Interview mit Aufsichtsratskandidat Bruno Otter

"Meine Erfahrungen können dem FCK zugute kommen"


Bruno Otter gehört zu den vier Unternehmern, die vom ehemaligen Aufsichts­rats­vor­sitzenden Dieter Buchholz unterstützt werden. Im DBB-Interview erklärt der 65-jährige frühere Bankvorstand, warum er dennoch keinen "Lagerwahlkampf" führt.

Der Betze brennt: Bruno Otter, warum muss sich im Aufsichtsrat des 1. FC Kaiserslautern etwas ändern?

Bruno Otter (65): Es muss sich etwas ändern, damit der FCK in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit wieder als Einheit auftritt. Weiterhin halte ich es für unabdingbar, dass sowohl die Mitglieder des Aufsichtsrates als auch die Vorstände einen regionalen Bezug haben und das "Ohr" am Fan, der Mannschaft und dem Umfeld haben. In dieser äußerst angespannten Situation, in der sich der FCK befindet, sollte der Aufsichtsrat mit fachkompetenten und insbesondere erfahrenen Personen besetzt sein

Der Betze brennt: Stellen Sie sich doch bitte kurz vor: Welche beruflichen Erfahrungen und welche persönliche Verbindung zum FCK qualifizieren Sie für ein Amt im zweithöchsten Vereinsgremium?

Otter: Zum ersten Teil der Frage: Ich war und bin seit 45 Jahren im Berufsleben, davon 38 Jahre bei einer Großbank und davon 20 Jahre im Topmanagement, mit Stationen in Frankfurt, Leipzig und München. Danach war ich Geschäftsführer einer Vermögensanlagegesellschaft. Im weiteren Verlauf meiner beruflichen Tätigkeit war ich im Vorstand einer Privatbank. Heute beschäftige ich mich noch mit der Begleitung von größeren Ankäufen/Verkäufen im Immobiliengeschäft und deren Finanzierungen.

Während meiner beruflichen Laufbahn habe und hatte ich mehrere Beirats- und Aufsichtsratsmandate bekleidet, so dass ich die Anforderungen an ein solches Gremium aus eigener Erfahrung bereits kenne. Aufgrund dieser persönlichen Vita und meiner damit verbundenen Kontakte in der Republik glaube ich schon, dass ich dem Verein einen Mehrwert bieten kann.

Und zum zweiten Teil der Frage: Bereits im Alter von vier und sechs Jahren waren meine beiden Töchter zusammen mit mir regelmäßige "Betzegänger". Wir waren damals stolz, Dauerkartenbesitzer auf der Südtribüne zu sein. Ob Köln, Berlin oder Barcelona und Madrid, wir waren dabei.

"Jeder der vier Männer tritt zunächst einmal für sich an"

Der Betze brennt: Sie bringen vor allem im Finanzbereich eine jahrzehntelange Berufserfahrung mit und werben mit guten Kontakten. Welchen konkreten Handlungsbedarf sehen Sie für den FCK in Sachen Finanzen?

Otter: Gemäß dem Sprichwort "ohne Moos nix los" geht es mir darum, mir einmal einen Überblick über die tatsächliche Finanzlage auch Liquiditätslage des Klubs zu verschaffen. Hiernach wird man sehr schnell sehen, welche machbaren Handlungsoptionen es gibt und was kurzfristig umsetzbar ist. Fakt ist, dass nur auf einer soliden Finanzplanung Entscheidungen im sportlichen Bereich getroffen werden können. Egal wie, Priorität für mich hätte, dass im Transferbereich im Winter Schwachstellen der Mannschaft korrigiert werden, damit mit aller Kraft und Macht der Abstieg verhindert wird

Der Betze brennt: Sie sind einer von vier Kandidaten, die vom ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Buchholz gefördert werden (zusammen mit Patrick Banf, Jochen Grotepaß und Wolfgang Rotberg; Anm. d. Red.). Was entgegnen Sie Mitgliedern, die es kritisch sehen, wenn zu viele Kandidaten aus einem Lager in den Aufsichtsrat gewählt würden?

Otter: Wir führen keinen "Lagerwahlkampf", sondern jeder der vier Männer tritt zunächst einmal für sich an. Was wir aber sehr wohl anstreben ist, dass die gebündelte und erforderliche Kompetenz im künftigen Aufsichtsrat vertreten ist. Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang auch, dass die persönliche "Chemie" der Mitglieder eines Gremiums stimmen muss, damit zielgerichtet gearbeitet und entschieden werden kann.

Der Betze brennt: Zwei miteinander verknüpfte Diskussionen sind zurzeit die geplante Ausgliederung und der Einstieg von Investoren. Wie stehen Sie zu diesem Themenkomplex, was die Notwendigkeit, den Zeitplan und die konkrete Umsetzung angeht?

Otter: Ich lebe grundsätzlich nach dem Motto, dass ich Prioritäten setze, um dann fachkompetente und zeitnahe Entscheidungen zu treffen. Für mich sind folgende Zielsetzungen in dieser Reihenfolge wichtig:

Erstens: Alle Kräfte jetzt und heute bündeln - Vorstand, Aufsichtsrat, Fans und wohlgesonnene Menschen - um den Abstieg zu vermeiden.

Zweitens: Ergebnisoffene Gespräche mit möglichen Investoren führen.

