der "schlechteste Trainer" seiner Karriere gewesen, und den ehemaligen Lautern-Boss René C. Jäggi bezeichnet er an einer Stelle als "unsäglichen" Charakter. Das sind aber auch schon die schlimmsten verbalen Grobheiten, die sich im Buch finden.

Das ist vermutlich weniger einer frühen Altersmilde des nunmehr 50-Jährigen geschuldet, sondern eher auf die erfahrene Hand des Journalisten Axel Raack zurückzuführen, der als Baslers Co-Autor fungiert. Der ehemalige "11 Freunde"-Redakteur ordnet die Lebenserinnerungen des gebürtigen Vorderpfälzers immer wieder in einen fußballgeschichtlichen Zusammenhang ein, so dass das Buch über weite Strecken absatzweise von der "Ich"- in die "Er"-Form springt.

Als "König Otto" Basler vor der Toilette auflauerte

So dürfen wir Basler auf seinem Weg begleiten, der ihn in den 1980er Jahren zunächst aus seiner Heimatstadt Neustadt an der Weinstraße auf den Betzenberg führt. Als der damalige FCK-Manager Reiner Geye dem bei den A-Junioren gereiften Talent ein Angebot zur Weiterbeschäftigung macht, "das keines war", zieht er aber bald schon weiter, zunächst zu Rot-Weiß Essen, dann zu Hertha BSC in die 2. Bundesliga.

Bis ihm eines Tages vor der Herrentoilette ein Mann auflauert, einen Zettel mit einer Telefonnummer zusteckt und ihm zuraunt: "Ruf mich an." Dergleichen kann bekanntlich böse enden, doch Basler erkennt in der Gestalt den Fußballtrainer Otto Rehhagel. Nach dem ersten Gespräch ringt der damalige Trainer von Werder Bremen Basler das Versprechen ab, zu ihm an die Weser zu wechseln. Dieses bricht der Umworbene auch nicht, als ihm der dicke Calmund aus Leverkusen ein paar Wochen später ein Angebot fürs dreifache Gehalt macht. Mario ist nämlich ein Supertyp.

Erfolge in Bremen und Bayern, dann zurück in die Pfalz

In Rehhagel findet Basler den fußballerischen Ziehvater, unter dem er endgültig zum Ausnahmespieler reift, da dieser dem trinkfreudigen Kettenraucher Privilegien zugesteht und Einsprüche von Mitspielern gegen diese Ungleichbehandlung einfach wegfegt. So viel Deckung von oben hat Basler zuvor in Berlin nicht genossen und wird sie auch später in München nicht mehr erleben, weswegen er wiederholt zum Mobbingopfer wird - zumindest empfindet er das so. Dabei liebt er es doch nur zu leben, wie andere es auch tun, nur sieht er nicht ein, dass er als Fußballprofi damit hinterm Berg halten soll...

Nachdem er in München seiner Erinnerung nach nur deswegen abserviert worden ist, weil er wagte, einen Vertrag aufs Lebenszeit abzulehnen, den ihm der Bayern-Funktionär Karlheinz Rummenigge im Rahmen eines Besäufnisses nach dem verlorenen Champions-League-Finale anbot, landet der Protagonist wieder in Kaiserslautern, wo er erneut auf seinen Lieblingstrainer Rehhagel trifft, so dass er die letzten Tage der legendären Lautrer "Ottokratie" aus nächster Nähe erlebt.

"Grüppchenbildung" läutet Niedergang des FCK ein

Dass er mit seinem Ziehvater mitleidet, als dieser nur drei Jahre nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft am Betzenberg demontiert wird, ist verständlich. Basler erlebt anschließend eine Saison mit dem Duo Andy Brehme/Reinhard Stumpf auf der Trainerbank, die immerhin noch ins Halbfinale des UEFA-Cups führt, und gerät in der folgenden Spielzeit, unter Erik Gerets, aufs Abstellgleis.

Interessant: Für den Niedergang des Klubs, der sich in diesen Jahren abzuzeichnen beginnt, macht Basler nicht, wie allgemein üblich, den "Größenwahn" verantwortlich, der die Verantwortlichen nach dem Titelgewinn 1998 gepackt haben soll. Für ihn war's die "Grüppchenbildung", die es unter anderem nicht erlaubte, nicht nur ihm, sondern auch dem französischen Weltmeister Youri Djorkaeff die Privilegien einzuräumen, die Ausnahmekönnern zugestanden werden sollten.

