Spielbericht: 1. FC Kaiserslautern - FC St. Pauli 4:1

Betze-Feeling wie in alten Zeiten

Betze-Feeling wie in alten Zeiten


„Der FCK ... der FCK ... der FCK ist wieder da!“ hallte es während und nach dem Heimspiel des 1. FC Kaiserslautern gegen den FC St. Pauli durchs Fritz-Walter-Stadion. 41.669 Zuschauer feierten einen fantastischen 4:1-Heimsieg, der einmal mehr an alte Betze-Tage erinnerte. Die Roten Teufel erklommen die Tabellenspitze in einer Art und Weise, die einen auf mehr hoffen lässt.

Die Gäste wurden diesmal nur von rund 1.000 mitgereisten Fans unterstützt, die allerdings 90 Minuten lang für Stimmung sorgten und ihre Existenzberechtigung im Profifußball damit nochmals bekräftigten. Unter den gezeigten Fahnen und Doppelhaltern war auch ein Transparent mit der Aufschrift „12:30 Uhr? Ohne uns!“, welches auf die von den Fans heftig kritisierten TV-Pläne der Deutschen Fußball-Liga (DFL) abzielte. In dieser Angelegenheit taten sich auch die Anhänger des FCK erneut hervor, unter denen die neu gegründete Initiative „Kein Kick vor Zwei! - Kaiserslautern“ einige Aktionen gestartet hatte. So wurden bereits vor dem Spiel zahlreiche Protest-Postkarten verteilt, mit denen die Fans gegenüber der DFL ihren Unmut äußern können. Während der Partie hing dann fernsehtauglich vor der Südtribüne ein Transparent „Für fangerechte Anstosszeiten“, zu Beginn beider Halbzeiten wurden außerdem in der Westkurve noch zwei großformatige Spruchbänder: „DFL: Wir haben eure Pläne satt - Fußball findet im Stadion statt!“ und „Nur ein Haufen von Konsumenten lässt sich von solchen Plänen blenden! Wir Fans nicht!“

Auch die Unterstützung des FCK kam natürlich nicht zu knapp. Eingeleitet mit einem Meer aus Schwenkfahnen und Schals betraten die „Gladiatoren“ schließlich um 17:57 Uhr den Rasen des Fritz-Walter-Stadions, das nach sechs Heimsiegen in Folge langsam wieder zur Festung wird. In der Mannschaftsaufstellung sorgte FCK-Trainer Milan Sasic mit der Nominierung von Kai Hesse für die einzige Überraschung. War die Stürmersuche über die gesamte Sommerpause ein prägendes Thema rund um den Betzenberg, so stehen die Verantwortlichen nun vor dem Luxusproblem, mehrere Angreifer zu haben, die zurzeit das Tor treffen. Erik Jendrisek führt die Torjägerliste an, Srdjan Lakic traf in Pokal und Liga, nun verewigte sich auch noch Hesse in der Statistik - da wird die Luft sogar für den noch torlosen Marcel Ziemer, den Helden des Abstiegsendspiels, langsam dünn. Wer hätte das vor ein paar Wochen gedacht? Auch Laurentiu Reghecampf, bei dessen Verpflichtung als erstem Neuzugang ein Stammplatz außer Frage schien, sitzt zurzeit dank vorhandener Alternativen nur auf der Ersatzbank. Und in naher Zukunft werden auch noch die Verletzten Mathias Abel, Alexander Bugera und etwas später auch Josh Simpson zurückkehren. Zurzeit gibt es einfach keinen Grund für Pessimismus!

Natürlich ging der FCK als klarer Favorit in das Spiel gegen die auswärtsschwachen Hamburger, und gerade diese Konstellation sorgt ja gerne für - in diesem Fall negative - Überraschungen. Doch die Roten Teufel spielten, wie schon beim Auswärtssieg in Ingolstadt, über 90 Minuten betrachtet wie eine Spitzenmannschaft. In der Anfangsphase taten sich Mannschaft und auch Fans zwar noch etwas schwer, doch die kampfstarken St. Paulianer wurden stets beherrscht. Martin Amedick und Hesse hatten die Führung auf dem Fuß, die jedoch dem neuen Goalgetter Jendrisek vorbehalten bleiben sollte: Florian Dick nutzte eine Unaufmerksamkeit der gegnerischen Abwehr, spielte den eroberten Ball nach rechts auf Sidney Sam, dessen perfekte Flanke der Slowake per Kopf ins gegnerische Netz versenkte (38.). „Spitzenreiter Spitzenreiter, hey hey“ skandierte die Westkurve noch eher zaghaft und verabschiedete ihre neuen Helden wenige Minuten später in die Halbzeitpause.

