Interview mit FCK-Geschäftsführer Michael Klatt

"Beide Angebote hatten Vorteile und Nachteile"

Foto: Screenshot SWR

In einem Pressegespräch hat sich der Kaufmännische Geschäftsführer des 1. FC Kaiserslautern, Michael Klatt, am Freitagnachmittag zur Einigung mit Kapitalgeber Flavio Becca und allem Drumherum geäußert. Wir dokumentieren alle Fragen und Antworten.

Frage: Michael Klatt, wie erleichtert sind sie nach der gestrigen Entscheidung für Flavio Becca? Welche Last ist von ihnen abgefallen?

Michael Klatt (50): Ich bin froh, dass wir eine Entscheidung getroffen haben. Wir sind ja unter enormem Zeitdruck in Hinblick auf die Lizenz, der DFB kennt da keine Gnade, was Deadlines angeht.

Frage: Was bedeutet die Entscheidung ganz kurzfristig?

Klatt: Wir haben heute morgen die Kreditverträge mit der Firma Quattrex und der Firma Lagardere Sports schließen können. Als nächstes wollen wir den Kooperationsvertrag mit Flavio Becca finalisieren und dann auch unterschreiben.

"Wir sind auf der Zielgeraden in Sachen Lizenz - ich bin guter Dinge"

Frage: Ist die Lizenz denn nun sicher?

Klatt: Wir sind auf der Zielgeraden. Vermelden, dass wir die Lizenz haben, können wir aber erst nach dem Okay des DFB. Das warte ich ab, bin aber guter Dinge, dass es klappt.

Frage: Wie ist der weitere Zeitverlauf bis zur endgültigen Lizenzerteilung?

Klatt: Wir müssen unsere Unterlagen bis zum 28. Mai einreichen. Formaljuristisch tagt dann noch ein sogenannter Beschwerdeausschuss. Ich bin im Moment überfragt, wann genau der tagt, das müsste pi mal Daumen um den 10. Juni herum sein. Dann bekommt man formell die Rückmeldung von der Hauptverwaltung des DFB, wobei man aber eine erste Rückmeldung schon sofort am 28. Mai erhält und auch danach weiter in permanentem Austausch ist.

» SWR-Video: Klatt zum Vertragsabschluss mit Becca

"Das Angebot der regionalen Investoren war auch sehr gut"

Frage: Was hat den Ausschlag für den Luxemburger Flavio Becca und gegen die regionalen Investoren Hans Sachs und Klaus Dienes gegeben?

Klatt: Es hat uns sehr gefreut, dass wir ein zweites Angebot auf dem Tisch hatten, und das war auch ein sehr gutes Angebot. Das Angebot der regionalen Investorengruppe kam allerdings sehr spät, was sich als Problem herausgestellt hat. Denn es ist ein langer Weg von einer Absichtserklärung, einer Ideensammlung bis hin zu einem gültigen Vertragswerk. Da waren wir mit Flavio Becca nach fünf, sechs Monaten Gesprächen schon deutlich weiter. Und da uns für die Lizenz die Zeit davon läuft, war das sicher auch ein wichtiges Kriterium.

Frage: Gibt es denn nicht auch von Flavio Becca nur eine Absichtserklärung?

Klatt: Von der lokalen Investorengruppe gibt es ein Eckpunktepapier namens "FCK 2.0", das sich aber ausschließlich auf die kommende Saison bezieht. Alle anderen Dinge, die kolportiert wurden (u.a. 25 Millionen Euro über fünf Jahre verteilt; Anm. d. Red.), sind nur mündlich übermittelt und nicht niedergeschrieben. Insofern war der Härtegrad des Angebotes von Flavio Becca in diesem Punkt höher.

Die Verträge mit Flavio Becca sind noch nicht unterschrieben

Frage: Was ist mit Flavio Becca nun fest fixiert und was muss noch gemacht werden?

Klatt: Wir sind gerade dabei, die Verträge mit Flavio Becca zu schließen. Zunächst wollen wir ja ein Darlehen aufnehmen - warum machen wir ein Darlehen und nicht sofort Eigenkapital? Es hat sich in vergleichbaren Situationen herausgestellt, dass die bei uns zurzeit kritische Thematik der Unternehmensbewertung nicht unter Zeitdruck löst. Stattdessen wollten wir erstmal die Lizenz sichern und wollen danach einen Konsens in der Unternehmensbewertung finden. Es ist ganz klar mit Flavio Becca verabredet, dass das jetzige Darlehen in Eigenkapital umgewandelt werden soll und somit nicht zurückgezahlt werden muss. Das müssen wir jetzt vertraglich fixieren, genauso wie die weiteren Finanzplanungen für die folgenden Jahre. Da arbeiten wir gerade dran und ich bin guter Dinge, dass wir hier die Verträge zeitnah unterschreiben, die sollen heute finalisiert werden. Momentan gibt es einen sogenannten "Letter of Intent" und ein "Termsheet" - und der nächste Schritt ist dann der endgültige Vertrag. In diesem Vertragswerk haben dann einzelne Dinge mehr verbindlichen Charakter, wie das Darlehen und dessen Zahlungsfälligkeit. Andere Dinge wie etwa die Fünfjahresplanung sind eher weicher formuliert, weil es natürlich abhängig ist von der Ligazugehörigkeit, ob wir beispielsweise in einem Jahr drei oder zehn Millionen Euro in die Mannschaft investieren wollen. Daran arbeiten gerade unsere Anwälte.

