Interview des Monats: FCK-Aufsichtsratsvorsitzender Michael Littig, Teil 1/2

"Es funktioniert nur, wenn wir alle zusammenarbeiten"


Seit knapp drei Wochen ist Michael Littig neuer Vorsitzender des Aufsichtsrates beim 1. FC Kaiserslautern, dazu weiterhin auch Mitglied im Beirat. In seinem ersten großen Interview spricht er über seine neue Rolle, die Lizenz für die kommende Saison sowie die Diskussionen um große und kleine Investoren.

Der Betze brennt: Michael Littig, seit kurzem sind Sie in der Hierarchie des 1. FC Kaiserslautern e.V. ganz oben. Hat sich etwas geändert, seitdem Sie dem Aufsichtsrat vorstehen?

Michael Littig (54): Auf dem Papier hat sich etwas geändert, auf meiner Visitenkarte. Natürlich ist man stolz, wenn man so eine Position bekommt. Aber funktionieren kann das Ganze nur, wenn wir alle im Aufsichtsrat zusammenarbeiten. Und da spielt es intern keine Rolle, wer jetzt der Vorsitzende ist. Wir haben alle das gleiche Ziel, egal was draußen gesagt wird. Wäre ich nicht gewählt worden, wäre das für mich auch in Ordnung gewesen.

Der Betze brennt: Sie sprechen vom gemeinsamen Ziel. Was kann der FCK wieder erreichen?

Littig: Ich bin ja gewissermaßen auch ein Träumer. Natürlich will ich wieder erste Liga spielen. Ich hoffe darauf, mit meinem gerade geborenen Enkel wieder richtig guten Fußball in Kaiserslautern sehen zu können. Und ich will einfach Spaß dabei haben. Den habe ich mehr, wenn ich auf der Tribüne sitze und mitfiebere, als in schwierigen Situationen wie jetzt Geld einsammeln muss.

Thema Lizenz: "Ich bin sehr optimistisch, wir kommen durch die Tür"

Der Betze brennt: Da war es nicht hilfreich, dass seit Monaten immer wieder pikante Informationen aus den Gremien an die Öffentlichkeit geraten sind.

Littig: Auch ich war am Anfang etwas überrascht, wie manche Informationskanäle hier funktionieren. Da gab es den einen oder anderen Punkt, bei dem ich mir dachte: Das wäre besser nicht nach außen gedrungen. Aber die Erwartungshaltung, dass ein Gremium absolut wasserdicht ist, ist völlig unrealistisch. Trotzdem bleiben auch in der FCK-Führung immer noch die meisten Informationen unter uns - denken Sie nur an die Kaderzusammenstellung letzten Sommer, da drang fast nichts nach außen. Auf der Sachebene und dem operativen Geschäft funktioniert das ganz gut. Bei der einen oder anderen Sache, die nach draußen geht, von wem auch immer, kann ich die Motivation selten nachvollziehen. Generell ist die Kommunikation zu den Außenstehenden ein schmaler Grat.

Der Betze brennt: Inwiefern? Worin liegt das Problem?

Littig: Das Informationsbedürfnis Dritter, insbesondere der Fans, ist groß und sie haben auch ein Recht darauf. Es ist jedoch die Frage, wo hört die Transparenz auf und wo beginnt die Verschwiegenheitspflicht. Es ist aber nicht nur eine Kommunikation von Sachinformationen, sondern auch eine strategisch, taktische, marketingtechnische Aufbereitung von Informationen. Egal was preisgegeben wird, es wird sofort interpretiert. Ob positiv oder negativ. Da muss man sicher sehr vorsichtig sein.

Der Betze brennt: Jetzt ist ein Moment gekommen, bei dem sich alle über Transparenz freuen würden. Sie kennen die Zahlen. Bekommt der FCK die Lizenz?

Littig: Da sind wir ja genau bei einem solchen Punkt (lacht). Ich bin nicht legitimiert, die genauen Zahlen preiszugeben. Aber ich kann sagen, wir kommen durch die Tür. Da bin ich sehr optimistisch. Es wird kein "Easy-Going", aber zu 99,9 Prozent werden wir am 28. Mai formal so aufgestellt sein, dass wir die Lizenz bekommen, wenn die angeschobenen Maßnahmen sich planmäßig weiter entwickeln.

"Die Fan-Säule muss so schnell wie möglich geöffnet werden"

Der Betze brennt: Thema Eigenkapital: Fans können immer noch nicht investieren. Die Geschäftsführung ließ eine selbst gesetzte Frist nach der anderen verstreichen. Sind die Fans doch nicht so wichtig, wie vor der Ausgliederung angekündigt?

