Neuigkeiten und Pressemeldungen zum 1. FC Kaiserslautern.

Beitragvon Kohlmeyer » 07.10.2020, 20:10


In diesem neuen Taktik-Thread präsentieren wir Euch ab sofort Eric Scherers xG-Analysen von den Spielen der Roten Teufel - mit Dank auch an den Ersteller der Grafiken, Sander Ijtsma.

Inhaltsverzeichnis:

- Die xG-Analyse zum 3. Spieltag: SV Wehen Wiesbaden - 1. FC Kaiserslautern 2:2
- Die xG-Analyse zum 4. Spieltag: 1. FC Kaiserslautern - Waldhof Mannheim 1:1
- Die xG-Analyse zum 5. Spieltag: Bayern München II - 1. FC Kaiserslautern 0:0
- Die xG-Analyse zum 6. Spieltag: 1. FC Kaiserslautern - FC Ingolstadt 1:1


Zur Einleitung und ersten Analyse:

Bild

Im Blickpunkt
Grafiken sagen nicht alles, aber viel: Die xG-Analyse

Da sind sich alle einig: Dass dem FCK am Montag in Wiesbaden noch in der Schlusssekunde der 2:2-Ausgleichstreffer glückte, war wichtig für die Moral. Aber welchen sportlichen Wert hat der erste Punkt der Saison wirklich? Vielleicht hilft ein Blick auf die sogenannten "xG-Grafiken" - zusammengestellt von Eric Scherer und ab sofort regelmäßig auf DBB.

Wer in den vergangenen Jahren immer mal bei "blogvierzwei.de" vorbeischaute, kennt diese Methode der Spielanalyse ja bereits - und auch die üblichen Kommentare dazu. Für die einen ist und bleibt es überflüssiger Nerd-Kram, da der gesunde Fußballsachverstand bekanntlich ja schon immer gereicht hat, um ein mieses Spiel zu erkennen. Für die anderen aber ist es spannend, nach einem Spiel die eigenen, subjektiven Erkenntnisse mit objektiv erhobenen Daten abzugleichen, und so mancher soll mit ihrer Hilfe hinterher sein Team sogar schon ein wenig fairer betrachtet haben. Wir veröffentlichen diese Grafiken für die anderen.

Zur Premiere bei Der Betze brennt sei noch einmal eine kurze Einführung gegeben. "xG" steht für "expected Goals", also: "zu erwartende Tore". Der "xG"-Wert beziffert die Wahrscheinlichkeit eines Treffers aus einer bestimmten Einschussposition. Diese wird berechnet, indem der Analyst diese gemeinsam mit anderen Torszenen aus seiner Datenbank betrachtet. Vergleichskriterium ist dabei nicht nur die Entfernung zum Tor, sondern beispielsweise auch der Schusswinkel, die Position des Schützen zum Ball oder, wie viele Spieler den Weg zum Gehäuse im Moment des Schusses versperren.

Der "xG"-Wert beschreibt die Wahrscheinlichkeit eines Treffers

Je nachdem, wie oft in den vergleichbaren Situationen getroffen wurde, wird die aktuelle Einschussposition dann mit einem Wert zwischen 0 und 1 belegt. Ein "xG"-Wert von 0.35 beschreibt demzufolge eine Trefferwahrscheinlichkeit von 35 Prozent, im Klartext: Von drei Torschüssen, die aus dieser Position in einem vergleichbaren Kontext abgegeben wurden, ist in der Regel einer drin.

Der Niederländer Sander Ijtsma, von dem wir die xG-Grafiken für die FCK-Spiele beziehen, gilt als Pionier dieser Betrachtungsweise. Einst als Betreiber des Blogs 11tegen11" gestartet, fertigt er xG-Grafiken mittlerweile auch im Auftrag zahlreicher Vereine und Verbände in ganz Europa an.

Und selbst die größten Skeptiker sollten zugeben: "xG's" sind aussagekräftiger als die simplen Torschussstatistiken, die sonst veröffentlicht werden. Denn da hat das aus 40 Metern fünf Meter am Tor vorbeigebolzte Verzweiflungsgeschoss den gleichen Stellenwert wie die überlegt herausgespielte Abschlusschance sechs Meter frei vorm Keeper. Und sie gibt Aufschluss über die Dominanz und Effektivität eines Teams. Denn nur gute Mannschaft kreieren immer wieder Chancen innerhalb des Strafraums und nur da lassen sich hohe xG-Werte erzielen. Wem die spielerischen Mittel hingegen fehlen, der kann es nur aus der Distanz probieren, und selbst mehrere Versuche werden sich am Ende nur zu einem bescheidenen xG-Gesamtwert zusammenläppern.

