Neues vom Betzenberg

"Frontalangriff": Frontzeck und Bader wehren sich


Anstatt sportlicher Erfolge prägen zurzeit Nebenkriegsschauplätze das Bild beim FCK: Trainer Frontzeck attackiert erneut die Medien und insbesondere den "Kicker", während Sportvorstand Bader den Trainer verteidigt und weiter um Geduld wirbt.

Auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel beim FSV Zwickau geriet die heikle sportliche Situation des 1. FC Kaiserslautern fast zur Nebensache. Vielmehr war zum wiederholten Male die mediale Berichterstattung über die Arbeit von FCK-Trainer Michael Frontzeck ein Thema. Der Coach kritisierte vor allem den "Kicker" scharf und sprach von einem "Frontalangriff".

Das Sportmagazin hatte sich am Donnerstag unter anderem mit folgender These den Unmut Frontzecks zugezogen: "Kontinuität ist ein hohes Gut, nach dem sich der FCK seit Jahren sehnt. Aber nur, wenn die Arbeit zumindest mittel- und langfristig Erfolg verspricht. Sollte Frontzecks Engagement vorzeitig enden, bekäme auch Bader eine Schramme ab, weil seine Wahl nicht funktionierte. Fataler wäre es jedoch, wenn der Abwärtstrend anhält. Das wegen finanzieller Zwänge fast alternativlose Ziel Wiederaufstieg würde in noch weitere Ferne gerückt, abnehmende Zuschauergunst ist erwartbar."

Im Anschluss an die PK am heutigen Freitag stand der vom "Kicker" ansatzweise mit kritisierte Sportvorstand Martin Bader den anwesenden Medienvertretern Rede und Antwort. Der 50-jährige sprach Frontzeck erneut sein Vertrauen aus. Der Betze brennt fasst Baders wichtigste Aussagen zusammen.

FCK-Sportvorstand Martin Bader über...

... die aktuelle Situation beim FCK: "Es wäre fatal, wenn wir auf ein einziges Pferd setzen, das Aufstieg heißt. Aber wir wollen trotzdem aufsteigen. 90 Prozent der Spieler haben langfristige Verträge unterschrieben. Die Planung ist so, dass wenn wir es nicht schaffen, der Klub weiter besteht. Dieses Gesamtkonstrukt, das dauert. Normalerweise braucht man ein bis zwei Jahre, bis sich eine Mannschaft einspielt. Warum hat der FCK in den vergangenen Jahren so viel Probleme gehabt? Weil sie jedes Jahr die Mannschaft durchgewürfelt haben. Schaut man sich im Fußball Vereine wie Freiburg oder Augsburg an, dann sieht man, dass die wenige Spieler wechseln und wundert sich dann, dass die erfolgreich sind. Das ist kein Zufall. Gegen Preußen Münster sind 22.000 Zuschauer gekommen und bis zur 70. Minute dachte ich, das ist hier Europa League. Dann kommen diese beiden Standardsituationen und es zieht uns den kompletten Stecker. Dann lese ich (im "Kicker", Anm. der Redaktion), dass wir einen neuen Trainer holen müssen. Zuerst sagen sie nicht wer, aber sie wissen natürlich, wer besser ist als Frontzeck. Der würde dann hier anfangen und hätte genau dieselben Probleme. 19 neue Spieler und Verletzte. Lasst uns arbeiten und bewertet uns im Winter! Dann ist es fair, aber nicht nach drei Spielen."

... die Arbeit von Michael Frontzeck: "Wir gewinnen am Ende der vergangenen Saison gegen Heidenheim und Ingolstadt. Die Mannschaft hatte, obwohl sie abgestiegen war, einen Riesendruck. Nämlich den, sich ordentlich von den Leuten zu verabschieden. Die gehen doch nicht raus und sagen: Wir sind eh abgestiegen, ist doch scheißegal. Wir gehen also aus dieser Rückrunde raus mit 23 Punkten. Und dann soll ich sagen: Danke Herr Frontzeck, es war zwar nett, aber aufbauen können sie nicht. Es ist aber Träumerei, dass der FCK nur wo anrufen muss und dann kommen die Weinzierls dieser Welt. So wusste bei uns im Klub von Anfang an jeder, wer hier das Sagen hat. Braunschweig hätte gerne mit uns getauscht. Ich wüsste nicht, warum das Vertrauen nicht Michael Frontzeck gelten sollte. Wenn ein Trainer in 15 Spielen 23 Punkte hat und jede Woche den Druck hat, ist es mehr als bemerkenswert. Der Trainer hat 1,5 Punkte im Schnitt geholt. Das ist erstmal ein Statement. Das ist übrigens auch ein Statement gewesen für Spieler, die geblieben sind wie Albaek, Spalvis oder Grill. Die hätten alle woanders unterschreiben können, aber die haben gesehen, wie der Trainer arbeitet. Neuzugänge, die auch in der zweiten Liga hätten unterschreiben können, sind auch deswegen gekommen, weil sie gesagt haben: Das ist ein geiler Klub und ein Trainer, mit dem man gut und erfolgreich arbeiten kann."