» SWR-Video: Michael Klatt zum Thema Darlehen

Frage: Die Abstimmung im Beirat ging mit 3:2 Stimmen denkbar knapp aus. Es haben sich also zwei Beiratsmitglieder für das Angebot von Hans Sachs und Klaus Dienes entschieden und gegen das Angebot von Flavio Becca. Wie bewertet die Geschäftsführung das?

Klatt: Das genaue Abstimmungsergebnis kann ich nicht kommentieren. Aber es ist legitim, dass in Gremien bei Abstimmungen jeder seiner persönlichen Meinung folgt. Von Seiten der Geschäftsführung hatten wir eine Empfehlung ausgearbeitet, wir hatten anhand eines detaillierten Scoring-Modells beide Angebote beleuchtet, die Vorteile und Nachteile aus unserer Sicht durchdrungen. Das Flavio-Becca-Angebot hatte beispielsweise einen größeren Fit zu anderen strategischen Partnern, nämlich Quattrex und Lagardere Sports. Bei dem Angebot der Kaiserslauterer Investoren wäre die regionale Verwurzelung ein großer Vorteil gewesen, ich glaube das hätte einen Dominoeffekt bei weiteren regionalen Geldgebern auslösen können. Für mich persönlich war aber vor allem der erwähnte Zeitdruck, die formelle Seite maßgeblich.

Frage: Besteht für die regionalen Investoren denn trotzdem noch die Möglichkeit, beim FCK einzusteigen?

Klatt: Ich bin immer ein Freund davon, möglichst viele Partner an Bord zu haben. Von unserer Seite ist die Tür nicht geschlossen. Aber zunächst bis Ende Mai habe ich jetzt nur einen Kopf für die Lizenz. Alles weitere können wir dann ab Juni in aller Ruhe, Besonnenheit und möglichst ausgeruht mit der Lizenz in der Tasche besprechen.

Frage: Wie sehen die genauen Pläne von und mit Flavio Becca aus, zum Beispiel für das Nachwuchsleistungszentrum?

Klatt: Ich kann dazu heute keine konkreten Aussagen treffen. Wir sind mit Flavio Becca in Abstimmung und wollen die Planungen kommunizieren, wenn es soweit ist. Ganz wichtig ist, dass das Geld in den sportlichen Bereich laufen soll, ob das jetzt das Nachwuchsleistungszentrum ist oder der Lizenzspielerkader. Die Thematik, ob das NLZ umgebaut werden muss (wie es die regionalen Investoren vorgeschlagen hatten; Anm. d. Red.), ist für uns zweitrangig. Wir müssen jetzt erstmal schauen, wie wir nächste Saison den sportlichen Erfolg darstellen können. Alles andere wird sich dann entlang des Weges ergeben.

Frage: Können Sie ab heute sofort Vertragsabschlüsse machen, den neuen Kader gestalten?

Klatt: Martin Bader ist ja in den letzten Wochen und Monaten nicht untätig gewesen, er hat zusammen mit Boris Notzon viele Gespräche geführt. Das wird weiter forciert. Aber natürlich kann er jetzt ganz anders auftreten, kann sagen "wir haben einen genauen Plan", der kann umgesetzt werden, "beim FCK kannst du erfolgreich Fußball spielen". Das wird Martin Bader weiteren Rückenwind geben.

"Kenntnisnahme dokumentiert": Klatt bestätigt FCK-Unterschrift gegen Littig

Frage: Das Angebot von Flavio Becca war mit einer - nun erfüllten - Rücktrittsforderung gegen Michael Littig verbunden. Das entsprechende Papier sollen neben Becca auch die FCK-Vertreter Patrick Banf, Martin Bader und Michael Klatt unterschrieben haben. Ist dieser Sachverhalt so richtig dargestellt?

Klatt: Da tue ich mich natürlich schwer in einer Beurteilung, denn Michael Littig ist in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender ja auch mein Vorgesetzter gewesen. Aber ich kann sagen, dass die Gremien-Besetzung in den Gesprächen mit Flavio Becca bis zum Schluss nie ein Thema war. Das wurde erst Ende April, Anfang Mai ein Thema, als die FCK-Geschäftsführung in der Öffentlichkeit zur Disposition gestellt wurde. Da hat der Investor gesagt, dass er auch künftig mit dem Verhandlungsteam zusammenarbeiten möchte. Im Grunde genommen ist seine Bedingung so zu interpretieren gewesen - so habe ich es zumindest verstanden - dass er Ruhe im Verein haben will, damit man sich auf die wichtigen Themen konzentrieren kann.