SVWW-FCK: Ohne Elfer wär's fast ausgeglichen

Kommen wir nun also zur Partie des FCK gegen den SV Wehen Wiesbaden.

Die Aufrechnung der erzielten xG-Werte über 90 Minuten spricht zunächst mal klar für den SVWW. 1.26 zu 0.72, da hätten die Gastgeber doch klar gewinnen müssen. Allerdings: Elfmeter sorgen stets für gewaltige Ausreißer von etwa 0.76 Punkten. Ohne den sähe die Timeline schon wesentlicher ausgeglichener aus. 

Bild

Interessant: Hainaults Kopfballchance in der 32. Minute nach Freistoßflanke von Ritter war im Grunde größer, als es der Erregungslevel des "Magenta"-Live-Kommentators ausdrückte. Und Ciftcis Chancen zum Ausgleichstreffer am Ende standen gar nicht mal so gut: Der Winkel war schon etwas spitz, zudem waren etliche Beine von Mit- und Gegenspielern im Weg.

Deutlich zu erkennen ist aber auch: Bei Wiesbaden ging in den zweiten 45 Minuten gar nichts nach vorne, während Lautern immer aktiver wurde.

Die Positions- und Passgrafik: Wechsel bleiben unberücksichtigt

Darüber hinaus bietet Sander Ijtsma zu jedem Spiel eine Positions- und Passgrafik an. Diese visualisiert, wie oft die einzelnen Spieler am Ball waren - je größer der Spot, desto öfter -, und wo auf dem Feld sie "im Durchschnitt" das Leder annahmen.

Das mit dem "Durchschnitt" ist natürlich tückisch: Der Spot eines Flügelstürmers, der immer wieder die Seiten wechselt, wird am Ende im Zentrum auftauchen. In diesem Fall aber deuten Dreieckspfeile neben dem Spot an , das ein Spieler variabel unterwegs war. 

Für die Partie in Wiesbaden sieht Lauterns Positions- und Passgrafik so aus:

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Deutlich zu erkennen: Röser und Huth hingen ganz schön in der Luft, auch wenn sich über die gesamte Breite des Spielfelds anboten. Über die rechte Seite lief ebenfalls nicht viel. Gegenüber war Ritter mit Hlouseks Unterstützung Lauterns Aktivposten.

Passlinien zwischen zwei Spots werden erst visualisiert, wenn es zu drei Abspielen gekommen ist. Auch hier gilt: Je öfter gepasst wurde, desto dicker werden die Pfeile. Daher findet beispielsweise der schöne vertikale Pass, den Tim Rieder nach ungefähr einer Stunde auf Lucas Röser spielte, worauf dieser Elias Huth den Ball zu ersten vernünftigen FCK-Chance auflegte, keinen Niederschlag.

Kleinsorge fand nach Verletzungspause nicht ins Spiel

Allerdings haben diese Grafiken auch eine nicht zu wegdiskutierende Schwäche. Sander Ijtsma betrachtet stets nur die ersten 70 Minuten eines Spiels, da die dann folgenden Wechsel und Umstellungen dem Gesamtbild in der Regel die Aussagekraft nehmen würden. Das mag im Prinzip richtig sein, hat für die Betrachtung gerade dieses Spiels aber eher eine gegenteiligen Effekt.

Denn positive Effekte im FCK-Spiel stellten sich erst ab der 52. Minute ein - mit der Einwechslung von Simon Skarlatidis für Marius Kleinsorge. Kleinsorge fand, nach seiner Verletzungspause erstmals in dieser Saison eingesetzt, gar nicht in die Partie, verursachte auch den ersten Gegentreffer, als er den Ball nach einer abgewehrten Ecke eigentlich schon unter Kontrolle hatte, dann aber in der Nähe des eigenen Sechzehners wieder verlor - zur Freude von Paterson Chato. Auch auf dem rechten Flügel gelang dem Neuzugang aus Meppen nichts.

