Neuigkeiten und Pressemeldungen zum 1. FC Kaiserslautern.

Beitragvon MarcoReichGott » 15.11.2020, 22:40


Was man meiner Meinung nach aber auch sieht ist, dass wir sehr viele mittlere Chancen hatten, aber eben wirklich wenige richtig gute Chancen. Da waren alleine ja schon die ganzen Ritter Schüsse Marke "Kann man auch mehr draus machen" dabei, aber auch einige anderen Situationen, die man letztlich nicht sauber hat ausspielen können.

Das war zumindest auch mein Fazit nach dem Spiel: Nach einer schwachen Anfangsphase hatten wir eigentlich sehr guten Zugriff aufs Spiel, haben Magedburg teilweise sogar eingeschnürt. Aber letztlich hats im letzten Drittel einfach mit den LAufwegen nicht optimal gestimmt. Wobei ich hier halt Ritter doch leider zsutimmen würde, dass das eben auch ein Qualitätsproblem letztlich ist.



Beitragvon Olamaschafubago » 16.11.2020, 04:58


Vielen Dank für die wieder Mal in jedem Punkt sehr treffende Analyse.

War bestimmt nicht der einzige, dem spätestens nach dem 1:1 der entsprechende xG-Graph in den Kopf kam. Natürlich fühlt sich das "ungerecht" an, aber so ist Fußball. Interessant wäre zu erfahren, wie oft Spiele mit einer so deutlichen xG-Differenz (1.98 : 0.79) unentschieden ausgehen oder sogar von der Mannschaft mit dem niedrigen Wert gewonnen werden - Magdeburg war in der 85. ja nah dran.

Spielerisch sehe ich auch inzwischen echte Fortschritte und eine Handschrift Saibenes, die sich gar nicht so sehr von Schommers unterscheidet - nur dass bei BS mehr übers Zentrum lief (bzw. nicht lief) als über außen. Da fand ich uns sichtbar verbessert, scheinbar festigen sich da eingeübte Spielzüge. Redondo und auch Hanslik mit mehr Spielanteilen auf ihren Seiten, Hloušek schaltet sich weiter oft mit seinen Flanken ein, nur Hercher kriegt das offensiv leider noch nicht so gut hin wie Schad.

Bei vielen ist dann der letzte Pass zu ungenau oder es wird mit einem schlecht platzieren Schuss abgeschlossen. Deshalb war diesmal auch keine "100%ige" dabei. Als Ritter den zitierten Satz ins Mikrofon gesagt hat, war das wohl als Selbstkritik gemeint. Und bei solchen motorischen Ungenauigkeiten, wo es auch um Muskelkontrolle geht, kann man schon die Frage nach Austrainiertheit und Fitness stellen - ohne das hier zu hoch hängen zu wollen.

Psychologisch ist es vermutlich nicht so klug, nach einem Spiel, wo so vieles besser aussieht als zuletzt, das kollektive Selbstvertrauen der Mannschaft öffentlich anzuzweifeln. Aber natürlich absolut verständlich nach dem enttäuschenden Ergebnis. Von Aufstieg braucht jetzt wirklich keiner mehr zu träumen.

Stimme auch zu, dass Saibene die Mannschaft nicht mit Ideen und Anweisungen überfordert, sondern ganz offensichtlich den Spielern selbst Interpretationsfreiräume zugesteht und das die meiste Zeit von der Bank betrachtet. Das sah bei Schommers gegen Ende nur noch hilflos aus und war eher kontraproduktiv fürs Spielgeschehen.

Der verunglückte Kopfball von Zuck ist auch symptomatisch für uns - eigentlich haben wir genug große Spieler im Kader, dafür aber zu wenig "Lufthoheit". Defensiv haben wir uns diesmal deswegen keinen eingefangen, aber offensiv werden durch diese Schwäche eben auch Chancen vergeben. Das war nicht nur bei Redondos Flanke so, auch bekommen wir trotz inzwischen gut ausgeführten Standards gefühlt fast nie einen Ball auf diese Weise rein - eigentlich das kleine Einmaleins in der dritten Liga.

Aber insgesamt bin ich positiv gestimmt, dass wir bei dieser Entwicklung die Abstiegszone verlassen werden. Und das ist gar nicht sarkastisch gemeint - ich finde den ganzen Spott inzwischen selbst ermüdend - sondern einfach die einzig realistische Zielsetzung für den Rest dieser Saison. Es muss schon jetzt über Verträge für die nächste Saison nachgedacht und geplant werden, falls das mit dem Aufstieg irgendwann noch was werden soll.



Beitragvon Miggeblädsch » 16.11.2020, 09:55


Olamaschafubago hat geschrieben:.....Aber insgesamt bin ich positiv gestimmt, dass wir bei dieser Entwicklung die Abstiegszone verlassen werden. Und das ist gar nicht sarkastisch gemeint - ich finde den ganzen Spott inzwischen selbst ermüdend - sondern einfach die einzig realistische Zielsetzung für den Rest dieser Saison. Es muss schon jetzt über Verträge für die nächste Saison nachgedacht und geplant werden, falls das mit dem Aufstieg irgendwann noch was werden soll.


@Olamaschafubago: Ich stimme deinem Beitrag zu und auch ich sehe durchaus eine Weiterentwicklung unter Jeff Saibene. Trotz der unbefriedigenden Ergebnisse und des Tabellenplatzes. Ich gebe dir auch Recht, dass wir die nächste Saison, falls wir noch eine finanzieren können, rechtzeitig planen sollten.

Deshalb ist es geboten, sich frühzeitig nach einem kompetenten sportlichen Leiter umzusehen, welchem man die wichtige Kaderplanung anvertrauen kann. Solche Leute fallen bekanntlich nicht vom Himmel und ich hoffe sehr, dass Voigt ausreichend vernetzt ist. Wenn nicht, soll er sich beraten lassen. Wir brauchen endlich Kompetenz auf dieser Schlüsselposition und ich hoffe, dass man sich bereits nach einem Fachmann umsieht, welcher sich in Sachen Kaderplanung auskennt.

Es spricht ja nichts dagegen, dass Boris Notzon dem neuen sportlichen Leiter als Chefscout oder "rechte Hand" zuarbeitet, aber die nächste Kaderplanung sollte man jetzt endlich mal einem nachgewiesenen Fachmann in die Hände legen.

Und bevor mir jetzt wieder irgendjemand unterstellt, ich möchte den Boris Notzon verunglimpfen: Hört bitte auf damit. Das ist Schwachsinn. Im Gegenteil: Ich finde ihn eigentlich ganz nett und bin sicher, dass er keiner Fliege etwas antun kann. Möglicherweise ist ja gerade das sein Problem.

Aber es geht jetzt einzig und allein um das Wohl und den Fortbestand des FCK. Und ich weiß nicht, wie viele Chancen zu einer Kaderplanung wir überhaupt noch erhalten werden. Es muss endlich mal einer dabei sein, der funktioniert. Momentan sehe ich den vierten Kader hintereinander, der weder homogen ist, noch funktioniert. Eine fünfte Fehlplanung "mit hoher Qualität" werden wir definitiv nicht mehr überleben. :nachdenklich:
Irgendwann geht's los



Beitragvon F-W-8 » 16.11.2020, 10:09


Olamaschafubago hat geschrieben: Interessant wäre zu erfahren, wie oft Spiele mit einer so deutlichen xG-Differenz (1.98 : 0.79) unentschieden ausgehen oder sogar von der Mannschaft mit dem niedrigen Wert gewonnen werden - Magdeburg war in der 85. ja nah dran.


Laut den angegebenen Wahrscheinlichkeiten lag die Wahrscheinlichkeit für einen Heimsieg, Unentschieden oder Niederlage bei den gegebenen xG-Werten bei jeweils 67, 22 und 11 %.



