Taktik-Nachlese zum Spiel SVS-FCK

Die DBB-Analyse: Die Null steht - aber sonst?

Die DBB-Analyse: Die Null steht - aber sonst?


Die gute Nachricht: Nach vier Gegentreffern gegen Magdeburg stand beim 1. FC Kaiserslautern beim SV Sandhausen hinten die Null. Die weniger gute: Etwas einbilden sollten sich die Lautrer auf diese Darbietung nicht.

In beiden Lagern war viel gerätselt worden vor dieser Partie: Würde SVS-Trainer Alois Schwarz seinem Mittelfeld mit Raute treu bleiben, das er am vorangegangenen Spieltag in Kiel erstmals formiert hatte? Und würde FCK-Coach Dirk Schuster weiter an der Dreierkette festhalten, mit der er in der Vorwoche gegen Magdeburg in der zweiten Halbzeit eine entscheidende Wende zum Besseren eingeläutet hatte? Die Antworten waren kurz nach dem Anpfiff gegeben: Ja und nein. Sandhausen agierte vorne mit der Doppelspitze Matej Pulkrab und Alexander Esswein sowie dem starken David Kinsombi auf der Zehn, der FCK kehrte wieder zur Viererkette zurück.

Im hinteren Mittelfeld hatte Schuster Julian Niehues neben Philipp Klement aufgeboten, wohl als körperliches, robustes Korrektiv zu dem Neuzugang, der als tiefer Aufbauspieler seine Sache abermals sehr gut machte. Und eine "Kante" neben ihm war angesichts der Präsenz des 1,96 Meter-Hünen Janik Bachmann im Mittelfeld der Gastgeber angezeigt.

Niehues als Bachmann-Bremse: Defensiv okay, aber nach vorne...

Angesichts der Null, die am Ende stand, lässt sich diese Entscheidung als richtig werten. Andererseits ist sie auch ein wenig bezeichnend für die Krux im FCK-Spiel an diesem Spieltag: Bachmann agierte lediglich als Achter, also nicht allzu weit vorne. Von daher hätte ein Gegenspieler mit mehr Qualitäten in der Offensive auch noch mehr für sein Team noch vorne bewegen können. Hinzu kam, dass Marlon Ritter durch den Einbau von Niehues auf den linken Flügel ausweichen musste. Dort aber entfaltete er längst nicht seine Möglichkeiten, machte vor allem kaum Anstalten, mal Richtung Grundlinie zu gehen, so wie Philipp Hercher auf der rechten Seite. Dadurch gestaltete sich die Spielanlage der Gäste recht asymmetrisch.

Dennoch: Eine Szene vor Pause ließ sich richtig gut ansehen

Eine Szene allerdings gab es, die hätte die vorangegangenen Zeilen glatt überflüssig gemacht, wäre sie von Erfolg gekrönt worden: Nach rund 40 Spielminuten glückte Klement ein wirklich spektakulärer Diagonalpass quer durch die fast komplette gegnerische Hälfte. Der weit vorne auf den linken Flügel gewieselte Niehues legte direkt auf Ritter ab, und der hätte ums Haar halblinks im Strafraum abziehen können, hätte er sich zur Ballkontrolle nicht ein paar Zehntelsekunden zu viel Zeit genommen.

So aber blieb die Offensivleistung des FCK in der ersten Hälfte unterirdisch. Das von "bundesliga.de" nach 34 Minuten ermittelte xGoals-Ergebnis von 0.81 : 0,02 zugunsten Sandhausens spricht Bände.

Aber: Die Null stand, und Trainer Schuster hatte nach der jüngsten Flut an Gegentoren schließlich die Wiederstabilisierung seiner Defensive zur Priorität in diesem Spiel erhoben. Dazu wiederum sollten die "Basics" wieder umgesetzt werden, worunter er, wie er nach dem Spiel erklärte, vor allem die Zweikampfführung verstand. Mit etwas Wohlwollen lässt sich die Mission also als erfüllt ansehen.

Zweikampfführung ist "basic", aber es gibt noch andere

Wenngleich dem Trainer kaum gefallen haben dürfte, wie Pulkrab sich nach 13 Minuten im Kopfballduell gegen Erik Durm durchsetze und Keeper Andreas Luthe zur Parade zwang. Da hätte nicht viel gefehlt und der FCK hätte wieder mal einem Stürmer, dem noch nicht viel gelungen ist in dieser Saison, zu seinem ersten Erfolgserlebnis verholfen.

