Interview: 10 Jahre "We don't like mondays"

"Zehn Urlaubstage nur für Auswärtsspiele"


Seit zehn Jahren protestieren FCK-Fans unter dem Motto "We don’t like Mondays" für fangerechte Anstoßzeiten vor allem in der zweiten Liga. Steffen vom Pfalz Inferno blickt zurück und erklärt die Ziele der Kampagne.

- Fotogalerie: 10 Jahre "We don´t like mondays" beim 1. FC Kaiserslautern

Der Betze brennt: Steffen, Du bist langjähriger Auswärtsfahrer beim 1. FC Kaiserslautern. Vergangene Woche hat die DFL die drei letzten Spieltage im Jahr 2016 terminiert. St. Pauli freitags, Nürnberg montags – hast Du Deinen Urlaub schon beantragt? Den wievielten Urlaubstag musstest Du in diesem Jahr wegen der Spieltagsterminierung opfern?

Steffen (32): Na klar, mein Chef kennt das Szenario inzwischen und rechnet schon fest mit dem Eintrudeln des Urlaubantrages. Je nach Firma bringt das natürlich eine Menge Aufwand mit sich, wenn zum Beispiel ein Kollege aus der Abteilung bereits seinen Urlaub genehmigt bekommen hat, oder ihn mal wieder wegen dir - oder aus unserer Sicht der DFL - verschieben darf. Im Jahr 2016 komme ich da alleine auf zehn Urlaubstage für Auswärtsspiele die unter der Woche stattfanden. Wenn man bedenkt, dass man nach einem Montagsspiel wie zum Beispiel jetzt in Braunschweig oft gleich noch den Dienstag hintendran hängt, wenn man die Möglichkeit dazu hat, läppert sich das schon extrem. Ansonsten ist man dienstags oft mehr damit beschäftigt, sich auf das offen halten der Augen zu konzentrieren, als auf seine eigentliche Arbeit. Die Urlaubstage nach Sonntagsauswärtsspielen habe ich hier jetzt gar nicht berücksichtigt.

"Das DFB-Museum wollte unser Protestbanner haben"

Der Betze brennt: Seit mittlerweile zehn Jahren gibt es die Kampagne "We don’t like Mondays". 2006, nach dem zweiten Abstieg des FCK, wurde sie vom Pfalz Inferno (im Stadion) und Der Betze brennt (online) ins Leben gerufen. Wie blickst Du auf die vergangenen Jahre zurück? Hat die Initiative etwas bewegt?

Steffen: Natürlich sind wir nicht so blauäugig und denken, dass alleine durch ein paar Spruchbänder ein Umdenken bei den Verbänden, weg vom Geld hin zur obersten Priorität der Faninteressen, eintritt und man aufgrund dessen das Montagsspiel abschafft. Aber es ist generell immer leicht zu sagen "des bringt doch eh nix". Ich denke schon, dass die Funktionäre Aktionen wie "WDLM" wahrnehmen und abwägen, wie weit sie in ihrem Spiel um das Geld gehen können. Dass der Verband es wahrnimmt, haben wir spätestens festgestellt, als vor einiger Zeit doch der DFB tatsächlich bei uns angefragt hat, ob wir das Protestbanner oder Fotos von Aktionen für das neue DFB-Museum zur Verfügung stellen würden. Natürlich haben wir das abgelehnt, wobei einem bei solchen Dingen immer wieder auffällt, wie dreist einige mit ihrer "Machtposition" umgehen. Aber zurück zur Frage: Der größte Erfolg war und ist die ständige Aufklärung und das Zusammenstehen bei diesem Thema innerhalb der FCK-Fangemeinde. Es gibt selten "Aktionen", die über solch einen langen Zeitraum Bestand haben und darauf, dass wir alle gemeinsam jetzt schon zehn Jahre den Finger in die Wunde legen, können wir schon etwas stolz sein. Generell kann man beispielsweise die Verlegung des Freitagsspiels von 18:00 auf 18:30 Uhr als einen Erfolg der Faninitiativen in dieser Zeit werten.

Der Betze brennt: In den vergangenen Jahren verschlechterten sich die Anstoßzeiten in der zweiten Liga trotzdem weiter. 13:30 Uhr, 13:00 Uhr, 17:.30 Uhr... Wenn die Bundesliga pausiert, werden die Spieltage sogar noch mehr zerpflückt. Hätte man damals nicht besser grundsätzlich gegen alle Anstoßzeiten einen Protest aufziehen sollen anstatt nur gegen Montagsspiele?