Beitragvon MarcoReichGott » 16.11.2020, 10:41


Ich bin kein Stochastiker, aber um das mal grob anzureißen: Jede Torchance kann hier als Bernoulli verteilte Zufallsvariable aufgefasst werden, die mit einer Wahrscheinlichkeit p den Wert 1 (Tor) und 0 (Nicht Tor) annimmt. Jede bernoulli verteilte Zufallsvariable hat den Erwartungswert p und die die Varianz p*(1-p). Die expected goals entsprechend nun dem Erwartungswert der Summierung der einzelnen Torchancen. Die Varianz ist bei der sogenannten "verallgemeinerten Binomialverteilung" dementsprehcend auch recht einfach die Summe der einzelnen Varianzen.Sprich: Die Varianz ist dann klein, wenn die Einzelvarianzen der jeweiligen Chancen klein sind, bzw. es nur einzelne Torchancen gab.

Um auf die fußballerische Interpretation zurückzukommen: Wenn ich ich Spiel nur eine einzige Großchance habe, dann geht die halt in den meisten Fällen auch rein. Insofern waren wir nunmal sehr glücklich, dass Mageburg die eine Großchance nicht reingemacht hat, denn in den meisten Fällen sitzt die nunmals. Im Gegenzug saß dafür halt ne Flank im Eck, die im Normalfall da eben nicht reingeht. Sprich: Bei den Wahrscheinlichkeiten würde MAgedburg nunmal meistens 1 Tor Chancen - nur eben im Normalfall aus der Großchance resultierend und nicht aus der Flanke^^

Wir hingegen hatten viele kleinere aber eben auch einige mittelgute Torchancen. Dementsprechend ist zu erwarten, das bei uns eine größere Streuerung auftritt. Im Mittel sollten wir mit den Chancen zwar zwei Tore schießen, aber 0 Tore können da halt genauso mal dabei sein wie 4 Tore.


Aber: Jedes mathematische Modell ist nur so gut wie die Kalibrierung. Sprich: Wenn wir da nun dauerhaft unter den Erwarteten Toren bleiben, dann spricht das nicht zwangsläufig für "Pech", sondern der Fehler könnte auch im Modell sein, z.B. dass die Abschlussstärke unserer Spieler schlichtweg überschätzt wird. DAzu müsst eman aber wissen, wie die Daten eigentlich zu stande kommen, was bei uns aber gerade ne blackbox ist...

Edit:
Ich häng noch ein Beispiel dran:

Stellt euch vor es gibt in einem Spiel genau eine einzige Chance, nämlich einen Elfmeter. Die wahrscheinlichkeit, dass dieser reingeht liegt bei ca. 0,8, also liegt auch die Siegwahrscheinlichkeit bei 80%. Wenn das Team aber stattdessen nun 2 Chancen mit jeweils 0,4 hat, ist die wahrscheinlichkeit, dass beide Chancen daneben gehen (1-0,4)*(1-0,4)=0,36. Die Siegwahrscheinlichkeit beträgt somit nur 64%. Die erwarteten Tore sind im Schnitt immer gleich, aber im letzen Beispiel geht eben öfters mal gar keiner und mal alle beide Chancen rein.

Ich hoffe ich konnte den Zusammenhang zwischen den "Siegchance" und der Qualität und Anzhal der Chancen hiermit etwas verdeutlichen.



Beitragvon YessinetheGreat » 16.11.2020, 11:28


Taktisch gesehen fand ich das Spiel echt gut...

Gegen den Call haben wir erst ab kurz vor der Mittellinie gepresst. Leider haben wir dadurch sehr viel Zeit verloren, da Magdeburg sehr langsam den Ball hin und her gespielt haben. Wenn wir aber dannmal gepresst haben, haben wir uns dadurch ein paar gute Chancen erarbeitet.

Bis zu dem Gegentor hat das Mittelfeld gut funktionniert. Ritter hat ein paar freche Bälle gespielt, Ciftci gute Präzise Balle auf außen (hat leider am Ende des Spiels abgebaut und nur Fehlpässe gemacht).

Die Abwehr fand ich echt solide. Das Gegentor ist sehr bitter und so eigentlich nicht zu verteidigen.

Was mal wieder gefehlt hat war einfach dieser letzte richtige Pass. Viel zu oft hatten wir eine gute Situation und der letzte Pass war unsauber oder überhastet. Da merkt man, dass die Spieler einfach zu viel überlegen und diese Situation gerade sehr belastend ist. Es hilft nichts, das Selbstbewustsein holt man sich nur mit Siegen, deswegen muss jetzt hart gearbeitet werden und bin ich recht zuversichtlich...

Aufsteigen werden wir aber nicht mehr...



Beitragvon F-W-8 » 16.11.2020, 12:15


MarcoReichGott hat geschrieben:

Aber: Jedes mathematische Modell ist nur so gut wie die Kalibrierung. Sprich: Wenn wir da nun dauerhaft unter den Erwarteten Toren bleiben, dann spricht das nicht zwangsläufig für "Pech", sondern der Fehler könnte auch im Modell sein, z.B. dass die Abschlussstärke unserer Spieler schlichtweg überschätzt wird. DAzu müsst eman aber wissen, wie die Daten eigentlich zu stande kommen, was bei uns aber gerade ne blackbox ist...



Die Abschlussstärke der einzelnen Spieler wird überhaupt nicht einbezogen. xG sagt nicht aus ob Pourie den Ball mit einer Wahrscheinlichkeit von x macht sondern ob der Ball mit der Wahrscheinlichkeit von x aus dieser Position unter bestimmten Bedingungen (z.B. die Anzahl und Position der umgebenden Gegenspieler) ins Tor geht.



Beitragvon MarcoReichGott » 16.11.2020, 12:41


Ich mein in einer Erklärung gelesen zu haben, dass es nen Unterschied macht ob da ein Lewandowski steht oder ein Thiele. Aber vielleicht ist die Erklärung auch Mumpitz gewesen oder das gilt für die Berechnungen zur dritte Liga nicht. Wenn du so eine individuelle Komponente nicht drinnen hast, dann verändert sich die Interpretation natürlich und die Differenz zwischen erwarteten und tatsächlichen Toren ist vielmehr ein Maß fpür die individuelle Qualität im Abschluss. Ein Robben trifft halt bekanntlich aus SItuationen aus denen andere nicht treffen...



Beitragvon harryyy » 16.11.2020, 14:20


Ich will hier mal ein Kompliment und eine Danke an Eric Scherer loswerden:

Obwohl ich generell mit Taktik-Diskussionen eigentlich wenig am Hut habe, finde ich die Aufbereitung hier echt gelungen und erhellend !
Und die Überschriften treffen auch oft ins Schwarze!
Top !



Beitragvon F-W-8 » 16.11.2020, 14:25


MarcoReichGott hat geschrieben:Ich mein in einer Erklärung gelesen zu haben, dass es nen Unterschied macht ob da ein Lewandowski steht oder ein Thiele. Aber vielleicht ist die Erklärung auch Mumpitz gewesen oder das gilt für die Berechnungen zur dritte Liga nicht. Wenn du so eine individuelle Komponente nicht drinnen hast, dann verändert sich die Interpretation natürlich und die Differenz zwischen erwarteten und tatsächlichen Toren ist vielmehr ein Maß fpür die individuelle Qualität im Abschluss. Ein Robben trifft halt bekanntlich aus SItuationen aus denen andere nicht treffen...


