Fußballthemen, welche den FCK nicht oder nicht direkt betreffen.

Beitragvon Kohlmeyer » 14.11.2021, 12:31


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Über'n Tellerand
Fußball mit Helm: Alles nur Kopf-Sache?

Felix Götze ist unter der Haube. Nach bereits zwei erlittenen Gehirnerschütterungen in dieser Saison läuft der Mittelfeldspieler des 1. FC Kaiserslautern bis auf Weiteres mit Helm auf. Doch was bringt der Kopfschutz? Wir haben uns mal umgehört.

Felix Götze reagiert wie ein Profi. Oder sagen wir lieber, wie einer, der sich die Begeisterung für seinen Sport auf gar keinen Fall nehmen lassen möchte. "Nein, der Helm hat mich nicht beeinträchtigt oder gestört, ich habe ihn auf dem Platz gar nicht mehr gemerkt", antwortet er auf die Frage, wie er denn seinen ersten Auftritt mit Kopfschutz empfunden hat. Beim 2:0-Derbysieg des FCK gegen Saarbrücken war er in der 84. Minute eingewechselt worden. Ob er sich gehemmt fühlte, vor allem bei Kopfbällen? "Ich bin ein Spieler, der immer in Kopfbälle geht, das war vorher so und das wird so bleiben."

Die Hintergründe der Helm-Auflage sind bekannt: Felix Götze hat in dieser Saison nach Luftkämpfen bereits zwei Gehirnerschütterungen erlitten. Nach der ersten am 3. Spieltag in der Partie bei Viktoria Berlin (0:4) trug er zudem einen Haarriss im Schädel davon und fiel sechs Wochen aus. Im vierten Spiel nach seiner Rückkehr, am 13. Spieltag gegen den MSV Duisburg (1:1), stieß er mit dem Kopf erneut mit einem Gegenspieler zusammen. Diesmal mal war es nur eine leichte Gehirnerschütterung, sodass er schon zwei Wochen später grünes Licht erhielt, sich im Ludwigspark wieder ins Getümmel zu stürzen. Allerdings nur mit Kopfschutz: ein Rugby-Helm, der demnächst durch eine Spezialanfertigung ersetzt wird. Die Entscheidung fiel nach intensiver Rücksprache mit Trainerteam und medizinischer Abteilung. Wie lange er den Kopfschutz tragen werde, sei noch offen, so Felix Götze: "Auf jeden Fall ein paar Wochen, dann sehen wir weiter."

Der Helm schützt vor Brüchen, nicht vor Gehirnerschütterungen

Der gebürtige Dortmunder ist nicht der erste Fußballprofi, der Helm trägt. In Deutschland kickte Klaus Gjasula, nunmehr Profi beim SV Darmstadt 98, acht Jahre lang einer mit einer speziellen Kopfhaube. Allerdings trug Gjasula die Konstruktion nicht als Reaktion auf eine Gehirnerschütterung, sondern nach einem Jochbein-Bruch, den er 2013 erlitten hatte.

Dass solche Spezialhauben vor Schädelbrüchen einen gewissen Schutz bieten, ist unbestritten. Aus diesem Grund trug sie auch der wohl prominenteste Helmträger des Fußballs: Der tschechische Keeper Petr Cech hatte 2006 einen Schädelbasisbruch erlitten. Von da an wurde der Kopfschutz sein Markenzeichen, bis zu seinem Karriereende 2019. Auch der deutsche Fußballprofi Damian Roßbach, seit 2020 bei Hansa Rostock unter Vertrag, trägt Helm in Folge eines Schädelbruchs, den er 2017 erlitt.

Vor Gehirnerschütterungen aber bieten die Hauben im Grunde keinen Schutz. Denn zu ihnen kommt es, wenn der Denkapparat in einer starken Beschleunigungsbewegung abrupt gestoppt wird. "Daran ändert auch ein Helm nichts", erklärt Dr. Ingo Helmich, Professor der Sporthochschule Köln, im Gespräch mit dem Nachrichtenportal von "t-online.de". Dass der Helm dem Spieler nach seiner Verletzung Sicherheit geben und somit zumindest einen psychologischen Vorteil bieten könnte, möchte der Mediziner auch nicht unterschreiben - er fürchtet eher einen gegenteiligen Effekt: "Man kann eventuell sogar davon ausgehen, dass Spieler mit einem Helm auf dem Kopf zu mehr Risiko neigen und dadurch möglicherweise sogar noch mehr Gehirnerschütterungen entstehen."

