Kurz-Interview mit Ex-FCK-Spieler Fabian Schönheim

"Der FCK ist für mich ein besonderer Verein"

Fabian Schönheim in der Saison 2007/08 im FCK-Trikot; Foto: Imago Images

Fabian Schönheim ist schon vor längerer Zeit - unbemerkt von der Öffentlichkeit - lebenslanges Vereinsmitglied beim 1. FC Kaiserslautern geworden. Am Sonntag wird er vor dem Derby im Fritz-Walter-Stadion geehrt. Im DBB-Interview spricht der Innenverteidiger über seine besondere Verbindung zu den Roten Teufeln.

Die Nachricht rührte FCK-Stadionsprecher Horst Schömbs so sehr, dass er sie auch seiner Facebook-Community zugänglich machen musste. "Ja, ich gehöre noch zu den seltenen Menschen im Fußball, die gerne etwas zurückgeben wollen", schrieb ihm der ehemalige Lautrer Innenverteidiger Fabian Schönheim vor einigen Tagen. "Dieser wundervolle Verein hat mich groß gemacht und das ist nur ein kleines Zurückgeben dieser Dankbarkeit!"

Hintergrund: Der 32-Jährige, der noch immer an einer schweren Knieverletzung laboriert und bis zu diesem Sommer in Diensten von Union Berlin stand, möchte sich vor dem Derby des 1. FC Kaiserslautern gegen Waldhof Mannheim (Sonntag, 13:00 Uhr) seine lebenslange FCK-Mitgliedschaft beurkunden lassen. Wie er auf die Idee kam und wie es sonst um ihn bestellt ist, verrät er in unserem Interview.

» Zum Facebook-Beitrag von Horst Schömbs: "Was für eine teuflische Geste"

Der Betze brennt: Fabian Schönheim, bevor wir zum Thema "lebenslange Mitgliedschaft" und dem Derby gegen Mannheim kommen, erst einmal die Frage: Wie steht es aktuell um deine Karriere?

Fabian Schönheim (32): Vor zwei Wochen hatte ich noch mal eine kleine OP. Ich glaube, jetzt ist alles in die richtigen Bahnen geleitet, damit ich bald wieder auf dem Platz stehen kann. Zurzeit bin ich in der Reha, in sechs bis zehn Wochen möchte ich dann wieder trainieren können. Es gibt auch schon Gespräche mit Vereinen, aber ich will niemanden anlügen, das ist noch nichts konkretes.

Der Betze brennt: Hattest du schon länger die Idee, lebenslang FCK-Mitglied zu werden?

Schönheim: Ich bin das doch schon längst. Ich hab das nur nicht öffentlich machen wollen, solange ich noch bei Union Berlin unter Vertrag stehe. Dort wusste man zwar, dass der FCK für mich ein besonderer Verein ist, aber eine Ehrung in dessen Stadion wollte ich erst annehmen, wenn nicht mehr woanders unter Vertrag stehe.

"Mann, ich bin Lautrer, ich weiß um die Bedeutung des Derbys"

Der Betze brennt: Die Urkunde unmittelbar vorm Spiel gegen Mannheim entgegenzunehmen, sorgt natürlich für einen besonderen emotionalen Effekt. War das deine Idee?

Schönheim: Na klar. Mann, ich bin Lautrer, ich weiß doch um die Bedeutung dieses Spiels. Dass Waldhof Mannheim ausgerechnet diese Saison in die 3. Liga aufgestiegen ist, ist unter diesen Umständen einfach nur eine glückliche Fügung, und dass das erste Derby auch noch bei uns im Stadion stattfindet - eine bessere Gelegenheit gibt’s doch gar nicht.

Der Betze brennt: Du hast beim FCK in der Jugend gekickt, warst von 2005 bis 2009 Teil der Ersten Mannschaft. Das war auch damals schon eine bewegte Zeit, mit dem Abstieg 2006 und dem Beinahe-Abstieg 2008. Was sind für dich die prägendsten Ereignisse aus dieser Zeit?

Schönheim: Die ersten Monate, in denen wir noch Bundesliga spielten. Trainer Wolfgang Wolf hatte im Lauf der Runde Daniel Halfar, Sebastian Reinert und mich von den Junioren hochgezogen. Plötzlich spielten wir gegen Profis, die wir zwei Monate zuvor noch ausschließlich im Fernsehen bewundert hatten. Das waren für 18-Jährige wie uns unvergleichliche Erlebnisse.

Der Betze brennt: Von 2012 bis 2019 standest Du dann bei Union Berlin unter Vertrag. Die "Eisernen" haben in den vergangenen Jahren mit vielen ungewöhnlichen Aktionen auf sich aufmerksam gemacht - etwa dem Stadionumbau 2008 mit ehrenamtlichen Helfern. Oder dem aktuellen Stadionausbau, bei dem 80 Prozent der Plätze als Stehränge erhalten bleiben. Oder, 2017, mit dem Thesenpapier, in dem sich der Verein für den Erhalt des Fußballs als Stadionerlebnis einsetzt. Warst du gerne Teil eines solch ungewöhnlichen Klubs?

Schönheim: Ich würde nicht ungewöhnlich sagen, sondern besonders. Und Union Berlin ist mehr als besonders. Durch die Art, wie die Menschen um ihn herum ihn lieben und mit Leben füllen, und das ist nicht einfach nur so daher gesagt. Es gibt unter Unionern beispielsweise goldene Regeln, was zu beachten ist, wenn du in dieses Stadion kommst. Dazu gehört, niemals die eigene Mannschaft auszupfeifen, oder niemals vorm Schlusspfiff aus dem Stadion zu gehen. So wird das in anderen Klubs leider nur noch von wenigen Fans gehandhabt. Ich kannte dies zu großen Teilen noch von unseren FCK-Fans. Die sind in den vergangenen Jahren sicher schwer belastet durch die Abstiege und die Querelen im Umfeld, aber ich würde mir wünschen, dass wir wieder dahin gekommen.

"Mein Derby-Tipp? Ich gehe schwer von drei Punkten für uns aus"

Der Betze brennt: Zurück zur Gegenwart: Wie lautet Dein Tipp für das Derby am Sonntag?

Schönheim: Ich gehe schwer von drei Punkten für uns aus. Trainer Sascha Hildmann ist ja ebenfalls Lautrer, von daher wird er in der Lage sein, den Jungs die Bedeutung dieses Spiels zu erklären, so dass sie sich zerreißen werden. Davon abgesehen, sollte sich die mit Sicherheit höhere Qualität des FCK-Teams durchsetzen.

Der Betze brennt: Und wo wird der FCK nach 38 Spieltagen landen?

Schönheim: Der ist für mich im Moment noch nur schwer einzuschätzen. Ich kann diese Mannschaft einfach noch nicht recht greifen und einschätzen. Ich habe das Spiel gegen Mainz zu großen Teilen gesehen, da haben sie sich ordentlich reingehauen, aber das war ja auch ein besonderes Spiel. In der nächsten Partie funktioniert dann wieder kaum was... Ich kann mir da keinen Reim drauf machen. Drum bin ich froh, mir nun mal einen eigenen Eindruck verschaffen zu können und nicht nach dem gehen zu müssen, was mir andere zutragen. Und auf das, was in den Zeitungen steht, gebe ich nicht unbedingt viel.

Der Betze brennt: Vielen Dank für das interessante Gespräch!

(Das Interview führte Eric Scherer für Der Betze brennt, eine ausführlichere Version folgt nächste Woche auf seiner Seite "Block 4.2")

Autor: Kohlmeyer

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