Interview mit Aufsichtsratskandidat Senator h.c. Prof. Dr. Jörg E. Wilhelm

"Was immer Du tust, tue es klug und bedenke das Ende"


Jörg Wilhelm ist der Rechtsexperte im Aufsichtsratsteam um Markus Merk. Im Interview mit Der Betze brennt gibt der 62-Jährige einen pragmatischen, aber auch schlagkräftigen Blick auf Probleme und Lösungen für den 1. FC Kaiserslautern.

Der Betze brennt: Jörg Wilhelm, ist der 1. FC Kaiserslautern überhaupt noch zu retten?

Senator h.c. Prof. Dr. Jörg E. Wilhelm (62): Jedes Unternehmen ist - ebenso wie jeder unternehmensähnlich organisierte Verein - in der Krise zu retten. Entscheidend in diesem Zusammenhang sind Fragen wie zum Beispiel: Zu welchen Einschnitten und Maßnahmen sind die einzelnen Stakeholder - Mitglieder, Fans, Spieler, Mitarbeiter, Investoren, Gläubiger, Lizenzgeber et cetera - bereit? Haben die einzelnen Stakeholder eine gemeinsame Vision und sind sie bereit, zu deren Verwirklichung unter Hintenanstellung sachfremder Interessen und in gewissem Maße unter Verzicht auf Eigeninteressen als Team zusammenzuarbeiten? Verfügen die in der Krise berufenen und handelnden Organe und Personen über das Vertrauen und den Rückhalt der Stakeholder?
Der Betze brennt: Stellen Sie sich den Vereinsmitgliedern doch bitte kurz vor: Was muss man beruflich und privat von Ihnen wissen? Und welchen Bezug haben Sie zum FCK?

Wilhelm: Meinen detaillierten Lebenslauf findet man im Internet - ich möchte an dieser Stelle auf die wesentlichen Stationen und Fakten eingehen.

Eigentlich kamen für mich nur zwei Studienrichtungen in Betracht: Medizin oder Jus (Rechtswissenschaft, Jura; Anm. d. Red.), wobei ich mich letztlich für Jus entschieden habe, nachdem klar war, dass ich parallel dazu eine militärische Karriere starten kann. Die militärische Ausbildung bot mir einerseits die Möglichkeit, neben der mit der Offiziersausbildung und der Zugehörigkeit zu einer militärischen Spezialtruppe verbundenen körperlichen und mentalen Fitness für mich als Kampfsportler Herausforderungen zu meistern. Andererseits war dies die Möglichkeit, dem Staat und der Gesellschaft, die neben meinen Eltern meinen Aufwuchs in einem freiheitlich-demokratisch geprägten und wirtschaftlich stabilen Umfeld ermöglicht haben, etwas zurückzugeben. Die Wahl des Jus-Studiums war mehrheitlich durch zwei Grundsätze beeinflusst, die mich bis heute im Berufs- ebenso wie im Privatleben prägen: "Das Recht muss dem Unrecht nicht weichen" und "Was immer Du tust, tue es klug und bedenke das Ende". Als Rechtsanwalt - wenn dann auch schlussendlich hoch spezialisiert und im Bereich des internationalen Wirtschaftsrechts tätig - waren und bleiben das meine Leitlinien.

Verheiratet bin ich seit 2004 mit Frau Diplom-Ingenieurin Melanie Wilhelm, mit der ich gemeinsam alle unsere beruflichen Aktivitäten, also die Anwaltskanzlei einerseits und unsere Private-Equity-Holding andererseits führe. Meine Absicht, mich ehrenamtlich in der Gesellschaft und im Sport zu betätigen, wird von meiner Frau in Kenntnis der damit verbundenen Aktivitäten mitgetragen.

Eine der wertvollsten Errungenschaften menschlichen Zusammenlebens ist die Gestaltung eines Staates in der Form der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und der Schaffung einer wirtschaftsliberalen Werte- und Lebensgemeinschaft. Ein auf den wirklichen Souverän - das Volk - zugeschnittenes und auf Eintracht abzielendes Demokratieverständnis bildet den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmen zur Entwicklung der darin lebenden Individuen unter vernünftiger Abwägung von Geben und Nehmen zum Wohle aller und damit des Staates selbst. Damit einhergehend, aber auch als Voraussetzung zur Erreichung eines solchen Ziels ist jeder Mensch gefordert, im Rahmen seiner beziehungsweise ihrer Möglichkeiten einen freiwilligen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten, ganz gleich ob im politischen, sozialen, kulturellen oder sportlichen Bereich: Jedes Engagement trägt zur positiven Entwicklung einer prosperierenden Gesellschaft bei. Diese Überzeugung ist Anlass für mich, meine Fähigkeiten und Erfahrungen pro bono und im Interesse der Allgemeinheit einzusetzen und so der Gesellschaft etwas zurückgeben zu können. Im Lichte dieser Überzeugung mag auch mein beabsichtigtes Engagement im FCK gesehen werden.

