Kummt Senf druff

Folgerichtige Entscheidung

Folgerichtige Entscheidung


Die Verträge von Mads Albaek und Jan Löhmannsröben beim 1. FC Kaiserslautern werden nicht verlängert. DBB-Autor Flo kommt zu dem Schluss: Bei beiden Spielern ist die Entscheidung aus verschiedenen Gründen richtig.

Mads Albaek heuerte vor zwei Jahren in Kaiserslautern an und sollte der neue Chef im Mittelfeld der Roten Teufel werden: "Mit der Verpflichtung von Mads Albaek ist es uns gelungen, einen gestandenen, international erfahrenen Mittelfeldspieler zu verpflichten. Er ist ein sehr ballsicherer Spieler, der über eine gute Mentalität verfügt und einen starken linken Fuß hat. Wir freuen uns sehr, dass uns diese Verpflichtung gelungen ist", sagte Sportdirektor Boris Notzon bei der Vorstellung des Dänen. Doch schnell wurde klar, wie verletzungsanfällig Albaek ist. Nur acht (!) von 36 Pflichtspielen konnte er wegen einer hartnäckigen Schambeinentzündung in seiner ersten Saison absolvieren. Es ist natürlich hypothetisch zu behaupten, dass der FCK mit einem gesunden Albaek im Mittelfeld den Abstieg hätte vermeiden können, ganz weit hergeholt erscheint es aber nicht.

In der 3. Liga sollte dann alles besser werden. Albaek, nun einer der Besserverdiener in der Mannschaft, sorgte mit seiner Vertragsverlängerung um ein Jahr für eine positive Überraschung, die von Sportchef Martin Bader euphorisch bei der Außerordentlichen Mitgliederversammlung am 03. Juni 2018 verkündet wurde. Und auch die Freude bei den anwesenden Mitgliedern auf der Nordtribüne war groß. Zwar spielte der fitte Albaek dann die ersten Saisonspiele nahezu durch, richtig überzeugen konnte er aber auch dort nicht und deshalb die ihm zugedachte Führungsrolle nicht ausfüllen. Nach einem erneuten Ausfall wegen einer Knieprellung beim Spiel in Zwickau musste sich Albaek die meisten Partien bis Anfang November dann von der Bank anschauen. Die Konkurrenz hatte ihm den Rang abgelaufen. In Rostock kehrte der Däne in die Startelf zurück und spielte bis zum Ende der Vorrunde jeweils 90 Minuten durch. In dieser Phase kamen aber immer mehr Zweifel auf, ob Albaek überhaupt das Tempo mitgehen und schnell genug die Löcher im defensiven Mittelfeld schließen kann.

Wegen der vielen Verletzungen: Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht

Im Trainingslager in Spanien hatte der neue FCK-Trainer Sascha Hildmann mit seiner Mannschaft gerade ein neues Spielsystem eingeübt, in dem Albaek eine Schlüsselrolle übernehmen sollte, da verletzte sich der 29-Jährige schon wieder. Ein Muskelfaserriss setzte ihn für sieben Spiele außer Gefecht, erst Mitte März kehrte er in die Mannschaft zurück. Zu diesem Zeitpunkt äußerte sich Albaek auch erstmals zu seiner Zukunft: "Ich würde gerne bleiben - ja, ganz klar", sagte er damals. Sich bereits Ende April im Spiel in Wiesbaden anbahnende Adduktorenprobleme beendeten Albaeks zweite FCK-Saison dann vorzeitig, die letzten drei Saisonspiele und das Verbandspokalfinale verpasste er. Spätestens zu diesem Zeitpunkt scheinen sich die Bedenken bei den FCK-Verantwortlichen verfestigt zu haben, ob Albaek dem FCK noch weiterhelfen kann. Bei einem Spieler, der gefühlt alle acht Wochen ausfällt und dann wieder ein paar Wochen braucht, um komplett fit zu werden und deshalb praktisch nie in Top-Form spielt, stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis einfach nicht. Dazu kommt der Sparzwang beim chronischen klammen FCK, der gerade so die Lizenz für eine weitere Drittliga-Saison bekam.