Skarlatidis belebt, Saibene verblüfft - So kann es weitergehen

Mit Skarlatidis dagegen kam der FCK nach und nach auf, und nach der Einwechslung von Hendrick Zuck für Elias Huth war dann sogar richtig Druck auf dem Kessel. Zuck übernahm fortan die rechte Seite, und Skarlatidis gab nun einen beweglichen Offensiven im Zentrum, der abwechselnd links, rechts oder im Zehnerraum auftauchte. Also eine ähnliche Rolle spielte wie die, die Florian Pick in zahlreichen Spielen der vergangenen Runde interpretierte.

Womit FCK-Trainer Jeff Saibene gleich zu seinem Trainerdebüt zeigen durfte, dass er ein 4-4-2 als Grundordnung zwar bevorzugt, aber eben auch nicht stur daran festhält. Dass der TV-Kommentator auf die Auswechslung eines Stürmers für einen Mittelfeldspieler mit Unverständnis reagierte, durfte bereits als gutes Zeichen gewertet werden: Denn wer Kommentatoren verblüfft, vermag auch den Gegner zu überraschen. Zwei Treffer in den elf Minuten danach sprechen für sich.

Ab sofort erscheinen die xG-Grafiken von den Spielen des 1. FC Kaiserslautern regelmäßig hier auf DBB. Je nachdem, wie es die vielen englischen Wochen zeitlich zulassen, entweder wie heute im großen Artikel-Format oder ansonsten im neu eingerichteten Bereich unseres Diskussionsforums - aufbereitet von Sander Ijtsma und zusammengestellt von Eric Scherer.

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer



Beitragvon since93 » 07.10.2020, 20:55


Super Sache!

Hier lässt sich dann auch erkennen, warum Hlousek spielt...



Beitragvon Tibon » 07.10.2020, 21:59


Hab ich auch auf Eric Scherers Blog immer gerne gelesen.

Mal zu Ciftcis Tor: Klar, das war nicht einfach, bzw. da war viel Dusel im Spiel, bei den vielen Beinen im Strafraum. Ich hatte mich aber genau aus diesem Grund beim Gedanken bzw. der Frage ertappt, wann wir denn das letzte Mal aus einer ähnlichen Positionen, mit einem trockenen Flachschuss hindurch ins Glück Erfolg gehabt haben. Ehrlich gesagt, fällt mir keiner ein. Gegentreffer allerdings zuhauf.

Ein gutes Zeichen für mich. Auch solche Dinge funktionieren mitunter auch für uns wieder.



Beitragvon Kuhardter » 07.10.2020, 21:59


Ich finds auch mega interessant, Danke für's bereitstellen. Natürlich kann man es auch nicht 100% für voll nehmen, aber zumindest gibt es Aufschlüsse und korrigiert so manche Aussagen der Forums-Trainer in ein passenderes Licht :) Gerne mehr davon!



Beitragvon Klingenstädter » 07.10.2020, 22:25


Haben wir dich bei tm genug damit genervt? :teufel2:

Danke an dich und ans Team, dass diese Betrachtung nun hier Einzug hält!



Beitragvon Davy Jones » 07.10.2020, 22:29


Endlich! Es freut mich ungemein. Vielen Dank :D :)
Zwar stimmt es, dass am Ende nur das Ergebnis selbst zählt, aber das Bauchgefühl trübt doch häufig den objektiven Eindruck. So geschehen gegen Aspach, Ingolstadt etc. (gibt es dazu noch die Statistiken? Würde ich gerne wiedersehen:oops:).

Letztlich kann man aus den Statistiken enorm viel lesen und gibt es nicht sogar Clubs, die rein basierend auf Statistiken erfolgreich gescoutet haben? Ein englischer Club war dort doch mal sehr erfolgreich meine ich.

Das mit der Chance von Hainault war aber auch eher der Eindruck der Statistik hier. So frei in der Distanz zum Kopfball kommen, führt in 1 oder 2 von 5 Fällen zum Tor, dachte ich mir. Für mich war das auch ein guter Standard.


Gibt es auch Statistiken zu den anderen Spielen? Also Dresden, Türgücü oder auch Regensburg? Insbesondere gegen Türgücü interessiert mich auch die Kopfballchance von Pourie. Also nicht die, die der Torwart mit der Mütze fangen konnte, sondern die, die er knapp verpasste als er komplett frei im Fünfer die Chance hatte.
Auch würde mich interessieren, ob sich die xGoals-Statistik gegen Dresden eher mit der Wahrnehmung vieler Schommers Gegner, mit Schommers Wahrnehmung oder meiner eigenen Wahrnehmung deckt, die irgendwo dazwischen ist.