Steffen: Diesen Protest gab es, als die ersten Diskussionen über die neuen Anstoßzeiten durch die Medien kursierten – das war 2008 – in einer separaten, deutschlandweit organisierten Aktion namens "Kein Kick vor Zwei". Kaiserslautern zählte damals sicher zu den aktivsten Fanszenen. Wir haben viele Protest-aktionen im Stadion durchgeführt, regelmäßig Texte zur Thematik verfasst und als einzige Fanszene über eine eigene "Standort-Homepage" Aufklärungsarbeit betrieben. Die Aktion wurde von Anfang an von etlichen Fanclubs und natürlich auch aktiv von den "WDLM"-Initiatoren unterstützt. Und die Proteste zeigten insofern Wirkung, dass zumindest die damals angedachte neue Hauptanstoßzeit am Sonntag um 12:30 Uhr dann doch nicht durchgedrückt wurde.

"Große Zustimmung innerhalb der FCK-Fangemeinde"

Der Betze brennt: Wie kam der Protest in der FCK-Anhängerschaft an? Gab es Solidaritätsbekundungen oder hattet ihr das Gefühl, dass das Thema Anstoßzeiten viele Fans gar nicht so sehr tangiert?

Steffen: Die Aktion tangiert jeden und fand daher direkt von Beginn an viele Unterstützer, was sich durch Fanclubs, die die Aktion unterstützten, aber auch zum Beispiel durch Banner in den Signaturen verschiedener Foren, die damals über DBB verbreitet wurden und auch heute noch vereinzelt zu sehen sind, zeigte. Ganz normal finden wir es, dass eine Aktion zu Beginn stürmisch startet und mit der Zeit nach außen hin etwas abflacht. Wichtig ist allerdings, dass man seine Ziele nie aus den Augen verliert und sich mit Überzeugung dafür einsetzt. Heute kennt fast jeder eingefleischte FCK-Fan den Slogan "We don't like mondays".

Der Betze brennt: Stichwort einsetzen: Wie hat sich der FCK dazu positioniert? Hat man Euren Protest vielleicht auch einmal als Anstoß genommen, um bei der DFL vorstellig zu werden?

Steffen: Der FCK signalisierte für unser Anliegen immer Verständnis und hat sich spätestens nach dem Antrag auf einer Jahreshauptversammlung (2008 von den FCK-Mitgliedern ohne Gegenstimme angenommen, Anm. d. Red.) bei DFB und DFL für fangerechtere Anstoßzeiten eingesetzt. Das Problem hierbei ist, dass ein, zwei Stimmen dabei untergehen und sich die Mehrheit der Profivereine für das Thema stark machen müssten, um etwas zu bewirken. Leider tangiert das Montagsspiel die großen Vereine aus der Bundesliga überhaupt nicht und andere Vereinsvertreter interessiert die Meinung ihrer Fanszene ebenso wenig. Im Prinzip müsste jede Fanszene, sofern sie durch Ausgliederungen überhaupt noch die Möglichkeit dazu haben, auf ihren jeweiligen Jahreshauptversammlungen einen ähnlichen Antrag wie wir damals stellen - und dieser müsste dann die Mehrheit der Vereinsmitglieder bekommen. Denn letztendlich besteht die DFL aus den 36 Profivereinen und die Entscheidungen werden mehrheitlich getroffen. Da so ziemlich jeder Verein aber andere Probleme hat als derartige Fan-Themen, gehen solche Dinge im Alltagsgeschäft oft unter. Außerdem ist die Aufklärung der eigenen Mitglieder im Vorfeld ein riesiger Aufwand. Was interessiert einen durchschnittlichen Schalke-Fan in der aktuellen Situation zum Beispiel das baldige Montagsspiel um 17:30 Uhr in Liga zwei?

Der Betze brennt: Habt ihr selbst über den sichtbaren Protest im Stadion hinaus versucht, auf die Spielplan-Macher einzuwirken? Wäre das für die Zukunft eine Option? Immerhin hat der FCK fast ein Viertel seiner Zweitligaspiele seit dem Abstieg 2012 an einem Montag austragen müssen.

Steffen: Wie schon gesagt, wurde über Vereinsvertreter und auch überregionale Fanverbände mit den Machern der Spielpläne kommuniziert. Um direkte Erfolge für den FCK zu erzielen darf der Vorstand nicht müde werden, das Thema immer wieder in Gesprächen und Versammlungen mit dem Verband anzusprechen. Eine andere Möglichkeit wäre ein Stimmungsboykott wie ihn z. B. St. Pauli vor ein paar Jahren durchgeführt und dann bis zur Aufhebung kein Montagsspiel mehr zugeteilt bekommen hat. Allerdings ist das bei uns aktuell überhaupt kein Thema und dient hier lediglich als Beispiel, welche Möglichkeiten es dennoch so gibt.

