Interview mit dem noch anonymen potentiellen FCK-Investor

"In drei bis fünf Jahren zurück in die Bundesliga"

"In drei bis fünf Jahren zurück in die Bundesliga"

Der potentielle neue FCK-Investor aus Dubai möchte noch anonym bleiben - Aufsichtsratsvorsitzender Jörg E. Wilhelm (oben eingeklinkt) ist sein Fürsprecher

Wer ist der Deutsche, der in Dubai lebt und gerne Mehrheitseigner des 1. FC Kaiserslautern werden möchte - und was fordert und bietet er? Der Betze brennt veröffentlicht das erste ausführliche Interview mit dem potentiellen neuen Investor, der seinen Namen noch nicht öffentlich machen möchte.

Redaktionelle Vorbemerkung zum Interview:

Das Thema "Investoren" ist komplex, kontrovers und teilweise auch brisant. Deshalb möchten wir die folgenden Informationen zur Entstehung dieses Interviews vorweg stellen: Es handelt sich hierbei um einen Gast-Artikel, also kein klassisches DBB-Interview in der sonst bekannten Form. Die Fragen an den potentiellen Investor aus Dubai haben mit Ken Kinscher und Johannes B. Remy zwei im FCK-Umfeld bekannte und geschätzte Fans gestellt. Das Angebot hierfür hatte zuvor der FCK-KG-Aufsichtsratsvorsitzende Jörg E. Wilhelm öffentlich gemacht, der am Freitag die Möglichkeit eröffnete, dem Investor von Seiten der Anhänger Fragen zu stellen und diese beantwortet zu bekommen. Diese Möglichkeit haben die beiden Fans und früheren Aufsichtsratskandidaten wahrgenommen (der komplette Verlauf zur aktuellen Investorensuche: siehe Chronologie im DBB-Forum).

Wir von Der Betze brennt haben das Interview redaktionell begutachtet und auch, wenn wir selbst vielleicht die Fragen noch etwas kritischer formuliert hätten, die Antworten für insgesamt sehr informativ befunden. Deshalb möchten wir diese Infos allen FCK-Fans zugänglich machen, damit jeder anhand der offiziellen Aussagen sein eigenes Meinungsbild erweitern kann. Natürlich haben wir auch nachgefragt, warum der potentielle Investor aus Dubai seinen Namen noch nicht nennen möchte, und darauf die bereits bekannte Antwort erhalten: Er möchte nicht, dass sein Name als "abgelehnter Investor" gebrandmarkt wird, falls sein Angebot nicht angenommen werden sollte. Ein solches Vorgehen ist in derartigen Transaktionen nicht unüblich. Sollte sein Angebot von den beteiligten FCK-Gremien und dem Gläubigerausschuss angenommen werden, werde er sich sofort offen zeigen, versichert der Investor. Der bereits in den Medien kursierende Name Horst Peter Petersen (71) wurde seitens der Antwortgeber dieses Interviews nicht kommentiert.

Im Rahmen einer ausgewogenen Berichterstattung zu den beiden vorliegenden Investoren-Angeboten versuchen wir natürlich, auch von der zweiten Gruppe - den Regionalen Investoren aus dem Raum Kaiserslautern und Homburg - vergleichbare Antworten zu bekommen. Anfragen hierzu sind bereits gestellt. Alle abgedruckten Informationen stammen in diesen Fällen direkt von den Investoren und nicht von den Verantwortlichen des 1. FC Kaiserslautern.

Die Fragen des nachfolgenden Interviews stellten Ken Kinscher und Johannes B. Remy. Die Antworten kommen vom potentiellen neuen FCK-Investor aus Dubai, der seinen Namen noch nicht in der Öffentlichkeit preisgeben möchte, und seinem Schweizer Rechtsanwalt Richard C. Ritter.

Interview mit dem noch anonymen potentiellen FCK-Investor:

Frage: Ihre Mitteilung, die am letzten Freitag veröffentlicht wurde, ist über Ihren Anwalt an mehrere Medien und auch an den FCK verteilt worden. Können Sie sich vorstellen, warum diese zunächst nicht veröffentlicht wurde? Im Nachhinein hatte man als externer Beobachter das Gefühl, der Verein wollte eine Veröffentlichung verhindern. Warum?

