Kummt Senf druff

Der Unterschätzte

Der Unterschätzte


Soeren Oliver Voigt ist nicht mehr Geschäftsführer des 1. FC Kaiserslautern. Knapp zwei Jahre lenkte er den Klub durch unruhiges Gewässer. Eine Leistung, die oft unterschätzt wird, meint DBB-Autor Gerrit.

Nur zwei Tage nachdem dem damals noch so genannten "Team Merk" im Dezember 2019 von den FCK-Mitgliedern die Verantwortung für ihren Klub übertragen wurde, wurde Soeren Oliver Voigt als neuer alleiniger Geschäftsführer installiert. Es war damals eine dringend benötigte Personalie, denn der Verein war nach den unrühmlichen Abgängen von Martin Bader und Michael Klatt quasi führungslos geworden. Einer seiner ersten Erfolge: In zähen Verhandlungen mit der Stadt erkämpfte Voigt für den FCK eine über zwei Saisons gültige reduzierte Stadionpacht. Schon damals bekam der gebürtige Dortmunder und frühere Braunschweiger jedoch zu spüren, dass in Lautern zu oft Intrigen und Eitelkeiten mit im Spiel sind. Verantwortung tragen beim FCK, eine wahre Herkulesaufgabe, die nicht geringer wurde, als unmittelbar nach der Pacht-Einigung Corona ausbrach und schließlich Geisterspiele im Profifußball Einzug hielten. Das damit verbundene Wegbrechen der für den FCK so wichtigen Zuschauereinnahmen war ein letzter Tropfen, der am 15. Juni 2020 schließlich zur Insolvenz des ruhmreichen Traditionsvereins führte.

Voigts Achterbahnfahrt beim FCK: Was bleibt, ist das erfolgreiche Insolvenzverfahren

In dieser angespannten Zeit lenkte Voigt mit ruhiger Hand das schwierige Unterfangen, den Verein durch das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zu führen. Dass so etwas kein Selbstläufer ist, bei dem ein Verein wie Phönix aus der Asche wieder erwacht, zeigt unter anderem das Beispiel des abgestürzten KFC Uerdingen. Obendrein kamen zu dieser Zeit auch (wieder einmal) Querelen und Querschüsse im erst kurz zuvor gewählten Aufsichtsrat auf. Beim Einstieg der regionalen Investorengruppe gab es Streit um ein intransparentes Konkurrenz-Angebot aus Dubai, zwischenzeitlich drohte der FCK KGaA gar der Entzug der Eigenverwaltung. Doch auch dank Voigt gelang es, das Insolvenzverfahren am 29. Oktober 2020 - zwei Tage vor dem 100. Geburtstag Fritz Walters - erfolgreich abzuschließen. Die Last, die an diesem Tag auch von seinen Schultern fiel, war deutlich zu spüren.

Aber auch die Zeit danach blieb eine Achterbahnfahrt. Sportlich zeigte sich zunächst keine Verbesserung. Die Chemie zwischen Voigt und Trainer Boris Schommers begann unstimmig zu werden, nachdem der Geschäftsführer zuvor bei der umstrittenen Trennung von Vereinsikone Gerry Ehrmann noch standfest zu seinem Trainer gehalten hatte. Trotzdem startete der FCK mit Schommers in die Saison 2020/21, um ihn dann bereits nach zwei Spieltagen zu entlassen. Gerüchte über Einmischung der neuen Investoren keimten auf, aber Voigt wurde in dieser Zeit nicht müde zu betonen, der Chef im operativen Bereich sei er. Doch er eckte an, im Beirat, bei Investoren, auch außerhalb des Vereins. Voigt konnte stur sein, agierte nicht gerade wie der Chefdiplomat vom Betzenberg. Und nicht zuletzt gelang es auch ihm nicht, weitere Investoren an Land zu ziehen. Aussichtsreiche Gespräche kamen wegen Corona zum Erliegen, hieß es damals. Voigts Arbeit wurde auch wegen der sportlichen Misere zunehmend kritischer betrachtet.

Guter Organisator, aber kein Diplomat: Voigt verlor den Rückhalt der Entscheider

Als im Frühjahr 2021 zuerst Trainer Jeff Saibene und dann Sportdirektor Boris Notzon gehen mussten und der FCK am Rande der Regionalliga stand, war es der Beiratsvorsitzende Markus Merk, der den Verein nach außen hin repräsentierte, nicht Geschäftsführer Voigt. Öffentliche Auftritte gab es seither kaum noch, alleiniger Chef im operativen Bereich ist jetzt der im März 2021 installierte Co-Geschäftsführer Thomas Hengen. Im Juli erkrankte Voigt, musste sich wegen eines sehr schmerzhaften Rückenleidens aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Hinter vorgehaltener Hand wurde zu diesem Zeitpunkt schon von einer bevorstehenden Trennung gemunkelt, der Rückhalt der Entscheidungsträger war nicht mehr voll gegeben. Der jetzige Abgang ist daher nicht wirklich überraschend. Voigts Leistung, insbesondere im Jahr 2020, sollte dennoch nicht unterschätzt werden. Und der Verein sollte nun nicht den Fehler machen, den kaufmännischen Bereich alleine und dauerhaft Thomas Hengen aufzubürden. Der sollte sich weiter auf das Sportliche konzentrieren. Genauso wie auch Voigt schon zuvor einen gleichberechtigten Mitstreiter für den Fußball-Bereich gebraucht hätte.

Was bleibt also nach dieser Personalentscheidung? Zuerst mal natürlich die besten Wünsche an Soeren Oliver Voigt: Gute Besserung! Und wer auch immer ihm beim FCK nachfolgen wird: Auch auf ihn wartet eine Herkulesaufgabe.

Quelle: Der Betze brennt | Autor: Gerrit Schnabel

Weitere Links zum Thema:

- Chronologie im DBB-Forum: Soeren Oliver Voigt ist nicht mehr FCK-Geschäftsführer

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