Spielbericht: Alemannia Aachen - 1. FC Kaiserslautern 0:3

Sam-Ba am Tivoli

Sam-Ba am Tivoli


Der Aachener Karnevalsprinz hatte mit seinem dreimaligen Allaaf-Ruf in der Halbzeitpause wohl eine Order, die der 1. FC Kaiserslautern strikt befolgte. Nur widersetzte er sich dem Wunsch des Prinzen nach einem Heimsieg am Neuen Tivoli. Dieser hatte die Rechnung ohne das pfälzisch närrische Dreigestirn gemacht - Prinz Sidney, der Dreimalige, Bauer Martin, der Unerschrockene und Jungfrau Tobias, „die“ keinen rein ließ.

Unglaublich schlechtes Wetter behinderte die Anreise zum neuen Ground an der holländischen Grenze, der ganz in den Vereinsfarben gehalten ein imposantes Schlichtheitsdenkmal ist im Vergleich zu den sonstigen modernen Arenen. Hat Stil und ist echt und natürlich, gut gemacht. Wunderbare Sicht aus dem Gästeblock, nur die eingezäunte Eingangsmeile mit Unterführung lässt Schlimmes befürchten, das ist schon Repressalie und Provokation beim Hinschauen. Unverständnis pur für ein solches Bauwerk! Und,, liebe „Öcher“, eure „Verpflegungsqualität“ hat mit dem Umzug stark gelitten. Diese Wurst ist leider keine Reise mehr wert.

Im Schneesturm angekommen war der Block ein heimeliges Zuhause, dass sich etwa 1.500 FCK-Fans teilten, auch auf der Gegentribüne waren einzelne Rote zu sehen. Ein paar hatten kurzfristig wohl wetterbedingt trotz Karten einen Rückzieher gemacht. Das die Westdeutschen ihr Stadion nicht voll bekämen, war schnell zu erkennen, am Ende waren es „nur“ 21.152 Zahlende gegen den Tabellenführer. Und während im Fernsehen fortwährend die Heimkurve als ultimatives Spektakel gefeiert wurde, war tatsächlich von Aachen im eigenen Stall kaum etwas zu hören, bis zur 70. Minute, geschweige denn zu sehen, außer einigen Klatscheinlagen.

Schön allerdings eine abgesprochene Banneraktion zwischen beiden Fangruppen, die gemeinsam gegen unberechtigte Stadionverbote plädierten, auch für ausgesperrte Aachener. Tolle Geste. Die kürzlich ausgesprochenen 81 Stadionverbote von München wurden von beiden Kurven als Höhepunkt der Ohnmacht gegen den Rechtsstaat plakatiert! Wie pervers die Vereine teilweise mit ihrer selbst auferlegten, DFL-geforderten und medienwirksamen Allmacht umgehen, und wie desinteressiert der deutsche Staat an tatsächlicher Rechtsprechung ist, beweisen zeitnah Vorfälle in Rostock oder Mannheim, die auch uns betreffen. Von den Beschlüssen des Fankongresses in Leipzig und des Worthülsen des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger ist nichts übrig geblieben. Armes Fußball-Deutschland! Deshalb: Widerstand, bis zur letzten Minute! Aber bitte ohne Dummheiten und Gewalt, sonst hat man keine Chance! Präzedenzen schaffen! Wenn man aber sieht, wie leicht sich immer wieder einige provozieren lassen, so auch nach dem Spiel am eigentlich völlig sicheren Außenzaun von einer Handvoll gelber „Pimpfe“ - damit spielt man den Repressionen in die Karten!