Der Betze brennt: 2008 wurde der Protest gegen die Neugestaltung der Spieltage intensiviert, es gab in der gleichen Saison eine Motto-Auswärtsfahrt nach Fürth ("Ohne Urlaub, wär‘ hier gar nichts los"), 2009 wurde in München eine neue "We don’t like Mondays"-Fahne präsentiert. Nach dem Abstieg 2012 knüpfte man ebenfalls an den alten Protest an. Wie schafft man es, über all die Jahre nicht entnervt hinzuschmeißen und sich der teils grotesken Spieltagsplanung zu fügen?

Steffen: Kurz gesagt: Die Liebe zum Fußball und speziell zum FCK. Natürlich könnte man jedes Mal den Laptop an die Wand feuern, wenn man über die Medien mal wieder die neuesten Planungen der Verbände liest. Aber dennoch möchte sich doch niemand seinen Fußball nehmen lassen. Keiner hat vor, sich in den nächsten Jahren von dem, was seinen Lebensinhalt ausmacht, zu verabschieden und dafür kämpft man für alle, die diese Liebe teilen, so gut es geht gegen diese Windmühlen und Geldmaschinen an. Ein Wunschziel ist dabei seit eh und je die 300-Kilometer-Grenze für das Gästeteam, welche vorsieht, dass keine Fanszene in der Bundesliga am Sonntag und keine am Montag in der 2. Bundesliga mehr als 300 km zurücklegen muss.

"In Braunschweig planen wir Aktionen zum zehnjährigen Jubiläum"

Der Betze brennt: Du hast es gerade schon angedeutet: Lange Auswärtsfahrten unter der Woche treffen nicht nur FCK-Fans. Häufig genug gastierten auch Klubs mit ihrem Anhang im Fritz-Walter-Stadion, die für den Weg auf den Betzenberg mehrere hundert Kilometer an einem Montag zurücklegen mussten. Gab es in der Vergangenheit Solidaritätsbekundungen oder ist die "We don’t like Mondays"-Initiative nur auf den FCK beschränkt?

Steffen: Natürlich gab es über die Jahre auch solidarische Aktionen mit anderen Fanszenen. Aktuell haben wir zum Beispiel im Rahmen von "10 Jahre WDLM" bei jedem Spieltag ein Spruchband mit der Stadt und Kilometeranzahl des Vereins gezeigt, welcher am darauffolgenden Montag durch die Republik reisen musste. Auch umgekehrt haben wir von anderen Fanszenen schon Solidaritätsbekundungen bekommen.

Der Betze brennt: Gegen Braunschweig steht nun das nächste Montagsspiel an. Was habt ihr Euch angesichts des zehnjährigen Jubiläums für diese Partie ausgedacht?"

Steffen: In Braunschweig werden wir zum Jubiläum einen Seidenschal im Design der bekannten Zaunfahne, sowie einen WDLM-Button und ein Paranoid (Fanzine des Pfalz Inferno, Anm. d. Red.) Spezial für den Paketpreis von 10,- Euro anbieten. Dazu wird es im Block zum Einlaufen der Mannschaften einen passenden Banner geben, der durch die Schals ein geschlossenes Bild abgeben soll. Wir hoffen dabei, dass uns die FCK-Fangemeinde vor Ort unterstützt und den Protest so zahlreich, wie schon in der Vergangenheit geschehen, unterstützt und wir im Nachhinein von einer gelungenen Aktion berichten und auch ein Zeichen Richtung TV-Anstalten und Verband setzen können.

Der Betze brennt: Momentan sieht es so aus, als ob die Roten Teufel noch das eine oder andere Jahr im Fußball-Unterhaus verbringen müssen. Gibt es für die Zukunft Überlegungen, den Protest auszuweiten? Wir erinnern uns zum Beispiel an das Trillerpfeifen-Konzert in Bochum 2013, als Sky und Sport1 den Stadionton gezwungenermaßen runterpegeln mussten. Schweben Euch ähnliche kreative Protest-Aktionen vor?

Steffen: Sicherlich werden auch in Zukunft Protestaktionen durchgeführt werden. Welche das sind, steht allerdings noch in den Sternen. Sollte es Fans geben, denen Ideen unter den Fingernägeln brennen, können diese sich immer gerne bei uns am PI-Infostand oder unter kontakt@pfalz-inferno.com melden. Die Aktion kann nur Erfolg haben, wenn wir für die Sache alle an einem Strang ziehen!


Ankündigungsplakat zum Montagsspiel in Braunschweig

Autor: paulgeht

Kommentare 12 Kommentare | Empfehlen Artikel weiter empfehlen | Drucken Artikel drucken