Grundsätzlich sehe ich diese Statistiken als wertvolles Werkzeug bei der Analyse an. Wie kommst du da eigentlich ran und was kostet der Spaß, wenn ich fragen darf?


Spannend finde ich wirklich, dass Hlousek der einzige ist, der Ritter wirklich häufig anspielt und er, neben Rieder, die Wahl von Ritters Anspielstationen ist.
Auch interessant ist, wie viel Huth und Röser an Wegen gehen. In der selektiven Wahrnehmung kommt Röser oftmals schlechter weg als Huth und gerade das Gegenteil ist hier der Fall.
Weiter ist es spannend, dass mehr über Hainault läuft, als über Kraus, wobei das auch mein Eindruck war.


Wenn ich gerade diese drei Punkte beispielhaft herausnehme, so hätte ich nicht gedacht, dass das Defizit zwischen Huth und Röser, was Laufwege angeht, so groß ist. Auch hätte ich nicht gedacht, dass Ritter praktisch ausnahmslos mit Hlousek und Rieder spielte und Kleinsorge praktisch nur nach hinten unterwegs war.



Beitragvon BetzeBoss » 07.10.2020, 22:57


Danke für die Analyse. Gerne mehr davon!
Gerade die Grafik zum Passspiel fasst die ersten 70 (vA erste 55) Minuten mMn sehr gut zusammen.

Bei der Anmerkung zum Kommentatorspruch über den Wechsel von Zuck für Huth musste ich leicht schmunzeln, weil mir persönlich diese Anmerkung des Kommentators während des Spiels stark missfallen ist. Es legte nämlich offen, wie wenig Ahnung der Herr(und wie sich im Postgame-Interview herausstellte, auch sein Kollege) doch haben. Saibene erklärte ja (was mMn sehr offensichtlich war), dass er einen weiteren Spieler zwischen den Linien haben wollte, weil Röser und allen voran Huth, wie die Grafik auch nochmal beweist, total in der Luft hingen. Das sah in der 1. HZ lustigerweise (ehrlich gesagt hab ich fast geheult) 1:1 so aus wie bei Schommers in den letzten 2 Spielen. Allerdings hat Saibene schonmal gezeigt, was Schommers krampfhaft nur ab der 60.Minute konnte. Und zwar Problemanalyse und UMSTELLEN. Macht Hoffnung auf Samstag, trotzdem sind wir leider der Underdog, wenn man die vergangenen Leistungen beider Mannschaften heranzieht. Ist aber scheißegal. Was zählt, ist nur der Sieg. Und Kampf. Und Leidenschaft! Forza FCK!



Beitragvon FORZA85 » 07.10.2020, 23:08


Hlousek wurde in die Elf des Spieltags gewählt.
Objektiv gesehen war es eine gute Leistung.



Beitragvon Davy Jones » 07.10.2020, 23:10


Fairerweise muss man aber auch sagen, dass Saibene sogar erst zur 52. Minute umgestellt hat.

Aber auch da hätten wir wieder, warum solche Statistiken wichtig sind. Der durchaus naive, aber gut gemeinte Ansatz des Kommentars doch einen defensiven Spieler auszuwechseln und dafür eine offensive Kraft zu bringen, ist nicht zwangsläufig der bessere Weg. Insbesondere im Vergleich der Stürmer, die beide in der Luft hingen, war Röser auch der bessere. Ein dritter Stürmer hätte aber genau so in der Luft gehangen.



Beitragvon DieWalzFunDePalz » 08.10.2020, 06:24


Ich verfolge die Statistik schon sehr lange auf Block 4.2 und freue mich, das sie hier weitergeführt wird. Ich finde die Zahlen immer sehr spannend und aufschlussreich. Auch die Analyse der Grafiken finde ich gut umschrieben. Weiter so ! :daumen:
Der Typ ist so quirlig, der geht nach dir in die Drehtür und kommt vor dir wieder raus.“
Bela Rethy



Beitragvon R.Baggio » 08.10.2020, 07:27


Davy Jones hat geschrieben:Fairerweise muss man aber auch sagen, dass Saibene sogar erst zur 52. Minute umgestellt hat.