Der FCK präsentierte sich auf dem zu Beginn noch recht weißen Geläuf in leicht neuer Formation. Zentral hatten Pierre de Wit und Jiri Bilek ihr drittes Rendezvous, trotz der Rückkehr von Nationalspieler Georges Mandjeck, vorne stürmte Srdjan Lakic zum ersten Mal gemeinsam mit Adam Nemec. Erik Jendrisek blieb erst mal draußen. So legte der dann auch FCK mutig los auf dem rutschigen Grün, das einige Standunsicherheiten hervorbrachte. Die Anfangsphase gehörte nur den Roten Teufeln. Schnell hatte der FCK Möglichkeiten, in der 11. Minute die erste ernstzunehmende durch Sidney Sam. Aachen machte zwar einen bemühten Eindruck bekam aber den Ball nicht in den Griff. Lauterns Abwehrchef Martin Amedick war so der meistbeschäftigte Kicker in den ersten 20 Minuten. Die Alemannen kamen erst nach einer Viertelstunde durch eine Eckballserie in die Partie. Tobias Sippel hielt hier den Kasten mit etwas Glück sauber, allerdings machte er sich so warm für spätere Glanztaten. Mitten hinein in die Drangphase der Schwarz-Gelben dann ein Konter über rechts, de Wit kann den Ball gerade noch kontrollieren, schlägt einen Seitenwechsel auf Sam, den Casper knapp verpasst. Sam kann aus 17 Metern zum Schuss kommen und lässt keinen Spalt zwischen Pfosten und Handschuh offen. Klasse Tor, 1:0 für den FCK (18.). Das erste Pflichtspiel-Tor im Jahr 2010, ausgerechnet durch das Geburtstagskind vom Vortag.

Nun übernahm aber die Alemannia das Spiel. Der FCK zog sich viel zu weit zurück und war insbesondere bei eigenen Offensiv-Aktionen zu lauffaul, zu weit weg vom prädestinierten Laufweg. Die Karlstädter nutzten das aus, indem sie Angriff auf Angriff über Außen platzierten, vorbei am fast hilflosen Florian Dick, der allerdings von Ivo Ilicevic sträflich allein gelassen wurde und stets gegen zwei Mann verteidigte, oder durch die Mitte, wo man den guten Alexander Bugera umging und sich einfach auf den unfit wirkenden Rodnei konzentrierte, der so manches Ei durchließ. Auch de Wit und Dick zeigten sich nicht zimperlich, wenn sie zu spät kamen, selbst Amedick musste oft in letzter Not abgreifen. So kam es zu einigen höchst überflüssigen, gefährlichen Standardsituationen um Lauterns Strafraum. Sippel hielt viermal fantastisch, auch wenn er einen Ball nach vorne abwehren musste, der Rasen zog ihm zuvor die Füße weg. Das lag auch daran, dass im Lautrer Strafraum nicht geräumt war im Gegensatz zum Heimtor. Dafür bedankte Torwarttrainer Gerry Ehrmann beim Rasendienst schon vor dem Spiel in bekannter Gestik und Mimik deutlich. Das war unverschämt von der Alemannia und einfach unsportlich. Aber Lautern-Freund und Schiedsrichter Lutz Wagner hatte sein OK gegeben. Nicht nachvollziehbar! Ebenso wenig wie diverse Abseitsentscheidungen, die manch einem im Fanblock gehörig auf die Adrenalindrüse drückten. Insofern kann man nicht insgesamt von einem lauen FCK sprechen, zu viele Angriffe der Pfälzer wurden zurück gepfiffen. Die Führung zur Pause daher glücklich, aber nicht unverdient.

Nach dem Wechsel präsentierte Trainer Kurz Mandjeck für de Wit. Was zunächst nach einer Schutzmaßnahme für den mit Gelb belasteten Ex-Leverkusener aussah, entpuppte sich später als Drama: Verdacht auf den dritten Kreuzbandriss für den 22-jährigen „Piero“. Der FCK und seine Winterverpflichtungen, das bleibt ein Seuchenthema! Pierre, alles Gute und „toi toi toi“! Auf das Du in der ersten Liga noch mal für uns aufläufst!

Aachen wollte zurück zum alten Druck, doch der FCK war diesmal aktiver und enger dran, vielleicht weil Mandjeck etwas offensiver agierte. Das Spielgeschehen verlagerte sich so um gute zehn Meter nach vorne und weg vom eigenen Strafraum. Die „Printen“ kamen nicht mehr wirklich spielerisch zum Zug, Lautern machte nun Spiel und Tempo. Allerdings zweimal ließ sich Lauterns Abwehr noch zu Böcken hinreißen. Nachdem Sam in der 52. Minute schon hätte zum zweiten Mal netzen „müssen“, kam Aachen nach einer Stunde zu zwei Riesenchancen hintereinander. Doch die Stürmer der Alemannen machten zu viel Stockfehler in aussichtsreicher Position oder schossen meterweit vorbei. Ein Ausgleich wäre hier nicht unverdient gewesen, aus „Blödheit“ sozusagen! Denn eigentlich hatte der FCK das Spiel und den Gegner im Griff, nur eben den Boden nicht! Fortan wurde es immer souveräner und man bekam ein „Berlin-Gefühl“, wie in Köpenick, das zweite würde schon noch fallen irgendwann.