Drittens: Die Ausgliederungsfrage ist natürlich substanziell sehr wichtig, muss jedoch gut vorbereitet und mit Argumenten pro und contra in der ganzen Breite des Vereins diskutiert werden.

"Ausgliederungsfrage muss mit Pro und Contra diskutiert werden"

Der Betze brennt: Der noch amtierende Aufsichtsrat versuchte im Kalenderjahr 2017 zwei Mal, einen Sportvorstand zu installieren, scheiterte jedoch mit beiden Anläufen. Wie stehen Sie zu dieser Frage: Braucht der FCK mehr Sportkompetenz - und zwar "ganz oben" im Vorstand?

Otter: Das ist eigentlich für mich eine ganz entscheidende Frage. In der jetzigen Situation und auf Sicht benötigen wir aus meiner Sicht unabdingbar eine deutliche höhere sportliche Kompetenz im Management. Weder unser Sportdirektor noch unser Trainer haben Erfahrungen in der Bundesliga, geschweige denn im Abstiegskampf, wo bekanntermaßen andere Mechanismen greifen. Wir sollten uns umgehend um eine erfahrene und nachweislich erfolgreiche Person für die Position des Sportvorstandes bemühen.

Der Betze brennt: In den letzten Jahren ist beim FCK auf allen Ebenen ein rückläufiger Zusammenhalt spürbar - obwohl genau das den Verein früher so stark gemacht hat. Was würden Sie als Aufsichtsratsmitglied tun, um das Wir-Gefühl und das Miteinander wieder zu stärken?

Otter: Es geht erstens damit los, dass meiner Meinung nach die verantwortlichen Personen im Verein einen regionalen Bezug haben und ihren Lebensmittelpunkt in Kaiserslautern oder der Region haben sollten. Zweitens den Anhängern und Freunden des FCK keine illusorischen Wunschvorstellungen präsentieren und kommunizieren, sondern erreichbare und umsetzbare Ziele nennen, damit die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in die Vereinsgremien wieder hergestellt wird. Drittens einen offenen und regelmäßigen Gedanken- und Informationsaustausch mit den Fangruppen, den Fanbeiräten, den Mitgliedern, der Mannschaft, dem Trainerteam et cetera, et cetera suchen. Und viertens, dass getroffene Entscheidungen nach Diskussionen sowohl vom Vorstand als auch vom Aufsichtsrat gemeinsam nach außen einheitlich kommuniziert werden.

"Fachkompetenz, gesunder Menschenverstand, Sparringspartner"

Der Betze brennt: Wie sieht für sie der perfekte Aufsichtsrat aus - sowohl was die Zusammensetzung der fünf Personen angeht als auch ihre Arbeitsweise in dem Gremium?

Otter: Nachdem der Aufsichtsrat ein Kontrollgremium ist, sollte er fachkompetente und insbesondere erfahrene Damen und Herren, mit einem gesunden Menschenverstand, die den Blick für das "Machbare" haben und die über den "Tellerrand" hinaus schauen können, an Bord haben. Aus meiner Sicht sollte er aber auch als "Sparringspartner" für den Vorstand da sein. Daneben sollte er Türen für interessante Verbindungen öffnen. Die menschliche Seite der Personen ist für mich ebenfalls wichtig. Ich sehe das Gremium als Team, wo jeder in seiner Fachrichtung einen Beitrag zum Erfolg leistet.

Der Betze brennt: In der letzten Frage bitten wir Sie noch mal um eine prägnante Zusammenfassung: Warum sollten die FCK-Mitglieder Ihnen am 03. Dezember ihre Stimme geben?

Otter: Erstens: Weil ich keine Eigeninteressen vertrete, politisch neutral bin und meine langjährige Berufserfahrung auf der Finanz- und Immobilienseite einbringen kann, die bei der derzeitigen Lage des FCK mehr als gefragt sein werden.

Zweitens: Weil ich einen regionalen Bezug seit über 34 Jahren zur Region und unserem FCK habe und mein Lebensmittelpunkt hier ist.

Drittens: Weil ich glaube, dass es mir aufgrund meiner Lebens- und Berufserfahrung gelingen kann, die unterschiedlichen Interessenlagen zusammenzuführen um somit zu helfen, gegenüber den Fans, Mitgliedern und Freunden sowie Sponsoren und Förderern des Vereins wieder eine Aufbruchstimmung und das "Wir"-Gefühl zu entwickeln.

Viertens: Weil ich mit einem gesunden Menschenverstand versuchen werde, den Blick nach vorne zu richten und alles "Machbare und Vertretbare" zu unternehmen, damit der sportliche Abstieg und eventuell drohende Konkurs vermieden wird.

Fünftens: Weil ich bereits durch Mandate in Aufsichts- und Beiräten von großen Immobiliengesellschaften und städtischen Wohnungsbaugesellschaften Erfahrungen in und mit diesen Gremien gesammelt habe, die jetzt in Kombination dem FCK zu gute kommen können.

Der Betze brennt: Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg für die Wahl!

Autor: Thomas

Weitere Links zum Thema:

- Komplette Interviewserie: Die Kandidaten zur Aufsichtsratswahl am 03. Dezember 2017

Kommentare 19 Kommentare | Empfehlen Artikel weiter empfehlen | Drucken Artikel drucken