Genau das hat mich jedoch sehr überrascht. Das gab es wie lange schon nicht? Meist waren die Wechsel immer eher irgendwelche Verzweiflungstaten. Oder so, als hätte man das schon lange vorher festgelegt, völlig unabhängig vom spielverlauf.
Wann hat ein Trainer bei uns direkt nach der Halbzeit gewechselt? Kann mich nicht erinnern. Oder in der 89. gewechselt oder auch mal den Gegner genervt mit cleveren Spielchen, so wie die anderen es mit uns immer tun?
Ich hoffe das diese cleverness und arschlöchigkeit bei uns endlich wieder einzig hält.



Beitragvon Troubadix » 08.10.2020, 08:22


ENDLICH! :danke:

Ein ultraspannendes Themenfeld, ich finde das rundum klasse. Herzlichen Dank für das Einbauen hier, ich freue mich auf regelmäßige Analysen mitsamt lebhaften Diskussionen.

Die beiden in den Charts dargestellten Faktoren sind immer häufiger zu finden, mittlerweile im Netz etabliert, vielleicht tragen diese Daten dazu bei, hier auf höherem und vor allen Dingen sachlicherem Niveau zu diskutieren.

Bin besonders darauf gespannt, ob dadurch mehr Verständnis für Aufstellungen, Taktikvorgaben, Trainerentscheidungen, etc. geschaffen werden kann.
#droffundewedder #blinkerlinks #dismonoff



Beitragvon alterBetzehase » 08.10.2020, 08:35


Vielen lieben Dank für diese Rubrik. Auch ich verfolge das auf 4.2 schon eine Weile und es gibt dann doch gute Einblicke und zeigt, dass (was wir auch schon wissen) wir uns oft selbst schlagen...

Kohlmeyer hat geschrieben:Womit FCK-Trainer Jeff Saibene gleich zu seinem Trainerdebüt zeigen durfte, dass er ein 4-4-2 als Grundordnung zwar bevorzugt, aber eben auch nicht stur daran festhält. Dass der TV-Kommentator auf die Auswechslung eines Stürmers für einen Mittelfeldspieler mit Unverständnis reagierte, durfte bereits als gutes Zeichen gewertet werden: Denn wer Kommentatoren verblüfft, vermag auch den Gegner zu überraschen. Zwei Treffer in den elf Minuten danach sprechen für sich.



Zum Kommentator auf Magenta. Bei dem hab ich mich echt gefragt wieso er sich nicht auf den Trainerjob beim FCK beworben hat. Ständig irgendwelche Kommentare in diese Richtung. Wieso wechselt man defensiv? Wieso macht man nicht mehr Druck? Wieso hintenrum bei diesem Spielstand? Wieso kommen Pässe über 5 Meter nicht an? Etc.

Dann wundert er sich mitten der 2. HZ auf einmal, dass da 2 Lauternfans im Stadion sind. Dass beim Elfmeter für Wehen in der 1. HZ schon das halbe Stadion gepfiffen hat, hat er nicht so ganz mitbekommen oder er ging davon aus, dass die Wehener Fans Spahic auspfeifen :lol:



Beitragvon Rickstar » 08.10.2020, 09:05


@alterBetzehase: das Gefühl, dass die Sportkommentatoren weniger allgemeines Sportwissen als früher haben, beschleicht mich oft. Irgendwie scheinen die alle nur mit Bayern, Dortmund, real, Barca, etc. aufgewachsen zu sein. Das Schalke Dortmund ein Derby ist, ist auch noch bekannt, aber das wars dann auch. Das wissen über die spanische und englische Liga scheint meist größer zu sein, als über deutsche 2 liga.
In anderen Sportarten ist es aber noch schlimmer.
PS : Sorry für off topic, toll dass die xG Auswertungen wieder da sind!



Beitragvon Chaosteufel » 08.10.2020, 09:59


Finde diese Statistiken toll und freue mich darauf die in Zukunft hier nach dem Spieltag nochmal mit meinem subjektiven Empfinden während des Spiels vergleichen zu können.

