Interview des Monats: FCK-Kapitalgeber Flavio Becca, Teil 3/3

"Der FCK in fünf Jahren: Zweite Liga oben - mindestens"

Flavio Becca (l.) feiert mit Abwehrspieler Tom Schnell den Meistertitel 2017 für F91 Düdelingen; Foto: Imago

Exklusiv auf Der Betze brennt spricht Kapitalgeber Flavio Becca über seine Ziele und Pläne mit dem 1. FC Kaiserslautern. In Teil 3 des Interviews gibt der Luxemburger zudem einen Einblick in sein sonstiges Leben - sportlich, geschäftlich und persönlich.

Der Betze brennt: Flavio Becca, Sie sind in Luxemburg geboren und haben italienische Vorfahren. Wie ist aus Ihnen der Mann geworden, der Sie heute sind?

Flavio Becca (57): Mein Vater kam aus Umbrien, hat eine Luxemburgerin geheiratet und ist dann hiergeblieben. Er hatte ein kleines Bauunternehmen. Nach dem Schulabschluss hatte ich die Möglichkeit, bei ihm zu arbeiten. Schon nach zwei Wochen sagte er zu mir: Von heute an bist du nicht mehr Angestellter, sondern mein Partner. "It’s up to you to play", meinte er. Um den Betrieb übernehmen zu können, musste ich eine Meisterprüfung ablegen. Als Maurer. Ich hatte wochenlang nur noch Rückenschmerzen (lacht).

Reich geworden ist Flavio Becca in den letzten 25 Jahren vor allem mit Bauprojekten, unter anderem im Ban de Gasperich in Luxemburg-Stadt. Gleichzeitig hat der Multi-Unternehmer in viele weitere Standbeine investiert, produziert etwa den natürlichen Energydrink "Leopard", betreibt das Weingeschäft "Vinissimo", besitzt die Uhrenmarke "Anonimo" und ist als mitsprechender Geldgeber im Sportbereich sehr aktiv. Immer wieder stößt er dabei aber auch auf Widerstände - so ist beispielsweise für das nächste Jahr ein Gerichtsprozess wegen Veruntreuung angesetzt, dem Becca laut eigener Aussage aber zuversichtlich entgegen sieht.

Der Betze brennt: Bei den italienischen Wurzeln muss man wohl nicht fragen, woher Ihre Fußball-Leidenschaft kommt?

Becca: Von Kindestagen war ich Fan von Inter Mailand, das hat mir mein Vater so gesehen in die Wiege gelegt. Inter ist mein Verein. Aber wie ich schon sagte, bedingt durch die regionale Nähe hatte ich auch für den FCK schon immer gewisse Sympathien.

"Das Highlight war die Europa League gegen den AC Mailand"



Der Betze brennt: Schon seit 20 Jahren unterstützen sie den luxemburgischen Erstligisten F91 Düdelingen als Sponsor. Es war ihr erstes Engagement im Sportbereich. Wie ist es dazu gekommen?

Becca: Meine Mutter kommt aus Düdelingen und ein guter Freund hat mich damals gefragt, ob wir dem Verein helfen können. Das haben wir dann getan. Ich habe aber gleich gesagt, erwartet nicht direkt im ersten Jahr die Meisterschaft, ihr müsst uns mindestens drei Jahre geben. Doch wir hatten Glück, es ist sehr gut gelaufen und schon im zweiten Jahr haben wir den Meistertitel geholt. Seitdem haben wir uns in der Spitze der Liga festgesetzt. Doch man muss immer betrachten, dass der Fußball in Luxemburg keine Profi-Liga ist.

Der Betze brennt: Auch zum FCK gab es schon früh erste Verbindungen in Düdelingen...

Becca: Wir haben tatsächlich Spieler aus Kaiserslautern geholt: Roger Lutz, der bei uns seine Karriere beendete und dann auch Trainer wurde. Rainer Hauck hat in Düdelingen gespielt, Mario Pokar steht aktuell noch hier unter Vertrag. Olaf Marschall (in den letzten 25 Jahren als Spieler, Team-Manager und Scout beim FCK aktiv; Anm. d. Red.) habe ich öfter getroffen.

