Interview: FCK-Fans im Wintertrainingslager 2018

"Alle haben mitgezogen, der Funke Hoffnung ist da"

Foto: Pfalz Inferno

Sage und schreibe 150 Fans haben den 1. FC Kaiserslautern ins Wintertrainingslager nach Spanien begleitet. Wir haben zwei von ihnen zum Resümee gebeten: Peter Hammerschmidt und Jürgen Götze.

Der Betze brennt: Peter, Du hast mit mehreren Leuten die Reise nach Spanien angetreten. Wie groß war Eure Gruppe?

Peter Hammerschmidt: Angetreten sind wir die Reise nach Spanien mit insgesamt fünf Leuten, am 4. Januar vom Flughafen Hahn.

Der Betze brennt: Wo und wie habt Ihr die Woche "da unten" verbracht?

Peter: Untergekommen sind wir in einem schönen Apartment in "Los Arqueros", ein Golf- und Erholungsresort direkt in San Pedro de Alcantara. Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte mein Arbeitskollege Torsten freudestrahlend berichtet, dass er über ein Apartment in Spanien verfüge - zufälligerweise genau im Trainingsort des FCK. Die folgenden fünf Tage waren auch dank der ausgezeichneten Unterkunft unvergesslich. Die Versorgung? Lief problemlos: San Miguel für 60 Cent die Dose - das passt schon!

Der Betze brennt: Jürgen, Du hast im Mannschaftshotel gewohnt. Wie hast Du die Stimmung in der Mannschaft wahrgenommen?

Jürgen Götze: Was man so mitbekommen hat, war die Stimmung in der Mannschaft gut.

"Dass sich die Mannschaft abends nicht zeigte, fanden wir schade"

Der Betze brennt: Wie war es, als Fan dabei zu sein? Kommt man nah an das Team heran oder werden die Spieler abgeschottet, um sich auf das Training zu konzentrieren?

Jürgen: Auch wenn du im gleichen Hotel wohnst, bekommst du von der Mannschaft eigentlich nicht allzu viel mit. Sie essen in einem anderen Raum und sind dann wieder auf ihren Zimmern. Es gibt aber ab und an kurze Begegnungen im Fahrstuhl, mit kurzem Smalltalk. Es sind aber auch nicht mehr viele Spieler da, die dich über die vergangenen Jahre kennengelernt haben. Anders ist das mit dem Betreuerstab: Da kannst du mit den helfenden Leuten mehr erzählen, man kennt sich.

Der Betze brennt: Peter, wie war das bei Euch?

Peter:Das Mannschaftshotel haben wir fast jeden Abend besucht, um gemeinsam mit anderen FCK-Fans zu quatschen und die Situation unseres geliebten FCK zu analysieren. Dass sich die Mannschaft abends nicht in der Lobby zeigte, fanden wir schade. Wir hätten uns gewünscht, auch mit den Spielern enger ins Gespräch zu kommen und dadurch selbst Mut für die kommenden Aufgaben zu schöpfen. Das erledigte dann Zeugwart Wolfgang Wittich, dessen Einschätzung uns zwar nachdenklich zurückließ, zugleich aber auch zeigte, dass das wahre Herzblut des FCK mehr denn je neben dem Platz zu fließen scheint. Wolfgang war und ist ein glänzendes Beispiel für die so oft und mittlerweile fast inflationär proklamierten FCK-Tugenden.

Der Betze brennt: Jürgen, Du warst sehr häufig beim Training vor Ort - wie waren die Bedingungen in Spanien? Borussia Dortmund etwa hat sich über das Wetter beklagt und ist sogar vorzeitig abgereist.

Jürgen: Das Wetter war sehr wechselhaft. Der Platz war aber perfekt! Nach starkem Regen hat man auf dem Rasen davon überhaupt nichts gesehen. Da hatten wir wohl mehr Glück als der BVB.

"Marius Müller war sehr emotional bei der Sache"

Der Betze brennt: Der FCK hat oft mehrmals am Tag trainiert. Das klingt nach hoher Belastung. Wie zog die Mannschaft mit? Ist ein Spieler in seinem Eifer besonders hervorgestochen?

Jürgen: Die Mannschaft hat jeden Tag zweimal trainiert, immer zwei Stunden lang. Ab und an mussten sie auch vor dem Frühstück noch in den Kraftraum. Der auffälligste Spieler war für mich Marius Müller. Der war sehr emotional bei der Sache! Mit Marius hatte ich beim Team-Fan-Abend auch über eine Stunde sprechen können. Wir konnten über Themen wie seinen Ex-Klub Leipzig reden, aber und auch meine Gedanken und das Erlebte als FCK-Fan. Marius ist Lautrer durch und durch. Kleine Anekdote: Als ich ihm von 1991 erzählte, sagte er anerkennend, wie meine Augen dabei gefunkelt hätten.

Der Betze brennt: Peter, wie habt Ihr Euch die Zeit in Spanien neben den Trainingsbesuchen vertrieben?

Peter: Waren wir nicht gerade im Training oder beim Bierholen, haben wir die Zeit in Spanien zu einigen Unternehmungen genutzt. Am zweiten Tag unserer Reise zog es uns auf den Affenfelsen von Gibraltar, wo wir neben der Geschichte des 426 Meter hohen Kalksteinmonolithen auch mit unseren haarigen Verwandten in Kontakt kamen.

