Taktik-Nachlese zum Spiel FCK-SCF2

Die DBB-Analyse: Mau starten, dann treffen

Die DBB-Analyse: Mau starten, dann treffen


So einen Lauf, wie ihn der 1. FC Kaiserslautern gerade erlebt, bewirken viele Faktoren. Manche lassen sich recht einfach erklären, wie der Blick auf den 3:0-Sieg gegen den SC Freiburg II zeigt.

Beginnen wir diesmal mit einer eher banalen Erklärung für die nun vier Spiele umfassende Siegesserie. Der Mannschaft gelang es stets, früh in Führung zu gehen, sich so Selbstvertrauen zu holen und dem Gegner einen Dämpfer zu versetzen. Gegen Freiburg II fiel der erste Treffer bereits zum dritten Mal hintereinander innerhalb der ersten elf Minuten. Aber: Sie trifft immer auch nach Phasen, in denen sie das Spiel zuvor gar nicht mal bestimmt hatte. Sowohl beim 2:0-Auswärtssieg in Verl als auch beim 2:0-Heimerfolg gegen Osnabrück und sogar beim souveränen 6:0 in Havelse schien der Gegner vor dem ersten Tor der Lautrer sogar etwas besser in die Partie zu kommen.

Erst wird gepatzt, dann lehrbuchmäßig umgeschaltet

So war es auch am Samstag gegen die Zweitvertretung des derzeitigen Bundesliga-Topteams aus Freiburg. Der mit erfahrenen Cracks wie dem spielstarken Abwehrchef Sandrino Braun-Schumacher verstärkten Nachwuchstruppe gelangen einige frühe Balleroberungen, die für die Gastgeber böse hätten enden können. Gerade mal eine Minute vor Felix Götzes Führungstreffer etwa erlaubte sich die Hintermannschaft einen schweren Patzer, als Keeper Matheo Raab das Spiel mit einem kurzen Pass neu aufzubauen versuchte, die Freiburger beherzt attackierten, den frühen Ballgewinn aber nicht nutzen konnten.

Unmittelbar danach nutzten die Roten Teufel eine Umschaltsituation wie aus dem Lehrbuch - und die Fähigkeit, auch mal einen Treffer aus dem Nichts zu erzielen, kann gerade in dieser Liga durchaus ein Erfolgsfaktor sein. Balleroberung vor dem eigenen Sechzehner, Götze leitete ein, Mike Wunderlich schickte Daniel Hanslik über den rechten Flügel, der schloss seinen Flankenlauf nicht mit einem hohen Ball vors Tor, sondern mit einem klugen Rückpass ab. Götze vollstreckte.

Hanslik: Der Wanderer zwischen den Flügeln

Auf fast die gleiche Weise bereitete Hanslik auch den dritten Treffer vor, den Mike Wunderlich erzielte: Diesmal setzten Hendrick Zuck - mit der Hacke! - und Götze ihn über die linke Seite ein, wieder flankte er nicht hoch, sondern passte noch raffinierter als beim ersten Mal auf den lauernden Wunderlich in den Rückraum. Der 35-Jährige nahm den Ball direkt und präzise ab. Und einmal mehr war es einfach nur schön zu sehen, wie ausgelassen so ein altgedienter Profi auch im fortgeschrittenen Alter noch jubeln kann.

Der zentrale Stürmer als Pendel, das mal nach links, mal nach rechts ausschlägt, um Raum für die nachrückenden Torschützen zu schaffen - unter den aktuellen Offensivspielern des FCK füllt diese Rolle keiner besser aus Hanslik. Überhaupt gibt’s an diesen derzeit ein Überangebot. Da es in der 3-1-4-1-1-Formation, in der das Team jetzt den vierten Sieg in Folge eingefahren hat, im Grunde keine offensiven Flügelspieler mehr gibt, müssen sich nun neben Muhammed Kiprit und Elias Huth auch Marius Kleinsorge, Kenny Redondo und Simon Stehle um die beiden vorderen Positionen bewerben, die gegenwärtig Hanslik und René Klingenburg besetzen. Da wird Sport-Geschäftsführer Thomas Hengen die Personaldecke spätestens in der Winterpause ausdünnen müssen, um den Betriebsfrieden zu bewahren.

