Taktik-Nachlese zum Spiel HFC-FCK

Taktikananalyse: Wo geht's raus aus der Endlosschleife?

Taktikananalyse: Wo geht's raus aus der Endlosschleife?

Foto: Imago Images

Und noch ein Remis. Auch in Halle kämpft der 1. FC Kaiserslautern vergeblich gegen den Fluch des Murmeltiers. Und solange der nicht besiegt ist, wird's wohl nichts mehr mit drei Punkten - wetten?

Zu dumm. Mit einem Verweis auf den Zeitschleifen-Klassiker "Und täglich grüßt das Murmeltier" sind wir diese Saison schon einmal in eine Analyse eingestiegen. Eine Wiederholung verbietet sich da, so sehr sie nach diesem neuerlichen 1:1 auch angezeigt wäre. Denn das Murmeltier grüßt nun nach dem bereits siebten Unentschieden im zehnten Spiel. Was nun?

In der "Netflix"-Serie "Matrjoschka" wird die Zeitschleifen-Idee mittlerweile im Serienformat durchgekaut - passt das nicht irgendwie besser nach Lautern? Geschenkt. Darüber hinaus existiert bereits eine Actionfilm-Variante des Stoffs, und mit Ulrich Tukur hat sogar schon ein "Tatort"-Kommissar gegen den Fluch der ewigen Wiederholung des Immergleichen gekämpft. Gemein haben all diese Geschichten, dass die Hauptfigur erst ein Problem bei sich selbst lösen muss, ehe sie sich aus der Zeitschleife befreien kann. Dieses aber muss erst einmal erkennen muss.

Was also ist das Problem des FCK?

Erstmal das Positive: Die Anfangsphase, Bachmann, Ciftci

Kommen wir erst einmal zu den Dingen, die gut waren in Halle. Als da wären: die ersten 25 Minuten. Da haben die Roten Teufel ein fast perfektes Auswärtsspiel gezeigt gegen einen Gegner, der sich durchaus reingehauen hat in diese Partie. Zum Teil gut geordnetes Angriffspressing praktizierte, aus dem sich die Mannschaft von Jeff Saibene jedoch immer wieder auch spielerisch befreite.

Auch dank eines Innenverteidigers namens Janik Bachmann, der erst kurz vor Anpfiff in die Startelf gerutscht war, weil sich Kapitän Carlo Sickinger beim Aufwärmen verletzt hatte. Im FCK-Dress war dies Bachmanns erster Einsatz in der hinteren Reihe. Er meisterte die ungewohnte Aufgabe erstaunlich gut. Respekt.

Für die meist diagonalen Pässe, mit denen sich FCK in dieser Phase immer wieder vielversprechend befreite, zeichnete in der Regel Hikmet Ciftci verantwortlich. Er leitete mit einem solchen Ball auch den Führungstreffer ein, in dem er von der rechten Seite lang und quer auf den in den Strafraum einlaufenden Adam Hlousek passte, der wiederum direkt in die Mitte ablegte, wo Kenny Redondo vollstreckte. Ein fast exaktes Spiegelbild der Treffers, den der FCK in der Woche zuvor gegen Magdeburg erzielte: Da flankte Hlousek von links, Marlon Ritter legte ab, Marvin Pourié traf. Da scheinen sich nun tatsächlich langsam die "Automatismen" auszubilden, von denen immer so viel geredet wird.

Verspielte Führungen: Nach hinten raus kommt nichts mehr

Aber das war's auch schon mit den guten Dingen. Auch wenn Redondo und, nach dem Ausgleich, der eingewechselte Mohamed Morabet noch zwei allerbeste Einschussgelegenheiten zu einem zweiten Treffer hatten: Mit zunehmender Spieldauer wurde das FCK-Spiel unkonzentrierter, ungenauer, fahriger.

Eben das ist das Problem, das Jeff Saibene in den Griff kriegen muss: der Leistungsabfall, der sich innerhalb der 90 Minuten einer Partie vollzieht.