Keine Frage: Kopfbälle bieten ein gewisses Risiko

Dass Fußballer durch Kopfballduelle, aber auch durch intensives Kopfballtraining einer erhöhten Gefahr ausgesetzt sind, Gehirnerschütterungen zu erleiden, bestreitet kein Mediziner. In den vergangenen Jahren ist diesem Thema sogar zusehends mehr Aufmerksamkeit gewidmet worden. "Etwa jeden zweiten Spieltag gibt es in der Bundesliga eine Kopfverletzung, auch auf Amateurplätzen kommt es zu Platzwunden, Gehirnerschütterungen und Schädelprellungen", erklärt der DFB in der Ankündigung seiner Online-Seminare zum Thema "Kopfverletzungen". Und: "Bei in der Spitze 80.000 Amateurspielen pro Wochenende, kommt es in der Summe auch zu einigen Gehirnerschütterungen, vielleicht zu mehr als an einem Wochenende in Deutschlands Boxhallen."

Dabei ist aber die "Inzidenz" zu beachten, ein Wort, das seit Corona wohl jeder kennt. In diesem Falle die Häufigkeit einer Verletzung pro Spielstunde. Diese wiederum ist im Fußball längst nicht so hoch wie in anderen Risikosportarten. Denn in normalen Zeiten bestreiten ungleich mehr Menschen Fußballspiele als Boxkämpfe.

Der Fall Karius: Wo blieb die Drei-Minuten-Regel

Gleichwohl stellte das Portal "fußballverletzungen.com" fest, dass es ab der Spielzeit 2017/18 in der Bundesliga zu einem deutlichen Anstieg an Gehirnerschütterungen gekommen ist. An diagnostizierten, versteht sich. Denn es kann durchaus noch viel mehr Fälle gegeben haben als den des Loris Karius, des ehemaligen Mainzers, der im Champions League-Finale 2018 das Tor des FC Liverpool gegen Real Madrid hütete. In der 51. Minute unterlief ihm ein fataler Abwurf-Fehler, den Karim Benzema zum Führungstreffer für Madrilenen nutzte, die das Spiel am Ende auch 3:1 gewannen.

Vier Tage später kam heraus: Karius hatte nach einem Zusammenprall zwei Minuten zuvor eine Gehirnerschütterung erlitten und hätte schon zu diesem Zeitpunkt ausgewechselt werden müssen. Für solche Fälle gilt eigentlich schon seit 2014 FIFA-weit die "Drei-Minuten-Regel". Solange nämlich muss der Schiedsrichter bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung eine Partie unterbrechen, um den medizinischen Betreuern Gelegenheit zur Untersuchung zu geben. Und die Entscheidung, ob der Spieler weiterspielen darf oder nicht, fällt schlussendlich der Arzt, nicht der Trainer. Und schon gar nicht der Spieler.

Englische Studie lässt vermuten: Die Spätfolgen können fatal sein

Was Hirnverletzungen so tückisch macht, sind jedoch gar nicht mal die eventuellen Aussetzer anschließend während des Spiels und der Ausfall des Spielers unmittelbar danach: Es lässt sich einfach nicht zweifelsfrei sagen, welche Spätfolgen solche Verletzungen nach sich ziehen können.

Vor zwei Jahren erregte eine Studie Aufsehen, die der englische Fußballverband bei der Glasgow Brain Injury Research Group in Auftrag gegeben hatte. Sie verglich die Krankengeschichten von rund 7000 ehemaligen schottischen Fußballprofis, die zwischen 1900 und 1976 geboren wurden, mit denen der Durchschnittsbevölkerung - und stellte fest: Bei den Fußballprofis lag das Risiko, im Alter an Parkinson zu erkranken, doppelt, bei Alzheimer gar fünf Mal so hoch. Ehemalige Verteidiger, die positionsbedingt häufiger in Luftkämpfe verwickelt sind als andere Spieler, wiesen sogar noch höhere Werte auf.

Dass da ein Zusammenhang mit Kopfzusammenstößen oder intensiv betriebenem Kopfballspiel besteht, lässt sich kaum von der Hand weisen. Der englische Fußballverband reagierte darauf mit neuen Richtlinien. Seit dieser Saison sollen Junioren im Training nur noch ausnahmsweise Kopfbälle üben, erwachsene Amateurspieler nur einmal die Woche Kopfballtraining absolvieren und Profis pro Woche nicht mehr als zehn Kopfbälle "mit größerer Krafteinwirkung" ausführen.