Der Betze brennt: Trotz der nur semi-professionellen Voraussetzungen erreichten Sie in der letzten Saison die Europa League, was ein auch in der deutschen Grenzregion sehr beachteter Erfolg war. In der Gruppenphase ging es unter anderem gegen den AC Mailand.

Becca: Ja. Das war das absolute Highlight. Wir haben für luxemburgische Verhältnisse alles erreicht, was man realistisch gesehen erreichen kann. In Mailand haben wir sogar 2:1 geführt, zuhause auch nur mit 0:1 verloren. Und obwohl die Europa League körperlich und mental auch eine große Belastung für uns war, haben wir in der Rückrunde noch eine große Aufholjagd gestartet und doch noch den Meistertitel errungen und auch den luxemburgischen Pokal gewonnen.

In der laufenden Champions-League-Qualifikation ist F91 Düdelingen trotz 2:0-Führung knapp am FC Valletta (Malta) gescheitert: Das Heimspiel endete noch 2:2, im Rückspiel auswärts bedeutete dann das 1:1 aufgrund der Auswärtstorregel das Aus. Weiter geht es für F91 nun in der Europa-League-Qualifikation, wo diese Woche Dienstag ein 2:1-Hinspielsieg bei FK Shkëndija (Nordmazedonien) gelang. Viele Leistungsträger aus Düdelingen sind allerdings in diesem Sommer zu Royal Virton nach Belgien gewechselt, darunter auch Trainer Dino Toppmöller.

"Wenn ich etwas anfassse, will ich meine Ziele erreichen"

Der Betze brennt: Dennoch folgt im kommenden Jahr Ihr Ausstieg in Düdelingen. Stattdessen werden sie in Luxemburg künftig den Zweitligisten Swift Hesperingen unterstützen. Warum?

Becca: Dass ich Düdelingen verlasse, hat nichts mit dem Klub zu tun. Seit 20 Jahren war ich mit der Politik im Gespräch, um ein neues Stadion zu bauen, doch ich und der Klub wurden nur hingehalten. Ich habe alles versucht, die Sache in die Wege zu leiten, doch als mir gesagt wurde vor 2023 wird das nichts, habe ich mich entschieden, aufzuhören. Denn wenn ich etwas anfasse, will ich meine Ziele erreichen. Es ist aber nach den vielen erfolgreichen Jahren der richtige Zeitpunkt gekommen, um sich langsam, nicht sofort, zurückzuziehen. Mit Hesperingen gilt es nun zunächst, in die erste Liga aufzusteigen.

Der Betze brennt: Zudem haben Sie im Sommer 2018 den belgischen Drittligisten Royal Excelsior Virton gekauft. In Belgien gibt es keine 50+1-Regel, Sie sind dort also Besitzer dieses Klubs. Und direkt im ersten Anlauf ist der Aufstieg in die zweite Liga gelungen.

Becca: Wir hatten auch Glück, dass der Aufstieg gleich geklappt hat, denn die belgische Meisterschaft ist keine leichte. Wir mussten den Fußball dort auch erst kennenlernen. Ich hoffe aber sehr, dass ich nicht immer zuerst zwei Trainer entlassen muss, bevor wir zu den gewünschten Resultaten kommen (lacht). Ich habe mich in Virton zuerst von Leuten beraten lassen, die den Klub kannten, dann gemerkt, dass wir so in eine falsche Richtung abdriften. Letztendlich habe ich für die Trainerposition eine interne Lösung gefunden, die dann zum Erfolg geführt hat.

Der Betze brennt: Was sind ihre weiteren Pläne in Belgien? Sportlich sind in diesem Sommer viele Leistungsträger von Düdelingen nach Virton gewechselt, zudem auch Trainer Dino Toppmöller.

Becca: Das Ziel muss jetzt sein, dass sich die Mannschaft sportlich etabliert, dann kann über den nächsten Schritt, den Aufstieg in die erste Liga, nachgedacht werden. Doch wir werden nichts überstürzen.