"Kein Fehlverhalten, kein Amigo-Business, kein Gemauschel"

Der Betze brennt: Aktuell steckt der FCK in der wohl größten Krise seiner Vereinsgeschichte, aber es bieten sich - bedingt durch die vielen Rücktritte - auch große Chancen zur Neugestaltung. Welche Sofortmaßnahmen müssen aus Ihrer Sicht nach der Mitgliederversammlung am 01. Dezember ergriffen werden?

Wilhelm: Es braucht zunächst einen auf neutrale Expertise abgesicherten, unverzüglichen Status über die wirtschaftliche Situation des Vereins, insbesondere über die den Profi-Fußball tragende Gesellschaft - die KGaA - und deren transparente Darstellung für alle Vereinsmitglieder und sonstigen handelnden Personen. Erst daraus lassen sich die notwendigen Sofortmaßnahmen seriös ableiten und begründen.

Parallel dazu sind alle Organe und notwendigen Führungspositionen professionell besetzt zu halten und deren Handlungsfähigkeit sicherzustellen sowie unverzüglich durch die hierfür zuständige Geschäftsführung unter Einbeziehung des Aufsichtsrates Gespräche mit bereits existierenden beziehungsweise potentiellen Investoren zu führen.

Der Betze brennt: Und was ist mittel- und langfristig zu tun, um den FCK wieder auf die Überholspur zu bringen?

Wilhelm: Allgemein, für alle die im Umfeld des FCK tätig sind, muss wieder gelten: Jeder Einzelne erfüllt nach bestem Wissen und Können die Aufgaben der Funktion im Verein, mit denen er betraut ist. Alle zusammen wirken nach innen wie nach außen als geschlossenes Team und das gemeinsame Streben nach sportlicher Top-Leistung und nachhaltigem Erfolg auf der Basis wirtschaftlicher Solidität, unter Berücksichtigung der Interessen von Mitgliedern und Fans, gehen vor der Verwirklichung von Individualinteressen und sachfremden Erwägungen. Für den Aufsichtsrat, für den ich gemeinsam mit meinen Kollegen aus dem "Team Merk" kandidiere, im Besonderen müssen folgende Punkte gelten:

Sicherstellung der Umsetzung der Ziele des Vereins und der Ziele unserer traditionsreichen Fußballmanschaft.

Sorge dafür zu tragen, dass der Wille des obersten Souveräns unseres Vereins - also seiner Mitglieder - im Rahmen von Recht und Satzung von der Vereinsführung und allen Verantwortung tragenden Personen und Institutionen umgesetzt werden.

Sicherstellung vollkommener Transparenz unseres eigenen und des Tuns aller Gremien.

Mit Engagement, Freude und vor allem ohne jedwedes Eigeninteresse oder sachfremde Interessen dem Verein zu dienen.

Vollkommen unabhängig, neutral und fair dem Verein, jedem potentiellen oder vorhandenen Investor, jedem Förderer, jedem Mitglied, jedem Fan, jedem Geschäftspartner als Garant dafür zu stehen, dass der FCK und sein sportlicher Erfolg für uns Leitlinie sind und dass wir kein Fehlverhalten, kein Amigo-Business, kein Gemauschel und vor allen Dingen keine sachfremden Interessen dulden oder gut heißen werden.

Und, nicht zuletzt, keine Versprechungen machen, von denen wir in der nächsten Mitgliederversammlung, wenn wir den Mitgliedern Rechenschaft ablegen müssen, zu berichten haben, dass wir sie nicht erfüllen konnten.

"Eines muss allen klar sein, die im Investor den 'Heilsbringer' sehen..."

Der Betze brennt: Sie sind der Jurist im sogenannten "Team Merk". Welche persönlichen Kompetenzen können Sie diesbezüglich im Aufsichtsrat einbringen? Genügend Problemfelder gibt es ja, von der immer noch nicht erfolgten Öffnung der Fan-Säule bis zur - auch juristischen - Abwendung einer Insolvenzgefahr.

Wilhelm: In den Aufsichtsrat einbringen kann ich meinen juristischen und steuerlichen Sachverstand aus über 30 Jahren Berufserfahrung als Wirtschaftsanwalt, meine Expertise aus multiplen Verwaltungsrats- und Aufsichtsratsmandaten im In- und Ausland für Unternehmen und Institutionen verschiedenster Tätigkeitsbereiche sowie mein Beratungs-Knowhow im Zusammenhang mit Profi-Sport.