Auch bei mir gilt natürlich ohne Gewähr aber ich bin mir sehr sicher, dass die individuelle Qualität nicht mit einbezogen wird. Das ergibt sich in meinen Augen schon aus der wahrscheinlich fehlenden Datenmenge für jeden Punkt auf dem Feld (für die xG werte wird das Feld in viele gleichgroße Felder unterteilt für die jeweils die Wahrscheinlichkeit errechnet wird aus der Menge der vorhandenen Versuche) für jeden Spieler. Lewandwoski hat zum Beispiel vielleicht aus 50 von 100 möglichen Positionen geschossen und Ibra aus 66. Zudem hat er aus Feld B vll. einmal geschossen aus Feld C aber 80 mal. Auch wenn es natürlich eine Fehlerquelle sein kann die individuelle Fähigkeit nicht zu berücksichtigen, wird die Wahrscheinlichkeit durch die viel größere Datenmenge, durch das Mitteln aller Spieler verschiedenster Qualität, getragen.



Beitragvon Olamaschafubago » 16.11.2020, 15:17


@F-W-8: Vielen Dank für den Hinweis, ich hab das total übersehen, obwohl es dick oben drüber steht...
Schon auffällig wie oft wir Spiele nicht gewinnen, die wir nach xG-Analyse zum Teil mit über 50%er Wahrscheinlichkeit gewinnen müssten.

Auch danke @MarcoReichGott für deine schlüssigen Ausführungen, die meiner Meinung nach erklären, warum es eben nicht nur (aber sicher auch) "Scheiße am Schuh" ist, sondern auf den letzten Metern vor dem Tor, sei es letzter Pass oder Torschuss, eine Schwäche, die andere Vereine nicht haben. Ob das jetzt an mangelndem Können oder irgendeiner psychischen Barriere liegt, kann ich nicht beurteilen, aber das Problem zieht sich nach meinem Empfinden auch schon über mehrere Spielzeiten. Gefühlt lassen wir seit Jahren mehr "Hundertprozentige" liegen als wir rein machen.

@Miggeblädsch: Ich tu mich schwer damit, den schlechten Saisonverlauf bisher Notzon zuzuschieben. Wenn der Trainer nach dem ersten Spiel auf die Lichtung gestellt und nach der darauf folgenden Mannschaftsreaktion entlassen wird, dann braucht es ein paar Spieltage, bis der Scherbenhaufen wieder zusammengekehrt ist. Unter den widrigen Umständen der Planinsolvenz und Pandemie hat er mindestens vier Verstärkungen an Land gezogen. Dass sich Pick und Kühlwetter quasi rausgestreikt haben, kann man ihm meiner Meinung nach auch nicht anlasten (und den beiden auch nicht wirklich).

Dennoch ist mir klar, dass das seine letzte Saison in dieser Position bei uns sein wird, wenn wir nicht zumindest um den Aufstieg mitspielen. Da muss unterm Strich, d.h. am Saisonende, etwas dastehen, das zu seinen vollmundigen Ankündigungen passt. Und da es momentan nicht so aussieht, wäre es richtig, sich schon jetzt auf dieser Position umzusehen. Der Job erfordert neben sportlicher Kompetenz auch eine starke Überzeugungskraft und ein über Jahre gewachsenes Netzwerk in der Branche. Man kann nur hoffen, dass SOV da einen Plan in der Hinterhand ist, der nicht Sforza oder Briegel heißt. Schork hat ja leider gerade erst bei Madgeburg unterschrieben.



Beitragvon MarcoReichGott » 16.11.2020, 15:41


F-W-8 hat geschrieben:Das ergibt sich in meinen Augen schon aus der wahrscheinlich fehlenden Datenmenge für jeden Punkt auf dem Feld (für die xG werte wird das Feld in viele gleichgroße Felder unterteilt für die jeweils die Wahrscheinlichkeit errechnet wird aus der Menge der vorhandenen Versuche) für jeden Spieler. Lewandwoski hat zum Beispiel vielleicht aus 50 von 100 möglichen Positionen geschossen und Ibra aus 66.


In einem solchen Modell trifft man immer vereinfachende Annahmen. Ob Lewandowski nun von links oder rechts schießt würde die Sache natürlich genauer machen, aber schon die Betrachtung seiner Tore/Chancen unterteilt nach Fernschuss/im 16er und Kopfball dürfte ausreichen um die Prognosefähigkeit des Modells deutlich zu verbessern. Sprich: Man kombiniert die allgemeinen xG Werte eben mit nem individuellen Faktor. Für die erste Liga sollte sowas auch problemlos möglich sein, aber ich bezweifel halt auch, dass es für Drittligaspieler solch detaillierten Informationen gibt.



Beitragvon kl_trott » 16.11.2020, 17:31


Ich finde diese Aufbereitungen total interessant. Das ist natürlich immer nur ein Teil der Wahrheit, aber ich finde, die Beobachtungen, die man Spiel für Spiel machen kann, werden durchaus bestätigt.

Die Grundordnung ist soweit gefunden. Jetzt müssen wir insgesamt noch die Abstände etwas geringer halten und dann mit dem ganzen Tross weiter aufrücken und auf diese Weise Druck ausüben, sodass die 4 Offensiven ein bisschen mehr Kräfte für das konzentriertere Spiel mit dem Ball haben.
Momentan finde ich es auch angebracht, nicht bereits am Sechzehner beim Gegner zu pressen; Pourie und Ritter bringen dafür den Speed nicht mit und sind ja seit Wochen beide auch nicht bei 100% Fitness, wie man zwischen den Zeilen immer wieder rauslesen kann.

Trotzdem sind beide eine Bank, auch Redondo ist die letzten Spiele gut in Form. Rechts, da hapert es noch ein wenig, auch wenn Hanslik sich inzwischen besser in die Rolle reingespielt hat und vor allem die Defensivarbeit beachtlich macht. Nur leider bringt er im Gegensatz zu Redondo die Flanke nicht rein, da der Ball zu oft auf dem falschen Fuß liegt. Das nimmt leider immer wieder die Geschwindigkeit raus.

Nur hier finde ich es spannend, wie und ob die gelernten Rechtsaußen Kleinsorge und Skarlatidis angreifen können (beide ja bewiesenermaßen drittligatauglich). Eigentlich wäre Skarlatidis der spielerische Gegenpart zu Redondo, nämlich einer, der sowohl Kurzpass als auch mal flanken kann. Wer weiß warum er in den letzten Wochen nicht zum Zug kommt.
Hanslik mal als Joker für Pourié oder Ritter in der zweiten Halbzeit hätte schon seinen Charme... Zuck momentan auch ein guter Joker, Sessa hätte es vielleicht werden können - nur wann kommen die beiden Rechtsaußen in Fahrt?

Wir haben vergleichsweise auch in der Breite einen qualitativ wettbewerbstauglichen Kader, das ist nicht von der Hand zu weisen. Da ist momentan viel Kopfsache im Spiel... Und die zwei Rechtsaußen im Kader lassen sich den Startelfplatz von einem gelernten Mittelstürmer abnehmen, das würde mir an deren Stelle stinken ohne Ende..



Beitragvon Alex76 » 16.11.2020, 23:54


Die Analyse stützt meine gefühlte Einschätzung vom Spiel. Ich fand positiv, dass man aus der zweiten Reihe geschossen hat. Zwar kein Schussglück gehabt, aber immerhin ein gefühlter Unterschied zum letzten Jahr. Vielleicht hätte man noch bessere Schusspositionen ausspielen können gegen einen defensiven Gegner. Das wirkte eher passiv.