Löhmannsröben öfter neben als auf dem Platz auffällig

Bei Jan Löhmannsröben muss man nicht so weit ausholen. Der gebürtige Kasselaner kam zu Beginn der vergangenen Saison aus Jena und sollte so eine Art Zuspieler für seinen Kumpel Timmy Thiele sein sollen. Was in Jena mehrmals klappte, sollte auch in Kaiserslautern funktionieren. Und der zunächst nur für ein Jahr plus Option verpflichtete Löhmannsröben sollte die taktischen Möglichkeiten für den Trainer erhöhen, so Sport-Geschäftsführer Bader: "Es ist wichtig, dass unser Kader gerade im Mittelfeld breit aufgestellt ist. Dabei benötigen wir auch unterschiedliche Spielertypen. Die Qualitäten von Jan Löhmannsröben sind nochmals andere als die, die wir bisher im Mittelfeld haben. Somit schaffen wir weitere Variationsmöglichkeiten für Michael Frontzeck."

Zur Überraschung vieler Fans stand "Löh" in den ersten drei Saisonspielen gar nicht im Profikader und musste sich erst in der Oberliga-Mannschaft ranschuften. Mangelnde Fitness und Übergewicht waren die Gründe. Ab dem 5. Spieltag - nach der Verletzung Albaeks - war Löhmannsröben dann Stammspieler, bis Ende Oktober kassierte der FCK mit ihm nur eine Niederlage aus neun Spielen. Trotzdem deuteten sich auch in diesen Partien schon seine Schwächen an: Viele Bälle, die er mit seiner typischen Spielweise erkämpft hatte, spielte er in der nächsten Situation manchmal unbedrängt zum Gegner. Hinzu kam mangelndes Stellungsspiel. Auch neben dem Platz fiel der Mittelfeldspieler nun vermehrt auf. Sein legendäres "Cornflakes"-Interview ist mittlerweile hinreichend bekannt und gewürdigt. Aber auch eine Tour zusammen mit zwei Mannschaftskollegen zum Kölner Karneval am 11.11., einen Tag nach der 1:4-Blamage in Rostock, oder die im Januar groß angekündigte und dann ziemlich im Rohr krepierte "Wiedergutmachungstournee" bleiben im Gedächtnis.

Mitte März wurde er dann von Trainer Hildmann für ein Spiel suspendiert, weil er in der vorherigen Partie bei seiner Auswechslung dem Coach den Handschlag verweigert hatte. "Wir haben hier Werte und der Spieler eine Vorbildfunktion, der er nicht gerecht geworden ist", sagte Hildmann damals. Dass Coach und Spieler nicht nachtragend waren, bewiesen sie zwei Wochen später, als sie beim deutlichen Auswärtssieg gegen Uerdingen Arm in Arm den Platz verließen.

26 Pflichtspiele stehen in Löhmannsröbens FCK-Bilanz. Nur zwei Tore und zwei Assists sind dabei viel zu wenig - auch für den Gewinn der Hasenkostüm-Wette reichte diese Bilanz nicht - und auch der weite Pass in den Lauf von Timmy Thiele klappte viel zu selten. Dass er am Donnerstag via "BILD"-Zeitung gegen die FCK-Verantwortlichen öffentlich nachtrat - wobei man die unpersönliche Art und Weise der Trennungsmitteilung durchaus hinterfragen kann - spricht auch nicht gerade für ihn.

Trotz viel Zuspruch von den Fans: Die Leistung war nicht ausreichend

Albaek gilt als netter und höflicher Gesprächspartner und Mensch, noch in Pirmasens erfüllte er den Fans auf der Tribüne jeden Fotowunsch. SOS-Kinderdorf-Pate Löhmannsröben ist ein Typ, den es in der heutigen Zeit nicht mehr so häufig gibt, ein Fußballspieler, der das Herz auf der Zunge trägt - nicht umsonst war sein Trikot laut Medienberichten das meistverkaufte in dieser Saison. Beide Akteure erhielten nach der Bestätigung ihres Abgangs im Internet auch viel Zuspruch von den FCK-Fans. Was aber im Profifußball zählt, ist in erster Linie die Leistung auf den Platz. Die war bei beiden Spielern in ihrer FCK-Zeit aus diversen Gründen nicht ausreichend. Beide haben nicht in dem Maße weitergeholfen, wie man es erwartet hatte. Deshalb ist die Entscheidung des Vereins, Mads Albaek und Jan Löhmannsröben gehen zu lassen, nachvollziehbar und folgerichtig.

Autor: Flo

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