Spielbericht: Erzgebirge Aue - 1. FC Kaiserslautern 0:0

Was von Aue übrig bleibt....

Was von Aue übrig bleibt....


Mag sein, dass noch ein wahres Wunder geschieht. Vielleicht wird die Klasse noch gehalten, der Verein saniert und in der nächsten Spielrunde greifen wir wieder so richtig an. Zu hoffen wagt es kaum noch jemand, zu schlecht präsentiert sich der 1. FC Kaiserslautern in dieser Spielrunde. So auch im Auswärtsspiel bei Erzgebirge Aue. Vor allem die Offensivabteilung ohne echten Spielmacher und Torjäger ist ein Armutszeugnis.

12.700 Zuschauer im Erzgebirgsstadion, darunter gut und gerne 500 unverwüstliche Lautrer Schlachtenbummler. Diese konnten im Gästeblock mit leckerer Nudelpfanne und Fleischkäse sowie Würstchen bei guten Preisen die etwas andere Stadionverkostung genießen - in den heutigen sterilen Stadien eine der wenigen Ausnahmen. So auch das Stadion selbst, in einer Senke gelegen mit vielen Stehplätzen und sehr traditionellem Publikum, das von allen Tribünen aus versucht seine Mannschaft nach vorne zu peitschen. Immer eine Reise wert. Wenn es nur weiterhin die 2. Bundesliga wäre...

Das der Verbleib in dieser Klasse auf dem Spiel stand, merkte man zunächst nur den Auern an, denn diese legten los wie die Feuerwehr. Drei hochkarätige Chancen in den ersten 15 Minuten. Teufelskeeper Tobi Sippel mit gewohnt starker Leistung und der Posten retteten, sonst wäre dieses extrem wichtige Auswärtsspiel schon schneller beendet gewesen, als den treuen Anhänger lieb sein konnte. Diese versuchten mit klassischen Anfeuerungsrufen die „Roten Teufel“ zu Höchstleistung zu animieren. Gebracht hat es leider nichts, die Betzebuben versteckten sich regelrecht. Kämpferisch in Ordnung, aber - Grundvoraussetzung im Fußball - es gab keine echte Torchance für Kaiserslautern. Die Außenspieler Benjamin Weigelt und Erik Jendrisek blieben total blass, Stefan Lexa ohne Fortune, Sebastian Reinert unterirdisch übermotiviert und der arme Marcel Ziemer als Prellbock im Sturm hoffnungslos überfordert. Viele Einschussmöglichkeiten aus der zweiten Reihe wurden vertändelt oder der Mumm fehlte, einfach mal drauf zu halten.

Einen kleinen Erfolg gab es dann dennoch noch in der ersten Hälfte. Die ganze Zeit stellte sich das Deutsche S... Fernsehen mit einem Kamerateam vor den Gästeblock, um penetrant die Zuschauer abzufilmen. Durch Proteste und Spickzettel auf dem Rücken des gut aufgelegten Vorsängers Maggi musste das Kamerateam auf Geheiß der Sicherheitsdienste den geordneten Rückzug antreten. Die Anstosszeiten in der neuen dritten Liga sind überwiegend samstags - das kann man ja schon fast als positiv bezeichnen bei Anstoßzeiten der 2. Bundesliga.

Zu Beginn der zweiten Hälfte hatte man das Gefühl, beide Mannschaften würden gar nicht erst probieren, Torchancen herauszuspielen. Die Eckballstatisitik von 3:1 für Kaiserslautern spricht einiges dafür. Standardsituationen auf beiden Seiten wurden einfach unwürdig umgesetzt, „so spielen Absteiger“. Erst die 63. Minute brachte wieder Aufregung, und zwar wie konnte es anders sein durch eine Gelb-Rote Karte für Lauterns Georges Mandjeck. Man kann jetzt diskutieren ob sie gerechtfertigt war, ob der Spieler nie so hingehen darf, ob es erst sein zweites Foul war oder ein Allerweltsfoul. Fakt ist, dass der Junge 19 Jahre alt ist und immer sein Bestes gibt, ihm sollte daher niemand einen Vorwurf machen. In der Winterpause geholt müssen gerade Spieler wie er die Suppe auslöffeln, die andere verbrockt haben. Zu diesem Zeitpunkt der Betze-Block schon längst in Ekstase verfallen mit Dauergesang. Wenn die Mannschaft schon nix taugt, muss wenigstens der Anhang die rot-weiße Fahne hochhalten. Aue danach extrem offensivschwach, die Lautrer ebenso bis zu einem Konter in der 87. Minute. Der immer bemühte und auch diesmal einer der Besseren, Axel Bellinghausen, schickt Ziemer allein auf die Reise. Torwart Sippel hat die Hände schon zum Torjubel oben, aber Marcel Ziemer legt sich den Ball zu weit vor und der Schlussmann pariert. Tja, Bundesligaprofis sollten da doch cleverer sein und wenigstens über eine gewisse Grundtechnik verfügen. Keine Stürmer, keine Tore. So steigt man ab, ganz einfach. Aue mit der letzten Chance, die Sippel pariert, das wars.

Was von Aue übrig bleibt ist die Tatsache, dass wir höchstwahrscheinlich absteigen. Da braucht sich niemand etwas vorzumachen. Wir können nur hoffen, dass sich die Mannschaft nicht aufgibt und bei Spielen wie gegen Mainz und Köln die Ehre des Vereins mit kämpferischer Leistung verteidigt. Aber vielleicht geschieht ja doch noch ein Wunder, auch wenn kaum noch jemand daran glaubt.

Quelle: Der Betze brennt | Autor: connavar

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