Das Gegentor aus dem Nichts war Pech. Irgendwann wird sich dies wieder umkehren. Die letzten drei Heimspiele haben gezeigt, dass man sich im Heimspiel stark verbessert hat. Endlich wieder in jedem Spiel ein Chancenplus erspielt. Was wahrscheinlich in der 3.Liga nicht ausgewertet wird ist die Packing Rate:

Packing ermittelt, wie viele Verteidiger ein Spieler überspielt. Der Gedanke: Ein Fußballer, der – ob durch Pass oder Dribbling – an vielen Gegnern vorbeikommt, ist ein guter Spieler. Diese Qualität kann Packing messen. Für den Wert spricht eine hohe Erfolgsrate: Laut den Packing-Schöpfern soll das Team, das in einem Spiel besser „packt“, mit einer Wahrscheinlichkeit von 86 Prozent punkten.



Beitragvon F-W-8 » 17.11.2020, 08:50


MarcoReichGott hat geschrieben:
In einem solchen Modell trifft man immer vereinfachende Annahmen. Ob Lewandowski nun von links oder rechts schießt würde die Sache natürlich genauer machen, aber schon die Betrachtung seiner Tore/Chancen unterteilt nach Fernschuss/im 16er und Kopfball dürfte ausreichen um die Prognosefähigkeit des Modells deutlich zu verbessern. Sprich: Man kombiniert die allgemeinen xG Werte eben mit nem individuellen Faktor. Für die erste Liga sollte sowas auch problemlos möglich sein, aber ich bezweifel halt auch, dass es für Drittligaspieler solch detaillierten Informationen gibt.


Was ich leider auch nicht weiß aber interessant wäre ist ob die Lage des Balls im Raum abgebildet wird oder eben nur als zweidimensionaler Punkt. Es spielt sicherlich auch eine Rolle ob man den Ball vom 11er nach einer Flanke aus dem zweiten Stock á la CR7 aufs Tor köpft oder á la Opara flach am Tor vorbei schießt. Hierfür müsste man auch keine wirklichen individuellen Faktoren einbeziehen und hätte trotzdem ein differenzierteres Bild. Unterm Strich bin ich großer Fan solcher Statistiken, man muss sich aber wie jetzt schon mehrfach auch in den Berichten erwähnt, den Schwächen bewusst sein um zu den richtigen Sch(l)üssen gelangen zu können.



Beitragvon teldix » 17.11.2020, 11:13


Olamaschafubago hat geschrieben:Vielen Dank für die wieder Mal in jedem Punkt sehr treffende Analyse. [...]
Spielerisch sehe ich auch inzwischen echte Fortschritte und eine Handschrift Saibenes, die sich gar nicht so sehr von Schommers unterscheidet - nur dass bei BS mehr übers Zentrum lief (bzw. nicht lief) als über außen. Da fand ich uns sichtbar verbessert, scheinbar festigen sich da eingeübte Spielzüge. Redondo und auch Hanslik mit mehr Spielanteilen auf ihren Seiten, Hloušek schaltet sich weiter oft mit seinen Flanken ein, nur Hercher kriegt das offensiv leider noch nicht so gut hin wie Schad. [...]


Schöne Analyse. Ich möchte mich sogar noch weiter aus dem Fenster lehnen und behaupte, dass sich der Stil im Allgemeinen gar nicht unterscheidet, die Spieler nur langsam anzukommen scheinen, sich einspielen und ihr Vermögen mal zeigen (Redondo und Ritter haben kaum gespielt in den Saisons zuvor, Kleinsorge hat sich in der Vorbereitung verletzt, Winkler war sicherlich auch gesetzt, Ciftci viel mehr Selbstvertrauen hat seit seinem Tor, ...) Solange wir nicht mehr verlieren, sehe ich noch alles realistisch :P

Alex76 hat geschrieben:Die Analyse stützt meine gefühlte Einschätzung vom Spiel. Ich fand positiv, dass man aus der zweiten Reihe geschossen hat. Zwar kein Schussglück gehabt, aber immerhin ein gefühlter Unterschied zum letzten Jahr. Vielleicht hätte man noch bessere Schusspositionen ausspielen können gegen einen defensiven Gegner. Das wirkte eher passiv. [...]

Die meisten der Schüsse hätte man aber lieber gelassen - bei der Zielgenauigkeit :D



Beitragvon ExilDeiwl » 17.11.2020, 17:17


Großes Kino, diese Diskussion hier, ganz ernsthaft! Sowohl die XG-Analyse von Eric Scherer als auch die folgenden Beiträge. Mein Highlight hier die stochastischen Erläuterungen von @MarcoReichGott! :daumen: Hätte ja deutliche Einwände von fachfremden Forumsteilnehmern erwartet, die aber glücklicherweise ausgeblieben sind. :)



Beitragvon Kohlmeyer » 23.11.2020, 10:45


Diesmal haben uns die xG-Grafiken leider nicht rechtzeitig erreicht, wir werden sie ggf. später nachliefern. Hier kommt derweil schonmal unsere Spielanalyse gegen Halle:

Bild
Foto: Imago Images

Taktik-Nachlese zum Spiel HFC-FCK
Taktikananalyse: Wo geht's raus aus der Endlosschleife?


Und noch ein Remis. Auch in Halle kämpft der 1. FC Kaiserslautern vergeblich gegen den Fluch des Murmeltiers. Und solange der nicht besiegt ist, wird's wohl nichts mehr mit drei Punkten - wetten?

Zu dumm. Mit einem Verweis auf den Zeitschleifen-Klassiker "Und täglich grüßt das Murmeltier" sind wir diese Saison schon einmal in eine Analyse eingestiegen. Eine Wiederholung verbietet sich da, so sehr sie nach diesem neuerlichen 1:1 auch angezeigt wäre. Denn das Murmeltier grüßt nun nach dem bereits siebten Unentschieden im zehnten Spiel. Was nun?

In der "Netflix"-Serie "Matrjoschka" wird die Zeitschleifen-Idee mittlerweile im Serienformat durchgekaut - passt das nicht irgendwie besser nach Lautern? Geschenkt. Darüber hinaus existiert bereits eine Actionfilm-Variante des Stoffs, und mit Ulrich Tukur hat sogar schon ein "Tatort"-Kommissar gegen den Fluch der ewigen Wiederholung des Immergleichen gekämpft. Gemein haben all diese Geschichten, dass die Hauptfigur erst ein Problem bei sich selbst lösen muss, ehe sie sich aus der Zeitschleife befreien kann. Dieses aber muss erst einmal erkennen muss.

Was also ist das Problem des FCK?

Erstmal das Positive: Die Anfangsphase, Bachmann, Ciftci

Kommen wir erst einmal zu den Dingen, die gut waren in Halle. Als da wären: die ersten 25 Minuten. Da haben die Roten Teufel ein fast perfektes Auswärtsspiel gezeigt gegen einen Gegner, der sich durchaus reingehauen hat in diese Partie. Zum Teil gut geordnetes Angriffspressing praktizierte, aus dem sich die Mannschaft von Jeff Saibene jedoch immer wieder auch spielerisch befreite.

Auch dank eines Innenverteidigers namens Janik Bachmann, der erst kurz vor Anpfiff in die Startelf gerutscht war, weil sich Kapitän Carlo Sickinger beim Aufwärmen verletzt hatte. Im FCK-Dress war dies Bachmanns erster Einsatz in der hinteren Reihe. Er meisterte die ungewohnte Aufgabe erstaunlich gut. Respekt.

Für die meist diagonalen Pässe, mit denen sich FCK in dieser Phase immer wieder vielversprechend befreite, zeichnete in der Regel Hikmet Ciftci verantwortlich. Er leitete mit einem solchen Ball auch den Führungstreffer ein, in dem er von der rechten Seite lang und quer auf den in den Strafraum einlaufenden Adam Hlousek passte, der wiederum direkt in die Mitte ablegte, wo Kenny Redondo vollstreckte. Ein fast exaktes Spiegelbild der Treffers, den der FCK in der Woche zuvor gegen Magdeburg erzielte: Da flankte Hlousek von links, Marlon Ritter legte ab, Marvin Pourié traf. Da scheinen sich nun tatsächlich langsam die "Automatismen" auszubilden, von denen immer so viel geredet wird.

