Spielbericht: Würzburger Kickers - 1. FC Kaiserslautern 1:1

„Gefühlte Niederlage“

„Gefühlte Niederlage“


Nicht nur für FCK-Trainer Korkut eine gefühlte Niederlage: In Würzburg geben die Roten Teufeln eine Führung aus der Hand und überlassen dem Gegner völlig unnötig einen Punkt.

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Es hätte so schön sein können. Letzte Woche war Marcel Gaus noch der Depp beim 1. FC Kaiserslautern, der die riesengroße Chance zum Führungstreffer vergeben hatte, welcher vielleicht den Sieg gegen Hannover bedeutet hätte oder zumindest einen besseren Spielverlauf. Und diese Woche wäre ausgerechnet Gaus fast der Held geworden, der den FCK auswärts bei den Würzburger Kickers zum 1:0-Sieg geschossen hätte. Nach überragender Vorarbeit von Christoph Moritz hatte der Mittelfeldspieler zur frühen Führung getroffen und zusammen mit Osayamen Osawe vor der Fankurve gejubelt (20.).

Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob Gaus' Tor das einzige des Tages geblieben wäre, wenn sich nicht Stipe Vucur kurz vor der Pause einen kapitalen Blackout geleistet hätte. Unwahrscheinlich ist es jedenfalls nicht. So aber kam es zum Elfmeter für Würzburg, den Moritz in höchster Not nach Vucurs Fehlpass verursachte und den Richard Weil ohne Probleme verwandelte (45.). Tayfun Korkut blieb so nach dem Spiel nur die Feststellung: „Im Fußball gibt es gute und schlechte Tage. Heute war ein schlechter Tag.“ Der FCK-Coach konstatierte eine „gefühlte Niederlage“ für seine Mannschaft, die sich nicht für ihre gute Leistung belohnt habe.

Und tatsächlich spielten die Roten Teufel gegen den Aufsteiger besser als eine Woche zuvor gegen den Absteiger. FCK-Sportdirektor Uwe Stöver hatte zwei Schlüsselszenen ausgemacht: Natürlich den Elfmeter-Patzer von Vucur. Und direkt nach dem Führungstreffer eine vergebene Großchance von Osawe – genau wie eine Woche zuvor hätten Gaus und Osawe zu den Helden des Tages werden können und standen am Ende doch wieder da wie begossene Pudel.

Volles Haus und viele FCK-Fans am Dallenberg

Für die gut 2.500 mitgereisten FCK-Fans hatte sich die Fahrt nach Würzburg trotzdem gelohnt: Super Wetter, ein neuer Ground, angenehme Atmosphäre. Da hätten eigentlich nur noch die drei Punkte gefehlt. Losgegangen war es bei einigen Lautrer Schlachtenbummlern mit Anreiseproblemen, denn in Heidelberg war die Bahnstrecke gesperrt. Andere standen in Würzburg im Stau oder wunderten sich in den überfüllten Stadionkneipen, dass dort offensichtlich nicht jeder mit einem derartigen Besucherandrang (offiziell 12.087 Zuschauer) gerechnet hatte – immerhin spielte der FWK vor kurzem noch vor dreistelligen Zuschauerzahlen.

Am Ende kamen aber doch alle ins Stadion und sorgten, ebenso wie die Würzburger Fans, für eine ganz ordentliche Zweitliga-Stimmung. Die Arena wird gerade zweitligatauglich gemacht und fast schien es so, als ob neben den alten rot-weißen Schalensitzen noch etwas anderes aus dem Fritz-Walter-Stadion importiert wurde: Das grüne 90er-Jahre-Fangnetz vor dem Gästeblock wirkte doch etwas störend, ebenso wie der engmaschige Zaun. Aber insgesamt ist das Stadion am Dallenberg für einen kleinen Verein wie die Würzburger Kickers ein gelungenes Bauwerk.

Zurück zum Sportlichen: Der Nachholbedarf war dem FCK erneut deutlich anzusehen, trotz der leichten Überlegenheit. Und zwar nicht nur auf der Innenverteidiger-Position, wo der nicht zum ersten Mal unkonzentrierte Vucur zur Halbzeit sofort gegen Tim Heubach ausgetauscht wurde. Neuzugang Zoltan Stieber war noch nicht ganz fit und konnte die Partie deshalb nur als Einwechselspieler beleben; Jacques Zoua stand noch gar nicht im Kader. Vielleicht wäre es sonst besser gelaufen? Neben Stieber und Zoua soll noch ein gestandener Innenverteidiger dazu kommen, außerdem ein Außenverteidiger möglichst für beide Seiten. Die ersten Punkte dieser Saison sind zwar schon verloren, aber die Roten Teufel haben noch nicht ihr wahres Gesicht gezeigt – und das ist auch gut so.

Autor: Thomas

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