Kummt Senf druff

Wer sind hier die Ehrenmänner?

Wer sind hier die Ehrenmänner?


Welche Spieler aus dem aktuellen Kader bleiben beim 1. FC Kaiserslautern, um den Drittliga-Abstieg zu korrigieren? Welche Akteure sollen überhaupt eine weitere Saison in der Pfalz spielen? Bei dieser Frage geht es nicht nur um Qualität. Es geht vor allem - mal wieder - um Mentalität.

"Ehrenmänner begleichen ihre Schuld und bleiben", appellierte die Westkurve am Ende des letzten Zweitliga-Heimspiels gegen den 1. FC Heidenheim mit einem großen Spruchband in Richtung der Mannschaft.

Noch hat die FCK-Mannschaft für die kommende Drittliga-Saison wenig Konturen. Viele Planstellen im 25-Mann-Kader sind unbesetzt. Während die Saison ausklingt, stellen sich die wichtigen Fragen längst abseits des Rasens: Wer kommt, wer geht - und wer bleibt? Wer ist ein Ehrenmann? Und wer hat eigentlich die Chance verdient, seine Schuld hier noch zu begleichen?

Auch wenn beide Vereine in Zukunft weiterhin eine Liga trennen wird, so gab es doch erstaunliche Ähnlichkeiten im Saisonverlauf des 1. FC Köln und des 1. FC Kaiserslautern. Eine unterirdische Hinrunde, Trainerwechsel, aufkeimende Hoffnungen in der Rückrunde und dann letztlich doch der Absturz als abgeschlagener Letzter. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass sich einige Blicke von FCK-Anhängern mit leichtem Anflug von Neid in Richtung der Domstadt richteten. Denn dort ging trotz des desolaten Abschneidens ein Ruck durch den Klub. Mehrere Stammspieler, darunter Nationalspieler Jonas Hector und Torhüter Timo Horn, verlängerten ihre Verträge.

Spalvis ist keiner, der "schnell aufgibt"

Welche Profis aus dem aktuellen FCK-Team wären zu einem ähnlichen Schritt bereit? Und welche könnten einen ähnlichen Hype verursachen wie in Köln? Die Antwort lieferte am Montag Lukas Spalvis. "Ich bin kein Typ, der in schwierigen Situationen schnell aufgibt und möchte daher in der kommenden Saison mit dem FCK in der 3. Liga alles dafür geben, unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen", erklärte der litauische Nationalspieler - und unterzeichnete einen Vierjahresvertrag bis 2022. Spalvis, ein Ehrenmann. Die Fans dankten es ihm unter anderem im Forum von Der Betze brennt mit teils euphorischen Kommentaren.

Die Hoffnung lebt und ist berechtigt, dass es dem Angreifer weitere Spieler mit Qualität und Potential nachmachen. Torhüter Marius Müller, in dieser Saison eine der wenigen Konstanten, ließ zumindest durchblicken, sich einen Verbleib vorstellen zu können. Auch Gino Fechner wird wohl bleiben. Benjamin Kessel und Joel Abu Hanna sendeten positive Signale, bei Brandon Borrello bestehen aufgrund dessen tragischer Verletzung plötzlich neue Chancen. Sogar Kaiserslauterns Top-Torjäger Sebastian Andersson schloss eine weitere Saison auf dem Betze nicht aus. Gerade Letztgenannter würde mit seinen bislang elf Saisontoren die bitter benötigte Aufbruchstimmung ordentlich anheizen, erst recht in Verbindung mit einer Offensivabteilung um Spalvis und Halil Altintop, der als erster Spieler schon im Januar seine Treue auch im Abstiegsfall klargemacht hatte.

Mentalität ist und bleibt das Thema

Doch wie verhält es sich mit anderen Spielern? Geht es rein nach der sportlichen Leistung in dieser Saison, müsste die Liste der Wunschkandidaten relativ kurz ausfallen. Klar, die 3. Liga verlangt ein niedrigeres Niveau als das Unterhaus. Und einige Spieler haben eben doch den Eindruck hinterlassen, in der Saison 2017/18 nicht ihr volles Potenzial ausgeschöpft zu haben. Aber könnte das Team in seiner jetzigen Zusammensetzung den Betze-Anhang noch einmal komplett mitnehmen? Wohl kaum, eben weil bei aller Qualität und Klasse eine Frage in Kaiserslautern seit Monaten unbeantwortet scheint: Wie belastbar, wie hungrig, wie gewillt ist diese Mannschaft? Wie sehr identifiziert sich das Team mit dem FCK, seinen Werten und seiner Geschichte - auf dem Platz und nicht im Instagram-Kanal.

Kurz: Die Mentalität ist entscheidend - mal wieder. Spieler ohne entsprechende Einstellung dürften in der 3. Liga noch mehr fehl am Platz sein, als ohnehin schon. Woran aber lässt sich diese Mentalität erkennen? Vielleicht ist der beste Indikator ja doch das Signal, das ein Spieler jetzt senden kann - nämlich indem er bleibt.

Autor: paulgeht

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