"Auf der einen Seite die Aufsteiger und Meistermacher, die sich für das eigentliche Gerüst des Klubs hielten, auf der anderen Seite die Neulinge wie Youri, ich, auch ein Altgedienter wie Harry Koch", analysiert Basler. "Das führte leider bald zu Eifersüchteleien und Intrigen, die in Kombination mit der späteren Vereinsführung unter dem unsäglichen René C. Jäggi den Anfang vom Ende dieses großen Vereins einläuteten." Andere machten damals freilich Basler selbst für die Unruhe in der Mannschaft verantwortlich, die er zusammen mit seinem Schwager und Spielerberater Roger Wittmann verursacht haben soll.

Berti sagt: Basler musste einfach Basler sein

Auf seiner anschließenden letzten Karrierestation in Katar ist es Basler dann so langweilig, dass er sogar regelmäßig und pünktlich zum Training erscheint. Natürlich kommen im Buch viele Weggefährten zu Wort, die die fußballerischen und charakterlichen Qualitäten in höchsten Tönen loben.

Zu den differenzierteren Betrachtungen, die sich hin und wieder finden, zählt auch eine des ehemaligen Bundestrainers Berti Vogts: "Mario hatte vom Herrgott ein tolles Geschenk mit in die Wiege gelegt bekommen. Ihn mit dem Ball am Fuß zu beobachten war eine große Freude. Er war das reine Talent, ein begnadeter Techniker mit einer unglaublichen Geschwindigkeit im Spiel. Aber ihm fehlte der absolute Wille, es nach ganz oben zu schaffen", urteilt der "Bundes-Berti", der, im Gegensatz zu Nachfolger Ribbeck, es öfter mit Basler versuchte. "Mit der Mentalität eines Matthias Sammer wären bei Mario vermutlich noch 40 Prozent mehr drin gewesen. Allerdings wäre er dann auch nicht mehr der Super Mario gewesen, der so viele Jahre in der Bundesliga und in der Nationalmannschaft begeisterte. Er brauchte es für sein Spiel, seine Kreativität, Mario Basler sein zu dürfen. Ein mit allen Freiheiten ausgestatteter Ausnahmekönner, der auch mal zu spät zum Training kommt, die Nacht durchmacht oder im Spiel die Drecksarbeit von anderen erledigen lässt."

Was kommt nach "Basler ballert"? Super Mario, der Film?

Dem Trainerjob, in dem sich Basler nach seiner aktiven Zeit versucht - unter anderem coacht er zwei Jahre Eintracht Trier - ist keine lange Erfolgsgeschichte beschieden. Er erkennt, dass ihn ein finanziell einigermaßen konsolidierter Klub, in dem sich mittelfristig etwas entwickeln ließe, nie verpflichten würde, weil ihm sein Luftikus-Image zu sehr nachhängt - und wird Entertainer. Mit seinem Bühnenprogramm "Baser ballert" tourt er seit geraumer Zeit durch Deutschland.

Somit ist die Autobiographie "Eigentlich bin ich ein super Typ" im Grunde nur ein weiteres Glied in der Verwertungskette der Marke "Mario Basler". Wie das nächste aussehen soll, wird im Buch bereits angekündigt: eine Verfilmung. In der Hauptrolle: Mario selbst, da es ohnehin keinen gäbe, der ihn überzeugend spielen könnte.

Ein Witz? Wär's wahrscheinlich, wenn es sich nicht um Mario Basler handeln würde. Schade nur, dass passende mögliche Titel bereits von Jean-Paul Belmondo oder Adriano Celentano belegt sind, etwa "Das As der Asse", "Der Größte bin ich" oder "Der Supertyp." In dieser Liga jedenfalls würde "Super Mario" sich sicher wohl fühlen.

Mario Baslers Biographie "Eigentlich bin ich ein super Typ", erschienen bei Edel Books, umfasst 304 Seiten und ist für 18,95 Euro (E-Book: 14,99 Euro) u.a. bei Amazon erhältlich.

Autor: Kohlmeyer

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