Antwort: Ihr Gefühl täuscht wohl nicht. Wir haben dies auch so eingeschätzt. Erst nachdem Der Betze brennt die Stellungnahme veröffentlicht hat, zog der "Kicker" nach (die erste Veröffentlichung des als authentisch eingestuften Dokuments stammte von einem FCK-Fan in den Sozialen Netzwerken; Anm. d. Red.). Nun sei's drum. Über die Motive mögen wir nicht spekulieren, denken aber, Ihre Frage hierzu sei an die Geschäftsführung des FCK (also Soeren Oliver Voigt; Anm. d. Red.) zu richten.

Frage: Heißt das, Sie hatten das Gefühl, dass Ihr Angebot und Ihre Motive in der Öffentlichkeit nicht korrekt dargestellt worden sind und waren verwundert, dass der FCK offensichtliche Falschinformationen zum Beispiel in großen deutschen Tageszeitungen nicht dementiert?

Antwort: Wir haben in der Tat - insbesondere nach den "unfreundlichen" Berichten in der "Bild-"Zeitung - das Bedürfnis gehabt, einiges ins rechte Licht zu rücken. Aufgrund der Kommentare in den Sozialen Medien gehen wir davon aus, dass dies notwendig und willkommen war.

"Eine Minderheitsbeteiligung kommt für uns nicht in Frage"

Frage: Können Sie etwas zu Ihrem Hintergrund und Ihrer Motivation sagen, in den FCK zu investieren. Ich würde mich dabei freuen, wenn Sie weniger über die "sozialromantischen" Motive sprechen könnten, als vielmehr auf die konkreten Pläne eingehen.

Antwort: Von Sozialromantik kann bei einem Investitionsangebot gar keine Rede sein. Wir haben allerdings schon sehr viel Respekt vor der 120-jährigen Geschichte des Klubs und wollen ihn wieder dahin führen, wo er herkam und hingehört. Diesem sportlichen Erfolg ist alles andere unterzuordnen. Der wirtschaftliche Erfolg wird dem sportlichen folgen, von daher sind wir guter Dinge, dass unser sportgetriebener Ansatz von Erfolg gekrönt sein wird. Dafür müssen wir aber die Mehrheit haben, auch um unser Konzept gegen alle - auch sozialromantischen - Widerstände durchzusetzen. Eine Minderheitsbeteiligung kommt für uns nicht in Frage.

Frage: Das heißt, Ihnen geht es darum, die bestehenden Strukturen zu optimieren und zu verbessern. Den Reaktionen in unserem Verein ist eine gewisse Zurückhaltung hinsichtlich Ihrer sportlichen Task-Force zu entnehmen. Können Sie das etwas genauer erläutern?

Antwort: Uns ist schleierhaft woher diese Zurückhaltung oder gar Ablehnung kommt. Mit uns wurde nie darüber gesprochen oder nachgefragt. Wir haben einen Plan und wollen den durchziehen. Wenn wir nicht willkommen sind, dann war's das halt. Auch haben wir unser Sports Management Programm vorgestellt und hierzu keine Fragen bekommen.

Frage: Es ist also korrekt, dass Sie mit allen handelnden Akteuren offen und ehrlich weiterarbeiten wollen, solange diese, die für Ihre Aufgaben notwendigen Kompetenzen mitbringen und nachweisen, dass sie Ihren Aufgaben in der Vergangenheit vollumfänglich gerecht geworden sind?

Antwort: Wir waren von Anbeginn offen und klar sowohl in unserer Kommunikation als auch über die Zielführung des angedachten Engagements. Wir sind allein dafür angetreten, dem FCK zu sportlichem Erfolg zu verhelfen im Wissen, dass der wirtschaftliche diesem folgen wird. Alles andere interessiert uns nicht. Jeder der guten Willens und professionell daran mitarbeiten möchte, ist mehr als willkommen.

"Wir wollen unser Konzept mit allen Konsequenzen durchsetzen"

Frage: Zurück zu Ihrem Angebot. Dieses Angebot sieht nach den bisherigen Informationen eine Kapitalerhöhung von 20 Millionen Euro für 75 Prozent der Anteile vor. Dieses Geld würden Sie der Kapitalgesellschaft in Form einer Kapitalerhöhung als Eigenkapital ab dem Tag ihres Einstiegs zur Verfügung stellen. Im Gegenzug beanspruchen Sie einen Sitz im Beirat. Ist das korrekt?