Littig: Eine gut ausgebildete Fan-Säule ist unheimlich wichtig und auch keineswegs nach oben gedeckelt. Ich halte zwei bis drei Millionen Euro an Einnahmen durch die Fans für realistisch und würde auch einen gewissen Betrag für Fans "reservieren". Da sollten wir schon über eine Hohe von etwa 15 Millionen Euro reden.
Die Geschwindigkeit der Öffnung der Fan-Säule ist ein intensives Thema. Es gab formale Gründe, die es bisher verhindert haben. Unmittelbar nach der Ausgliederung wäre es leichter gewesen, damals konnte man in den Vorbereitungen aber noch nicht so weit sein. Aktuell ist es jetzt aufgrund der Unsicherheit im Lizenzierungsverfahren sehr schwierig. Unter Anlage-Gesichtspunkten, auch was das Thema Verbraucherschutz angeht, ist es schwierig, Kleinanleger in eine solche Risikosituation zu bringen. Aber wenn die Lizenz geschafft ist, muss uns die Umsetzung des Themas so schnell wie möglich gelingen. Der Rahmen dafür ist inzwischen gegeben, das Wertpapierprospekt in einem guten Zustand. Es wird elementar sein, die Säule zu öffnen. Die Fans sind gewissermaßen die Identität dieses Klubs. Das Fan-Investment stärkt die gesamte Organisation. Auch abgesehen vom finanziellen Gewinn ist dieses Engagement von unschätzbarem Wert. Die Solidarität des gesamten Umfelds wird damit dokumentiert.

Der Betze brennt: Um das Einsammeln von Geldern bei den Fans konnte sich der Verein also noch nicht kümmern. Dann müsste somit ausreichend Zeit gewesen sein, sich um potente Geldgeber zu kümmern. Aber auch die Suche nach zahlungskräftigen Großinvestoren hinkt weit hinter den Zielen zurück. Woran liegt das?

Littig: Es gibt da verschiedene Dinge, die sehe ich eher schwierig. Die Einstiegshürde von 20 Prozent, um einen Platz im Beirat der FCK Management GmbH zu bekommen, ist ziemlich hoch. Aktuell würde das einem Investment von 24 Millionen Euro entsprechen. In Gesprächen mit Interessenten werden mir meist ähnliche Fragen gestellt: Welche Rechte habe ich? Wie kann ich sicher sein, dass es funktioniert? Investoren haben ein Informationsbedürfnis. Und nicht nur wie bei den Fans aus Emotionalität, sondern es ist ein legitimes Interesse zu schauen, was mit ihrem Geld gemacht wird. Tatsache ist, dass die aktuelle Konstruktion und die Rahmenbedingungen es schwierig bis unmöglich machen, einen legalen, legitimen Zugang zu Entscheidungsprozessen zu haben. Wenn jemand heute beispielsweise 22 Millionen Euro auf den Tisch legt, dann wird er nur einmal im Jahr auf einer Aktionärsversammlung informiert. Mehr steht demjenigen laut den aktuellen Statuten nicht zu. Es muss legitim sein, über Veränderungen nachzudenken. Denn es ist unrealistisch, dass jemand so viel Geld auf den Tisch legt und sich nicht dafür interessiert, was damit geschieht.

"Wir waren nach der Ausgliederung alle völlig euphorisch"

Der Betze brennt: Das jetzige Konstrukt wurde aber doch über lange Zeit ausgearbeitet. Ein eigener Arbeitskreis beschäftigte sich intensiv damit und gut bezahlte Anwälte wurden engagiert. Waren die genannten Probleme im Ausgliederungsprozess noch nicht zu sehen?

Littig: Es war ein Prozess, der über viele Jahre hinweg entwickelt wurde. Viele Leute haben sich Gedanken darüber gemacht. Ich finde es absolut legitim zu sagen, manche Dinge haben wir so nicht erkannt oder konnten wir nicht wissen. Es ist ein Lernprozess. Und jetzt, nach einem Jahr, müssen wir eventuell etwas umdenken. Wir waren vor einem Jahr alle völlig euphorisch und glaubten, die großen wirtschaftsstarken Partner zu bekommen. Aber inzwischen ist klar, viele tun sich mit der jetzigen Konstruktion sehr schwer.

Der Betze brennt: Das gesamte Konzept bedarf also Ihrer Meinung nach einer Überarbeitung. Was muss geändert werden, um auf potenzielle große Geldgeber attraktiver zu wirken?

Littig: Es ist eine Überlegung wert, das Konzept so zu modifizieren, um die Fragen nach Einsicht, Einblick nehmen und Kontrolle auf eine entsprechende Basis zu stellen, im Sinne der Investoren. Es geht aber auch darum, Expertise im Sinne von beratender Funktion in den Beirat zu holen. Jemand, der sein eigenes Geld investiert, egal ob eine Million oder 24 Millionen - es ist richtig viel Geld. Und dafür hat die Person eine Verantwortung. Aktuell kann sie dieser aber nicht gerecht werden.
Es macht in einem Kontrollgremium auch einen qualitativen Unterschied. Natürlich üben auch wir fünf gewählten Aufsichtsräte eine gute Kontrolle aus. Das soll uns jetzt überhaupt nicht diskreditieren, das wäre der völlig falsche Schluss. Aber wenn Leute dabei sind, die auf ihr eigenes Geld aufpassen, ihre eigene Investition verantworten, ist das auch in der Außenwirkung noch mal etwas ganz anderes. Tatsächlich sind Investoren wohl auch langfristiger operativ eingebunden und überdauern idealerweise die dreijährige Wahlperiode der gewählten Aufsichtsräte und Beiräte gegebenenfalls um ein vielfaches. Ein starker Partner kann sich dann von kurzfristigen Nöten freier machen und beispielsweise Notverkäufe von Spielern entbehrlicher machen. Auch auf weitere potenzielle Investoren könnte das motivierend wirken.

