Kummt Senf druff

Warum der FCK keinen neuen Kuntz braucht

Warum der FCK keinen neuen Kuntz braucht


Wer soll der Nachfolger von Stefan Kuntz werden? Ein Blick in die Vergangenheit des FCK, aber auch auf andere Vereine zeigt: Ein funktionierendes Team ist besser als ein starker Mann.

Ich bin der Meinung: Der 1. FC Kaiserslautern braucht gar keinen Nachfolger für Stefan Kuntz! OK, diese These mag auf den ersten Blick steil klingen und ist zugegebenermaßen auch stark verkürzt zusammengefasst. Was ich damit eigentlich ausdrücken möchte: Der FCK braucht keinen neuen „starken Mann“, der gefühlt für alles verantwortlich ist und überall das letzte Wort behält. Stattdessen sollte ein mehrköpfiges Team aus kompetenten Persönlichkeiten, konstruktiv und auf Augenhöhe agierend, künftig die Geschicke des Vereins lenken.

Ein gutes Beispiel dafür ist der 1. FC Köln: Wer kannte vor ein paar Jahren Alexander Wehrle oder Werner Spinner? Gemeinsam mit Sportchef Jörg Schmadtke haben Finanzchef Wehrle und Präsident Spinner den zwanzig Jahre lang schlingernden „Karnevalsverein“ auf Vordermann gebracht, nachdem in der Saison 2011/12 der „Alleinherrscher“ Wolfgang Overath gestürzt wurde. In der Domstadt wurde der „Kölsche Klüngel“ abgeschafft und geschickt ein Kompetenzteam aufgebaut, zu dem auch Cheftrainer Peter Stöger, Sportdirektor Jörg Jakobs, Vizepräsident Toni Schuhmacher und viele, viele weitere Personen von der obersten bis zur untersten Vereinsebene gehören. Auch einen kritischen Mitgliederrat gibt es beim „Effzeh“. Um den aktuellen Erfolg der Kölner (Aufstieg, Etablierung in der Bundesliga, aber auch ein mittelfristiger Plan bis hin zum Europacup) zu verstehen, darf man also keine Einzelperson wie etwa Manager Schmadtke hervorheben, sondern muss das ganze Kollektiv sehen.

Kompetenzteam statt Alleinherrscher

Nun ist Köln natürlich ein Einzelbeispiel, für das sich ganz sicher auch Gegenargumente finden ließen. Und doch geht der Trend im heutigen Fußball weg von den Sonnenkönigen und hin zu Fachmännern, die ihr Handwerk ganz genau verstehen. Da muss man gar nicht erst das in Lautern allseits (un)beliebte Beispiel Mainz 05 (Präsident Strutz, Manager Heidel, Trainer Tuchel/Klopp) bemühen. Selbst beim Branchenprimus Bayern München gibt es längst keinen Alleinherrscher mehr, sondern stets ein ganzes Team von zusammen arbeitenden Alphamännchen mit Karl-Heinz Rummenigge, Matthias Sammer, früher Uli Hoeneß, einem hochprofessionellen Rest-Vorstand und Aufsichtsrat sowie immer auch einem starken Trainer.

Und man muss gar nicht so weit zurückgehen, um auch in Kaiserslautern ein passendes Beispiel zu finden: Anfang der 1990er Jahre führten Präsident Norbert Thines, Manager Reiner Geye, Geschäftsführer Klaus Fuchs und ein starker Trainer, anfangs Kalli Feldkamp und später Friedel Rausch, den FCK in neue Höhen. Erst als Geye krank wurde, Fuchs den Verein gen Karlsruhe verlassen hatte und Thines mit Rausch in den Abwärtsstrudel geraten war, ging es bergab. Wirklich schlechte Erfahrungen hat man auf dem Betzenberg aber erst später gemacht, als gewissermaßen Alleinherrscher die Macht übernommen hatten: Atze Friedrich (nach der Entlassung von Trainer Otto Rehhagel), René C. Jäggi – oder eben Stefan Kuntz, nachdem etwa ab dem Jahr 2010 der Aufsichtsrat aufgehört hatte, Aufsicht zu führen.

Das „Gesicht“ des FCK muss keine Einzelperson sein

Ein solches Kompetenzteam zusammenzustellen ist gewiss keine Aufgabe, um die man den Aufsichtsrat auf dem Betzenberg beneiden müsste. Aber es ist der vielversprechendste Weg. Mit Finanzvorstand Michael Klatt wurde der erste neue Mann bereits gefunden, ein Marketing-Experte soll bald folgen, außerdem ein neuer Sportchef (dem man als wichtigstem Mann im Verein ebenfalls einen Vorstandsposten zugestehen sollte!). Wenn dann die Führungsetage wieder gefüllt ist, können die nächsten Ebenen folgen. Warum nicht auch einen Mitgliederrat einrichten oder eine Fanabteilung? Vielleicht wäre auch eine Art Ehemaligen-Gremium, das beratend und/oder repräsentierend fungiert, einen Gedanken wert? Es gibt viele Möglichkeiten. Dabei gilt: Ein „Gesicht“ kann man dem 1. FC Kaiserslautern auch geben, ohne dieses auf eine einzelne Person zu reduzieren.

Ein weiterer Nutzen einer solchen Vereinsstruktur: Wenn mal eine Person den dann gut aufgestellten Verein verlässt, kann man diese leichter ersetzen, ohne vor einer derart klaffenden Lücke zu stehen, wie sie sich nach dem Rücktritt von Stefan Kuntz aufgetan hat. Auch hier kann der 1. FC Köln als aktuelles Beispiel dienen, wo gestern NLZ-Leiter Frank Schaefer hinschmiss und sofort vereinsintern von Jörg Jakobs ersetzt werden konnte.

Der momentan laufende Umbruch auf dem Betzenberg birgt natürlich einige Gefahren, das ist ganz klar. Aber vor allem bietet er auch die Chance für einen echten Neuanfang. Und dabei sollte gelten: Alleinherrscher sind out. Wir brauchen keinen Martin Kind, keinen Dietmar Hopp, keinen Wilfried Finke – und auch keinen neuen Stefan Kuntz.

… und wie ist Deine Meinung? Es geht hierbei nicht um Namen, sondern um Kompetenzen: Wie sollte die neue Führungsstruktur des FCK aussehen?

Autor: Thomas

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