Neues vom Betzenberg

 

Kranz: "Wir haben Barcelona an die Wand gespielt"

Markus Kranz absolvierte in den 1990er-Jahren 121 Spiele in der Bundesliga und feierte gleich zu Beginn seiner Laufbahn mit dem 1. FC Kaiserslautern große Erfolge. Im Interview mit Transfermarkt blickt der 50-Jährige auf diese Zeit zurück, spricht über kuriose Vereinswechsel, ein missglücktes Probetraining in den Niederlanden mit gutem Ende und Probleme im heutigen Jugendfußball.

Transfermarkt: Sie haben sowohl in der Jugend als auch bei den Profis des FCK gespielt und dort unter anderem die deutsche Meisterschaft 1991 und den DFB-Pokal ein Jahr vorher gewonnen. Hatten Sie Ihre beste Zeit als Fußballer gleich zum Anfang?

Markus Kranz: Die erfolgreichste auf jeden Fall. Dabei fand ich Lautern zunächst gar nicht so gut, war sogar Fan vom FC Bayern München. Ich habe bis zur A-Jugend bei meinem Heimatverein FSV Schifferstadt gespielt und bin dann zum FCK, einfach um mich dort weiterentwickeln zu können. Wir wurden vom damaligen Jugendtrainer Ernst Diehl dazu verpflichtet, die Heimspiele der Profis anzuschauen, worauf ich anfangs nur wenig Lust hatte. Aber schon nach dem zweiten Spiel wurde ich zum Fan, weil die Stimmung zu dem Zeitpunkt sensationell gut war. Immer Stimmung, die Fans standen zu 100 Prozent hinter der Mannschaft. Als ich dann selbst bei den Profis gespielt habe, war das Stadion fast immer ausverkauft und wir hatten auch auf dem Platz viele Erfolge.

Transfermarkt: Diese kamen ja durchaus überraschend.

Kranz: Karl-Heinz Feldkamp wurde Ende Februar 1990 neuer Trainer, als wir im Abstiegskampf steckten. Unter ihm sind wir dann Pokalsieger geworden und ein Jahr später sogar Deutscher Meister. Einfach auch, weil es in der Mannschaft gestimmt hat. Wir waren eine tolle Truppe, jeder war für jeden da. Dazu ein super Trainer, der den Mannschaftsgeist stark gefördert hat. Das war wirklich traumhaft.

Transfermarkt: Sie haben auch dreimal im damaligen Europapokal der Landesmeister gespielt, wurden unter anderem beim legendären 3:1-Sieg des FCK gegen den FC Barcelona eingewechselt. Die Spanier, bei denen Spieler wie Guardiola, Stoichkov oder Laudrup spielten, kamen nach einem 0:3-Rückstand durch ein Tor in der letzten Minute noch weiter. Ein unvergessliches Erlebnis?

Kranz: In erster Linie hängt mir das Spiel tatsächlich noch bis heute nach, weil es danach hieß, dass ich beim Gegentor mit dabei gewesen sei. Das war ich auch, aber der Torschütze José Mari Bakero war gar nicht mein Gegenspieler. Davon abgesehen, hat er das damals ganz stark gemacht und wir sind wegen der 0:2-Niederlage im Hinspiel leider ausgeschieden. Dabei hätten wir vorher noch das vierte oder fünfte schießen können. Deshalb war das Spiel letztlich vor allem niederschmetternd. So eine Stimmung habe ich aber nie wieder erlebt in Kaiserslautern. Die Fans haben gefühlt noch eine Stunde nach dem Spiel gesungen.

Man muss sich das vorstellen: Wir haben gegen Barcelona gespielt und hatten eigentlich null Chance. Aber an dem Abend haben wir sie mit dem FCK an die Wand gespielt. Bemerkenswert war auch, dass in der Mannschaft ganz viele Spieler aus der Region dabei waren. Marco Haber, Axel Roos oder auch Stefan Kuntz zum Beispiel. Dadurch hatten wir sehr engen Kontakt zu den Fans. Im Gegensatz zu heute auf dem Betzenberg, wo die Mannschaft mit dem Bus hoch fährt und hintenherum ins Stadion kommt. Ich finde das schade, weil man gerade in Lautern die Fans braucht. Heute haben die Anhänger kaum noch Möglichkeiten mit den Spielern zu reden oder auch mal zu diskutieren. Das hat den Betze immer ausgemacht für mich.

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Quelle und kompletter Text: Transfermarkt.de

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