Spielbericht: FSV Zwickau - 1. FC Kaiserslautern 1:2

Endlich einmal durchgebissen

Endlich einmal durchgebissen

Hendrick Zuck erzielt den 2:1-Siegtreffer für den FCK; Foto: Imago Images

Nicht schön, aber wichtig: Der FCK feiert in Zwickau endlich den ersten Saisonsieg und verdient sich den Erfolg insbesondere mit den Tugenden, auf die es in der 3. Liga vor allem ankommt.

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Möglicherweise ist die prägendste Aktion des Spiels des 1. FC Kaiserslautern beim FSV Zwickau gar nicht der verwandelte Foulelfmeter von Marvin Pourié oder der selbstredend unglaublich wichtige Siegtreffer von Hendrick Zuck, sondern eher der Anpfiff, den Kevin Kraus nach knapp einer Stunde an Gegenspieler Marco Schikora verteilt. Assistiert von FCK-Torwart Avdo Spahic brüllt der Abwehrspieler sekundenlang auf den am Boden liegenden Zwickauer ein und geigt Schikora mehr als deutlich die Meinung für seinen Versuch, mit einer dreisten Schwalbe einen Elfmeter zu schinden.

Rauer Drittliga-Alltag: Um Schönheitspreise geht es nicht

Die Aktion des nicht als Lautsprecher bekannten Kraus steht sicher ein bisschen sinnbildlich für den Auftritt der gesamten Mannschaft. Endlich einmal trotzt die mit hohen Ansprüchen in die Saison gegangene, aber nach acht Spielen immer noch sieglose Truppe allen Widerständen und lässt sich auch von einem mit allen Mitteln kämpfenden Gegner nicht den Schneid abkaufen. Einen Schönheitspreis gibt es für den 2:1-Erfolg bei den Westsachsen zwar nicht, der ist im rauen Drittliga-Alltag aber ohnehin überbewertet.

Dass sie grundsätzlich immer mal wieder einen guten Ball spielen können, zeigen die Lautrer ja auch im ersten Durchgang im coronabedingt leeren Stadion in Zwickau. Was fehlt, ist allerdings die von Trainer Jeff Saibene im Vorfeld geforderte letzte Überzeugung. Der absolute Wille, das Leder auch über die Linie zu drücken. Natürlich packt Zwickaus Schlussmann Johannes Brinkies in der 20. Minute gegen den völlig frei vor ihm auftauchenden Daniel Hanslik eine ganz starke Fußabwehr aus. Andererseits muss man so eine hundertprozentige Möglichkeit aber auch einfach mal reinmachen.

Schiri-Assistent schaut genau hin: Elfmeter für Lautern

Statt mit einer Führung im Rücken gehen die Roten Teufel so mit einem torlosen Unentschieden in die zweiten 45 Minuten, in denen sich das Geschehen anfangs mehr und mehr vor den Kasten von Keeper Spahic verlagert. Nicht wenige der leidgeprüften FCK-Fans sehen in dieser Phase wohl schon den nächsten Rückstand auf ihr Team zukommen, als ein Tritt auf den Fuß von Kenny Prince Redondo den Gästen die erneute große Möglichkeit zur Führung verschafft. Schiedsrichter Wolfgang Haslberger lässt die Aktion zwar zunächst weiterlaufen, wird dann aber von seinem Assistenten auf das Foul des Zwickauers hingewiesen.

Marvin Pourié, schon vorher an fast allen gefährlichen Offensivaktionen beteiligt, lässt sich durch die Proteste der Gastgeber nicht aus der Ruhe bringen und verwandelt sicher links unten zur Lautrer Führung. Mit seinem dritten Treffer in seinem siebten Spiel unterstreicht der Neuzugang aber nicht nur sein Potential als Torjäger, mit seiner Präsenz und seiner Körpersprache scheint er auch die dringend zu besetzende Position eines echten Führungsspielers ausfüllen zu können. Zu beobachten ist das wiederholt bei Pouriés gestenreichen Anweisungen an die Mitspieler, aber auch bei seinem bemerkenswerten Interview nach dem Schlusspfiff, in dem er nicht zum ersten Mal deutliche Worte in Sachen Mentalität und Einstellung findet.

Standard wieder schlecht verteidigt, aber dann sticht Joker Zuck

Wie brüchig das Selbstvertrauen nach wie vor ist, zeigt in Zwickau ja gerade die Phase nach dem 1:1-Ausgleich durch ein Kopfballtor des von Kraus zusammengefalteten Schikora nach einer Ecke in der 77. Minute. Die Roten Teufel wackeln nach dem wieder einmal schlecht verteidigten Standard und können froh sein, dass Spahic kurz vor Schluss gegen FCK-Schreck Ronny König auf dem Posten ist. Fast muss man hoffen, dass die Mannschaft zumindest den einen Punkt mit nach Hause nimmt, als über die linke Seite mit Adam Hlousek und Redondo ein weiterer gut gespielter Angriffszug gelingt. Joker Zuck donnert das Leder nach der Hereingabe aus kurzer Distanz schließlich zum Siegtreffer in die Maschen.

Ist damit der Knoten endlich geplatzt? Oder ist der umjubelte Dreier nicht mehr als ein glücklicher Sieg bei einem biederen und ebenfalls nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzenden Gegner? Zumindest haben sich die Lautrer in einem typischen Drittliga-Spiel endlich einmal durchgebissen. Daran gilt es anzuknüpfen am kommenden Wochenende gegen den direkten Nachbarn im Tabellenkeller 1. FC Magdeburg. Der hat am Samstag ebenfalls hart umkämpft mit 2:1 gegen den amtierenden Meister Bayern München II gewonnen. So läuft das eben in der 3. Liga.

Quelle: Der Betze brennt | Autor: Ingo

Weitere Links zum Thema:

- Stimmen zum Spiel: Erleichterte Teufel: "Haben uns endlich belohnt" (Der Betze brennt)

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