Hall of Game: Bayern München - 1. FC Kaiserslautern 0:1 (1997/98)

Schjönberg erinnert sich:

Schjönberg erinnert sich: "Das war Wahnsinn"

Foto: Imago/Team2

Heute vor 20 Jahren köpfte Michael Schjönberg den 1. FC Kaiserslautern am 1. Spieltag der Saison 1997/98 zum 1:0-Sieg beim FC Bayern München. Es war der Startschuss für eine historische Saison. Heute denkt der Däne gerne an diese Zeit zurück.

Es sollte der große Tag werden, der Showdown stand endlich an: Aufsteiger gegen Meister, Pfälzer gegen Bayern, Otto Rehhagels Rückkehr ins Olympiastadion und das erste Kapitel nach der Bundesliga-Rückkehr des FCK. Der 1. Spieltag der Saison 1997/98 hielt jede Menge Geschichten bereit, doch ausgerechnet jener Mann, der an diesem 2. August 1997 zum Matchwinner werden sollte, wusste kurz vorher noch gar nicht, ob er im Olympiastadion überhaupt auf dem Platz wird stehen können.

"Meine Frau war hochschwanger und ich musste erst die Erlaubnis kriegen", erinnert sich Michael Schjönberg zurück. "Bei unserem ersten Kind konnte ich nicht bei der Geburt dabei sein und so war es abgesprochen, dass ich beim zweiten da bin." Nun aber stand ausgerechnet das wichtige erste Spiel beim amtierenden Titelträger an und Otto Rehhagel wollte den beinharten dänischen Verteidiger unbedingt aufstellen. Erst als seine Frau grünes Licht gab, fuhr Schjönberg am Samstagmorgen nach München, bereit, für 90 Minuten auf dem Platz zu stehen und sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen.

"Wir wollten unbedingt zeigen, was wir draufhaben"

Schließlich hatten Schjönberg, den Otto Rehhagel 1996 höchstpersönlich in die Pfalz gelotst hatte und liebevoll seinen "Wikinger" nannte, und die Roten Teufel eine ganze Saison lang schwer für diesen Moment geschuftet. In Zwickau, Gütersloh, Meppen und Oldenburg musste der FCK Wiedergutmachung für den ersten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte betreiben. Am Ende gelang die direkte Rückkehr ins Oberhaus und ausgerechnet dort, am 1. Spieltag, sollten die Lautrer nun den Deutschen Meister in seiner heimischen Festung fordern. "Wir haben uns alle auf das Spiel gefreut. Die 2. Bundesliga war eine lange Leidenszeit. Wir wollten unbedingt spielen und zeigen, was wir draufhaben", beschreibt Schjönberg die Rückkehr auf die große Fußballbühne.

Über die Partie sei im Vorfeld zwar viel geschrieben worden, "aber das hat uns eigentlich nicht gejuckt", betont der ehemalige dänische Nationalspieler. "Das war ein Spiel wie jedes andere." Vielmehr noch: "Die Mannschaft war ja gut, wir hatten mehrere Nationalspieler dabei. Insofern war es nicht so, dass wir da etwas zu befürchten hatten. Wir wollten da gewinnen."

Rehhagel legte sich dafür einen Plan zurecht: Oliver Schäfer und Axel Roos sollten im Mittelfeld die Abräumer geben, in letzter Linie verteidigten Schjönberg, Miroslav Kadlec und Harry Koch. Für offensive Akzente waren Rückkehrer Ciriaco Sforza auf der Spielmacher-Position und die beiden Stürmer Olaf Marschall und Pavel Kuka vorgesehen. Umschalten wollten die Lautrer vor allem über die beiden Außenbahnspieler Martin Wagner und Ratinho, der ebenso wie Schjönberg und die später eingewechselten Marian Hristov und Marco Reich ihr Erstliga-Debüt gaben.

Weil Lizarazu nicht vom Platz flog: Schjönberg trifft mit Wut im Bauch

Das Vorhaben ging auf: Die Bayern mühten sich vergeblich, den FCK zu knacken und die Roten Teufel - unterstützt von 10.000 mitgereisten Fans im ausverkauften Olympiastadion - hatten immer wieder Platz zum Kontern. Schon nach 40 Minuten scheiterte Kuka mit einem Schuss an der Latte. Der FCK schien auf einem guten Weg, sich ein beachtliches 0:0-Unentschieden zu erarbeiten, als Reich rund zehn Minuten vor dem Ende erneut über den rechten Flügel nach vorne stieß und von Münchens Neuzugang Bixente Lizarazu rüde gefoult wurde. Der Franzose hatte schon die Gelbe Karte gesehen, durfte aber weiter mitspielen, was die Roten Teufel auf die Palme brachte.