Der Betze brennt: Als Sie das letzte Mal mehr Zugeständnisse für Großinvestoren forderten, prangte danach vor der Westkurve ein Spruchband: "Littig, kümmer dich um deinen Scheiß!" Die Ultras kritisierten, dass Sie das Lautrer Vier-Säulen-Modell aufweichen würden.

Littig: Dazu möchte ich ausdrücklich und nochmals betonen: Ich will keineswegs das Vier-Säulen-Modell in Frage stellen. Von der Grundidee ist es absolut der richtige Ansatz. Wenn wir jedoch Großinvestoren gewinnen wollen, müssen wir uns scheinbar bewegen.

"Das Vier-Säulen-Modell ist absolut der richtige Ansatz"

Der Betze brennt: Das bedeutet: Die Einstiegshürde von 24 Millionen für einen Sitz im Beirat ist aus Ihrer Sicht zu hoch. Und unter dieser Schwelle ist ein Einstieg aufgrund mangelnder Kontrolle und Einsichtnahme weniger interessant?

Littig: Man muss mindestens darüber nachdenken! Zumindest in der aktuellen Phase scheinen die Hürden sehr hoch. In anderen Situationen mag das besser passen oder die Latte sogar noch höher gelegt werden. Wir müssen auch Investoren Offenheit und Transparenz demonstrieren.

Der Betze brennt: Im jetzigen Konstrukt ist jedoch für maximal zwei Investoren ein Platz im Beirat vorgesehen, für diese müssten dann auch noch zwei von den Mitgliedern gewählte Aufsichtsratsmitglieder ausscheiden. So scheint ihr Vorhaben jedoch schwierig umzusetzen. Bedarf es in Ihren Überlegungen also auch einer Änderung in der Beiratskonstellation?

Littig: Auch darüber muss nachgedacht werden. Die Investoren-Plätze im Beirat sind in der Außenwahrnehmung negativ behaftet. Dabei kann es doch unheimlich hilfreich sein, eine breitere Basis und noch mehr Expertise im Rat zu haben. Warum sollte der Beirat nicht aus den fünf Aufsichtsratsmitgliedern und bis zu vier Investoren-Vertreten bestehen? Die Mehrheit läge genau wie jetzt in der Hand des Vereins. Und in dem Moment, wo die Einstiegshürde auf ein realistisches Niveau herabgesetzt wird, könnte auch ein gewisser Konkurrenzkampf um die Plätze entstehen. Das wäre das Beste für den Verein.

Der Betze brennt: Genau in diese Richtung zielte auf der Außerordentlichen Mitgliederversammlung der Antrag des Vereinsmitglieds Johannes B. Remy ab. Die Probleme wurden also durchaus schon im vergangenen Sommer erkannt. Aber auch Sie stimmten damals dagegen - wie die gesamte Vereinsführung und trotz kontroverser Diskussionen schon vorher im Arbeitskreis Ausgliederung.

Littig: Wichtig war zunächst, die Ausgliederung zu realisieren. Und ob es jetzt fünf oder neun Beiratsmitglieder sind, wo die Hürden genau liegen, war nicht die Hauptsache. Wir haben damals intensiv darüber diskutiert. Die Entscheidung habe ich dann auch mitgetragen und es war für mich auch okay, so zu starten. Nach einem Jahr Erfahrung kann man sicher nochmals wichtige Details reflektieren. Dass wir als Aufsichtsrat einstimmig abgestimmt haben, ist ja auch immer ein wichtiges Signal! Es ist wichtig, Geschlossenheit dazustellen. Eine Stimme in einem komplexen Entscheidungspaket ist ja niemals so zu interpretieren, dass man zu 100 Prozent und in jeder Nachkommastelle der absolut selben Meinung ist. Das gibt es nicht. Die Stimme dafür galt dem Gesamtprozess. In den Details gibt es immer Diskussionen. Das sollte jedem klar sein.

Morgen im zweiten Teil des großen DBB-Interviews: Michael Littig über Großinvestoren wie Flavio Becca, den Weg der Zwischenfinanzierung über Betze-Anleihe und Co. sowie seinen Zeitplan bis zur Rückkehr in die Bundesliga.

(Das Interview führten Moritz Kreilinger und Thomas Hilmes.)

Autor: Redaktion

Weitere Links zum Thema:

- Teil 2 des Interviews: "Ich will hier noch mal guten Erstligafußball sehen"

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