Kummt Senf druff

Was wird der 1. FC Kaiserslautern zukünftig darstellen?

Was wird der 1. FC Kaiserslautern zukünftig darstellen?


Die Streitereien und Intrigen rund um die Investorensuche haben nicht nur die Vereinsgremien gespalten. Auch viele Fans des 1. FC Kaiserslautern sind verunsichert und machen sich Gedanken über die Identifikation mit ihrem Herzensklub. Ein Kommentar.

Die Diskussionen unter den Anhängern reißen auch einige Tage nach der Entscheidung für den Luxemburger Kapitalgeber Flavio Becca nicht ab. Wird es zukünftig noch derselbe FCK wie vorher sein? Kann ich mich damit identifizieren? Will ich jetzt noch ins Stadion gehen? Fragen, die nicht so leicht, eventuell sogar gar nicht zu beantworten sind.

Die lange Suche, aber vor allem das Vorgehen der FCK-Verantwortlichen, hat die Fangemeinde durchgerüttelt, einige Fans sogar bis ins Mark getroffen. Die gestellte Forderung des Rücktritts eines von den Mitgliedern gewählten Rates und die Schlammschlacht der verschiedenen Lager haben die Fangemeinschaft tief gespalten. Nicht wenige reden davon, dass in ihnen etwas zerbrochen ist und sie sich nicht sicher sind, ob hier die Chance auf Heilung besteht. Spricht man mit anderen Fans oder schaut ins Internet, hat gefühlt jeder eine Meinung, das Diskussionsklima ist vor allem im Netz richtig vergiftet. Sowieso sind Investoren im Fußball wohl eines der meist polarisierenden Themen. Und beim FCK erst recht.

Der Weg zu einem besseren Morgen ist entscheidend



An den Zusammenhalt appellieren will ich an dieser Stelle nicht, denn das ist auch irgendwie alles schon durchgekaut, außerdem ist es in der aktuellen Situation zu einfach und zu kurz gedacht. Natürlich muss es "Gemeinsam für ein besseres Morgen" heißen, aber das entscheidendere ist doch der Weg dorthin. Deshalb möchte ich hier andere Fragen stellen: Warum sollte es die Fangemeinde nicht mal anders machen als die Verantwortlichen? Wenn diese sich untereinander weiter gegenseitig angreift und selbst zerfleischt, ist sie dann viel besser? Führt dies zu irgendeiner Besserung? Hilft es einem selbst oder dem Verein? Die eigene Meinung soll doch bitteschön respektiert werden, das wünscht sich wahrscheinlich jeder - aber sollte man dann nicht auch der anderen Seite genau diesen Respekt entgegenbringen? Daran mangelt es leider vielen. Dabei sind die FCK-Fans eine der wenigen, wahrscheinlich die einzige Konstante, auf die der Verein noch zählen kann. Das untermauern nicht zuletzt der höchste Zuschauerschnitt aller diesjährigen Drittligisten, die Auswärtsfahrerzahlen oder die eindrucksvolle Choreographie gegen Meppen.

Die Vorgehensweise aller Beteiligten von innen und von außen war unwürdig und hat dem Verein einen nachhaltigen Schaden zugefügt. Meiner Meinung nach wird der FCK nicht mehr derselbe sein wie zuvor. Seit Jahrzehnten berufen sich Fans und Verein auf Werte. Legenden wie Fritz Walter und viele weitere haben dem Klub eine Identität gegeben. Die Worte des 87-jährigen Horst Eckel müssten eigentlich jedem wie ein Kloß im Halse stecken bleiben: "Das bereitet mir großen Kummer. Aber ich kann nicht mehr helfen, ich kann nur noch zuschauen." Ein Klub, der immer die Familie beschwor - zuletzt tat das Michael Klatt im Zuge der Betze-Anleihe II und des Crowdlendings - hat sich nach außen und nach innen phasenweise selbst demontiert. An die besagte FCK-Familie glauben momentan nicht mehr viele Anhänger. Haben die Roten Teufel ihre Seele verkauft? Mir ist klar, dass im Profifußball Moral und Anstand oft auf der Strecke bleiben. Vor allem, wenn es mehr um Geld als um Sport geht. Was wird diesen Klub zukünftig ausmachen? Erfolge, Aufstiege und Zusammenhalt oder doch Intrigen, Lügen und Insolvenzszenarien? Das Gefühl, das momentan vorherrscht, ist schwer zu beschreiben. Die Diskussionen unter Freunden und Bekannten sind anstrengend und oftmals schwierig zu führen, weil hoch emotional. Verständlich.

Die Vorgänge im Verein weiter kritisch begleiten



Nach den jüngsten Ereignissen gilt es aber, die Geschehnisse rund um den FCK in Zukunft noch kritischer zu begleiten und weiterhin konstruktiv zu hinterfragen, am besten bevor es zu spät ist. Das geht am besten, wenn man nah am Verein dran ist und bleibt. Das sollte jeder Fan und Beobachter spätestens seit Jahresbeginn gelernt haben. Deshalb werde ich weiter die FCK-Spiele im Stadion verfolgen. Ich kann aber auch jeden verstehen, der erstmal Abstand nimmt vom Verein. Einfach weil er die eigenen Werte mit dem Vorgehen seines Herzensvereins momentan nicht in Einklang bringen kann.

Um den Bogen zur Einleitung meines Kommentars zu spannen: Ja, der FCK wird eine neue Identität bekommen. Wie sie aussehen wird? Ich weiß es noch nicht. Doch sind nicht auch weiterhin die Fans die Seele des Vereins? Machen sie nicht den FCK aus? Wieso streiten so viele mit solch verbitterten Worten? Weil Hass nur aus Liebe entstehen kann. Nur jemand, dessen Herz so sehr daran hängt, reagiert dann so emotional, wie es aktuell der Fall ist.

Vieles wird in nächster Zeit auch von der sportlichen Entwicklung und der getroffenen Entscheidungen der Verantwortlichen, inklusive der Investorenseite, abhängen. Und da hoffe ich einfach, dass bald der Fußball und das Stadiongefühl nach den anstrengenden letzten Monaten wieder im Mittelpunkt stehen. Vielleicht wird der 1. FC Kaiserslautern ja auch ein Paradebeispiel dafür, dass eine Zusammenarbeit mit einem Investor erfolgreich verlaufen kann. So richtig glauben kann ich es aber noch nicht...

Autor: Flo

Weitere Links zum Thema:

- Chronologie im DBB-Forum: Becca sticht pfälzische Investoren aus - Littig tritt zurück

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