Noch während die Aufregung tobte, schnappte sich Sforza den Ball, legte ihn sich an der Seitenlinie, zehn Meter vor der Eckfahne, zurecht - und im Rückraum machte sich Schjönberg auf den Weg nach vorne. Es lief die 80. Spielminute, als Sforza den Ball mit viel Zug in den Münchner Strafraum schlug, Schjönberg rauschte von hinten heran, stieg am höchsten und wuchtete die Hereingabe mit einem Aufsetzer vorbei am verdutzten Oliver Kahn ins Tor. 1:0 für den Underdog, 1:0 für den FCK!

Freuen konnte sich der Torschütze aber zunächst gar nicht. Schjönberg klatschte mit seinem Mitspieler ab, warf dann aber ein paar grimmige Worte und Blicke in Richtung seiner Gegenspieler. Warum? "Ich fand es eine Frechheit, dass Lizarazu für sein Foulspiel an Marco Reich nicht vom Platz geflogen ist. Das ist normalerweise eine Gelb-Rote-Karte", denkt er heute mit einem Lächeln an den Moment nach seinem Treffer zurück. "Aber das sind so diese kleinen Sachen: Wenn das nicht gewesen wäre, hätte ich vielleicht nicht so viel Wut im Bauch gehabt und hätte nicht das Tor gemacht. Von daher war das schon in Ordnung."

Schnell zurück in die Pfalz: Keine Party für Schjönberg

Nur galt es aber, den knappen Vorsprung über die Zeit zu retten. Der von Giovanni Trapattoni trainierte FCB warf alles nach vorne - vergeblich. Als Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich zum letzten Mal in seine Pfeife blies, gab es kein Halten mehr. Spieler und Fans lagen sich untereinander in den Armen, Rehhagel setzte zu seinem legendären Jubellauf zu den 10.000 eskalierenden FCK-Fans in der Gästekurve an, Gerry Ehrmann nahm Ratinho auf die Schulter - und der Matchwinner war schon auf dem Weg nach Hause zu seiner schwangeren Frau. "Ich musste mich ja beeilen, nach dem Spiel stand ein Wagen für mich bereit und dann bin ich schnell weg. Der Rest der Mannschaft hat aber gefeiert, bestimmt werden die eine schöne Heimfahrt gehabt haben", sagt der heute 50-Jährige.

Zurück in Kaiserslautern gab es zwar noch das eine oder andere kleinere Problem aus der Welt zu schaffen, denn Schjönbergs Frau sympathisierte ausgerechnet mit dem FC Bayern, am Ende wurde ihm jedoch verziehen, erinnert er sich lachend.

Dass der FCK an jenem Tag den Grundstein für eine historische Saison gelegt haben könnte, habe er sich freilich nicht ausmalen können, sagt Schjönberg. Und doch war der Startschuss in eine überragende Saison gegeben. "Für mich persönlich", so der Däne, "war es der Anpfiff für die beste Zeit in meinem Fußballerleben. Das war Wahnsinn."

Die FCK-Helden vom 02. August 1997 waren:

Reinke - Schjönberg, Kadlec, Koch (31. Hristov) - Roos, Schäfer - Ratinho (75. Reich), Sforza, Wagner - Kuka, Marschall

Die Höhepunkte des Spiels hat außerdem FCK-Fan Australautern in seinem äußerst empfehlenswerten YouTube-Kanal dokumentiert:

Vom Aufsteiger zum Meister! Mit der Serie "BetzeHistorie" erzählen wir - neben den Highlights hier auf Der Betze brennt - ausführlich auf Facebook und Twitter die historische Geschichte des 1. FC Kaiserslautern zwischen 1996 und 1998 nach.

Autor: paulgeht

Weitere Links zum Thema:

- Statistik zum Spiel: Bayern München - 1. FC Kaiserslautern 0:1 (0:0)

Kommentare 15 Kommentare | Empfehlen Artikel weiter empfehlen | Drucken Artikel drucken