Verspielte Führungen: Nach hinten raus kommt nichts mehr

Aber das war's auch schon mit den guten Dingen. Auch wenn Redondo und, nach dem Ausgleich, der eingewechselte Mohamed Morabet noch zwei allerbeste Einschussgelegenheiten zu einem zweiten Treffer hatten: Mit zunehmender Spieldauer wurde das FCK-Spiel unkonzentrierter, ungenauer, fahriger.

Eben das ist das Problem, das Jeff Saibene in den Griff kriegen muss: der Leistungsabfall, der sich innerhalb der 90 Minuten einer Partie vollzieht.

Ein Phänomen, das sich auch an den nackten Ergebnissen festmachen lässt. Einen Rückstand aufzuholen, gelang dem FCK nur bei den beiden Unentschieden an den Spieltagen 3 und 4, in Wiesbaden und gegen Mannheim. Anschließend gab's drei Remis, bei denen das Team eine Führung nicht zu behaupten vermochte - gegen Ingolstadt und Magdeburg, nun in Halle. Dazu zwei Nullnummern bei den kleinen Bayern und gegen Rostock. Eine Niederlage in Meppen, bei der die Mannschaft zwar zwei Rückstände egalisierte, sich aber kurz vor Schluss noch den Fangschuss verpassen ließ. Und einen Sieg, bei dem die Mannschaft bereits eine Führung abgegeben hatte, ehe dann, ein wenig überraschend, der bislang einzige Saisonerfolg glückte.

Nach hinten raus scheint der FCK also nicht mehr zulegen zu können.

Stark anfangen, stark abbauen: Das Beispiel Marlon Ritter

Was insofern nicht wundert, als dass gerade Spieler, die als Leistungsträger gebraucht werden, mit zunehmender Spieldauer immer wieder abfallen. Zum Beispiel Marlon Ritter. Der Neuzugang ist als Zehner und Mann für überraschende Aktionen auf engem Raum im Grunde alternativlos, solange Nicolas Sessa ausfällt. Ein feiner Techniker, der in dieser Liga vor zwei Jahren den SC Paderborn zum Aufstieg rockte. Seit er in Lautern ist, spielt er regelmäßig starke erste Hälfen, baut dann aber zusehends ab. Die Partie in Halle war die fünfte in Folge, in der ihn der Trainer vorzeitig vom Platz nahm. Gleiches gilt für Ciftci, als Taktgeber aus dem hinteren Mittelfeld ebenfalls ein weit überdurchschnittlicher Drittligaspieler, im Lauf eines Spiels aber meist genauso stark abfällt, wie er angefangen hat.

Woran das liegt? "Konditionelle Mängel"? Obacht: Ein solcher Vorwurf zählt zum Schlimmsten, was man sportlich Verantwortlichen unterstellen darf. Und wer keinen Zugriff auf die Fitnesswerte des Personals hat, sollte ihn unterlassen. Aber was könnte es sonst sein? Konzentrationsschwierigkeiten? Oder fehlt es Einzelnen doch am Spirit, an Mentalität?

Zudem musste in Halle wieder einmal ein Gegentreffer nach einer Standardsituation verzeichnet werden. Der Darstellung der Sportredaktionen, es wäre bereits der neunte in dieser Spielzeit gewesen, hat Jeff Saibene unmittelbar nach dem Spiel widersprochen. Die Elfmetertreffer, die sein Team bislang kassierte, könne man da nicht dazu zählen. Recht hat er, denn die offenbaren ja keine Schwächen beim Abwehren von ruhenden, meist hohen Flugbällen, die es ja eigentlich anzuprangern gilt.

Die Mär von den neun Standard-Gegentoren - ein Tipp aus Stuttgart

Also dröseln wir mal genauer auf. Von den neun Standardtreffern abzuziehen wären zwei Elfmetertore, keine drei, wie Saibene zunächst tippte. Kassiert hat sie der FCK in Wiesbaden und bei Türkgücü. Den sich unhaltbar ins lange Eck drehenden Flugball nach einer kurzen Ecke im Magdeburg-Spiel kann man - Schütze Andreas Müller möge verzeihen - getrost als Sonntagsschuss bezeichnen und unter "Shit happens" ablegen.

In Wiesbaden dagegen war's ein Schuss aus dem Rückraum, nachdem Marius Kleinsorge nach einer bereits abgewehrten Ecke ein Stockfehler unterlaufen war. Gegen Dresden, in Meppen, in Zwickau, gegen Magdeburg und nun gegen Halle dagegen fielen vier Gegentore unmittelbar nach Ecken, ein weiterer, der in Meppen, nach einer Freistoßflanke. Und drei davon fielen in den letzten drei Spielen in Folge.

Auch wenn die Zahl "9" also tatsächlich nicht stimmt - das ist zu viel. Da muss dringend etwas geschehen.

Wie diktierte Christoph Baumgartner, Kicker des VfB Stuttgart, am Samstag so schön in die TV-Kameras? Sein Team habe in der zweiten Hälfte der Partie gegen Hoffenheim (3:3) "das Herz in die Hand genommen und Eier gezeigt". Das wär vielleicht ein Anfang, aber bildlich vorstellen mag man sich das jetzt auch nicht. Umgekehrt schon gar nicht.

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Neu auf DBB | Grafiken sagen nicht alles, aber viel: Die Taktikanalysen von den FCK-Spielen



Beitragvon 1:0 » 23.11.2020, 11:33


Unentschieden haben unter Fußballern eine manisch-depressive Deutung:
Führt man und spielt nur Unentschieden, ist die Mannschaft einfach zu schlecht und unhungrig, um die Führung zu behaupten.
Liegt man zurück und spielt Unentschieden, zeugt das vom guten Charakter und dem "Nie-Aufgeben!!!".
Beide Deutungen sind im Prinzip Quark, denn unentschieden ist 1 Punkt und sonst nix.

Und mir persönlich ist auch egal, wann die Gegentore fallen und wann die Mannschaft konditionell (mental) abbaut. Tatsache ist und bleibt: Führt man gegen Halle, Magdeburg und Co. 2:0 oder 3:0, sind mäßige Gegner gebrochen.
Ja, ein oder mehrere Baumgartner könnten wir dringend gebrauchen. Auf und neben dem Platz.



Beitragvon jones83 » 23.11.2020, 12:36


Sehe das auch so. Wenn Redondo vor der Pause das 2:0 macht, ist der Drops gelutscht. Oder Morabet seine Direktabnahme auf‘s Tor bringt...
Wir spielen einfach viel besser als unter Schommers. Nur die Chancenverwertung ist halt schlimm. Aber gerade die Neuzugänge wie Redondo, Ritter und Hanslik haben noch sehr viel Potential. Wenn die mal nen Lauf kriegen, spült es uns automatisch auch nach vorne in der Tabelle.

Im übrigen bin ich der Ansicht, dass Gerry Ehrmann unbedingt zurückgeholt werden muss! :!:



Beitragvon Erklärbär » 23.11.2020, 20:10


Mich würde es mal freuen, wenn wir defensiv mal zu Null spielen.
Einfach mal souverän 2:0 oder 3:0 gewinnen.

Diese dämlichen Gegentreffer abstellen.
Zu den Elfmetern: Klar, keine Standards.
Aber sind die nicht auch ein Hinweis auf Probleme in der Defensive?

Bekommen wir nicht auch eher in Halbzeit 2die Gegentor?