Was mir aufgefallen ist:
Röser und Huth, gut waren beide nicht wobei Röser mMn eher mal aufgefallen ist. Lag eben auch an den nicht vorhandenen Pässen in die Spitze.
Aber: Während Huth seine Position im Strafraum relativ statisch gehalten hat um auf die niemals kommende Flanke zu warten, hat Röser in entscheidenden Momenten genau an seinem angedachten Platz gefehlt. Mir ist das früher auch schon aufgefallen: Wenn mal wirklich eine Flanke kam dann hat der (generell nicht nur Huth oder Röser) Abnehmer gefehlt.
Natürlich kann ich mich auch täuschen, da solche Statistiken nie zu 100% die Realität abbilden. Sollte sich aber dieser Trend bestätigen wäre das eine der Erklärungen dafür warum Röser (dann auch zurecht) immer so schlecht in der Mehrheitsmeinung wegkommt.
Das der Spruch "es gibt Tage an denen verliert man und dann gibt es Tage, da gewinnen die anderen!" nicht nur die Idee eines verrückten Philosophen ist, habe ich in meiner Zeit am Betze viel zu oft am eigenen Leib erlebt.



Beitragvon reklov » 08.10.2020, 10:17


Jetzt muss ich aber mal eine Lanze für den Magenta-Kommentator Markus Höhner brechen.

Er ist mein absoluter Lieblingsmoderator, ich freue mich immer wenn er Lautern kommentiert und ich denke, dass er insgeheim zumindest ein FCK-Sympathisant ist.

Das ist doch normal, dass man bei Rückstand in der letzten Viertelstunde einen Defensiven rausnimmt und mit einem weiteren Offensiven "Alles oder Nichts" spielt. Wenn in der Nachspielzeit der Ausgleichstreffer nicht mehr gefallen wäre, dann würde man genau das, dem Trainer jetzt vorwerfen.



Beitragvon Malvoy » 08.10.2020, 10:59


Das Einzige was mir zu den roten Punkten und verworrenen Pfeilen in alle Richtungen einfällt ist:
Überflüssiger Nerd-Kram



Beitragvon alterBetzehase » 08.10.2020, 11:13


Sorry, dass ich das OT Fass aufgemacht habe, aber dann antworte ich hier trotzdem nochmal.

reklov hat geschrieben:Jetzt muss ich aber mal eine Lanze für den Magenta-Kommentator Markus Höhner brechen.

Er ist mein absoluter Lieblingsmoderator, ich freue mich immer wenn er Lautern kommentiert und ich denke, dass er insgeheim zumindest ein FCK-Sympathisant ist.


Mag sein, dass er der Einäugige unter den Blinden ist. Generell merkt man insbesondere bei den Magenta Kommentatoren, dass man nun eben doch drittklassig ist. Was die zum Teil von sich geben, ui ui ui
Und gerade am Montag fand ich den Mann äußerst unbeholfen und schwach.

reklov hat geschrieben:Das ist doch normal, dass man bei Rückstand in der letzten Viertelstunde einen Defensiven rausnimmt und mit einem weiteren Offensiven "Alles oder Nichts" spielt. Wenn in der Nachspielzeit der Ausgleichstreffer nicht mehr gefallen wäre, dann würde man genau das, dem Trainer jetzt vorwerfen.


Umso mehr bin ich froh, dass nach seinem Gemecker BEIDE Treffer gefallen sind.
Weil das mit den Vorwürfen ist doch genau das, was häufig, gerade auch hier oder auf FB, vorkommt. Dieses ahnungslose Gemaule weil man nur blind die Positionen betrachtet auf denen gewechselt wird. Wie im Eingangsbericht hier indirekt geschrieben, kann auch ein defensiverer Spielerwechsel dennoch zu einer offensiveren Taktik führen.
Das sind dann meistens die Leute denen man erklären muss, dass ne 5er Abwehrkette nicht unbedingt defensiver ist als ne 4er Abwehrkette, etc.



Beitragvon teknolano » 08.10.2020, 11:19


Richtig gut, bitte mehr von den Grafiken, thx!

Schon bezeichnend, dass das komplette zentrale Mittelfeld scheinbar nicht einen (bzw. mind drei...) Pässe an einen der Offensiven (außen wie innen) gebracht hat oder auch unter einander irgendwas lief... alles ging zurück in die erste Linie, hoffe das wird besser, sonst kann man auch Rieder - den viele hier gut finden - auch nicht wirklich ein gutes Zeugnis ausstellen.

Ohne Hlousek wäre gar nichts gegangen an Spielaufbau!



