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Ausblicke auf die Jahreshauptversammlung

Ausblicke auf die Jahreshauptversammlung


Am Freitag wird ab 18.30 Uhr die diesjährige Mitgliederversammlung des 1. FC Kaiserslautern in der Nordtribüne des legendären Fritz-Walter-Stadions stattfinden. Alle Vereinsmitglieder sind eingeladen, daran teilzunehmen. Bitte kommt recht zahlreich und bringt Euren Mitgliedsausweis mit.

Doch unter welchen Voraussetzungen findet diese Mitgliederversammlung statt? Die Mannschaft des FCK legte sicherlich die schlechteste Vorrunde der Vereinsgeschichte hin. Ein Überwintern auf einem Abstiegsplatz nun auch in dieser zweiten Liga scheint unvermeidbar. Der erst im April gekommene Sportdirektor Michael Schjönberg trat im Laufe der Vorrunde zurück, drei Spieler wurden in dieser Woche suspendiert. Als Folge des nun bereits seit Jahren anhaltenden Absturzes des Traditionsvereins bleiben immer mehr Fans zu Hause. Der kalkulierte Zuschauerschnitt wurde daher bislang verfehlt. Dadurch und wegen der schlechten Tabellenstände im Laufe dieser Vorrunde werden über die TV-Gelder weitere Einnahmen fehlen. Man spricht schon wieder von rund zwei Millionen Euro Unterdeckung alleine im laufenden Geschäftsjahr. Und nun braucht man auch noch Verstärkungen für die Mannschaft, um zumindest den Klassenverbleib zu sichern.

Mit welchen Gefühlen soll man also als FCK-Mitglied in diese Versammlung gehen? Sicher, auf der Jahreshauptversammlung geht es um das Geschäftsjahr von Juli 2006 bis Juni 2007, die laufende Saison sollte also bei dieser Beurteilung eigentlich keine Rolle spielen. Das macht die aktuelle Situation dennoch nicht besser. Denn nicht erst seit dieser Spielzeit scheinen die Verantwortlichen des FCK häufig ratlos und mit der Krisenbewältigung ein ums andere Mal überfordert. Darf oder sollte man auf der Versammlung also den (alten) Vorstand und Aufsichtsrat tatsächlich entlasten? Bei dieser Gesamtbilanz?

Immerhin trat im Herbst 2007 die FCK-Ikone Klaus Toppmöller aufs Parkett, bot seine Hilfe an, wurde schließlich in den Aufsichtsrat berufen und mit umfänglichen Vollmachten im sportlichen Bereich ausgestattet. Nach massiven Interventionen von außen, unter anderem auch durch im Hintergrund sehr aktive FCK-Vereinsmitglieder, übernahm schließlich Aufsichtsratschef Dieter Buchholz die aktive Rolle des Handelns. Er und sein Aufsichtsrat installierten die neuen, zusätzlichen Vorstände Hans-Artur Bauckhage, Rolf Landry und Dr. Johannes Ohlinger, die wie Toppmöller ehrenamtlich arbeiten und die finanzielle Basis des Vereins stärken sollen. Und prompt machten Gerüchte die Runde, dass es nun endlich Sponsoren gebe, die bereit seien, in die Zukunft des FCK zu investieren.

Ob es sich bei diesen potenziellen Sponsoren, wie gut unterrichtete Kreise berichten, um mehrere mittelständische Unternehmen aus der Region handelt, die in der Summe einen durchaus erklecklichen Betrag zur Verfügung stellen könnten oder der seit Wochen gehandelte osteuropäische Großindustrielle, der angeblich für eine erhebliche Millionensumme bis zu 49 % der Vereins-Anteile erwerben will, wurde bisher allerdings weder bestätigt noch dementiert. Es scheint sich dennoch hinter den Kulissen etwas zu tun. Oder ist dies wieder nur eine Beruhigungstaktik im Vorfeld der Mitgliederversammlung? Das hatten wir in der Vergangenheit schon öfters. Und falls Großsponsoren oder Investoren nun tatsächlich kämen, müsse man versuchen, dennoch Herr im eigenen Haus zu bleiben, fordern kritisch-besorgte Geister rund um den Betzenberg. Stichwort Ausgliederung in eine AG. Doch das wird voraussichtlich nicht das Hauptthema dieser Versammlung sein.

Zurück zur Ausgangsfrage der Entlastung oder Nichtentlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zum 30. Juni 2007: Aufgrund der weiter nachlassenden sportlichen Leistung der Mannschaft (verursacht unter anderem durch zahllose Fehleinkäufe), der permanenten finanziellen Engpässe des Vereins und vor allem auch der Außendarstellung verbietet sich eigentlich eine Entlastung des damaligen Vorstandes um Erwin Göbel und Arndt Jaworski. Wobei Nichtentlastung keineswegs eine umgehende Entlassung dieser beiden Vorstandsmitglieder bedeuten würde. Die Bild-Zeitung spekulierte indes gerade ganz offen darüber, dass deren im Jahr 2009 auslaufende Verträge zumindest dann nicht mehr verlängert werden würden.