Beitragvon Kohlmeyer » 27.11.2020, 11:31


Anbei die Taktikanalyse gegen Lübeck und im Startbeitrag findet Ihr wie üblich das Inhaltsverzeichnis der gesamten Saison:

Taktik-Nachlese zum Spiel FCK-VfB
Taktikanalyse: Die Macht der großen Momente


Nein, sie haben sich nicht "belohnt", sie haben sich den Sieg auch nicht irgendwie "verdient", sie haben schlicht und ergreifend gewonnen. Dergleichen ist gar nicht mal so selten vor in der 3. Liga. Nur halt nicht beim 1. FC Kaiserslautern.

Schon nach 57 Minuten kommt Hendrick Zuck für Marius Kleinsorge, und Philipp Hercher muss Anil Gözütok weichen. Jeff Saibene tauscht also seine rechte komplette Seite aus. Ein Doppelwechsel nach nur 57 Minuten, das lässt vermuten, dass der Trainer gar nicht zufrieden ist. In der Tat ist bei beiden nicht viel zusammengelaufen.

Doch der in der Schweiz sozialisierte Luxemburger bleibt hinterher Diplomat: Hercher hätten muskuläre Probleme geplagt und Kleinsorge habe lange nicht gespielt, da dürfe man nicht so streng sein. Immerhin: Dass dies insgesamt kein gutes Spiel des FCK war, räumt Saibene schon ein. Das heißt, so richtig auch nicht. Er sagt nur, dass seine Mannschaft zuletzt zwar viel besser gespielt, aber eben nicht gewonnen habe. Insofern habe man sich diesen 1:0-Sieg gegen den VfB Lübeck zwar vielleicht nicht unbedingt in dieser Partie, aber in den Wochen zuvor verdient. Kann man so sehen.

Nur drei gute Tor-Aktionen, die aber waren richtig gut

Wir sagen es lieber so: Die Roten Teufel haben dank einiger weniger starker Momente einen Gegner besiegt, der über 90 Minuten ein funktionierendes Kollektiv war. Diese Momente aber waren richtig gut. Das 1:0 etwa: Balleroberung an der Mittellinie, der ewig unterschätzte Zuck spielt einen seinen typischen Pässe: keinen, nach dem der Anhang "genial" schreit, einen geistesgegenwärtigen, präzisen und zweckdienlichen, zum ebenfalls eingewechselten Marlon Ritter. Der wiederum rechnet den Laufweg des im richtigen Moment startenden Kenny Redondo exakt voraus. Redondo erläuft sich den Pass in die Box, behauptet ihn gegen Lübecks Keeper Lukas Raeder, legt auf Ritter zurück - drin.

Oder die Szene vor der Pause: Langer Ball von Keeper Avdo Spahic auf die linke Seite - weshalb er die in diesem Spiel gleich mehrmals gesucht hat, ist nicht so ganz klar geworden, hatte das Trainerteam da bei der Spielvorbereitung eine Lübecker Schwäche ausgemacht? Jedenfalls sichern Adam Hlousek, Marvin Pourié und Elias Huth den Ballbesitz, und Pourié timt einen Diagonalball, den man schon eher "genial" nennen könnte in den Lauf des durchstartenden Kleinsorge - dessen Schieber ins lange Eck kratzt VfB-Kapitän Tommy Grupe gerade noch so von der Torlinie.

Guck an: Unter Saibene ist Lauterns Abwehr die zweitbeste der Liga

Würden dem FCK pro Halbzeit drei Aktionen dieser Güte gelingen - man könnte sich als Anhänger fast entspannt zurücklehnen, denn zwei bis drei Treffer pro Partie wären dann so gut wie sicher. Zumal so stabil, wie der Defensivverband mittlerweile steht, kaum Gegentore zu erwarten sind. Janik Backmann war auch bei seinem zweiten Einsatz in der Innenverteidigung im FCK-Dress eine Bank. In den nunmehr zehn Spielen unter Jeff Saibene hat die Mannschaft bislang nur zehn Treffer kassiert. Das bedeutet, gemeinsam mit Rostock und Dresden, Rang 2, in einer mal hypothetisch angelegten "Saibene"-Tabelle, die nur die Gegentore in Partien nach dem 3. Spieltag listet. Lediglich der KFC Uerdingen hat in diesem Abschnitt noch ein Tor weniger hinnehmen müssen.

Leider aber waren die starken Momente in dieser Partie zu dünn gesät, als dass man sie hätte genießen können. Der Gegner hatte genauso wenige, dafür aber auch gute Gelegenheiten. Wie die Lautrer durch Redondo verzeichnete er einen Pfostenschuss durch Soufian Benyamina, und weshalb die Aktion des gleichen Stürmer gegen Gözütok nach 59 Minuten ein Stürmerfoul gewesen sein soll, wird das Geheimnis von Schiedsrichter Florian Exner bleiben. Stattdessen hätte sich über eine Elfmeterpfiff gegen Lautern wohl niemand gewundert.

Immerhin: Nach xG's liegt Lautern leicht vorne

Die Timeline der "expected Goals" bestätigt diesen Eindruck:



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In der Endabrechnung stehen sich Gesamtwerte von 0.82 : 0.72 gegenüber. Das ist für beide Seiten erbärmlich, aber immerhin zeigt die Darstellung den FCK sogar leicht im Vorteil. Wer also partout "verdiente" Sieg, kann sich diesen daraus ableiten.


Unterm Strich aber waren im FCK-Spiel aber so wenig Offensivaktionen wie lange nicht mehr zu sehen. Womit sich auch der Einbau von Elias Huth in die Startelf nicht unbedingt ausgezahlt hat. Ihm gelang einmal mehr nicht viel doch der Trainerdiplomat hatte auch für den weiterhin glücklosen Stürmer nette Worte übrig: Huth habe dafür, dass er seit Wochen nicht mehr gespielt hatte, seine Sache "gut gemacht", sei "viel gelaufen" und "präsent" gewesen - nun ja, im Strafraum eigentlich nicht.


Dass mit Huths Hereinnahme auf dem Papier aus dem zuletzt bevorzugten 4-2-3-1 ein 4-4-2 wurde, ist dabei zunächst mal unerheblich. Gegen den Ball operieren die Lautrer ohnehin immer in einem 4-4-2. Und sie blieben auch in dieser Partie dabei, ihre beiden vorderen Spieler vor der Mittellinie warten zu lassen, bis der Gegner das Leder auf die Seite spielt, erst dann wird attackiert. Wenn der Gegner sich damit allerdings Zeit lässt, wird's bisweilen ganz schön langweilig im leeren Stadion.

Beim Tor stand nur ein Stürmer auf dem Platz

Was das Spiel mit dem Ball angeht, stellt sich die Frage, ob es nicht vielleicht der fehlende Zehner war, der mehr Tor-Aktionen hätte heraufbeschwören können. Die Positions- und Passgrafik jedenfalls zeigt ein im schön geordnetes 4-4-2 mit gleichmäßiger Ballverteilung. Nach vorne ging dennoch nicht viel.

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Im Vergleich dazu die Positions- und Passgrafik der Lübecker: Schöne Grundordnung mit Dreierkette, ebenfalls eine schön gleichmäßige Passkommunikation, aber mehr Ballbesitz als Lautern. Verloren haben sie dennoch.



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Gegen Saarbrücken Rückkehr zu einem Stürmer?


"Das Tor haben wir gemacht, als wir nur einen Stürmer auf dem Platz hatten", stellte Jeff Saibene hinterher fest, "und das war in vergangenen Wochen auch schon so." Was andeuten könnten, dass der Trainer am Sonntag wieder zum 4-2-3-1 zurückkehren könnte, wenn es zum Derby nach Saarbrücken geht.