Es gibt jedoch noch andere "Basics" außer Entschlossenheit im Zweikampf. Und von denen machte der SVS vor allem in der ersten Halbzeit einige schlicht und ergreifend besser. Etwa die Balleroberung weiter vorne im Feld zu suchen, wenn man nicht auf eigene lange Ballbesitzphasen steht. Und das tun bekanntlich weder Sandhausen noch der FCK. Oder sich das Leder direkt wieder zurückzuholen, so es dann verloren gegangen ist. Oder gut gegen Konter abgesichert sein, wenn der Gegner nach dem Ballgewinn schnell nach vorne spielen will. Alles "Basics", die bei den Gastgebern ein bisschen besser aussahen.

Bitte keine Illusionen: Die Tabelle lügt

Sodass nach dieser ersten Halbzeit nur davor gewarnt werden kann, sich von dem 6. Rang, den die Roten Teufel auch nach diesem Spieltag noch einnehmen, blenden zu lassen. Die Tabelle repräsentiert sie gegenwärtig deutlich über ihrem tatsächlichen Wert.

In Hälfte zwei ließen die Lautrer aber aufblitzen, dass ihnen die eben genannten "Basics" zumindest nicht unbekannt sind. Etwa bei Terrence Boyds Kopfballchance kurz nach Wiederanpfiff. Wunderlich hatte von links geflankt, doch Durm hatte die Gelegenheit erst ermöglicht, indem er sich einen auf der rechten Verteidigerposition des Gegners verlorenen Ball direkt wieder zurückholte.

Es fiel aber auch auf: Offenbar zufrieden mit der Defensivleistung seines Teams, verzichtete Schuster diesmal darauf, schon in der Pause das FCK-Spiel mindestens durch einen Wechsel und frische Ideen zu beleben. Zuletzt gegen Magdeburg und in Fürth hatte dies zum Erfolg beigetragen. Diesmal wartete der Trainer bis zur 70. Minute, ehe er Kenny Redondo für Wunderlich brachte.

Ritter: Kaum auf der Zehn, schon kommt er zum Schuss

Ritter rückte daraufhin auf die Zehn - und siehe da: In der zentralen Position kam er innerhalb von wenigen Minuten zwei Mal in gute Abschlusspositionen. Ritters Hinterhaltsgeschoss nach zu kurz abgewehrter Ecke und die anschließende Flugparade von Keeper Patrick Drewes darf getrost zum Höhepunkt dieses Spiels erklärt werden.

Auch wenn die Gastgeber wohl eher auf den angeblich nicht gegebenen Elfmeter nach 60 Minuten verweisen, als David Kinsombi vielleicht ein wenig zu dankbar über Luthes ausgestreckte Hände fiel. Die Diskussion darüber ist müßig. Sagen wir mal so: Es gibt sicher Schiedsrichter, die sich von dieser Fallaktion hätten beeindrucken lassen.

Ansonsten lohnt es sich nicht, auch noch auf die übrigen halbgaren Torchancen einzugehen. Unter dem Wust an statischen Daten, der bei den verschiedenen Anbietern auch nach Zweitligaspielen angeboten wird, sei hier lediglich noch die "Laufleistung" erwähnt, die bei "bundesliga.de" aufgeführt wird: Demnach legte Sandhausen in dieser Partie 101,8 Kilometer zurück, die Männer in Rot 102,7 Kilometer. Die Normalität bei Spielen dieser Klasse beginnt ungefähr bei 110 Kilometern.

Auch das sei als Alarmzeichen gesetzt: Wenn dies und auch die anderen "Basics" kommenden Sonntag gegen den SV Darmstadt nicht besser umgesetzt werden, wird’s böse enden.

xG-Plots: Passgrafik verdeutlicht die Asymmetrie im FCK-Spiel

Zu den Plots. Sander Ijtsma kommt auf ein xGoals-Ergebnis von 0.67 : 0.60, bundesliga.de gibt 1.18 : 0.79 an. Wie auch immer: Berühmt waren die Offensivleistungen beider Teams so oder so nicht, und bei der Visualisierung hat "11tegen11" die Timeline des SVS vergessen.

xG-Plot SVS-FCK

Die Positions- und Passgrafiken zeigen deutlich die oben beschriebene Asymmetrie im FCK-Spiel, ebenso Ritters unglückliche Rolle.

Passmap FCK

Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik des SVS: Beeindruckend die Rolle des Innenverteidigers und ersten Aufbauspielers Aleksandr Zhirov. Hätte man den durch frühes Attackieren geblockt, es wäre schlecht bestellt gewesen um die Gastgeber.

Passmap Sandhausen

Quelle: Der Betze brennt | Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2021/22: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage

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