Erster Anwärter: Der eingewechselte Jendrisek, der sich sofort mit bemerkenswerter Körpersprache integrierte und für neuen Schwung sorgte. In der 69. Minute setze er sich schön gegen den heraus eilenden Stuckmann durch, doch der Ball trudelte nur bis knapp vor die Linie, um dann von Olajengbesi geklärt zu werden - gegen den Pfosten! Verdammte Axt! Das sollte dem Aachener nicht zweimal gelingen! Oder doch? Kurz darauf fälschte der Nigerianer einen Jendrisek-Schuss ab, Stuckmann bekam so irgendwie den Unterarm noch dran... Aaaaarrrrghhhhh! Aller guten Dinge sind drei? Die Chancenverwertung war nun ausgeglichen, Lautern führte demnach jetzt völlig verdient und war absolut Herr im Hause.

Als Manuel Hornig sich schon warm lief um den müde gewordenen Ilicevic auch taktisch zu ersetzen und für Sicherheit zu sorgen, ließ sich Ivo nochmal hinreißen. Er bediente erneut Sam, der ein Dejavue vorfand und sich dachte, was einmal geht, geht auch zweimal. Wieder war Stuckmann chancenlos gegen den platzierten Schuss. Der „Berlin-Effekt“ war eingetreten, das war die Entscheidung (82.). Inzwischen hochverdient! Kurz darauf verließ dann Ilicevic unter Applaus das Feld, so konnte er das dritte Tor leider nicht mehr vorbereiten, das machte für ihn dann endlich ... Olajengbesi! Aachens Verteidiger fällte Mandjeck nach einem kapitalen Bock im eigenen Strafraum. Dieser hatte solange gedribbelt und gewartet bis ihn einer von hinten umsensen musste. Sicherlich ein geschundener Elfer, aber ein „schön geschundener“, Georges! Den Ball schnappte sich an diesem Tag natürlich nur einer! Der Mann mit der Nummer 8, der, wie gesagt am Vortag 22 Jahre alt wurde. Sidney machte die „Sam-ba“ perfekt und netzte den fälligen Elfer trocken zum 3:0 ein (86.). Partytime im Gästeblock und auf dem Rasen! Die FCK-Fans zelebrierten nun den neuen alten Spitzenreiter und verabschiedeten sich standesgemäß mit einem inbrünstigen, taschentuch-schwenkenden und tränenreichen „Auf Wiedersehen“. So muss das sein!

Man möge hoffen, dass das Triple-Pack von Sam den Jungen nicht unbezahlbar gemacht hat, auf jeden Fall schallte es der Aachener Prinzengarde dreimal im Ohr: „Lautre - Kalau“ statt „Oche - Alaaf“. Und für die Nicht-Karnevalisten bleibt ein am Ende souveräner Sieg, der auf schwierigem Boden viel Kraft gekostet hat und leider mit einem Phyrrus-Effekt behaftet ist. De Wits Verletzung ist mehr als ein Wermutstropfen.

Lauterns spielerische Überlegenheit drückt sich zwar diesmal nicht in Standards, Eckbällen und Pässen aus, doch Aachen machte von seinen Ecken allein vier hintereinander, dafür lief der FCK eben fragwürdige achtmal ins Wagner'ache Abseits. Die Flankenquote von 30% gab den Ausschlag für den Torerfolg und die Zweikampfbilanz war wieder einmal „insgesamt“ überragend.

Spieler des Spiels mag auf den ersten Blick Sam sein, doch Sippel hat mindestens genauso viel Anteil an diesen drei Punkten. Balsam auf die kritisierte Seele! Auch Amedick verdient sich Bestnoten, ebenso Jendrisek für den kurzen Auftritt. Die Pechsträhne von Rodnei sollte ein Aussetzer bleiben, den offensiv starken Ilicevic sollte man taktisch vielleicht noch mal etwas nachschulen, damit er sieht, was er dem etwas langsamen Dick da hinten zumutet. Der Rest spielte in „Normalform“, absolut spitzenreiterwürdig. Den FCK am Aufstieg hindern kann nicht einmal das DSF, auch nicht mit zwanzig Montagspielen. Für diese wurde sich am Ende nochmal lautstark beim Münchner Freizeit- und Quizsender bedankt. Nein, aufhalten kann uns nur... der FCK!

Autor: Rossobianco

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