Kummt Senf druff

Ein Blick auf die finanzielle Ausgangslage des FCK

Ein Blick auf die finanzielle Ausgangslage des FCK


Zehn Tage vor dem ersten Pflichtspiel des 1. FC Kaiserslautern - im DFB-Pokal beim SV Wilhelmshaven - werfen wir einen Blick auf die Gesamtsituation des 1. FC Kaiserslautern. Die sportlichen Aussichten werden an dieser Stelle in Kürze separat beurteilt, betrachten wir also heute einmal die finanziellen Rahmenbedingungen des Traditionsvereins aus der Pfalz.

Nachdem der sofortige Wiederaufstieg durch eine schwache Rückrunde verspielt wurde, wurde sehr schnell deutlich, dass das Budget für die neue Spielzeit noch einmal reduziert werden muss. Stand in der Saison 2006/2007 noch ein Etat von gut 9 Millionen Euro für die Profitruppe zur Verfügung, sind es für die anstehende Saison offenbar nur noch runde 7 Millionen. Damit befindet man sich bestenfalls noch im Mittelfeld der zweiten Liga.

Da fragt man sich, wieso ein Verein, der zuletzt noch mehr als 30.000 Zuschauer pro Spiel anzog, plötzlich weniger Geld zur Verfügung haben soll als beispielsweise der SC Paderborn? Gibt es da möglicherweise doch noch Altlasten, unter denen man leidet? Diese Frage müsste man zu gegebener Zeit dem Vorstand bzw. Aufsichtsrat auf der Mitgliederversammlung stellen.

Bei genauerem Hinschauen findet man jedoch auch noch andere Gründe, warum der Spieleretat noch einmal um etwa 2 Millionen gekürzt wurde. Da steht zum Beispiel Ex-Coach Wolfgang Wolf noch mit ca. 1,2 Millionen Euro jährlich bis zum 30. Juni 2008 auf der Gehaltsliste, zudem wurden die TV-Gelder um 1,5 Millionen Euro gekürzt. Und zwar deshalb, weil Absteiger in Liga 2 (wie auch diejenigen in Liga 3) im ersten Jahr ihres dann unterklassigen Daseins noch eine finanzielle Abfederung erhalten, damit der finanzielle Absturz nicht zu tief ausfällt. Aber dieses eine Jahr ist ja nun in der Pfalz vorbei.

In den letzten Jahren hat der FCK den Spieleretat bereits so sehr zusammen gestrichen, dass die Konkurrenzfähigkeit seiner Profitruppe mittlerweile von vielen als gefährdet angesehen wird. Ab sofort muss man sich von daher dringend daran begeben, die Einnahmesituation zu verbessern. Denn wie in der Wirtschaft muss nach einer Konsolidierungsphase irgendwann auch der FCK seine Ertragslage verbessern, um zukunftsfähig zu bleiben. Kaputtsparen war noch nie ein Zukunftskonzept.

Welche Möglichkeiten gibt es hier? Die Zuschauerzahl zu steigern, um höhere Einnahmen zu erzielen, erscheint derzeit kaum möglich. Die Fans stehen treu wie eh und je zum Verein, eine Steigerung ist aber wohl erst wieder in Liga 1 möglich. Auch sollte man davon absehen, die Eintrittspreise zu erhöhen, selbst wenn diese sich auf vergleichsweise niedrigem Niveau bewegen - für die neue Saison wurden richtigerweise die Preise stabil gehalten. Im Bereich der Sponsorengelder müsste noch eine Steigerung drin sein, denn wie sollten sonst andere Vereine mit erheblich niedrigeren Zuschauerzahlen einen ähnlichen oder sogar höheren Etat als der FCK haben? Aber offenbar tut man sich schwer, regionale wie überregionale Sponsoren, die größere Beträge investieren könnten, zu finden. Wobei natürlich dann auch das Thema des Mitspracherechts eines potenziellen Großsponsors wieder auf die Tagesordnung käme.

Vorstandsvorsitzender Erwin Göbel brachte kürzlich die Umbenennung des Fritz-Walter-Stadions an einen zu findenden „passenden“ Partner ins Gespräch. Unter Beibehalten des Namens Fritz Walter in einer wie auch immer genannten Arena. Göbel erwähnte, dass der FCK das Namensrecht noch besäße und er dieses Projekt auf der Mitgliederversammlung eventuell präsentieren wolle. Ein Thema, das die Fans bereits nach dieser kurzen Anmerkung wild diskutieren ließ und wohl auch heftige Proteste mit sich bringen würde - obgleich nicht alle Anhänger einen Doppelnamen für den „Betze“ ablehnen würden.

Auf einer finanziell kleineren Ebene hat der FCK zuletzt durch den Umbau und die Neunutzung des Turms zwischen Nord- und Westtribüne eine neue Einnahmequelle entdeckt. Hier soll im VIP-Bereich bei einer Investition von 100.000 Euro ein jährlicher Ertrag von mindestens 400.000 Euro erzielt werden. Ein durchaus vernünftiger Ansatz, wobei mancher Westkurvler sich darüber mokiert, dass einige dieser VIP`s ein solches Fussballspiel nur „zum Sehen und Gesehen werden“ nutzen anstatt die eigene Mannschaft anzufeuern. Allerdings darf hierbei nicht übersehen werden, dass diese neuen VIP`s in einem Jahr soviel Geld bezahlen (3.800 Euro pro Person) wie ein Westkurvenbesucher für seine Dauerkarte in 30 Jahren. Da sollte im Sinne des Vereins eine friedliche Koexistenz möglich sein.

Man muss, um eine vernünftige finanzielle Basis für die Zukunft zu erreichen, in manchen Bereichen umdenken in der Pfalz. Das seligmachende Kleinod Kaiserslautern in seiner ursprünglichen Form gibt es nicht mehr. Auch wenn viele gerne von den guten alten Zeiten schwärmen. Die aktuellen Gegebenheiten annehmen ohne die eigene Tradition zu vergessen oder gar zu verraten ist das Gebot der Stunde. Zu allen neuen Ideen sofort „Nein“ zu sagen, ohne sich intensiver damit auseinander zu setzen, wird dem FCK auf Dauer nicht wirklich weiterhelfen. Andererseits muss der FCK aber auch nicht absolut jeden Trend mitgehen, um wieder erfolgreichen Fußball zu bieten.

Trotzdem muss der Vorstand neue Wege andenken dürfen. Zumal man beim aktuellen Vorstand nicht unbedingt befürchten muss, dass dieser den Ausverkauf des FCK betreibt. Tradition und Moderne müssen keine Gegensätze sein. Im Gegenteil: Mit der Tradition kann man auch wuchern und sie künftigen Partnern entsprechend schmackhaft machen. Ansonsten wird dem Verein kaum etwas anderes übrig bleiben als in den Folgejahren regelmäßig einen oder sogar mehrere seiner talentierten Nachwuchsspieler und damit einen Teil seiner Zukunft zu verkaufen.

Autor: Altmeister

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