... die Kritik an Frontzecks Taktik: "Wenn ich dann höre, der spielt nur eine Taktik. Viele Trainer spielen aus Prinzip ihre Taktik durch. Ein Trainer schaut sich im Training die Mannschaft an und dann analysiert er, welche Taktik für die Mannschaft die beste ist. Und dann spricht man mit seinen Spielern, das macht Michael jeden Tag. Zu behaupten, der kann nur das eine, das ist unfair. Man muss versuchen, Automatismen einzuüben. In der Vorbereitung hatte jeder das Gefühl, dass es relativ schnell geht, schließlich haben wie Bochum oder Dresden geschlagen. Das sind keine Mannschaften, die man in der Vorbereitung mal so mitnimmt. Dann hat jeder geglaubt, das geht so weiter und wir grüßen von der Tabellenspitze. Aber wir haben immer gewarnt. Hätte der HSV Christian Titz entlassen sollen, weil er abgestiegen ist? Die Verantwortlichen machen sich auch ihre Gedanken. Ich bin jeden Tag hier und mache mir Gedanken, was für den Klub das Beste ist. Es geht niemand ins Büro und macht absichtlich eine falsche Entscheidung. Und dann wird Michael Frontzeck mit anderen Trainern in der 3. Liga verglichen. Wen wollt ihr denn hier haben? Enochs? Antwerpen? Michael arbeitet von morgens bis abends. Der kommt nicht und sagt: Komm Bugi, schieß mal den Ball rein, dann spielen wir ein bisschen Fußball. Ein bisschen Fairness wünsche ich mir. Ich habe aber auch schon Trainer entlassen, wenn ich das Gefühl hatte, es funktioniert nicht mehr. Wir müssen uns darauf besinnen, was wir machen. Nämlich Fußball spielen. Mit einer Mannschaft und einem Trainer, die aus meiner Sicht nachgewiesen haben, dass sie es können. Da braucht es lange, bis mich jemand widerlegt."

... das desaströse Spiel in Halle: "Du triffst dort am Ende der englischen Woche auf eine Mannschaft, die das Messer zwischen den Zähnen hat. Das wussten wir aber. Wir kommen nicht ins Spiel rein und der Gegner macht Druck. Genau in der Phase machen sie dann den Elfmeter. Wenn wir den nicht kriegen und mit 0:0 in die Halbzeit, dann hätten die sich ausgetobt gehabt und gemerkt, dass es gar nicht so leicht ist. Wir haben ein schlechtes Spiel gemacht, aber am Ende haben wir durch zwei Standards verloren. Es ist nicht so, dass die uns auseinander genommen haben und vier Mal alleine auf Jan Ole Sievers zugelaufen sind und davon drei Tore gemacht haben. Aber wir haben die Prügel eingesteckt und haben gesagt, das war ein richtig schlechtes Spiel von uns."

... das Derby gegen Karlsruhe: "Wenn man mit dem ein oder anderen Spieler spricht, dann wussten die nach dem was gesagt und geschrieben wurde vor dem Spiel gar nicht, was sie da erwartet. Schießt Pick in der 90. Minute das Tor, ist die Bewertung von dem Spiel eine völlig andere. Das ist eine charakterlich einwandfreie Truppe, die wusste, was sie hier erwartet. Aber ein Thiele oder ein Schad wussten nicht, wie es ist vor 40.000 zu gewinnen oder vor 30.000 0:0 zu spielen. Das müssen sie lernen."

FCK-Sportvorstand Martin Bader

Quelle: Der Betze brennt

Weitere Links zum Thema:

- FCK: Vorstand vom Weg mit Frontzeck überzeugt (Rheinpfalz)

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