Was das von Ihnen angesprochene Problemfeld "Öffnung der Fan-Säule" angeht, darf ich auf meine obigen Ausführungen zu den Aufgaben des Aufsichtsrats verweisen: Dieser hat sicherzustellen, dass der Wille des obersten Souveräns eines Vereins - also der Mitglieder - beachtet und dass getroffene Beschlüsse umgesetzt werden, sofern das rechtlich und wirtschaftlich möglich ist. Wir werden im neuen Aufsichtsrat sehr schnell zu klären haben, warum dem Mitgliederwillen auch insoweit bisher nicht Rechnung getragen wurde.

Soweit Sie die Abwendung einer möglichen Insolvenz ansprechen, vollzieht sich das in erster Linie immer im Bereich der Finanzen; die Aufgabe von Juristen in diesem Zusammenhang beschränkt sich unter Berufung auf die Analyse der Wirtschaftsprüfer auf die Feststellung, ob überhaupt eine Insolvenzsituation vorliegt und auf die Kontrolle, dass dadurch sich ergebende Handlungszwänge von der verantwortlichen Geschäfts-/ Vereinsführung auch beachtet werden. Selbstverständlich stelle ich als möglicher Aufsichtsrat der Geschäftsführung dann aber auch meine insolvenzrechtliche Expertise aus Unternehmen in der Krise zur Verfügung, um unter Ausnutzung von insolvenzrechtlich zulässigen Möglichkeiten solche Verfahren gegebenenfalls geplant zu durchlaufen.

Der Betze brennt: Professor in Berlin, Anwalt in der Schweiz, Netzwerker in Dubai. Es klingt so, als könnten Sie dem FCK viele Türen öffnen. Darf man von Ihnen Kontakte und im besten Fall vielleicht auch Abschlüsse für den Verein erwarten, die andere, weniger vernetzte Personen nicht erreichen könnten?

Wilhelm: Vorsicht vor allzu schnellen Schlussfolgerungen: Wie der Begriff "Aufsichtsrat" schon signalisiert, ist es dessen Aufgabe, Aufsicht darüber zu führen, ob die Geschäftsführungsorgane sich an Satzung, Gesetz und Mitgliederbeschlüsse halten. Operative Maßnahmen sind Sache der Geschäftsführung und die Grenze zwischen einer beratenden Aufsichtstätigkeit und einer faktischen Geschäftsführung ist schnell überschritten. Natürlich habe ich ein breites Netzwerk, aber auch die Investoren, die ich kenne oder vielleicht der Geschäftsführung als zuständigem Gesprächspartner an den Tisch bringen könnte, werden nicht "in ein schwarzes Loch" oder eine "intransparente Finanzsituation" investieren. Und wenn es uns als Aufsichtsrat gelingt, Transparenz in den FCK zu bringen und ein positives Investitionsklima zu schaffen, werden die Investoren sicher leichter zu finden sein.

Eines aber muss all denjenigen klar sein, die in einem Investor den "Heilsbringer" sehen: Ein Investor, der in einen maroden, schlecht gemanagten und finanziell desaströsen Verein investieren und sein Investment durch gefügige Aufsichtsräte und Manager absichern will, ist vielleicht eher daran interessiert, sich die Filetstücke eines Investitionsobjektes zu sichern und den Rest zu zerschlagen, als langjährige Traditionen und mit Herzblut aufrechterhaltene Strukturen im Interesse des Vereins zu erhalten.

"Ich sage, was ich denke und meine, was ich sage"

Der Betze brennt: Gibt es für Sie Tabus? Seien es bestimmte Investoren, die Finanzierung des NLZ inklusive U21-Mannschaft, der Stadionname, das Fritz-Walter- Stadion generell als Spielort, ...

Wilhelm: Alles, was jenseits von Recht, Satzung, Mitgliederwille und unternehmerischer Moral steht oder betriebswirtschaftlich unsolide ist, ist für mich tabu. Im Übrigen versuche ich stets, das Machbare zu fördern und nach meinen beiden Grundsätzen zu handeln: "Das Recht muss dem Unrecht nicht weichen" und "Was immer Du tust, tue es klug und bedenke das Ende".

Der Betze brennt: Zum Abschluss nochmal kurz und knapp zusammengefasst: Was müssen die FCK-Mitglieder zu Ihrer Kandidatur wissen und wieso sollten sie Ihnen am 01. Dezember ihre Stimme geben?

Wilhelm: Als Teil eines zuverlässigen und uneigennützig handelnden Teams, das sich geschlossen nach dem Motto "Miteinander - Füreinander" dem FCK in der Krise zur Verfügung stellt, sage ich, was ich denke und meine, was ich sage.

Der Betze brennt: Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg für die Wahl!

Autor: Thomas

Weitere Links zum Thema:

- Komplette Interviewserie: Die Kandidaten zur Aufsichtsratswahl am 01. Dezember 2019

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