Ein Phänomen, das sich auch an den nackten Ergebnissen festmachen lässt. Einen Rückstand aufzuholen, gelang dem FCK nur bei den beiden Unentschieden an den Spieltagen 3 und 4, in Wiesbaden und gegen Mannheim. Anschließend gab's drei Remis, bei denen das Team eine Führung nicht zu behaupten vermochte - gegen Ingolstadt und Magdeburg, nun in Halle. Dazu zwei Nullnummern bei den kleinen Bayern und gegen Rostock. Eine Niederlage in Meppen, bei der die Mannschaft zwar zwei Rückstände egalisierte, sich aber kurz vor Schluss noch den Fangschuss verpassen ließ. Und einen Sieg, bei dem die Mannschaft bereits eine Führung abgegeben hatte, ehe dann, ein wenig überraschend, der bislang einzige Saisonerfolg glückte.

Nach hinten raus scheint der FCK also nicht mehr zulegen zu können.

Stark anfangen, stark abbauen: Das Beispiel Marlon Ritter

Was insofern nicht wundert, als dass gerade Spieler, die als Leistungsträger gebraucht werden, mit zunehmender Spieldauer immer wieder abfallen. Zum Beispiel Marlon Ritter. Der Neuzugang ist als Zehner und Mann für überraschende Aktionen auf engem Raum im Grunde alternativlos, solange Nicolas Sessa ausfällt. Ein feiner Techniker, der in dieser Liga vor zwei Jahren den SC Paderborn zum Aufstieg rockte. Seit er in Lautern ist, spielt er regelmäßig starke erste Hälfen, baut dann aber zusehends ab. Die Partie in Halle war die fünfte in Folge, in der ihn der Trainer vorzeitig vom Platz nahm. Gleiches gilt für Ciftci, als Taktgeber aus dem hinteren Mittelfeld ebenfalls ein weit überdurchschnittlicher Drittligaspieler, im Lauf eines Spiels aber meist genauso stark abfällt, wie er angefangen hat.

Woran das liegt? "Konditionelle Mängel"? Obacht: Ein solcher Vorwurf zählt zum Schlimmsten, was man sportlich Verantwortlichen unterstellen darf. Und wer keinen Zugriff auf die Fitnesswerte des Personals hat, sollte ihn unterlassen. Aber was könnte es sonst sein? Konzentrationsschwierigkeiten? Oder fehlt es Einzelnen doch am Spirit, an Mentalität?

Zudem musste in Halle wieder einmal ein Gegentreffer nach einer Standardsituation verzeichnet werden. Der Darstellung der Sportredaktionen, es wäre bereits der neunte in dieser Spielzeit gewesen, hat Jeff Saibene unmittelbar nach dem Spiel widersprochen. Die Elfmetertreffer, die sein Team bislang kassierte, könne man da nicht dazu zählen. Recht hat er, denn die offenbaren ja keine Schwächen beim Abwehren von ruhenden, meist hohen Flugbällen, die es ja eigentlich anzuprangern gilt.

Die Mär von den neun Standard-Gegentoren - ein Tipp aus Stuttgart

Also dröseln wir mal genauer auf. Von den neun Standardtreffern abzuziehen wären zwei Elfmetertore, keine drei, wie Saibene zunächst tippte. Kassiert hat sie der FCK in Wiesbaden und bei Türkgücü. Den sich unhaltbar ins lange Eck drehenden Flugball nach einer kurzen Ecke im Magdeburg-Spiel kann man - Schütze Andreas Müller möge verzeihen - getrost als Sonntagsschuss bezeichnen und unter "Shit happens" ablegen.

In Wiesbaden dagegen war's ein Schuss aus dem Rückraum, nachdem Marius Kleinsorge nach einer bereits abgewehrten Ecke ein Stockfehler unterlaufen war. Gegen Dresden, in Meppen, in Zwickau, gegen Magdeburg und nun gegen Halle dagegen fielen vier Gegentore unmittelbar nach Ecken, ein weiterer, der in Meppen, nach einer Freistoßflanke. Und drei davon fielen in den letzten drei Spielen in Folge.

Auch wenn die Zahl "9" also tatsächlich nicht stimmt - das ist zu viel. Da muss dringend etwas geschehen.

Wie diktierte Christoph Baumgartner, Kicker des VfB Stuttgart, am Samstag so schön in die TV-Kameras? Sein Team habe in der zweiten Hälfte der Partie gegen Hoffenheim (3:3) "das Herz in die Hand genommen und Eier gezeigt". Das wär vielleicht ein Anfang, aber bildlich vorstellen mag man sich das jetzt auch nicht. Umgekehrt schon gar nicht.

Quelle: Der Betze brennt | Autor: Eric Scherer

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