Antwort: Der genaue Betrag kann hier und heute natürlich nicht genannt werden, dieser hängt auch davon ab, ob noch andere Investoren an Bord geholt werden oder nicht. Aber in etwa stimmt die Größenordnung durchaus. Wir wollen letztlich einfach die qualifizierte Mehrheit halten, um unser Konzept mit allen Konsequenzen durchzusetzen, ohne Sozialromantik - um Ihren Begriff wieder aufzunehmen - und ohne Rücksicht auf nebensächliche Empfindlichkeiten, die dem sportlichen und damit wirtschaftlichen Erfolg nur Abbruch tun.

Frage: Das heißt der FCK ist für einen Zeitraum von mindestens drei Jahren durchfinanziert und kann sich sportlich und operativ so verbessern, dass er sein sogenanntes strukturelles Defizit reduziert?

Antwort: Wir haben festgehalten, dass wir einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren eingeplant haben, um den FCK wieder in die Bundesliga, und hernach in die europäischen Wettbewerbe, zu führen. Hierzu stehen wir und deshalb stellen wir für einen Drittligisten auch eine relativ hohe Anfangsinvestition. Wie weit das Geld reicht, wird auch davon abhängen, wie schnell die Aufstiege erfolgen werden. Sie können aber versichert sein, dass wir auch im kommerziellen Management des FCK Hand anlegen werden. Wir sehen viel Spielraum sowohl auf der Einnahmen- wie auch auf der Ausgabenseite.

Frage: Das operative Defizit des FCK steht in engem Zusammenhang mit den hohen Pacht- und Unterhaltungskosten für das Fritz-Walter-Stadion. Ein Rückkauf des Stadions wird immer wieder diskutiert. Dem FCK steht ein sogenanntes Vorerwerbsrecht zu Marktwerten zu. Hätten Sie Interesse daran, das Stadion zu erwerben. Beziehungsweise den FCK so zu kapitalisieren, dass er in der Lage wäre, das Stadion zurückzukaufen?

Antwort: Das Stadion gehört unbedingt zurück zum FCK. Im Hinblick auf die Bundesliga müssen zudem weitere Investitionen getätigt werden. Sollten wir einsteigen können, wird das sicherlich sofort thematisiert werden. Wir haben bereits verschiedene Ideen, die vertieft werden wollen. Eine umsichtige Planung - allenfalls sogar eines neuen Stadions für die Zeit in der ersten Bundesliga - wird eine Notwendigkeit sein.

"Wir haben keine Ahnung, woher diese ablehnende Haltung kommt"

Frage: Sie haben darauf hingewiesen, dass Sie das Lautrer Vier-Säulen-Modell achten wollen und weitere Investorengruppen zulassen. Konkret bedeutet das, das Sie auch regionale Investoren wie Herrn Dienes, Herrn Nardi oder Herrn Buchholz herzlich willkommen heißen, weitere Anteile am FCK zu erwerben, solange diese das Vier-Säulen-Modell ebenfalls achten?

Antwort: Wir kennen die lokalen Investoren nicht und wurden nie detailliert über deren Absichten informiert. Wir haben auf ausdrücklichen Wunsch des Vereins nur die Aussage gemacht, dass wir nichts gegen derartige Investoren haben, solange wir die qualifizierte Mehrheit halten können.

Frage: Können Sie sich erklären, warum Medien spekulieren, dass diese Investoren eine Zusammenarbeit mit Ihnen ausschließen? Hat jemand aus der Investorengruppe bereits Kontakt zu Ihnen aufgenommen und versucht zu erörtern, wie man den FCK gemeinsam voranbringen kann? Hat die FCK-Geschäftsführung Versuche in diese Richtung unternommen?

Antwort: Wie gesagt, wir wurden nie im Detail informiert, hatten nie Kontakt und haben keine Ahnung, woher diese ablehnende Haltung kommt - wenn sie denn überhaupt existiert.

"Das Einbinden der Fangemeinde ist uns ein Anliegen"

Frage: Die sogenannte Fan-Säule, also die Anteilsmöglichkeit für Fans und Mitglieder, liegt den FCK-Anhängern verständlicherweise besonders am Herzen. Wie stehen Sie dazu?