Im Aufsichtsrat gab es hingegen bereits kurz vor der Versammlung mehrere spektakuläre Veränderungen. Zunächst der Eintritt von Klaus Toppmöller in dieses Gremium, dann der Rücktritt des unter Vereinsmitgliedern höchst umstrittenen Prof. Dr. Ruda, für den der renommierte Prof. Dr. Rombach nachrückte. Von daher besteht in diesem Gremium nicht mehr unbedingt der ganz große Handlungsdruck, zumal Ende 2009 ohnehin reguläre Aufsichtsratsneuwahlen anstehen und weitere Veränderungen auch dort noch vorgenommen werden können. Auch wenn diese personellen Veränderungen erst nach dem zu beurteilenden Zeitraum, also nach dem 30. Juni 2007, spruchreif wurden. Bei einer Nicht-Entlastung müsste peinlich genau darauf geachtet werden, dass in der Folge bei der namentlichen Entlastung noch genügend Räte übrig bleiben, inklusive der zur Verfügung stehenden Nachrücker (Dr. Michael Ritter und Gerhard Brenneis). Sind diese, wie gemunkelt wird, überhaupt wirklich bereit? Steht Herr Buchholz noch zur Verfügung, wenn zuvor nicht entlastet wird? Ein Tanz auf der Rasierklinge!

Deshalb nun ruft die Vereinsführung im Vorfeld dieser Versammlung zur Ruhe auf. Eine Nichtentlastung von Vorstand oder Aufsichtsrat könne potenzielle Geldgeber abschrecken. Sicher keine von der Hand zu weisende Einschätzung. Andererseits sind aber bereits drei neue Vorstände angetreten, die ohnehin weiter in Amt und Würden bleiben würden, egal wie die Personalien Göbel/Jaworski sich auch kurzfristig entwickeln. Gerade neue Investoren müssten ja eigentlich ein Interesse daran haben, wenn sie darüber informiert würden, dass es Alleingänge wie unter Jäggi nicht mehr geben wird. Dennoch ist die Forderung nach Ruhe nachvollziehbar.

Falsch ist indes die Aussage, dass bei einer Nicht-Entlastung des Vorstandes der Verein führungslos wäre! Denn die satzungsgemäß geforderten mindestens zwei Vorstandmitglieder wären ja selbst bei einer umgehenden Entlassung von Göbel und Jaworski noch übrig, gar drei inzwischen. Und die Festlegung, dass ein Vorstandsmitglied davon hauptamtlich sein muss, ist ein interner Aufsichtsratsbeschluss, wäre also auf zweierlei Option zu lösen - Neueinstellung eines Geschäftsführers im unteren Gehaltssegment oder schlicht Änderung des Aufsichtsratsbeschlusses. Also eine Mär!

Eine Schlammschlacht sollte dennoch unbedingt vermieden werden, wenn auch zusätzlich noch äußerst unbequeme Fragen in Bezug auf das damalige Geschäftsgebaren des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden René C. Jäggi im Raum stehen. Und diese Fragen werden bzw. wurden intern auch schon gestellt und werden, selbst falls sie nicht in die Versammlung getragen werden sollten, noch endgültig zu klären sein.

Da Jäggi seinen Posten erst zum 31. Juli 2006 räumte, fällt der letzte Teil seiner Dienstzeit noch in den Zeitraum, über den nun entschieden werden soll. Entlastung oder Nichtentlastung des damaligen Vorstandes? Im ersten Fall würden in der Schweiz sicher nicht zum ersten Mal die Sektkorken knallen. Wer die entsprechenden Unterlagen kennt, weiß, was hiermit gemeint ist und um welche Dimensionen es geht. Trotzdem noch einmal die Bitte: Keine Polemik auf der Versammlung! Was selbstverständlich nicht bedeutet, dass man nicht konkret nachfragen sollte, wenn man etwas wissen will oder ganz einfach einmal seinen Unmut äußern möchte. Einem kranken Patienten durch eine chaotische Versammlung den Todesstoß zu verpassen, damit wäre letztendlich niemandem gedient. Aber die allerletzte Chance, Jäggi auch intern kritisch zu hinterfragen und durch die Mitglieder in seinem Handeln in Frage zu stellen haben wir am 14. Dezember 2007.

Auf "Der Betze brennt" wird am Freitag ein ausführlicher Live-Ticker von der Mitgliederversammlung angeboten. Außerdem haben wir im Forum "Häufige Fragen zur JHV" zusammen gestellt und beantwortet.

Autor: Altmeister/Rossobianco

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