» SWR-Video: Michael Klatt zur "Causa Littig"

Frage: Aber die Rücktrittsforderung als einer von fünf Punkten wurde tatsächlich von Patrick Banf, Martin Bader und Ihnen mit unterschrieben?

Klatt: Wir haben den Letter of Intent als solchen unterschrieben, der ja dann von beiden Seiten zur Kenntnis genommen wird. Die genannte Forderung kam nicht vom FCK, wir haben das nicht in die Feder diktiert, sondern wir haben im Grunde genommen unsere Kenntnisnahme durch unsere Unterschrift dokumentiert.

Frage: Ist das Darlehen von 2,6 Millionen Euro in den angepeilten 25 Millionen Euro für fünf Jahre schon enthalten?

Klatt: Die sind inklusive, ja.

Frage: Sind die Kreditverträge mit Quattrex und mit Lagardere Sports schon vertraglich fixiert, also gesichert?

Klatt: Da habe ich heute meine Unterschrift drunter gesetzt, Martin Bader wird gleich auch noch unterschreiben, und dann gehen diese nach Stuttgart (Quattrex) beziehungsweise Hamburg (Lagardere Sports).

Frage: Was bekommt Lagardere Sports, die dem FCK ja schon öfter mit derartigen Vereinbarungen aus der Patsche geholfen haben, aber dafür auch stets hohe Gegenleistungen bekommen haben, nun für diesen neuen Kredit?

Klatt: Ich tue mich natürlich schwer, genaue Vertragsdetails preiszugeben - das macht man nicht. Wenn sie aber mit Lagardere sprechen, dann sind die der Meinung, dass sie als Vermarkter mit dem FCK wenig Geld verdienen. Der FCK mag das anders sehen. Wir sind froh, dass wir in der aktuellen Situation Unterstützer wie Lagardere Sports haben. Dass man das nicht "pro bono" oder gratis macht, versteht sich auch von selbst. Es ist ein Paket, dass wir als Geschäftsführung als ausgewogen bewerten. Je nach Vorankommen mit den Investoren enthält es auch Exit-Möglichkeiten, so dass der FCK sich nicht die Zukunft verbaut, sondern sich eine höchstmögliche Flexibilität in seinen Finanzierungsinstrumenten erhält.

"Quattrex erhält 7,5 Prozent Zinsen, die Laufzeit beträgt zehn Jahre"

Frage: Erhält Quattrex - wie gehabt - auch für den neuen Kredit 7,5 Prozent Zinsen, also deutlich mehr als die 5 Prozent für die Fans beim Crowdlending und bei der Betze-Anleihe II? Und gibt es auch wieder zusätzliche Bonuszahlungen an Quattrex, etwa bei höheren Fernsehgeldern im Aufstiegsfall?

Klatt: Das Geschäftsmodell von Quattrex ist, Fußballklubs finanziell zu unterstützen, damit sie sportlich erfolgreich sind. Da ist es legitim, auch an dem Erfolg zu partizipieren. Es ist richtig, dass unsere Fans an der Betze-Anleihe II beziehungsweise beim Crowdlending mit 5 Prozent verzinst werden, während wir bei Quattrex von 7,5 Prozent reden. Aber die Laufzeit ist auch eine komplett andere: Der Quattrex-Kredit läuft über zehn Jahre, das heißt wir haben hier eine deutlich größere Bandbreite an Unsicherheiten, während wir die Anleihe und das Crowdlending ganz bewusst nur auf drei Jahre kurz gehalten haben.

Frage: Wie hoch wird der Lizenzspieleretat für die kommende Saison mit der nun erzielten Einigung sein? Zu lesen war, dass dieser mit Flavio Becca auf rund 5,5 Millionen Euro (inklusive 2,6 Millionen Kredit) beziehungsweise mit den pfälzischen Investoren auf 6 Millionen Euro (inklusive 3 Millionen Eigenkapital) gesteigert werden könnte?

Klatt: Wenn wir den Lizenzspielerkader fertig haben, wird sich Martin Bader zur Höhe des Etats äußern. Beide Angebote haben Spielraum gelassen, den Etat zu erhöhen. Die Bewertung der nötigen Budgetgröße, um im nächsten Jahr anzugreifen, überlasse ich aber meinem Kollegen Martin Bader. Es ist mitnichten so, dass unendlich viel Geld die Aufstiegswahrscheinlichkeit auch unendlich erhöht - das haben wir ja diese Saison bei manchen Vereinen gesehen.

Autor: Thomas

Weitere Links zum Thema:

- Chronologie im DBB-Forum: Becca sticht pfälzische Investoren aus - Littig tritt zurück

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