Mal was Neues: Westkurve pusht Auswechselspieler

Denn an der gegenwärtigen Startformation gibt es kaum etwas auszusetzen. Was auch der Grund sein dürfte, dass sich Marco Antwerpen neuerdings viel Zeit lässt, bis er erste Wechsel vornimmt. Vergangene Saison noch hatte er öfter mal Dreifach-Wechsel rund um die 60. Minute vorgenommen. Am Samstag führten die ausbleibenden Tauschaktionen sogar zu einem Sprechchor, den man so auf dem Betzenberg wohl noch nie gehört hat: "Auswechselspieler, Auswechselspieler!" Erst nach 70 Minuten durfte Jean Zimmer den Platz von Götze als halbrechter Achter einnehmen, Dominik Schad und Kleinsorge betraten erst nach 81 Minuten den Platz.

Selbst der Kapitän schafft nach auskurierter Verletzung also nicht direkt den Weg zurück in die Startelf. Die brannte an diesem Samstag sicher kein Fußball-Feuerwerk ab, hatte nach dem Führungstreffer das Spiel aber jederzeit im Griff und wirkt in ihrer Grundordnung immer gefestigter.

Ebenso setzte sich die zuletzt festgestellte Steigerung der Torausbeute nach ruhenden Bällen gegen Freiburg weiter fort. In Hälfte eins hätte beinahe sogar mal eine Wunderlich-Ecke auf die Höhe des langen Pfostens in Kevin Kraus einen Abnehmer gefunden. Spezialität aber bleiben die krummen Dinger aufs kurze Eck. Eins davon drückte Alex Winkler vor der Pause nach einer Zuck-Ecke über die gegnerische Linie, es wäre das 2:0 gewesen, aber Schiedsrichter Nicolas Winter verweigerte dem FCK wie schon letzte Saison gegen Bayern II (1:1) diesen regulären Treffer. Da es in der 3. Liga keine Torlinientechnik gibt, blieb der Jubel zunächst also noch aus. Aber der Schiri sollte dieses Mal zum Glück nicht die entscheidende Figur werden.

Eine Symbolfigur des Siegesserie: Tomiak, der Senkrechtstarter

Denn kurz nach Wiederanpfiff war Boris Tomiak nach einer zu kurz abgewehrten Wunderlich-Ecke zur Stelle. Womit der 23-jährige Innenverteidiger, im Sommer aus der Regionalliga West an den Betzenberg gewechselt, dem Katapultstart, den er nun eine Klasse höher hingelegt hat, die Krone aufsetzte. So soll, so darf es weitergehen - für Tomiak wie für den Rest des Teams.

Also alles eitel Sonnenschein zurzeit? Bei aller Freude am Lauf und daran, dass es aktuell nur noch zwei Punkte zu den Aufstiegsrängen sind, so wenig wie seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr: Um den Nachweis zu erbringen, dass die Roten Teufel die Liga-Spitze zurecht in Angriff nehmen, müssen diese noch eine Frage beantworten: Wie reagieren sie, wenn nach einer ausgeglichenen Anfangsphase halt doch mal der Gegner in Führung geht? Und wenn sie gezwungen sind, höher aufzurücken, um den Ausgleich zu erzwingen?

Gerade vor diesem Hintergrund sollte die 1:2-Niederlage im Verbandspokal gegen den Oberligisten Mechtersheim immer warnend im Hinterkopf bleiben. Da nämlich zeigte sich, dass die hintere Dreierkette gegen schnelle Gegenspieler, die genug Raum vor sich haben, durchaus Probleme bekommen kann. Ebenso wirken Kraus & Co. nicht immer ballsicher, wenn sie früh unter Druck gesetzt werden. Da sollte man sich auch von den erst acht Gegentreffern nicht blenden lassen, die diese Hintermannschaft aktuell als beste ihrer Klasse ausweisen.

Die xG-Plots: Noch ein, zwei Treffer mehr wären möglich gewesen

Zu den xG-Plots: Die Timeline der qualitativ bewerteten Torchancen sieht genauso erfreulich aus, wie man es nach einem 3:0-Sieg erwarten darf. Es wären sogar noch zwei Treffer mehr drin gewesen. Vor allem Philipp Hercher hätte gut und gerne noch den Schlusspunkt setzen können.

xG-Plot FCK-SCF

Die Positions- und Passgrafik: Spiegelt schön die oben beschriebene Grundformation wider. Die Passlinien deuten ebenfalls auf ein munteres Zusammenspiel hin, lediglich zwischen Hercher und Hanslik würde man sich noch eine Verbindung wünschen.

Passmap FCK

Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik der Freiburger: ganz schön linkslastig.

Passmap SCF

Quelle: Der Betze brennt | Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2021/22: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage

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