Zum Lokalrivalen, dem Aufsteiger, der gegenwärtig von der Tabellenspitze grüßt. Und der, davon kann man getrost ausgehen, ebenfalls das besser funktionierende Kollektiv stellen wird - insofern dürfte Lübeck ein guter Gegner zur Vorbereitung gewesen sein. Pourié & Co. müssen also einmal mehr auf wenige, dafür aber starke Momente setzen. Ein paar mehr als am Mittwoch dürfen es dennoch sein.

Spannend wird auch sein, ob Anil Gözötuk erstmals als rechter Verteidiger in der Startelf steht. Jeff Saibene hat sich am Mittwoch sehr lobend über den 20-Jährigen geäußert, und Herchers muskuläre Probleme sind bis Sonntag möglicherweise noch nicht abgeklungen.

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Neu auf DBB | Grafiken sagen nicht alles, aber viel: Die xG-Analysen von den FCK-Spielen



Beitragvon MarcoReichGott » 27.11.2020, 12:52


Was meiner Meinung nach doch auffällig ist, sind die Passwege von Rieder. Diese gehen zum Großteil nur auf die AVs. Das ist einfach beim ihm alles sehr horizontal ausgelegt. Gleichzeitig kleben auch LM und RM eher auf ihren Linien.

So stark Rieder hier defensiv als 6er auch ist, so schwach sind seine Akzente im Offensivspiel. Meiner Meinung nach müssen wir einfach mit RIeder als 6er zwingend zwei weitere offensiv denkende Leute im Zentrm haben. Alternativ würde ich Rieder gerne weiter hinten sehen (RV statt Hercher würde sich gerade anbieten) und es im Mittelfeld dochmal mit Sickinger und Ciftci probieren.



Beitragvon Kohlmeyer » 01.12.2020, 11:00


Zunächst ohne xG-Grafiken (diese wurden untendrunter am 02.12. nachgereicht) kommt hier die taktische Analyse vom Derby in Saarbrücken:

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Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis

Taktik-Nachlese zum Spiel FCS-FCK
Taktikanalyse: Saibenes Matchplan geht auf - fast


1:1 im Lokalderby. Wie wollen wir es werten? Negativ, wegen des ärgerlichen späten Ausgleichs? Oder doch wohlwollend, weil es einen Punkt beim Tabellenführer bedeutet - und eigentlich ja auch "gerecht" war? Schau'n mer mal.

Sehen wir einfach mal davon ab, uns für eine Gemütslage entscheiden zu müssen. Und sagen: Jeff Saibenes Matchplan wäre ums Haar aufgegangen. Weil er sich konsequent an der nüchternen, für viele bitteren Realität orientierte und erst gar nicht versuchte, den Gelüsten derer gerecht zu werden, die einen Lokalrivalen in einer Art offener Feldschlacht besiegt sehen wollen, gegebenenfalls sogar anführen, der Gegner sei zwar zufällig gerade mal Tabellenführer, aber halt doch nur ein "Aufsteiger".

Nur mal so zum Drüber-Nachdenken: "Aufsteiger" in die 3. Liga behaupten sich schon seit Jahren fast immer gut - was auch zutrifft, wenn man den Sonderfall Bayern München II außer acht lässt. Die wenigsten steigen direkt wieder ab. Vergangene Saison hielten sich am Ende drei von vier in der Klasse, in der Spielzeit davor drei von drei, aktuell stehen drei von vier in der oberen Tabellenhälfte. Andererseits ist seit 2016 keinem Zweitliga-Absteiger mehr der direkte Wiederaufstieg geglückt, und auch in den Jahren davor gelang dies in der seit 2008 bestehenden 3. Liga lediglich drei Klubs.

Was Aufsteiger so stark macht: Das Musterbeispiel FCS

Warum das so ist? Wir behaupten wir mal: Aufsteiger kommen meist mit geringen Budgets, dafür mit eingespielten Einheiten, Absteiger sind finanziell in der Regel zwar besser ausgestattet, müssen aber erst gewaltige personelle Umbrüche vollziehen. Geschlossenheit schlägt Budget. Eine zu steile These?

Bei diesem Nachbarschaftsduell jedenfalls deutet einiges darauf hin. Auf der einen Seite Aufsteiger Saarbrücken, in dessen Startelf mit Nicklas Shipnoski und Marin Sverko nur zwei Neuzugänge stehen. Hatte durch den Corona-bedingten Abbruch der Regionalliga-Spielzeit jede Menge Zeit für Regeneration und Aufbautraining, gewann als Neuling von den ersten fünf Saisonspielen vier. Das soll Zufall sein?

Die Vorzeichen beim FCK: Ganz anders und gar nicht gut

Auf der anderen Seite der FCK, auch im dritten Jahr 3. Liga immer noch mit einem Kader unterwegs, der mit einem Top-Sechs-Etat zusammengestellt ist. Sechs Neuzugänge in der Startelf, die jedoch mehrheitlich keine komplette Vorbereitung absolvierten, teils verletzungsbedingt, teils, weil sie erst spät zum Kader stießen. Dem Rest ist nach den Geisterspielwochen, die die vergangene Saison beschlossen, vor dem Neustart des Trainingsbetriebs nur eine kurze Regenerationspause vergönnt gewesen.

Zudem fallen seit Saisonbeginn immer wieder Spieler wegen Verletzungen aus, so dass sich bislang kaum zu einer geschlossenen Einheit finden ließ. Noch am Spieltag musste der gerade wieder genesene Carlo Sickinger doch wieder passen. Er war für die rechte Außenverteidigerposition vorgesehen, nachdem mit Philipp Hercher und Dominik Schad beide Stammbesetzungen verletzt sind.

Saibene muss der bitteren Realität Rechnung tragen

27 Jahre lang sind sich die Lokalrivalen nicht mehr als Liganachbarn begegnet, und auch in den wenigen gemeinsamen Bundesligazeiten stand der FCK immer vor dem FCS. Doch die Realität nach dem ersten Saisondrittel 2019/2020 lautet nun einmal: Kellerkind Lautern gegen ein Saarbrücken, das völlig zurecht von der Tabellenspitze grüßt.

FCK-Trainer Jeff Saibene trägt den Gegebenheiten Rechnung, indem er seiner Elf eine sehr abwartende Spielweise verordnet. Was zunächst noch nicht einmal aufzugehen scheint. Der FCS zeigt das Spiel, das Lautern-Fans von ihrer Mannschaft gerne mal sehen würden. Attackiert früh, aber so geordnet, dass selbst nach Ballgewinn und Befreiungsschlag des Gastes das Leder direkt wieder bei den Schwarzblauen landet. Die ersten 20, 25 Minuten übersteht der FCK nur mit viel Glück und Avdo Spahic.

Kommt Zeit, kommt Stabilität: Symbolfigur Hainault

Dann aber schaffen sich die Roten Teufel nach und nach in die Partie. Der Defensivverbund steht besser, es gelingen, meist eingeleitet von Hikmet Ciftci, einige vielversprechende Umschaltaktionen. Eine im Zusammenspiel mit Ciftci entstandene Einschussposition für Daniel Hanslik ist wesentlich besser, als der anschließende Abschluss es erahnen lässt.

Zur Symbolfigur des Lautrer Spiel avanciert allerdings André Hainault. Kurzfristig für Sickinger als Rechtsverteidiger in die Startelf gerückt, eine Position, die er beim FCK noch nie gespielt hat und für die er kaum geeignet scheint: Nie der Schnellste gewesen, ist er es mit 34 Jahren erst recht nicht mehr, und von der Baugruppe her und sowieso ist er Innenverteidiger. Aber: Irgendwie kriegt er es dann doch ganz ordentlich hin. Wie auch sein Team mit zunehmender Spieldauer.

