Spielbericht: KFC Uerdingen - 1. FC Kaiserslautern 0:3

Nicht wiederzuerkennen

Nicht wiederzuerkennen


Es geht doch! Endlich zeigt der 1. FC Kaiserslautern wieder sein auch vorhandenes gutes Gesicht und siegt beim KFC Uerdingen völlig verdient mit 3:0. Die mitgereisten Fans lassen sich auch von der Geisterkulisse in der Düsseldorfer Arena nicht beeindrucken und feiern ihre Siegesparty.

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Viele FCK-Anhänger waren an diesem Samstag ohne große Erwartungen gen Düsseldorf gereist, wo der KFC Uerdingen in dieser Spielzeit seine Heimspiele austrägt. Schließlich hatte die Mannschaft der Roten Teufel mit den vergangenen Auftritten - vor allem in der Fremde - nicht gerade für Zuversicht bei ihren Anhängern besorgt: Seit August hatte es vier Auswärtsniederlagen am Stück mit insgesamt 15 Gegentoren gegeben. Doch diesmal kam alles anders und die Schlachtenbummler konnten zufrieden die Heimfahrt antreten.

Nichtmal 5.000 Zuschauer: Geisterkulisse im Düsseldorfer Stadion

Die knapp 1.500 mitgereisten FCK-Fans können in den kommenden Tagen sicher nicht nur von den drei Punkten erzählen. Jedem, der dabei war, wird auch die sonderbare Atmosphäre in Erinnerung bleiben. Nur 4.453 Zuschauer hatten sich an diesem kühlen Samstagnachmittag in die Heimspielstätte des Bundesligisten Fortuna Düsseldorf verirrt, die offiziell 54.600 Plätze bietet.

Der KFC Uerdingen hatte das Stadion vor der Saison als Ausweichspielstätte benannt, weil sich die heimische Grotenburg weiter im Umbau befindet. Obwohl die "Gastgeber" nur den Unterrang gemietet haben, blieben auch dort die meisten Plätze leer. Nur ganz selten konnten die etwa 500 Uerdinger in der "Kurve", die sich aber auf der Haupttribüne befand, auf sich aufmerksam machen. Das lag sicher auch am Spielverlauf, aber: Wer auf solch eine Idee kommt, in ein Stadion zu gehen, das über 50.000 Zuschauer fasst, der sollte sich echt mal hinterfragen.

Starker FCK lässt Uerdingen nicht ins Spiel kommen

Auch im Stadioncatering lief der Betrieb auf Sparflamme. Ein Ausschank hatte geschlossen, am anderen bildete sich lange Schlangen. Draußen gab es Bratwurst und Krakauer, vor der Partie mussten aber trotz der geringen Zuschauerzahl lange Wartezeiten eingeplant werden.

Auf dem Platz zeigten sich die Roten Teufel, wie es wohl nur wenige für möglich gehalten hätten. Carlo Sickinger führte seine Elf nach der Degradierung von Christoph Hemlein und Co. als neuer Kapitän aufs Feld und nach einer Schweigeminute für den vor zehn Jahren leider viel zu früh verstorbenen Nationaltorwart Robert Enke hatte der FCK die Partie sofort im Griff. Pünktlich zum Anpfiff trafen auch die Lautrer Ultras ein, die wegen eines Zugdefekts wie schon in Chemnitz fast den Beginn des Spiels verpatzt hätten. Die Lautrer Mannschaft setzte die Uerdinger früh unter Druck und dominierten eigentlich über die gesamten 90 Minuten. Vor allem der unermüdliche Dominik Schad auf der rechten Außenbahn und der vorne enorm fleißige Timmy Thiele ragten heraus. Ebenfalls auffällig: Janik Bachmann, der nach einer Rückenprellung seit zwei Wochen erstmals wieder in der Anfangsformation stand, spielte wohl das, was vor der Saison viele von ihm erwartet hatten. Gefühlt gewann Bachmann jeden Zweikampf und zeigte auch im Defensivverbund seine Stärken. Auch Hendrick Zuck lieferte bei seinem ersten Startelfeinsatz in dieser Saison eine starke Leistung.

Uerdinger Lukimya bringt FCK kurz vor der Halbzeit in Front

Nach zuvor frühen Gegentoren wären viele FCK-Anhänger sicher mit einem torlosen Remis zur Pause schon zufrieden gewesen. Doch dann brachte Rechtsverteidiger Dominik Schad nochmal einen zweiten Ball in den Strafraum. Die Flanke an sich war eigentlich ungefährlich, doch KFC-Akteur Assani Lukimya konnte nicht ausweichen und beförderte die Kugel zur FCK-Führung ins eigene Tor. Als Christian Kühlwetter nach 57 Minuten das 2:0 erzielte, kannte die Freude im Gästeblock keine Grenzen mehr. Kühlwetter lauter Schrei der Erleichterung war bis auf die Tribüne zu hören.

Die zuvor skeptische Haltung wurde abgelegt und die FCK-Fans waren nun der klare Herr im Haus. Zugegeben: Das war auch nicht schwer. Die Uerdinger öffneten ihre Defensive und Timmy Thiele vollendete 25 Minuten vor Abpfiff einen Alleingang zur endgültigen Entscheidung. In der Folge hätten die Lautrer gegen die völlig willenlosen Gastgeber noch viel höher gewinnen können. Es blieb aber beim 3:0 - vor allem für die FCK-Fans eine Befreiung, die lange nicht mehr gehörte Gassenhauer wie "Mein Leben hab ich dir vermacht, jeden Tag und jede Nacht" oder "Einer geht noch, einer geht noch rein" auspackten.

"Mein Leben hab ich dir vermacht, jeden Tag und jede Nacht"

Die Roten Teufel können also doch noch gewinnen! Man muss zwar festhalten und zugeben: Die Uerdinger waren an diesem Tag wirklich schlecht. Aber das waren einige vorherige Gegner des FCK auch gewesen und trotzdem hatte es da nicht geklappt. Während die Gastgeber grußlos in der Kabine verschwanden, ließen sich die FCK-Akteure noch etwas länger und verdient von ihren Fans feiern. Gerne öfter, jederzeit wieder, Jungs!

Diese Leistung und vor allem die Einstellung muss nun der Maßstab für die kommenden Wochen sein. So wird der 1. FC Kaiserslautern mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben - aber nur so! Am Mittwoch geht es jetzt erstmal im Verbandspokal zum Regionalligisten FK Pirmasens. Blamage verboten!

Autor: Flo

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