"Wir möchten ein gemeinsames Scouting-Netzwerk mit dem FCK aufbauen"



Der Betze brennt: Ist eine Vernetzung ihrer drei Fußballklubs denkbar? Dass zum Beispiel mal ein Talent von Kaiserslautern nach Virton wechselt oder ein Leistungsträger in die andere Richtung? Man kennt so etwas beispielsweise von den international verstreuten Red-Bull-Klubs mit ihren Filialen unter anderem in Leipzig und Salzburg.

Becca: Ja, das ist sicher eine unsere Ideen, aber natürlich in einem kleineren Rahmen als bei Red Bull. Wir wollen die Austauschmöglichkeiten maximieren. Als ersten Schritt möchten wir zeitnah ein gemeinsames Scouting-Netzwerk aufbauen, quasi in einem Dreieck: Kaiserslautern, Virton und Düdelingen/Hesperingen. Das Ganze soll von Kaiserslautern aus organisiert und verarbeitet werden. Die sportlichen Leiter der Vereine können sich dann untereinander austauschen, welcher der beobachteten Spieler am besten zu welchem Verein passt. Außerdem lassen sich die Kosten für jeden Einzelnen somit senken. Erste Gespräche dazu wurden bereits geführt.

Man kann den Multi-Unternehmer Flavio Becca getrost als Sportverrückten bezeichnen. Er ist fast jedes Wochenende persönlich bei "seinen" Teams dabei, zuletzt am Wochenende auch beim FCK-Heimspiel gegen Unterhaching (1:1). Seine Tochter Emma (16) ist eine international im Nachwuchsbereich erfolgreiche Dressurreiterin, die von ihrem Vater unterstützt wird. Und auch für andere Sportarten kann sich Becca begeistern.

Der Betze brennt: Auch abseits des Fußballplatzes ist Ihr Faible für den Sport zu erkennen. Mit dem Team "Leopard Trek" und den beiden Luxemburger Brüdern Andy und Frank Schleck starteten sie 2011 im Radsport.

Becca: Im Radsport waren die Luxemburger schon immer sehr stark. Als Sportbegeisterter und früherer Radfahrer hat man mich damals gefragt, ob wir um die Schleck-Brüder herum etwas aufbauen können. Für mich war aber von vornherein klar, dass das Projekt nur über drei Jahre ausgelegt ist. Das Ziel, die Tour de France zu gewinnen, konnten wir zwar nicht erreichen, doch der zweite und dritte Platz im Gesamtklassement war ein großer Erfolg. Auch in vielen anderen großen Radrennen sind wir vorne mit dabei gewesen. Es gab aber auch sehr schwere Momente, wie den, als wir beim Giro d'Italia nach einem Unfall einen Todesfall verkraften mussten.

Der Betze brennt: Zudem sind Sie mit dem Rennstall "Leopard Racing" in der Motorrad-WM aktiv.

Becca: Im Motorsport sind wir auch deswegen sehr aktiv, um unsere verschiedenen Marken wie "Leopard", "Anonimo" oder "Dovit" nach vorne zu bringen, weil Moto3, Moto2 und MotoGP weltweit verfolgte Veranstaltungen sind. Wir sind im ersten Jahr gleich Weltmeister geworden und haben dort eine enorme Werbereichweite, generieren so einen immensen Return. Momentan sind wir auch Erster nach dem Deutschland-Grand-Prix.

"Rot wird hundertprozentig die Farbe der FCK-Heimtrikots bleiben"

Der Betze brennt: Beim Stichwort "Leopard" kommen wir nicht drumherum, auch wieder einen Bezug zum FCK zu setzen: Die meisten ihrer Sportler, auch die Fußballer in Luxemburg und Belgien, laufen in der Leopard-Markenfarbe Türkis auf. Und das Getränk soll bald auch in Deutschland auf den Markt kommen. Aber die Roten Teufel bleiben doch wohl die Roten Teufel, oder?

Becca: Da muss in Kaiserslautern niemand Angst haben (lacht). Rot wird hundertprozentig die Vereinsfarbe und die Farbe der Heimtrikots bleiben. Eine gewisse Verbindung zu der Leopard-Farbe und Kaiserslautern haben wir aber entdeckt: Der Farbton ist fast identisch mit der Farbe des Fischs im Stadtwappen von Kaiserslautern. Und ja, auch ein Sponsoring von Leopard in Kaiserslautern ist denkbar, doch noch ist das Produkt auf dem deutschen Markt nicht eingeführt, noch macht es also keinen Sinn. Aber die Markteinführung ist geplant und soll zeitnah erfolgen.