Richtig heiß wurde es dann im zweiten Abschnitt. Zunächst vergab Anel Dzaka eine Großchance per Kopf, in deren Gegenzug St. Pauli den glücklichen Ausgleich erzielen konnte (50.). Torschütze Hoilett hatte den Ball zuvor mit gestrecktem Bein erobert, was vom sehr schwachen Schiedsrichter Georg Schalk aus Bayern so jedoch nicht gesehen wurde. Vor nicht allzu langer Zeit hätte ein solcher Rückschlag die Lautrer Elf auseinander brechen lassen, doch auch in Sachen Selbstvertrauen steht seit einigen Monaten eine völlig neue Mannschaft auf dem Platz. Nach einer Stunde traf eine Bogenlampe von Spielmacher Dzaka nur die Latte, eine Minute später machte der gebürtige Bosnier es dann besser und traf zur verdienten 2:1-Führung (61.). In seiner Freude, speziell nach den zuvor vergebenen Chancen, jubelte Dzaka jedoch etwas zu stark, was Schiedsrichter Schalk mit der gelb-roten Karte quittierte. Die erste gelbe Karte hatte Dzaka zu unrecht wegen eines angeblichen Handspiels kassiert - bereits beim Pokalaus in Jena hatte Georg Schalk FCK-Kapitän Axel Bellinghausen mit der Ampelkarte vom Platz gestellt, obwohl das zunächst mit gelb geahndete Foul von einem anderen Spieler begangen wurde. Hoffentlich zieht der Deutsche Fußball-Bund die entsprechenden Konsequenzen!

Der Betzenberg explodierte nun förmlich und sollte sich bis zum Abpfiff nicht mehr beruhigen. Ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert wie in besten Tagen begleitete den Platzverweis und die Mannschaft sorgte auf dem Platz für die richtige Antwort: Nach einer Flanke von Bellinghausen war Kai Hesse zur Stelle und erzielte sein erstes Tor für den FCK (62.). „Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!!!“ Das musste der Sieg sein, trotz Unterzahl, trotz inkompetentem Schiri. Die Fans feierten ausgiebig und lautstark, die Laola schwappte flüssig wie lange nicht mehr durch das eckige Rund.

Wenig später war auch St. Pauli nur noch zu zehnt, nachdem Gouiffe à Goufan aufgrund eines groben Foulspiels an FCK-Keeper Tobias Sippel die rote Karte erhielt - auch hier eine harte, aber immerhin noch vertretbare Entscheidung. 20 Minuten vor Spielende waren die Lautrer dann sogar für wenige Sekunden in Überzahl, als St. Paulis Torschütze Hoilett die gelb-rote Karte sah. Schiedsrichter Schalk hatte sich jedoch vertan, Hoilett war noch ohne Verwarnung und durfte nun nur mit Gelb belegt doch noch weiter spielen - eine Szene mit Symbolcharakter!

In der 74. Minute war es dann dem emsigen Axel Bellinghausen vorbehalten, mit einer akrobatischen Direktabnahme für den 4:1-Endstand zu sorgen. Dieses Match hatte Herzblut, das war Betze pur! Seit der Rückkehr von Stefan Kuntz vor fünf Monaten wissen die Spieler die Power des Fritz-Walter-Stadions in positive Energie umzuwandeln. Alleine im Spiel gegen St. Pauli pushten die Spieler das Publikum öfter mit entsprechenden Gesten zur Höchstleistung als in der gesamten vorigen Saison - so wie früher!

Für die einzigen Misstöne des Tages sorgte der Stadion-DJ mit schlechter Musikwahl. Zunächst wurde nach den Toren das Betze-Lied abgeschafft und durch das längst zum Einheitsbrei gewordene „Seven Nations Army“ ersetzt. Nach dem Spiel folgte dann auch noch eine Stimmungs-CD auf Ballermann-Niveau, deren negativen Höhepunkt ein „Humba Täterä“-Lied aus der Konserve bildete. Sind wir hier in Mainz, oder was? Zum Feiern eines 4:1-Heimsiegs brauchen FCK-Fans keine Musik aus der Konserve! Doch letztendlich haben die Anhänger die Spieltagsgestaltung selbst in der Hand. Aus diesem Grund rufen wir alle FCK-Fans, denen die gestrige Musikwahl stinkt, dazu auf, eine kritische (und sachliche!) E-Mail an den Verein zu schicken. Der richtige Ansprechpartner hierfür ist Fanbetreuer Stefan „Rossi“ Roßkopf (stefan.rosskopf@fck.de), der die gesammelten Beschwerden entsprechend weiterleiten wird.

Im Rahmen der Siegesfeier sorgte die Westkurve dann noch für eine schöne Szene, als sie ein Spruchband mit der Aufschrift „Pfaff gehört zu Lautern“ in Richtung des insolvenzbedrohten Traditionsunternehmens und seiner Angestellten zeigte. Auch die Spieler präsentierten dieses Plakat später nochmals im Stadion, als jedoch leider nicht mehr viele Fans anwesend waren.

Der FCK steht also an der Tabellenspitze, und das verdient. Vier verschiedene Torschützen in einem Spiel zeugen von Stärke, Ausgeglichenheit und Zusammenhalt in der Mannschaft. Kommende Woche geht es zum ungeliebten Montagsspiel nach Fürth, wo die Roten Teufel ihren Höhenflug fortsetzen wollen. Denn: „Der FCK ist wieder da!“

Autor: Thomas

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