Beitragvon BetzeBoss » 08.10.2020, 12:19


Um nochmal auf eine Bewertung der Passgrafik zurückzukommen. Ich weiß, es wird nicht das komplette Spiel berücksichtigt, aber nehmen wir, was vorhanden ist:

Ich sehe sowohl anhand der Daten, als auch anhand der Spielbetrachtung ein (pun intended) "zentrales Problem". Und das ist der fehlende Zugriff über das Zentrum. Gerade ein 4-4-2 ist mMn darauf ausgerichtet über das Zentrum zu funktionen. Oder sieht das jemand anders? Das bedeutet, dass der Ball beim Spielaufbau vergleichsweise zügig bei der Doppel-6 landen SOLL. Dabei ist es eher unwichtig ob das über die IV, die Außenverteidiger oder die Flügelspieler funktioniert. Von dort aus soll das Spiel gesteuert ( auf die andere Seite verlagert oder vertikal Spieler mit eingebracht) werden.

Das ist offensichtlich nicht gelungen, was die fetten Linien zwischen Ritter - Hlousek - Hainault - Kraus wiederspiegeln; speziell im Vergleich zu den Pässen, die bei Rieder und Bachmann gelandet sind (Ausnahme Hainault - Bachmann, dazu komme ich gleich). Gerade wenn der Ball bei Ritter gelandet ist, sollte man doch meinen, dass nun das Spiel geöffnet wird und die Kombinationen beginnen können. Doch wo gehen die Bälle von Ritter hin? Die meisten gehen entweder zurück, wenige kommen wirklich im Zentrum an. Und wenn, dann ausschließlich bei Rieder! Von dem werden sie allerdings nur sehr selten auf die Seite verlagert. Pass von Rieder - Schad selten, Rieder - Kleinsorge gar nicht + nicht ein einziges mal (!!) wurde der Ball nach vorne getragen. Ja sogar meist wieder nach hinten zu Hainault geschoben.

Wie bereits angesprochen, wurde Bachmann ja von Hainault mit Bällen gefüttert (das kann man ruhig mal positiv hervorheben, ist mir im Spiel eher weniger aufgefallen), jedoch konnte auch von ihm der Ball meist nur wieder nach hinten geschoben werden.

Woran liegt es, dass Ritter, Bachmann und Rieder nicht mehr daraus machen können?
Die besten Indizien sind die fehlenden Verbindungen zwischen Doppel6 und Flügelspielern, und generell die fehlenden Verbindungen (von Doppel6, von Flügelspielern) zu den Stürmern. Wenn du nur EINE Anspielstation (nach vorne oder Richtung Zentrum) hast, dann ist das viel einfacher zu verteidigen als wenn du 2 oder 3 hast. Ich habe mich während dem Spiel immer gefragt, warum Huth, sobald der Ball auf seiner Seite ist, sofort die Flucht ergreift und vom Ball wegläuft anstatt sich anzubieten. Warum sich die gegenüberliegenden Flügelspieler überhaupt nicht miteinbringen, sondern statisch an ihrer Außenlinie kleben bleiben, owbohl im ganzen Spiel kein einziger Flügelwechsel gespielt worden ist und somit eine so breite, offensive Stellung überhaupt nicht nötig ist. Sind das Anweisungen vom Trainer oder liegt das am fehlenden Spielverständnis des Spielers? (Oder an meiner fehlerhaften Wahrnehmung?) Spätestens nach 20-30 Minuten sollte doch klar sein, dass es nichts bringt, sich im Zentrum oder auf deinem Flügel (v.A. Kleinsorge) anzubieten, wenn du selbst nicht über die Mittellinie hinaus kommst.

Ein weiteres Problem ist mMn, dass WENN wir die magische Grenze der Mittellinie einmal überwunden haben und den Ball ins Mittelfeld weitergetragen haben, die Verteidiger sich aus dem weiteren Spiel raushalten. Klar, wenn sie sich nach vorne bewegen, sind wir anfälliger für Konter und die spielstärksten IV hatten wir mit Hainault und Kraus garantiert nicht auf dem Platz. Aber ist das die Lösung? Wäre es nicht eine Idee, den spielschwächeren IV herauszunehmen und stattdessen Hlousek auf die Position zu stellen, der zumindest auch mal einen Ball nach vorne spielen kann. (Soweit ich weiß, ist Hlousek die Position des IVs nicht gänzlich fremd) Hercher auf der linken Seite wäre ja bekanntlich eine gute Option.

