Spielbericht: 1. FC Kaiserslautern - SV Wehen Wiesbaden 0:1

Klassenunterschied am Betzenberg

Klassenunterschied am Betzenberg

Foto: Eibner/Neis

Der 1. FC Kaiserslautern stolpert von Tiefpunkt zu Tiefpunkt. Gegen den SV Wehen Wiesbaden haben die Roten Teufel zu keiner Zeit der Partie eine Siegchance. Für Jeff Saibene war es das letzte Spiel als FCK-Trainer.

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Die vielleicht größte Hoffnung auf den zweiten Heimsieg der Saison hatte der FCK noch vor dem Anpfiff. Denn da herrscht bei vielen FCK-Fans in der Regel - selbst in der aktuellen Lage - eine gesunde Portion Zweckoptimismus. Ärgern kann man sich schließlich hinterher immer noch. Außerdem war da ja noch der neue Offensivspieler Anas Ouahim, erst vor zwei Tagen aus Sandhausen gekommen. Der würde es schon richten. Die Bedingungen dafür waren auch durchaus gegeben. Beim Betreten des Betzenbergs regnete es, im weiteren Verlauf des Spiels goss es sogar wie aus Eimer. Was aber wie zuletzt immer fehlte: Rot-weiß-rote Schals, Massen die mit einem Getränk in der Hand den Weg auf den Berg suchen und ihn am Ende - so wäre es zumindest auch heute wieder gewesen - ernüchternd hinabsteigen.

Eine kleine Ernüchterung stellte sich schon rund eine Stunde vor Spielbeginn bei Bekanntgabe der Aufstellung ein: Jean Zimmer, der zweite Winter-Hoffnungsträger, konnte wegen eines grippalen Infekts nicht mitwirken. Zimmer, das war in den vergangenen Partien schnell deutlich geworden, machte auf der rechten FCK-Seite einen großen qualitativen Unterschied, brachte das auf den Rasen, was seinen Mannschaftskollegen so eklatant fehlt. Schnelligkeit, Spielverständnis und Passsicherheit. Dafür tauchte Anil Gözütok mal wieder in der Startelf auf, genauso wie Carlo Sickinger. Der Kapitän übernahm die Position im defensiven Mittelfeld, Tim Rieder musste zur Abwechslung dafür einmal auf die Bank.

Kein Torabschluss in Hälfte Eins: Gewinnen wollen sieht anders aus

Dabei hätte auch die Aufstellung von Wiesbaden eigentlich Hoffnung machen können. Maurice Malone, in dieser Spielzeit immerhin schon acht Mal erfolgreich und an weiteren sechs Treffern beteiligt, kam zu spät zu einer Mannschaftssitzung und musste aus disziplinarischen Gründen zu Hause bleiben. Interessant auch: Jakov Medic - eigentlich ein Mann für die Defensive - durfte sich heute im offensiven Mittelfeld versuchen. Sollte das den Lautrern vielleicht in die Karten spielen?

Mit Anpfiff wurde schnell klar, dass davon nichts, wirklich gar nichts zu spüren war. Das Glück mussten die Roten Teufel schon in der allerersten Spielminute bemühen. Auf der rechten Seite setzte sich Lucas Brumme in aussichtsreicher Position durch, drang in den Lautrer Strafraum ein, rutschte auf dem nassen Pfälzer Untergrund aber weg und der Ball landete im Aus. Nur zwei Minuten später prüfte Phillip Tietz von halblinks erstmals Avdo Spahic, der - soviel sei an dieser Stelle vorweg genommen - heute mit Abstand der beste Rote Teufel war. Denn spätestens nach zehn Minuten hätte der Gast aus Hessen führen müssen. Brumme und Tietz spielten Katz und Maus mit der FCK-Defensive, und sich gegenseitig Doppelpässe hin und her. Brumme scheiterte schließlich auf Höhe des Elfmeterpunktes an Spahic. Konnte man die Defensive im Heimspiel gegen Türkgücü noch loben, so waren Kevin Kraus und Alexander Winkler heute wieder sehr indisponiert. In den ersten Viertelstunde wurde nahezu jedes Kopfballduell verloren, der SVWW schnürte die Roten Teufel weit in der eigenen Hälfte ein. Dieser Auftritt war schon erschreckend und hatte mit Leidenschaft im Abstiegskampf nur wenig zu tun. Und komme jetzt niemand mit dem schlechten und heute auch nassen Untergrund. Der ist als Ausrede mindestens genauso schlecht wie sein Zustand.

