Taktik-Nachlese zum Spiel FCK-SVM

Die DBB-Analyse: Vom Feeling her unberechenbar

Die DBB-Analyse: Vom Feeling her unberechenbar

Foto: Imago Images

Der 1. FC Kaiserslautern gewinnt 4:0 gegen den SV Meppen, zeigt ein insgesamt starkes Spiel und springt erstmals in seiner Drittliga-Zeit auf einen Aufstiegsplatz - was fehlt da noch für den perfekten Nachmittag? Na klar, ein Satz fürs Schatzkästlein der schönsten Fußballsprüche ...

Den haute FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen in der Halbzeitpause vor dem Mikrofon von "SWR Sport" raus: "Unsere Unberechenbarkeit macht uns für jeden Gegner schwer berechenbar ..." Hmm. Der spielt ungefähr in einer Liga mit Andy Möllers "Vom Feeling her hab ich ein gutes Gefühl."

Aber wer will den Lautern-Boss für diese Stilblüte belächeln, wo das 4:0 der Mannschaft doch so viel Freude machte? Hauptsache ist doch, man weiß, was er gemeint hat, oder? Und das wiederum hatten die Roten Teufel in den abgelaufenen 45 Minuten bereits deutlich gemacht. Nach 90 Minuten war es sogar noch klarer.

Vier Treffer hatte der FCK erzielt, und keiner von denen, die in der vorderen Reihe aufgestellt waren, war unter der Torschützen. Nicht mal als Vorlagengeber haben Daniel Hanslik und Kenny Redondo in der Statistik Berücksichtigung gefunden. Dabei hatten die beiden vor allen Einschlägen irgendwo die Füße mit im Spiel. Und waren ständig in Bewegung, um Räume für die Nachrücker zu schaffen, die dann auch die Treffer erzielten.

Redondo bärenstark - und jetzt stürmt sogar Kraus

Redondos Vorarbeit vor dem Führungstreffer nach nur sieben Minuten war sogar überragend, allerdings war er nicht der Mann, der den finalen Pass auf Boris Tomiak spielte. Auch in den 80 Minuten zählte er zu den stärksten seines Teams. Der gelernte Flügelstürmer ist aktuell zu einem der wichtigsten Garanten für die Unberechenbarkeit geworden, die das FCK-Spiel in dieser Saison auszeichnet, und das auf der zentralen Position hinter der vorderen Spitze, die Coach Marco Antwerpen während der Hinrunde eigentlich auf René Klingenburg zugeschnitten hatte. Redondos Schwächen im Abschluss, insbesondere bei Kopfbällen, sollten da nicht überbewertet werden.

Mit Hendrick Zuck hat sich am Samstag nunmehr der 13. FCK-Spieler in dieser Spielzeit in die Torschützenliste eingetragen. Die aber ist nur ein Beleg für die Lautrer Unberechenbarkeit, die sich möglicherweise noch weiter kultivieren lässt.

In der Anfangsphase des Meppen-Spiels etwa tauchte auch Kevin Kraus zwei Mal in Gegners Strafraum auf - ohne dass eine Standardsituation angezeigt war. Der zentrale Innenverteidiger, der als oberster Sicherheitsbeauftragter bislang den wenigsten Zug zum anderen Tor entwickelte, hatte sich aus dem Spiel heraus noch vorne eingeschaltet. Ob das nun noch öfter zu sein wird?

So werden Tore gemacht: Der FCK präsentiert die komplette Bandbreite

Bereits die vier Treffer vom Samstag zeigen jedoch, dass der FCK 2021/22 die gesamte Bandbreite beherrscht, auf der Tore erzielt werden können. Tomiaks 1:0 ging wieder einmal eine Ecke voraus, war diesmal allerdings eher eine Art Spätfolge und dürfte daher kaum als Treffer nach Standard gelistet werden. Dazu brauchte es bis zum Einschlag einfach noch zu viele Stationen.

Das 2:0 resultierte aus "Umschaltspiel" aus par excellence. Felix Götze eroberte sich in Nähe der Mittellinie der Ball und lief sich direkt über die rechte Seite frei, während Mike Wunderlich und Hanslik den vertikalen Pass vorbereiteten. Götze flankte anschließend die Mitte, Redondo verpasste, Zuck traf.