Wie schön: Ein "Standard" führt zum Führungstreffer

Dass der Trainer später bei "SWR Sport" berichtet, es sei sogar Teil des Matchplans gewesen, nach Möglichkeit durch eine Standardsituation in Führung zu gehen, passt ebenfalls ins Bild. Dass seine Jungs die flinken Saarbrücker aus dem Spiel heraus übertölpeln könnten, mochte wohl selbst ihr Coach ihnen nicht unbedingt zutrauen. Und die Rechnung geht sogar auf.

Der "Standard", der den Führungstreffer einleitet, ist aber keine Ecke, auch kein Freistoß, sondern, man höre und staune, ein Einwurf: Es lohnt sich also, der häufigsten Standardsituation im Fußball mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Ciftci schleudert den Ball etwa auf Höhe des kurzen Pfostens, als wäre er beim heutigen FCK-Praktikanten Florian Dick in die Lehre gegangen. Allerdings verlängert kein Mitspieler, sondern FCS-Sechser Manuel Zeitz. Kenny Redondo pflückt den Ball mit dem Kopf ab. Drin.

Zeitz' Handspiel: To pipe or not to pipe

Danach sieht es so aus, als kippe die Partie zugunsten der Roten Teufel. Der FCS droht den Faden zu verlieren, dem FCK glücken sogar Ballgewinne weit vorne, was das Leder vom Tor weghält. Eine umstrittene Strafraumszene könnte vielleicht die Vorentscheidung bringen können: Zeitz springt der Ball vom Knie an den Arm. Elfmeter?

Ohne Vereinsbrille und mit dem gesunden Menschenverstand betrachtet: eigentlich nicht. Andererseits: Es sind gerade in dieser Liga schon blödsinnigere Elfer gepfiffen worden. Kompromiss: Werten wir es als Ausgleich für die merkwürdige Entscheidung auf "Stürmerfoul" aus dem Lübeck-Spiel, wo es gut und gerne auch Elfer gegen den FCK hätte geben können.

Spahics Platzverweis: Der eigentliche Fehler war der Abstoß

Der nächste Aufreger: Die Rote Karte gegen Spahic. Geht als Schiedsrichterentscheidung in Ordnung, sofern das Handspiel des Keepers wirklich außerhalb des Strafraums war, was jedoch zweifelhaft ist und auch die TV-Kameras nicht auflösen können. Schade für den Keeper, nach seiner starken Leistung bis dato hätte er in diesem Spiel erstmals in dieser Saison zum Matchwinner werden können. Ob ihm ein Vorwurf zu machen ist?

Wie beim wiederholten Anschauen zu erkennen ist, wollte er den Ball eigentlich mit dem Kopf erwischen. Irgendwie aber muss das Leder anders aufgesprungen sein, als er es vorausberechnet hatte. Und dass er beim Herauslaufen nicht auch noch die 16-Meter-Linie konzentriert im Blick behalten kann, ist verständlich.

Statt an dieser Szene lange herumzuanalysieren, sollten Spahic und Tortwarttrainer Sven Höh sich noch einmal eingehend dem schwachen Abstoß widmen, der an der Mittellinie auf dem Kopf eines FCS-Spielers landet und die Situation überhaupt erst einleitet. Das sind die Fehler, die es abzustellen geht.

Elf gegen Zehn: Saarbrücken drückt - und hat Erfolg

Das Spiel Elf gegen Zehn bringt anschließend den FCS wieder an den Drücker - und gibt Spahic-Ersatz Matheo Raab direkt Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Und Selbstvertrauen zu tanken für die nächste(n) Partie(n), wenn er von Beginn an ran muss.

Leider haben uns auch für diese Partie noch keine xG-Grafiken erreicht, aber wir dürfen davon ausgehen: In der Aufrechnung der qualitativ bewerteten Torchancen hat sich der FCS diesen Ausgleich dicke verdient.

Auch wenn so ein Gegentreffer kurz vor Schluss natürlich ärgert. Den Treffer besorgt übrigens der Ex-Lautrer Maurice Deville per Kopfball. Unmittelbar bei ihm stand Janik Bachmann, der in seinen nunmehr dritten Partie als neu entdeckter Innenverteidiger ansonsten erneut überzeugte. Diese mitentscheidende Szene zeigt allerdings: Bachmann ist trotz seiner 1,95 Meter kein echtes Kopfballmonster, sonst hätte er den Schädel vor Deville am Ball gehabt.

Gut gemeistert hatte Bachmann jedoch ein nicht unterschätzendes Handicap: Schon nach vier Minuten hatte er Gelb gesehen, als er in höchster Not den FCS-Mittelfeldspieler Tobias Jänicke stoppte, der gerade mittig in den Strafraum eindringen drohte.

Jetzt gegen Duisburg: Ein Spiel mit komplett anderen Vorzeichen

Unterm Strich stimmt also beides: Das Remis ist ärgerlich, aber halt auch gerecht. Es hat aber auch gezeigt: Der FCK muss weiter daran arbeiten, die Einheit zu werden, die der FCS bereits dargestellt.

Dieses Lokalderby könnte ihn ein gutes Stück weiter gebracht haben, gerade weil sich Mannschaft nach fahrigem Beginn mit Vehemenz in die Partie einarbeitete. Allerdings werden sich die Vorzeichen in den nächsten Samstag erneut ändern. Mit dem MSV Duisburg kommt der aktuelle Tabellenvorletzte nach Kaiserslautern, bei dem zurzeit gar nichts zusammenläuft. Da wird der FCK nicht umhin kommen, die Initiative zu ergreifen.

Ergänzung, 02.12.2020: Die xG-Grafiken zum Derby in Saarbrücken

Mit etwas Verspätung hier Sander Ijtsmas Visualisierungen vom Spiel. Die Aufrechnung der qualitativ bewerteten Torchancen fällt sogar noch deutlicher aus, als wir es befürchtet haben: Nach "expected Goals (xG’s)" gewinnt der 1. FC Saarbrücken 1.88 : 0.54, das ist heftig. Den großen Sprung nach oben verursacht beim FCS übrigens die Doppelchance von Sebastian Jacob und Kianz Froese, gegen die Spahic gleich zwei Mal hintereinander retten muss. Und der FCK hat außer Redondos erfolgreichem Abschluss anscheinend gar nichts zustande gebracht. Erstaunlich, dass Hansliks 16-Meter-Schuss nach ungefähr einer halben Schuss gar keinen Niederschlag findet. Die Schussposition zum Tor mutete eigentlich recht vielversprechend an.

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Die Positions- und Passgrafik bestätigt Hikmet Ciftci als die Umschaltstation im Lautrer Spiel. Daniel Hanslik war anscheinend besser in die Partie, als viele glauben. Und nochmals Hut ab vor André Hainault, die kurzfristig eingesprungene Notlösung auf der rechten Verteidigerposition, er war sogar einen Tick passaktiver als sein Gegenüber Adam Hlousek.

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Zum Schluss die Positions- und Passgrafik der Saarbrücker. Geradezu monströs die Spots und Passbalken in den hinteren Reihen. Zu beachten sind aber auch die vielen Dreieckspfeile vorne. Da wird in der Offensive munter rochiert. Da muss man neidlos anerkennen: Wenn dieser Aufsteiger dieses Niveau und die etablierten Drittligateams nicht besser in Tritt kommen, ist der Durchmarsch in die Zweite Liga durchaus möglich.

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Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Neu auf DBB | Grafiken sagen nicht alles, aber viel: Die xG-Analysen von den FCK-Spielen



Beitragvon Chrisss » 01.12.2020, 11:17


Also, ich muss jetzt wirklich mal ein Lob aussprechen! Die nüchternen, aber sehr gut formulierten Beiträge von Eric Scherer sind klasse und eine starke Bereicherung für DBB. Ich lese sie sehr gerne, und es bringt einiges an Sachlichkeit ins Forum. Weiter so! :daumen:




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