Auch der schlechte Rasen kann keine Ausrede sein

Zwar stabilisierte sich die Saibene-Elf nach rund 30 Minuten etwas. Vor allem der erst vor zwei Tagen gekommene Ouahim zeigte schon ganz gute Ansätze, auch Gözütok suchte immer mal wieder die Eins-gegen-Eins-Situationen. Doch insgesamt blieb das die Ausnahme. Wenn Spieler wie Marlon Ritter, denen eigentlich ein gutes fußballerisches Niveau nachgesagt wird, auf dem Platz versuchen, olympisches Gold im "Gehen" aufzustellen, dann kann das nicht anders als "Arbeitsverweigerung" bezeichnet werden.

Im gesamten ersten Durchgang hatte der FCK nicht einen einzigen Torabschluss. Das ist für ein Heimspiel im Abstiegskampf ein Armutszeugnis. Die Gäste dagegen mussten sich fragen lassen, warum sie nicht schon nach 45 Minuten die Partie entschieden hatten. Immer wieder bot sich Tietz die Möglichkeit dazu, in der 37. Minute servierte er Innenverteidiger Florian Carstens einen Ball messerscharf in den Lauf, der hätte sich die Ecke eigentlich aussuchen können, doch wieder hatte Spahic etwas dagegen.

Wehen betreibt Chancenwucher - FCK taumelt an der Abstiegslinie

In der Halbzeit reagierte Saibene - allerdings aus verletzungsbedingten Gründen. Kevin Kraus musste wegen Knieproblemen vom Platz, Sickinger rückte zurück in die Viererkette, während Rieder die Position im Mittelfeld einnahm. Ändern tat das nichts. Nur fünf Minuten dauerte es, da musste wieder Spahic herhalten, diesmal bugsierte er einen Ball von Medic aus dem Winkel. Nachdem das Spiel etwas abgeflacht war - worüber der FCK heute noch froh sein konnte - wurde in der 65. Minute Kevin Lankford eingewechselt. Und der sollte es besser machen als seine Nebenleute. Wieder tanzte Tietz auf links die Defensive aus, Ritter ließ sich einmal mehr ausdribbeln, in der Mitte konnte der eingewechselte Lankford, zum 1:0 einschieben.

In solchen Situationen gibt es zwei Möglichkeiten: entweder bricht eine Mannschaft jetzt völlig ein oder sie nimmt das Gegentor als "Hallo-Wach-Erlebnis" wahr. Und tatsächlich: In der 71. Minute schaffte es der FCK doch wirklich zu seinem ersten (!) Torschuss. Der eingewechselte Rieder zwang Wehens Torhüter Tim Boss, der heute im wahrsten Sinne des Wortes eine weiße Weste behielt, zu seiner ersten und einzigen Parade. Mehr passierte nicht, Wehen machte noch das vermeintliche 2:0, Schiedsrichter Florian Exner wollte aber ein Foul an Sickinger gesehen haben. Wiesbaden verballerte noch ein paar gute Gelegenheiten und zeigte "Gnade" mit einem völlig desolaten, hilf- und ideenlosen FCK.

Fans stellen Mannschaft zur Rede: Das Derby muss gewonnen werden!

Nach dieser Niederlage - die vor allem in der Art und Weise eine neuerliche Bankrotterklärung für die Mannschaft und diejenigen darstellt, die nach wie vor von vorhandener Qualität sprechen, stehen die Roten Teufel nach wie vor bei gerade einmal drei Saisonsiegen. Nur weil die Konkurrenz aus Unterhaching selbst verliert oder ihr Spiel wie das von Magdeburg in Köln nicht stattfinden kann, ist der FCK noch auf einem Nichtabstiegsplatz. Und so wird die Luft für Trainer Jeff Saibene dünn. Zwar wäre Kontinuität auf der Trainerposition wichtig und ein Trainerwechsel an sich auch alles andere als eine Garantie auf mehr Siege. Aber am Ende bleibt Fußball eben ein Ergebnissport - und die Ergebnisse fehlen Saibene, der nicht ganz zu Unrecht immer öfter als "die ärmste Sau da oben" bezeichnet wird. Wenn man diesen Verein kennt, muss man sich nichts vormachen: Die Gesetzmäßigkeiten des Fußballs werden wohl bald auch in Kaiserslautern (wieder) greifen.

Nach der Partie stellten rund ein dutzend, wohl spontan hochgelaufene FCK-Fans die Mannschaft an der Spielereinfahrt des Fritz-Walter-Stadions zur Rede. In der ersten Reihe stellten sich der FCK-Kapitän Carlo Sickinger und Stürmer Marvin Pourié den verständlicherweise aufgebrachten Fans. Die appellierten an deren Ehrgefühl, insbesondere vor dem anstehenden Derby nächste Woche Samstag bei Waldhof Mannheim. Dort ist klar: Es zählen (wieder mal) nur drei Punkte. Sonst taumeln die Roten Teufel weiter der Regionalliga entgegen, egal ob der Trainer Jeff Saibene heißt oder nicht.

Quelle: Der Betze brennt | Autor: Gerrit1993

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