Antwort: Das Einbinden der Fangemeinde war uns von Beginn weg ein Anliegen. Wir begrüßen jede Initiative hierzu und haben auch unsere eigenen Vorstellungen. Wichtig ist, das neu zugeführtes Kapital - auch und insbesondere der Fangemeinde - für die Zukunft investiert wird und nicht für die Tilgung von Altlasten. Auch sollte die Fangemeinde einen Sitz im Beirat beanspruchen können. Ideen hierzu sind mehr als willkommen.

Frage: Thema Geldwäsche und Compliance: Dieses Thema wird medial aber auch in der jüngsten Presseerklärung des FCK stark hervorgehoben. Es dürfte selbstverständlich sein, dass letztlich bekannt sein muss, wer direkt oder indirekt in den FCK investiert. Dies gilt ja für alle Investoren, egal ob regional, deutsch aus Dubai oder aus Asien. Können Sie hier und heute zusichern, dass Sie alle im nationalen und internationalen Kapitalverkehr notwendigen Vorgaben erfüllen? Investieren Sie als Privatperson oder über eine Kapitalgesellschaft? Und investieren Sie ausschließlich auf eigene Rechnung?

Antwort: Wir wissen auch nicht, woher diese Obsession kommt. Es ist doch völlig selbstverständlich, dass Banken im Zahlungsverkehr diese Pflichten einhalten. Sollten wir investieren, kommen die Gelder von westlichen Banken und werden nicht in Koffern womöglich noch per Kamel angeliefert. Übrigens würden wir, falls unser Angebot angenommen wird, eine eigens hierfür bezeichnete Holdinggesellschaft für den Erwerb der Anteile gründen. Dies ist hinlänglich bekannt und in unserem Angebot so auch ausformuliert. Ich plane zudem zwei, drei Mitstreiter an der Gesellschaft mitzubeteiligen, alles auch Europäer, die mich in diesem Unterfangen unterstützen und seit Jahren meine Wegbegleiter sind. Insofern stehe ich nicht alleine da, aber wir handeln nicht für Dritte, sind also in keiner Art und Weise Treuhänder oder Frontmänner, sondern selbständig denkende und handelnde Unternehmer.

"Take it or leave it: Aufdrängen tun wir uns nicht"

Frage: Abschließend nochmal eine Frage zu Ihrem Eindruck hinsichtlich des Investorenprozesses und der Investorensuche. Haben Sie das Gefühl, dass dieser professionell initiiert wurde? Haben Sie einen Verfahrensbrief bekommen in dem Ihnen dargelegt wurde, welche Punkte Ihr Angebot umfassen soll und bis zu welchem Zeitpunkt welche nächsten Schritte erfolgen?

Antwort: Mir wurde die Gelegenheit durch meinen Anwalt angetragen, welcher wiederum von einem - wohl pfälzischen - Mandanten darüber informiert wurde. Wir haben uns dem FCK vorgestellt und gegen eine entsprechende Vertraulichkeitserklärung Zugang zu den für eine Investition erforderlichen Informationen erhalten. Nach vorgenommener Prüfung beauftrage ich meinen Anwalt, mit dem FCK unser Angebot zu formalisieren. Dies ging alles reibungslos vonstatten und der vom FCK mandatierte Vorsitzende des Aufsichtsrats der KGaA, Professor Wilhelm, selber Rechtsanwalt, hat dies dann mit meinem Anwalt zügig und professionell begleitet. Im übrigen kann ich mich über die internen Prozesse der Investorensuche nicht äußern. Zudem schritten wir auf den FCK zu und nicht umgekehrt.

Abschließend kann ich nur sagen, dass der Ball beim FCK liegt. Wir harren der Dinge, werden allerdings unser Angebot über die bereits zweimalig erstreckte Frist von Ende Juli hinaus nicht verlängern. "Take it or leave it", wie die Engländer sagen. Selbstverständlich kann der FCK jederzeit auf uns zukommen, sollte zu einem späteren Zeitpunkt ein Investor von Interesse sein. Aufdrängen tun wir uns nicht.

Vielen Dank für das informative Gespräch!

Quelle: Der Betze brennt | Autor: Ken Kinscher, Johannes B. Remy

Weitere Links zum Thema:

- Chronologie im DBB-Forum: Konkrete Angebote von potentiellen Investoren an den FCK

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