Im Blickpunkt: Bestandsaufnahme zum ersten Saisondrittel

Zwiespältige Zwischenbilanz

Zwiespältige Zwischenbilanz


Elf Spieltage und damit fast ein Drittel der Saison sind absolviert. Der 1. FC Kaiserslautern steht vor der zweiten Länderspielpause nur auf Tabellenplatz 8. Eine Zwischenbilanz.

Drei Siege, fünf Unentschieden, drei Niederlagen, 16:16 Tore, ein Platz im Niemandsland der Tabelle. Die FCK-Bilanz liest sich extrem durchschnittlich und genau so kann auch der bisherige Saisonverlauf bezeichnet werden. Bereits nach wenigen Wochen in der neuen Saison gibt es rund um den FCK vieles zu beobachten.

Die "neuen" Roten Teufel gingen mit dem Ziel "Aufstieg" in die Spielzeit, dieses hatten sie sich selbst gesetzt und bekamen es auch von Fans, Medien und Konkurrenten verliehen. Die Euphorie vom Auftaktspiel gegen 1860 München, als mit diesem hausgemachten Selbstbewusstsein über 40.000 Zuschauer ins Fritz-Walter-Stadion pilgerten und einen 1:0-Sieg feierten, ist aber längst wie weggeblasen. Die Zuschauerzahlen haben sich auf Normalniveau eingependelt und rund um den Betzenberg ist ein Stück weit Ernüchterung eingekehrt. Stand Anfang Oktober 2018 ist der FCK nicht nur sportlich ein durchschnittlicher Drittligist. Aber darf das so bleiben?

Spiele im Verbandspokal dürfen keine Normalität werden

Bereits früh in der Saison war aus Kreisen der FCK-Verantwortlichen zu hören, dass man notfalls auch noch eine weitere Saison in der 3. Liga finanzieren könne. Nur: Dann könnten zum wiederholten Male die besten Spieler nicht gehalten werden und der Etat würde sich wohl entscheidend vermindern. Zudem laufen auch die Verträge der kompletten sportlichen Führung inklusive Cheftrainer bei Nichtaufstieg 2019 aus.

Zu den Auswärtsspielen reist regelmäßig eine beachtliche Anzahl an FCK-Fans mit. Auch hier sind Zweifel angebracht, ob das bei einer weiteren Drittliga-Saison so bleiben würde. Wäre das überhaupt vermittelbar? Schwierig. Partien "auf dem Land" wie das am vergangenen Mittwoch im Verbandspokal in Idar-Oberstein sind für eine Spielzeit mal eine gelungene Abwechslung, dürfen aber für einen Verein wie den 1. FC Kaiserslautern niemals zur Normalität werden.

Entscheidungen vor der Saison schon auf dem Prüfstand

Bereits weit vor Saisonbeginn waren viele Entscheidungen schon gefallen. Jan Ole Sievers ging gegen Top-Talent Lennart Grill als die Nummer 1 in die Saison, Bundesliga-Veteran Halil Altintop wurde fortgeschickt, Florian Dick als Kapitän gewählt. Nicht nur über letztgenanntes war die Begeisterung in unserer DBB-Saisonvorschau groß.

Dick wurde Ende September aufgrund muskulärer Probleme in Braunschweig geschont. Vertreter Dominik Schad spielte sich mit guten Leistungen in die Startelf. Dick kam - wie übrigens auch Mads Albaek - danach nur noch im Verbandspokal zum Einsatz. Sievers wirkte bis zu seiner Verletzung gegen Köln phasenweise verunsichert und wird seit dem Jena-Spiel von Routinier Wolfgang Hesl vertreten, der ab diesem Zeitpunkt auch die Kapitänsbinde übernommen hat. Ob FCK-Coach Michael Frontzeck vor der Partie in Thüringen den Torhüter auch gewechselt hätte, wenn Sievers fit gewesen wäre, blieb damit leider unbeantwortet. Von der vermeintlich stärksten Startelf aus dem Auftaktspiel gegen 1860 standen zuletzt - aus unterschiedlichen Gründen - nur noch vier Spieler auf dem Platz.

Kein Nachteil war es zudem, dass die Geschichte um Jan Löhmannsröben und seine "Cornflakes"-Aussage die schon Anfang September schwierige sportliche Situation nahezu zwei Wochen komplett zur Seite schob. Timmy Thiele, nach der Verletzung von Lukas Spalvis im Sturm gesetzt, hing in den vergangenen Spielen phasenweise in der Luft. Der Torjäger muss sich selbst mehr ins Spiel einbringen, aber auch von seinen Mitspielern besser in Szene gesetzt werden. Unterstützung könnte Thiele in den kommenden Partien von Elias Huth erhalten, dessen Leistungen als Einwechselspieler Lust auf mehr machen.

Trotz aller Kritikpunkte: Die nahezu komplett neu zusammengestellte FCK-Mannschaft bewies auch schon Moral. Gegen Köln und in Jena drehte sie einen Rückstand spät in eine Führung. Umso unverständlicher, dass sie sich nach den Toren von Theo Bergmann gegen Köln und Huth in Jena so weit zurückzog. So lagen die späten Ausgleichstreffer des Gegners in genannten Spielen förmlich in der Luft.

Richtungsweisende Partien nach der Länderspielpause

Es besteht aber immer noch die Hoffnung auf Besserung. Noch ist genügend Zeit, die Saison zum Guten zu wenden, und mit diesem Kader muss einfach mehr drin sein als das bisher gesehene. In den bis zur nächsten Pause kommenden Ligaspielen gegen Uerdingen, Aalen, Cottbus und Rostock bietet sich dem FCK erneut die Chance, den großen Schritt nach vorne zu machen, den man glaubte nach den Siegen in Braunschweig und gegen Lotte schon vor sich zu haben. Dafür wird der FCK aber souveräner auftreten und Mittel finden müssen, die den Gegner auch mal überraschen. Beim Spitzenspiel in Osnabrück warfen kritische Beobachter den Spielern und dem Trainer genau das Gegenteil vor, nämlich zum wiederholten Male keine Antwort auf taktische Änderungen beim Gegner in der zweiten Halbzeit gefunden zu haben. Ein anderer Kritikpunkt sind die zu Saisonbeginn katastrophalen und seither nur marginal verbesserten Standardsituationen. Da geht auf jeden Fall noch mehr!

Wollen die Roten Teufel noch mal oben ran, müssen gegen den Tabellenzweiten aus Krefeld nicht nur Verbesserungen in den genannten Punkten, sondern vor allem zwingend ein Heimsieg her. Andernfalls könnte der Rückstand auf die direkten Aufstiegsplätze nach dem kommenden Spieltag schon elf Punkte betragen. Obwohl in dieser Liga alles sehr schnell gehen kann - wohlgemerkt nach oben und nach unten - und auch danach noch eine Menge Fußball wird, wäre das schon eine beachtliche Hypothek.

Autor: Flo

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