Spielbericht: FC Ingolstadt - 1. FC Kaiserslautern 1:3

Souveräner Beutezug im Nichts

Souveräner Beutezug im Nichts


Eine Reise in Bayerische verband der geneigte Auswärtsfahrer bislang mit Auftritten in München, Nürnberg oder Fürth, nicht zu vergessen die ehemaligen Großvereine Burghausen und Unterhaching. An Augsburg musste man sich schon gewöhnen, nun also auch noch Ingolstadt! Würde man Bayerns Mini-Hopps unter einen Hut bekommen und den 1. FC Gesamt-Bayern gründen, dann hätte man vielleicht viel mehr Möglichkeiten und alle Auswärtsfahrer müssten nur einmal im Jahr die Schikanen der bajuwarischen Staatmacht erfahren.

Kaum in Ingolstadt angekommen wurde der Fan-Bus der „Generation Luzifer“ jedenfalls vor unseren Augen in eine Seitenstraße eines Industriegebietes gelotst, wo dann eine halbe Hundertschaft der berüchtigten USK-Spezialeinheit auf die Terroristen aus der Pfalz lauerte! Begrüßt wurde man mit den Worten: „Willkommen in Bayern, hier ist das so!“ Grund für die schikanöse Verletzung der Persönlichkeitsrechte seien die Übergriffe auf die Kollegen beim Derby in Mainz gewesen! Aha! Fragt man mal szenekundige Polizisten, dann war hierfür die oberschlaue Mainzer BFE verantwortlich.... Gefunden wurde bei der Durchsuchung des Busses und seiner Insassen natürlich nichts und eine knappe Stunde später erreichten die Fans das ESV-Stadion gerade noch rechtzeitig vor Anpfiff.

Das dies bei der mitgereisten Schar Teufel nicht gut ankam war ja klar und so wurden entsprechende Gesänge im Block intoniert, alles natürlich auf Video gebannt und nach dem Spiel, kein Witz, wurden die Personalien des FCK-Fanbeauftragten und des Lautrer Fanprojekt-Mitarbeiters aufgenommen, weil diese als Rädelsführer identifiziert worden wären! Wie dumm kann ein Staatsdiener eigentlich sein? Die Volksverdummung durch die lokale Presse im Vorfeld hat ihr Ziel nicht verfehlt, die armen Ingolstädter hatten ja immerhin „Kerb“, da muss man schon mal Angst haben vor den trinkfreudigen Teufeln, die wie die Hunnen über kleine Dörfer in Bayern herfallen, plündern und morden. Deshalb auch der Topzuschlag, der bei nichtbayerischen Vereinen nur für uns und St.Pauli erhoben wird. Welche Ehre! 15,- Euro für eine Stehplatzkarte und dann nicht mal Hintertortribünen zu Gesicht bekommen...

Das kurzfristig ins Auge gefasste Alkoholverbot wurde indes nicht durchgezogen. Ein Bayer ohne Bier vor elf Uhr morgens???? Undenkbar! Diesen Promillevorteil wollte man dann doch nicht abgeben! Aber da wir Pfälzer ja mal Bayern regiert haben (nicht etwa umgekehrt!), hat man halt immer noch Schiss vor unseren Invasions-Truppen. Gott vergelt's! Den letzten Senf dazu gab dann der FCI-Trainer, Ex-Bayern-Beau Fink: "Meine Mannschaft hat mehr Qualität als Kaiserslautern. Sasic kann machen, was er will. Das ist mir egal." Ingolstadt hatte also alles dafür getan, dass wir sie nicht leiden können.

Beim Betreten des Sportgeländes - ein Stadion ist es wirklich nicht - fühlte man sich zunächst an Paderborn erinnert. Es war noch schlimmer! Erst bei näherem Hinsehen fiel dann auf, dass man den Gästebereich mit einer Schnellbetonschicht vergrößert hatte, offensichtlich in Eigenarbeit - Pi mal Daumen! Ein Handwerker würde bei uns zu Hause für so eine Arbeit geköpft! Gegenüber stand die „Haupttribüne“, die als einziges dem Liga-Niveau in etwa standhalten kann, die VIPs waren in einer Art Containerburg mit Zeltdach untergebracht. Zirkus! Die war ungefähr vergleichbar mit Freiburg. Auf Grasnarbe und durch den Zaun massiv behindert. Nett waren die Getränke- und Wurstmädels, Bier war billig aber hatte den Namen Bier eindeutig nicht verdient. Wurst völlig überteuert, nur „Rodi“, auf meine Frage ob das Rind sei, bekam ich zur Antwort: „Was bitte?“ - Nachfrage: „Mettwurst?“ Antwort: „Naa, Fleisch!“

Das Spiel ging los vor insgesamt 7.270 zahlenden, davon gute 1.000 aus der Barbarossa-Stadt. Ingolstädter Fans - Fehlanzeige! Schon bei der Aufstellung hallte das „A....loch“ durchs weite Rund wie ein Donnerhall. Hätte es ein Dach gegeben, wäre sie alle wie die Hasen vor Angst davon, die Schanzer! Knapp 30 bis 35 Fahnenschwinger hatten sich im entferntesten Eck positioniert, das war's!

