Im Blickpunkt: Trainerwechsel beim 1. FC Kaiserslautern

Neuer FCK-Trainer: Das ist Sascha Hildmann

Neuer FCK-Trainer: Das ist Sascha Hildmann


Der 1. FC Kaiserslautern wird am Donnerstag Sascha Hildmann (46) als neuen Trainer präsentieren. Der gebürtige Lautrer hat sich in den vergangenen Jahren aus dem Amateur- in den Profibereich hochgearbeitet.

"Sascha Hildmann ist einer, der ganz viel mit den Jungs redet. Der steht permanent an der Seitenlinie, der kann gar nicht anders." Das 1:1 zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Sonnenhof Großaspach am 2. Spieltag dieser Saison ist ein paar Minuten alt, als im kleinen, holzvertäfelten Presseraum des Aspacher Stadions das Gespräch auf den Dorfklub-Trainer kommt. Einer der wenigen Journalisten, der den Heimverein beobachtet und den tagtäglichen Kampf der SGS um den Klassenerhalt eng begleitet, spricht voller Anerkennung von Hildmann. "Der Sascha ist immer engagiert."

Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnt: Rund zwei Monate später wird Hildmann seinen Job in Großaspach verlieren. Zu viele Unentschieden, keine Weiterentwicklung, kaum Offensivkraft - die SGS zieht überraschend die Notbremse. Erst recht ahnt an diesem heißen Sommertag aber niemand: Vier Monate später wird Hildmann beim FCK als neuer Cheftrainer vorgestellt.

Kapitän der zweiten Mannschaft beim FCK

Hildmann und der FCK, das ist eine Geschichte der Sorte "Ein Leben lang". Aufgewachsen in Enkenbach-Alsenborn, wechselt der Abwehrspieler schon als 13-jähriger zum 1. FC Kaiserslautern. 1994 erhält er einen Profivertrag, schafft gegen die starke Konkurrenz jedoch nicht den Sprung in die Bundesliga. Dafür führt er aber die damals noch drittklassigen FCK-Amateure an: Bis ins Jahr 2000 ist Hildmann dort Führungsspieler, zeitweise Kapitän. Danach wechselt er nach Aachen, spielt noch für Pirmasens, Homburg und lässt seine Karriere nach 124 Regionalliga-Spielen und 36 Zweitliga-Einsätzen, die er alle für die Alemannia bestreitet, schließlich in Rodenbach ausklingen.

Vor den Toren Kaiserslauterns gelingt ihm der sanfte Wechsel ins Traineramt. Zunächst ist Hildmann Spielertrainer, 2011 verabschiedet er sich mit der Meisterschaft in der Landesliga als Trainer zum SC Idar-Oberstein. Zwei Jahre später übernimmt er den ambitionierten SC Hauenstein in der Oberliga. In der Südpfalz macht Hildmann mit Offensivfußball auf sich aufmerksam. In 63 Spielen feiert er 34 Siege, sein Team kommt bei seinem Abschied 2015 auf ein Torverhältnis von 109:63.

Großaspach ist eine knüppelharte Herausforderung

Hildmann hat sich einen Namen als Trainer gemacht. Über die SV Elversberg landet er schließlich im Nachwuchsbereich des Bundesligisten Mainz 05. Eine Auszeichnung, schließlich sind die Rheinhessen für ihre Ausbildung von vielversprechenden Trainer-Talenten bekannt. Es ist trotzdem eine Überraschung, als ihn Sonnenhof Großaspach im Juli 2017 nach eineinhalb Jahren in Mainz als neuen Cheftrainer vorstellt. Nach Differenzen mit Oliver Zapel sucht der Drittligist wieder einen entwicklungsfähigen Trainer mit klarem Profil. Hildmann bekommt den Job, es ist seine erste Station im Profifußball.

Und es ist eine knüppelharte Herausforderung. Der Verein vor den Toren Stuttgarts hat zwar eine klare Philosophie, die vor allem auf die Ausbildung von jungen Talenten setzt, dafür aber auch begrenzte Mittel. Zudem muss Hildmann die Mannschaft nach 17 Zu- und Abgängen nahezu komplett neu aufbauen. Doch gleich in seinem ersten Spiel sorgt er für ein fettes Ausrufezeichen: Der spätere Drittliga-Meister Magdeburg wird am 1. Spieltag mit 4:1 nach Hause geschickt. Hildmann hatte sein 3-4-3-System genau auf den Gegner abgestimmt, Standards trainieren lassen, die zum Erfolg führten. Er bleibt aber bescheiden: "Wir wissen, dass es das erste Spiel war und noch 37 kommen. Wir arbeiten genauso hart weiter."

Zwiespältige Bilanz: Hildmann scheitert beim Dorfklub

Am Ende gelingt Großaspach der Klassenerhalt. Mit 47 Punkten, zwölf Siegen und elf Remis landet die SGS auf Rang 14 - ein akzeptabler Platz. Zwar verpasst die SGS den Landespokalsieg, scheidet gegen Ilshofen im Halbfinale aus. Doch Hildmann geht die neue Saison mit Kredit an, auch wenn die schwache Rückrunde den guten Eindruck aus der Hinserie etwas trübt.

Sommer 2018: Wieder muss Hildmann den Kader an einigen Stellen umbauen. Die Offensivschwäche der Schwaben wird schnell offensichtlich. Hildmann wendet sich von einer zuvor oft praktizierten Viererkette ab, setzt fast durchgehend auf eine 3-5-2-Formation, lässt sein Team tief stehen und auf Konter lauern. Diese spielt die SGS aber viel zu selten aus. Nach zehn Spielen, acht Remis und einer Tordifferenz von 7:8 ist für ihn überraschend Schluss. Zum Verhängnis wird ihm vor allem das blamable Aus im Landespokal-Achtelfinale gegen den Sechstligisten Essingen. "Uns fällt die heutige Entscheidung, gerade menschlich, auch alles andere als leicht", erklärt Vorstandsmitglied Ioannis Koukoutrigas die Entscheidung. "Dennoch mussten wir diese nach einer ausgiebigen Analyse im Vorstand gemeinschaftlich so treffen."

"Ich habe den FCK geliebt. Es ist mein Verein"

Hildmann ist seinen Job wieder los. Die Bewertung seiner Amtszeit fällt zwiespältig aus. Auf der einen Seite steht eine beachtenswerte Hinrunde, die Entwicklung junger Spieler, eine bemerkenswerte Variabilität und Detailversessenheit. Auf der anderen Seite steht gegen Ende eine sportliche Stagnation und zu große Vorsicht.

Als Anfang Dezember beim 1. FC Kaiserslautern der Trainerjob frei wird, ist Hildmann zunächst nur ein Name unter vielen. Seine Verbindung zum FCK ist aber bekannt. "Ich habe diesen Verein geliebt. Und so ist es noch immer: Es ist mein Verein", wird er Anfang August in der "Rheinpfalz" zitiert. Die FCK-Verantwortlichen nehmen das zur Kenntnis, wissen zudem um seine Drittliga-Erfahrung - und entscheiden sich für den Blondschopf aus der Pfalz. Nun ist Sascha Hildmann zurück auf dem Betze - und tritt bei seiner zweiten Profistation eine noch größere Herausforderung an.

Autor: Der Betze brennt

Weitere Links zum Thema:

- Medien: Sascha Hildmann wird neuer FCK-Trainer (Der Betze brennt)

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