"Nach zwei Stunden hatte der Tankwart das Betze-Lied drauf"

Der Betze brennt: In den Sozialen Netzwerken konnte man von vielen Fans verfolgen, dass Ihr die Gelegenheit genutzt habt und abseits des FCK-Trainingslagers auch das eine oder andere Stadion besucht habt. Wo hat es Euch hingezogen, wie war die Stimmung?

Peter: Wir waren zum Beispiel am Samstagabend Besucher des Stadtduells zwischen dem FC Sevilla und Betis Sevilla. Und das hat sich wirklich gelohnt: Ein geniales Stadion mit unfassbar steilen Rängen; ausverkaufte Tribünen; eine Stimmung, die an die frühen Neunziger auf dem Betze erinnert und natürlich ein ebenso grandioses wie furioses Spiel, das der Außenseiter Betis mit 5:3 für sich entscheiden konnte. Da war dann auch schnell vergessen, dass uns auf dem Weg in das etwa zwei Stunden entfernte Sevilla zunächst die Karre verreckt war. Zwar standen wir knapp zwei Stunden bei drei Grad in Ronda, um auf unseren Ersatzwagen zu warten, doch kamen wir rechtzeitig zum Anpfiff am Estadio Ramón Sánchez Pizjuán an. Da wir in Ronda an einer Tanke warteten und der Kühlschrank dort prall gefüllt war, war die Stimmung auch trotz des unerwarteten Zwischenstopps ausgelassen. Solltet ihr in Ronda auf José, unseren geduldigen Tankwart, treffen, fragt ihn nach dem Betze-Lied - nach zwei Stunden hatte er’s drauf!

Der Betze brennt: Jürgen, mit ins Trainingslager ist auch Ruben Jenssen geflogen. Hattest Du mit ihm Kontakt? Wie wurde er im Team aufgenommen?

Jürgen: Das war natürlich ein freudiges Wiedersehen. Er kannte ja alle Fans im Hotel. Wie er uns das erste Mal zu Gesicht kam, sind wir alle in der Lobby aufgestanden und haben geklatscht. Er war da gleich wieder zuhause.

Christian Streich und die FCK-Fans: "Mir sin doch alle Fußballverrückte"

Der Betze brennt: Apropos Wiedersehen: Peter, welches Aufeinandertreffen ist Dir besonders in Erinnerung geblieben?

Peter: Neben dem bereits erwähnten Gespräch mit Wolfgang Wittich freute ich mich persönlich ganz besonders über ein Wiedersehen mit Axel Bellinghausen. Axel trainierte mit seiner Fortuna auf demselben Trainingsgelände wie der FCK und ließ es sich nicht nehmen, das Testspiel unserer Jungs zu besuchen. Alte Liebe rostet nicht und es war Axel deutlich anzumerken, dass er noch immer an seinem FCK hängt und an ihn glaubt. Er schaffte es dann auch, uns Mut zu machen und erinnerte uns an das finale Spiel gegen den 1. FC Köln im Mai 2008. Geradezu ehrfürchtig war dann auch das Aufeinandertreffen mit dem Freiburger Trainer Christian Streich: Auf die Frage, ob er denn auch ein Foto mit einem FCK-Fan machen würde, antwortete er knapp in seinem unverkennbaren Dialekt: "Heia, was intressiern mich doine Farbe? Mir sin doch alle Fußballverrückte. Das verbind uns doch. Also, komm her!" Der Typ hat einfach eine unfassbare Aura! Und als er dann ein "hättsch du mol e Zigarett für mich?" hinterherschob, hatte er endgültig ein Stein im Brett!

Der Betze brennt: Sehnsüchtig erwartet werden weitere Neuverpflichtungen. Sportdirektor Boris Notzon hat mehrmals um Geduld gebeten, arbeitet aber offenbar fieberhaft an Transfers. War das vor Ort bei der Mannschaft und den mitgereisten Fans ein Thema?

Jürgen: Ja, natürlich war das bei uns Thema! Gerade dann, wenn wieder etwas an Gerüchten oder über Spieler zu lesen war. Notzen hatte oft am Handy gehangen. Ich glaube, dass es da nicht um Lieferando.de ging (lacht). Durchgesickert ist aber nichts.

"Klassenerhalt? Ich bleibe optimistisch und glaube daran"

Der Betze brennt: Abschließend: Was sagt Euer Gefühl nach dem Trainingslager? Packt der FCK noch den Klassenerhalt?

Jürgen: Mein Gefühl zum Abschluss des Trainingslagers: Es haben alle gut mitgezogen, der Funke Hoffnung ist da. Wir wissen alle, dass es jetzt 16 harte Spiele gibt. Wenn ich aber nicht daran glauben würde, wäre meine Karte für das Darmstadt-Spiel schon im Müll.

Peter: Das Training war intensiv, die Spieler scheinen fokussiert. Die Testspiele waren hingegen alles andere als erfolgreich. Mit den Eindrücken aus dem Trainingslager fällt mir eine Prognose daher schwer. Wie gesagt: Gerne hätte ich Teilen der Mannschaft verdeutlicht, was auf dem Spiel steht, das scheint bei manchen noch nicht ganz angekommen. Ich bleibe aber optimistisch und glaube daran! Auch weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Trotz der schwierigen Aufgabe wird der FCK die Klasse halten! Auch Streich meinte schließlich: "So en Verein wie der FCK gehört natürlich in die Liga, des is klar! Un ich drück euch die Daume! Des klappt scho!"

Autor: paulgeht

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