Sasic sah keinen Grund die Elf zu wechseln, warum auch, das System hatte gegen Mainz und Nürnberg, sowohl auswärts wie auch zuhause, gepasst. Also „Stareinkauf“ Reghecampf weiter draußen, Dick wieder auf rechts außen, Bellinghausen wieder auf links hinten, ansonsten das seit der zweiten Halbzeit beim „Depp“ gut funktionierende 4-1-2-1-2. Demai staubsaugte noch effektiver als am Montag und Dick wie auch Jendrisek und Ziemer gingen ab wie ein rotes Moped. Einzig Dzaka hatte keinen so famosen Tag erwischt, spielte dennoch mannschaftsdienlich. Paljic kam schwerer ins Spiel als gegen den Club, setzte sich aber immer besser in Szene. Die Kette stand wie eine Eins.

Der FCK machte gleich Druck und hätte bereits nach fünf Minuten führen müssen, doch Ziemer schoss den Keeper an, zuvor hatte Amedick einen schönen Offensivlauf mit einer guten Ablage gekrönt. Paljics Flanke in der 18. Minute konnte Jendrisek nichtnach unten drücken, Dick traf in der 26. Minute nur den Außenpfosten. In dieser Zeit befand sich Ingolstadt im Tiefschlaf, von Finks angekündigter Qualität war nichts zu sehen. „Achterkette“ hinten und vorne hilft ein Ave Maria! Die Schanzer betraten erst in der 25. Minute zum ersten Mal komplett unsere Hälfte! Ihre erste Chance hatten sie nach einer Ziemer-Halbchance in der 43. Minute , als Lokvenc, der Ex-Teufel, im Abseits stehend vergab, der Pfiff war jedoch erfolgt.

Kurz danach dann die Ärger-Szene des Spiels, Torwart Tobias Sippel greift nach einer Flanke von Rama, der Ball rutscht ihm durch die Handflächen nach hinten weg und Demir braucht nur die Lampe hinhalten zum absolut unverdienten 1:0. Mensch Tobi, warum nicht die Faust? Deshalb „Sippel raus“ zu brüllen, ist allerdings so daneben, dass ich kurz an mich halten musste, andere auch, sonst hätt's in der Halbzeit im Block gerappelt. Auch beim FCK-Anhang gibt es eben Vollpfosten, wenn auch wie in diesem Fall nur ganz vereinzelte!

Wer mit einer zweiten Hälfte gegen eine Abwehrmauer rechnete, hätte meine Stimme bekommen, wurde aber wie ich erneut vom FCK positiv überrascht. Weiter ging es nach vorne, die Ingolstädter wirkten teilweise wie Statisten. Trainer Sasic brachte gleich nach dem Wechsel (?) Lakic für Ziemer, der das Offensiv-Spiel belebte und von den Ingolstädtern nie kontrollierbar war. In der 55. Minute hielt Amedick seinen Schädel in eine Ecke von „Bello,“ drin das Ding! 1:1! Für meine Begriffe zuvor ein leichter Schubser von Ouattara, aber was soll's! Der Schiri hat es später wieder ausgeglichen, als er einen glasklaren Elfer für uns nach außerhalb verlegte! Der recht geschlauchte und laufschwache Dzaka wurde dann gegen Schönheim ausgetauscht, der die Kette verstärkte und Bellinghausen ging in die Zentrale. Er humpelte schon, deshalb grübelten einige, ob das gut ginge, aber sein Berserker-Stil sollte genau den erhofften Effekt bringen! „Bello „auf Dick, der wird nicht angegriffen, geht noch zwei Meter, guckt sich den Tormann aus und schlenzt den Ball mit einer präzisen Ruhe in die lange Ecke. Supergeiles Tor, Florian (61.)! Der Betze führte 2:1, und nun ärgerte sich ein Mitreisender noch mehr, dass er sein „Spitzenreiter“-Transparent leider in Speyer auf dem Mitfahrerparkplatz vergessen hatte. :-)

In der Schlussphase spielte der FCK mit dem FCI Katz und Maus. Nur eine Chance in der 73. Minute für Demir zum Ausgleich. Das musste man allerdings doch durch schnaufen! Dann hatten Paljic und der eingewechselte Kai Hesse die Möglichkeiten zu erhöhen, der Schuss des Serben wurde von Lutz bravourös gehalten (74.), der des Neulings verfehlte sein Ziel um Millimeter (79.). Das wäre ein Einstand gewesen, Kai! Weiter so! Zweiter Versuch in der Schlussminute - auch zu weit links, schade. Es blieb Lakic vorbehalten, das Spiel mit einem „Abstauber“ zum 3:1-Endstand zu vollenden. In der Nachspielzeit verwertete er eine blitzsaubere Hereingabe nach einem schönen Konter über Paljic mühelos. (90.+2)

Sippels Fehler war ausgebügelt, Dick, Bellinghausen und Paljic verdienten sich die Bestnoten, aber auch der Rest in bestechender Frühform. Mein Verein macht mir ein bisschen Angst! Wäre die „Uniformierte-Schwarze-Krankheit „nicht so aufgetreten, hätten sicher noch einige mehr mit den durchaus netten Ingolstädtern ein „Helles“ genossen, auch ohne die „Kerb“ zu demolieren. So aber trinken wir unser Pils lieber zu Hause, im kurfürstlichen Regenten-Land! Schmeckt besser ohne Schlagstock im Kreuz. Da jetzt gar unser Fanbeauftragter als gemeingefährlicher Hooligan (*kopfschüttel*) ausgemacht wurde, werden künftige Auftritte in Bayern sicher ähnlich ablaufen.

Armes Deutschland! Arme Bayern! So ist Ingolstadt leider keine Reise wert und hat auch diese Liga nicht verdient. Aber schließlich sind nicht die Ingolstädter daran schuld, dass wir da spielen müssen... im Nichts!

Autor: Rossobianco

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