Seit 2019: "Baseline-Screenings" in Bundesliga und 2. Bundesliga

Auch der Deutsche Fußball-Bund ist in dieser Frage mittlerweile sensibilisiert. Seit Beginn der Saison 2019/20 werden alle Spieler der Bundesliga und 2. Bundesliga vor jeder Saison sogenannten "Baseline-Screenings" unterzogen, die Aufschluss über bereits erlittene Hirnverletzungen geben. Auch in der Frauen-Bundesliga sind diese Tests nunmehr im obligatorischen internistischen Untersuchungsbogen enthalten. Grundsätzlich empfiehlt die medizinische Kommission des DFB solche Screenings in allen Ligen, "in denen eine entsprechende Logistik verfügbar ist", also auch für die 3. Liga.

Claus Reinsberger, Leiter des Sportmedizinischen Instituts der Universität Paderborn, arbeitet derzeit an einer groß angelegten Studie über die Auswirkungen von Kopfbällen auf die Gehirne von Fußballspielern. "Es ist zu befürchten, dass wir da ein größeres Problem haben und solche Verletzungen noch zu oft bagatellisiert werden", erklärt der Sportmediziner gegenüber der "Neuen Westfälischen". Helme hält auch er nur in Einzelfällen für sinnvoll. Im Gegensatz zu seinem Kollegen Helmich sieht er aber den psychologischen Effekt, dass sie dem Spieler ein Gefühl von Sicherheit geben können, positiv.

Wichtiger sei jedoch eine angemessene medizinische Versorgung auf und neben dem Platz - und die Möglichkeit, einem Spieler die nötige Zeit zur Regeneration zu geben, so Reinsberger weiter. Oder ihn auch mal nur vorsorglich vom Platz zu nehmen - so wie Felix Götze im Benefizspiel gegen Mainz 05 am 9. Oktober, als FCK-Trainer Marco Antwerpen nach einem Zusammenstoß direkt auswechselte, obwohl es keine Anzeichen auf eine ernsthafte Verletzung gab.

Köpfen mit Helm? Roßbach hat es gegen den FCK schon vorgemacht

Bliebe noch eine Frage zu klären: Wie köpft es sich eigentlich mit Helm? Offenbar nicht schlecht, wie der FCK im März beim Auswärtsspiel in Rostock erfahren musste: Da erzielte Haubenträger Damian Roßbach in der 6. Minute der Nachspielzeit das 2:1 für Hansa - und zwar mit dem Kopf. "Mit meinem Helm konnte ich etwas fester köpfen, allerdings waren die Kopfbälle auch unpräziser", schilderte Klaus Gjasula einmal in der "Bild" seine Erfahrungen. Die Felix Götze nun erst einmal sammeln muss. "Eine lange Gewöhnungszeit braucht es, denke ich, nicht", ist er zuversichtlich, schnell mit seinem ungeliebten Kopfschmuck klarzukommen.

Was meint Ihr: Sollte im Fußball mehr Wert auf den Schutz vor Kopfverletzungen gelegt werden? Diskutiere darüber mit anderen Fans im DBB-Forum!

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer



Beitragvon d1eter » 14.11.2021, 14:59


Wenn sich schon die Experten uneinig sind, was sollen wir als medizinisch unbedarfte Fans, sinnvoll darüber diskutieren ?
Wer positiv denkt hat mehr vom Leben und lebt länger.
www.psychotipps.com/Positives-Denken.html



Beitragvon Strafraum » 14.11.2021, 19:43


Finde diese Studien durchaus interessant…. Nur war ich zB eher Kopfballstark und weniger mit dem Fuß. Bekomm ich jetzt Alzheimer….?

Was ich damit sagen möchte ist, das selbst Spieler welche in meiner Mannschaft waren, aufgestellt wurden die schiss hatten mit dem Kopf an den Ball zu gehen und ein 1,60m großer Spieler mit seinem Verrenkungen meinte, sein Bein in die Luft nach dem Ball zu strecken, so dass eher wegen gefährlichen Spiels abgepfiffen wurde.

Für mich gehört das Kopfballspiel dazu und wer schiss hat, soll sich einen anderen Sport suchen.
Ruhe an der Murmel! Das muss in die Birne!



Beitragvon Talentfrei » 14.11.2021, 20:25


Bei der Studie von 1900-1976 geborene muss man aber auch erwähnen das die Bälle da noch aus Leder waren. Ich kann mich noch gut erinnern wenn es geregnet hat und der Ball nass war. Wenn du da geköpft hast ,mein lieber Mann, der war hart wie Eisen.Wie die Bälle heute sind kann ich nicht beurteilen. Die meisten Kopfverletzungen entstehen im Spiel ja meistens durch den Ellenbogen des Gegenspielers oder wenn die Köpfe zusammenstoßen.



Beitragvon crombie » 15.11.2021, 13:08


Zu dem Thema hab ich grade einen aktuellen Artikel aus "Der Zeit" gesehen:

https://www.zeit.de/sport/2021-11/fussb ... mendations




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