Das 3:0 darf als mustergültig fürs "Bespielen eines geordnet stehenden Gegners" gelten. Ausgangspunkt war ein Einwurf Philipp Herchers tief in der Meppener Hälfte. Anschließend kombinierten Götze, Redondo, Hanslik und abermals Hercher, ehe Götze den finalen Diagonalpass auf Vollstrecker Zuck spielte. Wäre, zugegeben, leicht auf Abseits zu stellen gewesen, doch hatte der Emsländer Steffen Puttkammer es versäumt, rechtzeitig rauszurücken.

Das 4:0: Balleroberung in Gegners Hälfte. Eigentlich der Verdienst eines geschlossen in Ballnähe nachrückenden Teams, doch gebührt Hercher ein Sonderlob. Er war es offenbar leid, dass schon drei Tore über "seine" rechte Seite gefallen waren, ohne dass er unmittelbar beteiligt war. Also schnappte sich der Schienenspieler einen Befreiungsschlag eines bedrängten Meppeners aus Nähe der Eckfahne, schob sich am Gelb-gehandicapten Jeron Al-Haizemeh vorbei und bediente Wunderlich mustergültig.

Und Meppen? Nur "Umschaltspiel" ist eben zu wenig

Meppen dagegen? Okay, der SVM war als Tabellendritter gekommen, der von seinen acht Partien zuvor sieben gewonnen hatte. Das imponiert, ohne Frage. Es war aber ebenso bekannt: Die Meppener können vor allem "Umschaltspiel", und sonst? Schnell umschalten lässt sich nur noch schwer, wenn man früh in Rückstand gerät und der Gegner sich seinerseits tief stellen darf. Okay, vor allem Mitte der ersten Hälfte gelang es den Meppenern eine Zeit lang, sich in der Lautrer Hälfte ordentlich festzusetzen. Aus dem Spiel heraus aber verzeichneten sie lediglich einen gefährlichen Drehschuss von Luka Tankulic aufs Gehäuse von Matheo Raab. Ansonsten hatten sie Emsländer lediglich Distanzschüsse und ein paar gute Standards in petto.

Die finale halbe Stunde nutzte Marco Antwerpen, um ein paar Akteuren Spielpraxis zu geben, die ab kommenden Samstag benötigt werden. Da nämlich startet eine Englische Woche mit Spielen gegen Viktoria Berlin, bei 1860 München und gegen den Halleschen FC, und da wird wohl auch mal in der Startelf durchgewechselt werden müssen.

Neben Julian Niehues, René Klingenburg und Hikmet Ciftci durfte einer ran, der eigentlich schon als abgeschrieben galt. Simon Stehle kam in den Schlussminuten für Hanslik - und hätte nach Zuckerpass von Redondo und starkem Sprint ums Haar das 5:0 gemacht. Ob's nicht vielleicht sinnvoller wäre, diesen kompakten, schnellen Stürmer weiter aufzubauen, statt weiterhin die Last-Minute-Verpflichtung eines mehr oder wenigen prominenten "Knipsers" herbeizubeten, der möglicherweise nur das Mannschaftsgefüge durcheinander bringt und diesem FCK seine Unberechenbarkeit raubt?

Wäre doch schade, gerade einem solchen Spiel, das ein gutes Gefühl für die kommenden Wochen erzeugte. So vom Feeling her.

Die xG-Plots: Eine Passgrafik zum Einrahmen

Die xG-Grafiken sind diesmal selbsterklärend. Die Timeline bestätigt den klaren Sieg für Lautern.

xG-Plot FCK-SVM

Die Positions- und Passgrafik: eine wahre Freude. Bildet das 3-1-4-1-1 des FCK wunderschön ab und weist diesmal auch keine Rechtslastigkeit aus - obwohl die Tore allesamt über diese Seite eingeleitet wurden.

Passmap FCK

Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik des Gegners. Da sollen sich die Meppener ihren Reim drauf machen.

Passmap SVM

Quelle: Der Betze brennt | Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2021/22: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage

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