Vermutlich ist es vermessen, die Spieltaktik nach 2 1/2 Tagen mit dem Trainer im Amt überhaupt in Frage zu stellen, wobei sich Captain Carlo, der spielstärkste der drei (mit Hlousek 4, Scholz lass ich mal außen vor) verfügbaren IVer, auch noch kurzfristig verletzt hat. Aber darum geht es mir auch nicht. Meine Frage wäre, was müsste sich verbessern, was oder wer müsste sich ändern, damit wir taktisch erfolgreichen Fußball spielen?



Beitragvon SEAN » 08.10.2020, 13:47


Malvoy hat geschrieben:Das Einzige was mir zu den roten Punkten und verworrenen Pfeilen in alle Richtungen einfällt ist:
Überflüssiger Nerd-Kram

Dann klick es halt nicht an, wenn es dich nicht interessiert. Das ist ja nix schlimmes, mich interessiert auch nicht alles hier, kuck ich halt nicht rein.

Meine Meinung zum Thema:
ich finde das sehr gut, es wird hier oft über taktische Dinge diskutiert, so Grafiken bringen schon ein paar Fakten mit in die Diskussion, die man so nicht hat. Bestes Beispiel, die Achse Hlouzek-Ritter. So dick hätte ich den "Balken" nicht erwartet und zeigt ziemlich deutlich, das wir ziemlich linkslastig waren.



Beitragvon Malvoy » 08.10.2020, 15:31


SEAN hat geschrieben:Dann klick es halt nicht an, wenn es dich nicht interessiert. Das ist ja nix schlimmes, mich interessiert auch nicht alles hier, kuck ich halt nicht rein.

Ich kanns doch anklicken, durchlesen und für überflüssig befinden, oder? Das Problem ist halt, dass es nicht nur überflüssig, sondern sogar irreführend ist. Die Grafik sagt absolut nichts Brauchbares über den Spielverlauf aus. Hlousek mag die meisten Pässe auf Ritter gespielt haben, trotzdem könnte der eigene Ballbesitz die meiste Zeit auf der rechten Seite gewesen sein. Das kann man an der Grafik nicht ablesen. Insofern - Prädikat irreführend. Vielleicht wenn man noch eine Heatmap dazu nimmt, aber so ist es total aussagelos.



Beitragvon reklov » 08.10.2020, 15:42


Ich hatte während des Spiels den Eindruck, dass es ausschließlich über links lief und mich sogar darüber aufgeregt, denn so schlecht sind ja Schad und Kleinsorge auch nicht.



Beitragvon Lonly Devil » 08.10.2020, 16:14


Malvoy hat geschrieben:Ich kanns doch anklicken, durchlesen und für überflüssig befinden, oder? Das Problem ist halt, dass es nicht nur überflüssig, sondern sogar irreführend ist. Die Grafik sagt absolut nichts Brauchbares über den Spielverlauf aus. Hlousek mag die meisten Pässe auf Ritter gespielt haben, trotzdem könnte der eigene Ballbesitz die meiste Zeit auf der rechten Seite gewesen sein. Das kann man an der Grafik nicht ablesen. Insofern - Prädikat irreführend. Vielleicht wenn man noch eine Heatmap dazu nimmt, aber so ist es total aussagelos.

Heatmap, und Spielstatistiken, Pässe - Zweikämpfe - etc. für jeden eingesetzten Spieler einzeln abrufbar, gab es einst da ( https://www.bundesliga.com/de/bundesliga )für die einzelnen Spiele zu finden.
War echt unteressant und hat so manches relativiert.
https://www.youtube.com/watch?v=48grx-7 ... H-y_g9MkxO
Zitat: "Willst Du Unkraut dauerhaft vermeiden, musst Du die Wurzel ausreißen."
Gott mag gewisse Machenschaften eventuell vergeben, ICH NICHT!



Beitragvon Rheinteufel2222 » 08.10.2020, 20:56


Kohlmeyer hat geschrieben:Darüber hinaus bietet Sander Ijtsma zu jedem Spiel eine Positions- und Passgrafik an. Diese visualisiert, wie oft die einzelnen Spieler am Ball waren - je größer der Spot, desto öfter -, und wo auf dem Feld sie "im Durchschnitt" das Leder annahmen.


Demnach war unser tatsächliches System gegen Wehen also eine Art schräges 3-4-3.
"Ein Verein gehört nicht einem Menschen - er gehört den Menschen und Mitgliedern, die sich mit ihm identifizieren."
Christian Streich




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