Interview mit Giuliano Modica

"Aufmerksam machen und Gutes tun"

Giuliano Modica, Foto: Imago

Als einziger Profi aus der 2. Bundesliga beteiligt sich FCK-Verteidiger Giuliano Modica an der Initiative "Common Goal". Mit Der Betze brennt sprach er über sein soziales Engagement und seine Rückkehr zu den Roten Teufeln.

Juan Mata, Mats Hummels und Julian Nagelsmann: Drei bekannte Größen aus dem Fußball, die sich an der Initiative "Common Goal" beteiligen. Als einziger Profi aus der deutschen 2. Bundesliga engagiert sich auch Giuliano Modica. Das bedeutet: Er spendet ein Prozent seines Gehalts, das in wohltätige Projekte mit Fußballbezug investiert wird. Im Interview mit Der Betze brennt spricht der 27-Jährige über seine Motivation, sich sozial zu engagieren.

Der Innenverteidiger bewertet außerdem seine Rückkehr aus Dresden nach Kaiserslautern, die laufende Saison, die für ihn wie für den FCK alles andere als optimal verlaufen ist - und gibt Auskunft über seine Zukunftspläne.

Der Betze brennt: Giuliano, Du engagierst dich für die Initiative "Common Goal" und spendest ein Prozent Deines Gehalts. Namhafte Profis aus dem In- und Ausland, zum Beispiel Juan Mata oder Mats Hummels, sind ebenfalls beteiligt. Du bist laut Website der Initiative der einzige Spieler aus der 2. Bundesliga. Warum engagierst Du Dich und wie bist Du auf "Common Goal" aufmerksam geworden?

Modica: Ich habe von "Common Goal" aus verschiedenen sozialen Medien mitbekommen und fand die Sache von Anfang an sehr interessant. Fußballer sind für viele Menschen in unterschiedlichen Formen ein Vorbild und können das nutzen, um auf diverse Dinge aufmerksam zu machen und Gutes zu tun.

"Heute bin ich sehr dankbar, dass ich von dem, was ich liebe, lebe"

Der Betze brennt: Du bist in Argentinien unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen, wie es heißt. Hat dich Deine persönliche Erfahrung dazu motiviert, dich sozial zu engagieren?

Modica: Mein Leben in Argentinien war schön, aber auch sehr schwierig für uns. Daher weiß ich, wie es ist, ohne etwas dazustehen und sich irgendwie durchzukämpfen. Heute bin ich sehr dankbar, dass ich von dem, was ich liebe, lebe - und noch zusätzlich anderen Menschen etwas Gutes tun kann.

Der Betze brennt: Hast Du Einfluss darauf, wohin das Geld fließt und welche Projekte damit angeschoben werden?

Modica: Es ist so, dass 40 Prozent meiner Spende an eine Organisation aus Argentinien namens "Asociación Civil Andar" gehen. Die anderen 60 Prozent gehen an den "Common Goal Signature Projects Fund". Hier werden die Spenden von "Common Goal"-Spielern gebündelt und in Fußball-basierte Sozialprojekte auf der ganzen Welt investiert.

Der Betze brennt: Mit Ausnahme eines kleinen Verweises auf der "Common Goal"-Seite ist Dein Engagement gar nicht so bekannt. Warum eigentlich?

Modica: Ich habe ja "nur" Geld gespendet. Wenn dann müsste man mehr über die vielen Helferinnen und Helfer der einzelnen Organisationen berichten. Also ist alles gut so wie es ist. Ich muss nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen. Es geht um das große Ganze und nicht um mich.

"Ich kann mir vorstellen, dass sich einige anschließen würden"

Der Betze brennt: Sprichst Du mit anderen Mannschaftskameraden über die Initiative? Kannst Du vielleicht Mitspieler überzeugen, sich ebenfalls zu beteiligen?

Modica: Bisher kam das bei mir und den Mannschaftskollegen noch nicht zur Sprache. Ich kann mir aber auf jeden Fall vorstellen, dass sich da einige anschließen würden.

Der Betze brennt: Lass uns auf die aktuelle Spielzeit zu sprechen kommen. Du bist vor der Saison aus Dresden nach Kaiserslautern gekommen, obwohl man dich bei Dynamo gerne gehalten hätte. Welche Beweggründe gab es für Deine Rückkehr in die Pfalz?

Modica: Bei Dynamo hatte ich eine wunderbare und erfolgreiche Zeit, die mit dem Aufstieg gekrönt wurde. Ich habe für mich aber nach einer neuen Herausforderung gesucht. Zudem kommt, dass wir hier näher an der Familie sind, was natürlich ein Pluspunkt war.

Der Betze brennt: 2012 hast Du den FCK verlassen. Wie haben sich der Verein und sein Umfeld seitdem verändert?

Modica: Die Unterstützung der Fans war 2012 wie heute nicht anders: Die Mannschaft wird in jeder Lage nach vorne getrieben und man spürt den Zusammenhalt. Leider habe ich 2012 in der zweiten Mannschaft nicht so viel davon mitbekommen, aber sonst ist an sich ist alles gleich geblieben. Nur damals waren die Profis in der ersten Liga und jetzt eine Etage tiefer.

"Meine Familie und ich fühlen uns hier wohl"

Der Betze brennt: Die Saison verlief für den Verein, aber auch für dich persönlich nicht so gut. Verletzungen haben dich zurückgeworfen. Wie bewertest Du die Spielzeit?

Modica: Für mich persönlich ist meine eigene Spielzeit nicht zufriedenstellend. Wir haben leider in der Hinrunde viele wichtige Punkte liegen lassen. Dafür war die Rückrunde umso besser und wenn wir alle weiterhin gemeinsam an einem Strang ziehen, wer weiß was dann noch möglich ist. Aufgegeben haben wir jedenfalls noch nicht.

Der Betze brennt: Wann ist mit dir wieder auf dem Platz nach Deiner Muskelverletzung zu rechnen?

Modica: Ich bin fit und habe keine Beschwerden. Die Jungs auf dem Platz machen das gut. Ich muss geduldig sein und auf meine Chance warten. Ich werde dann da sein, sobald ich gebraucht werde.

Der Betze brennt: Abschließende Frage: Der FCK kämpft um den Klassenerhalt. Sollte es jedoch nicht gelingen, in der 2. Liga zu bleiben - könntest Du dir eine Verlängerung in Lautern vorstellen?

Modica: Meine Familie und ich fühlen uns in unserem Zuhause und der Umgebung wohl. Ich kann mir durchaus vorstellen, hier weiterhin zu leben und zu arbeiten.

Der Betze brennt: Vielen Dank für das Gespräch!

Autor: paulgeht

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