Der Betze brennt: Hat der Einstieg in Kaiserslautern denn einen Einfluss auf Ihre weiteren Sport-Investments?

Becca: Nein, Kaiserslautern ist ein neues Projekt, welches mit dem Rest des Sponsorings erstmal nichts zu tun hat. Aber eins ist damit klar. Wir unterstützen jetzt drei Fußballvereine. Ein weiterer wird nicht hinzukommen.

Wie schon erwähnt, trifft Flavio Becca auch immer wieder auf juristische Widerstände: Im Jahr 2011 wurden bei einer Hausdurchsuchung Luxusuhren sichergestellt, der daraus resultierende Gerichtsprozess soll nun im kommenden Jahr stattfinden (Hintergrund). Vorletzte Woche gab es zudem Schlagzeilen über einen geschätzt 700 Millionen Euro schweren Immobilienfonds, um den ein ebenfalls noch schwebendes Verfahren geführt wird (Hintergrund).

"Die Fans müssen sich wegen der Gerichtsprozesse keine Sorgen machen"



Der Betze brennt: Zuletzt standen Sie wegen einem für 2020 terminierten Prozess der Veruntreuung in den Schlagzeilen. Zudem läuft ein Vergleichsverfahren wegen eines hunderte Millionen Euro schweren Immobilienfonds. Haben diese juristischen Angelegenheiten einen Einfluss auf ihr Engagement in Kaiserslautern? Könnte das Geld ausgehen oder sonst etwas schlimmes passieren?

Becca: Die Fans können absolut beruhigt sein. Das Ganze hat überhaupt keinen Einfluss auf den FCK. Ich bin mit meinem Gewissen im Reinen und sehe den Verfahren deswegen zuversichtlich entgegen. Man sollte nicht alles glauben, was geschrieben wird. Ganz wichtig ist mir aber: Es ging nie um Korruption, wie von einigen Medien fälschlicherweise behauptet wurde.

Der Betze brennt: Wer sind Ihre Berater, wenn es um sportliche Dinge und speziell um den FCK geht? Klaus Toppmöller? Michael Becker? Reiner Calmund? Dieter Buchholz?

Becca: Mit Klaus Toppmöller (Bundesliga-Rekordtorschütze des FCK und ehemaliger Trainer; Anm. d. Red.) treffe ich mich gerne zum Essen, auch um über Fußball zu reden. Ihn und die anderen alten FCK’ler müssen wir wieder hoch auf den Betze bekommen, ich würde gerne einen "Klub der Ehemaligen" gründen. Michael Becker (Spielerberater aus Kaiserslautern und Luxemburg; Anm. d. Red.) und Reiner Calmund (Ex-Manager von Bundesligist Bayer Leverkusen; Anm. d. Red.) sind sehr gute Freunde, aber nicht meine direkten Berater. Gleiches gilt für Dieter Buchholz (FCK-Sponsor und früherer Aufsichtsratsvorsitzender; Anm. d. Red.): Ob er so ein Fußballexperte wie die Vorgenannten ist, weiß ich nicht, aber ich gehe gerne mit ihm essen und wir tauschen unsere Meinungen über das Geschehen beim FCK aus.

Der Betze brennt: Unsere abschließende Frage: Flavio Becca, wo sehen Sie sich und den 1. FC Kaiserslautern in fünf Jahren - nach Abschluss des "Fünfjahresplans" im Sommer 2024?

Becca: Im oberen Teil der 2. Bundesliga - mindestens.

Der Betze brennt: Vielen Dank für das sehr offene und ausführliche Gespräch!

(Das Interview führten Moritz Kreilinger und Thomas Hilmes.)

Autor: Redaktion

Weitere Links zum Thema:

- Teil 1 des Interviews: "Die Frage war: Wie bekommen wir Ruhe rein?"
- Teil 2 des Interviews: "Das Ziel kann nur der Aufstieg sein"

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