Über'n Tellerrand: Die Walter Elf in concert

„... ich und die Männer in Rot“

„... ich und die Männer in Rot“

Symbolfoto: Die Walter Elf / Matthias Mischler

Zum Jahreswechsel 2014/15 war es mal wieder soweit: Kaiserslauterns Funpunk-Export No. 1, die Walter Elf, hatte zu einem ihrer legendären Abschiedskonzerte in die Kammgarn eingeladen. Viele, viele FCK-Fans waren mit dabei, darunter auch der wehmütig zurückblickende DBB-Autor Toco.

Eine Woche liegt das nun letzte Konzert der Walter Elf zurück und die Band macht es einem leicht, mit Wehmut zurückzublicken. 30 und zwei Jahre nach ihrer Gründung spielten die „Männer in Rot“, als gäbe es nicht schon seit längerem ausgesuchte Zugaben, ausgedehnte Bandpausen oder ausverkaufte Abschiedskonzerte. Alleinfalls die Werkschau zeugt von einer längeren Bandgeschichte und bei der Auswahl der Coversongs blitzt der schräge, verkronte Zahn der Zeit aus den schelmischen Gesichtern der Band. Zu den Jüngsten gehört das Sixpack aus K-Town zwar nicht mehr, doch die Jungs wirkten zweifellos frisch, selbst wenn am Ende beim Gruß ins Publikum nicht nur Freunde, Eltern, Frauen sondern auch die eigenen Kinder bedacht wurden.

Ein Best-Of an Fußballtrikots des 1. FC Kaiserslautern rotierte ohne Unterlass über und vor der Bühne und in das Publikum hinein. Das Crowdsurfen wirkte fast schon als Teil der Show und ein paar wenige machen sogar vor den langsamen Stücken nicht halt. „Don't forget the Fun“, heißt die 2005 erschienene Live-DVD mit dem ersten Abschiedskonzert von 1991. Und keiner wird es wagen, diese Aussage im Jahr 2014 in Frage zu stellen, wenn die Walter Elf „Back in Town“ ist.

Nach dem Doppelkonzert 2012 anlässlich des 30-jährigen Jubiläums luden Kaiserslauterns Fußballaltpunks am 28. Dezemver 2014 erneut in das zweite Wohnzimmer der Stadt. Die Kammgarn war wenige Wochen nach Start des Vorverkaufs im Sommer selbstverständlich ausverkauft. Nach Monaten der Vorfreude kamen die Fans zahlreich, wie auch die Band, aus vielen Teilen des Landes zusammen. Die Familienfeste waren gefeiert, jetzt galt es die Besinnlichkeit und Völlerei der vorherigen Tage abzuschütteln. Mit ordentlichen Druck garantierten Drivers inc ein ordentliches Aufwärmprogramm. Währenddessen sprengten die Jacken die Kapazität der Garderobe (ja, es war draußen sehr kalt) und der unbändige Durst hielt das Barpersonal auf Trab. Für einige lag das letzte Wiedersehen nur eine Woche zurück, im anderen Wohnzimmer rund um das Spiel gegen Sandhausen, bei anderen war der Zeitraum größer und der Gesprächsbedarf dementsprechend enorm, was noch größeren Durst nach sich zog. Doch spätestens als traditionell Kurt Dehn mit „En echter Pfälzer racht ken Hasch“ aus den Boxen vom bevorstehenden Konzert kündete, standen alle im Konzertsaal bereit. Selbstverständlich bewies schon hier ein Großteil des Publikums Textsicherheit und sang lauthals mit.

Horst Schömbs grüßte mit einer Ansage aus der Konserve die Anwesenden. Die vor der Bühne herrschende Stadionatmosphäre wurde mit der Durchsage der Mannschaftsaufstellung weiter aufgeheizt und dann kamen sie auf die Bühne: Beppo Götte, Jürgen Schattner, Alex Hoffmann, Frank Rahm, Markus Weilermann und Joachim „King“ König. In der Besetzung, die es seit 1987 nicht mehr regulär gab, legten sie programmatisch los mit „Heut' oder Nie“ - Titellied des gleichnamigen Albums. Nicht nur hier fühlte man sich angenehm an die Herangehensweise der Roten Teufel auf dem Platz erinnert und weitere Parallelen zum gemeinsamen Lieblingsverein drängen sich auf. Einmal ins Herz des Publikums gespielt, behält man hier in der Regel seinen Platz. Die Walter Elf kann ein Lied davon singen: „Leb' wohl, Hans-Peter“. An diesem Abend gab sie allerdings anderen Liedern den Vorzug. In Abwesenheit des gemeinten folgte mit „Peter ist ein Arschloch“ gleich der nächste Klassiker und hier brachen die Dämme der beherzten Bühnenstürme und ambitionierten Crowdsurf-Versuche. Oft ging es mit viel Schwung in Menge, manchmal haarscharf am Genickbruch vorbei. Ständig sorgten gezückte Kameras für neues Fotomaterial bis zum nächsten Konzert und dank zahlreicher Smartphones gingen nur Stunden nach dem Konzert zahlreiche Videos online. Lieder wie „Warten auf Willi“ wirken dabei wie aus der Zeit gefallen, machen aber ebenso Spaß wie zeitlose Klassiker a la „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ oder „15 Bier“. Nach „Hansi Müllers Schniedelwutz“ rotierte Dennis Trace am Bass auf die Bühne und die Horny Horns verstärken aus der Tiefe der Lunge das Klangspektrum. Mit „Männer in Rot“ ging es weiter. Der moderne Klassiker, der schon seit einigen Spielzeiten nicht mehr aus dem FCK-Stadionradio wegzudenken ist, wurde von Anhängern und Band gleichermaßen gefeiert. In Sachen Textsicherheit gab sich niemand die Blöße. Selbstverständlich durfte auch der Auftritt von Iris Hussong nicht fehlen und so gab man auch „Nachts schlag ich meine Freundin“ zum Besten.

Die etwas beklommene Stimmung wurde mit Werbung in eigener Sache aufgelöst. Seit kurzem ergänzt „Kaufe dieses Buch“, das eigene Werk, in dem die Band nicht nur aus dem Nähkästchen plaudert, sondern auch 17 Songs zum Nachspielen aufbereitet. Mit dem gleichnamigen Lied räumte Basser Dennis den Platz für „Ernie“ Bernd Christian Mayer. Es folgte „Warten auf Willi“ und vertraute Williii-Rufe brachen sich Bahn. Das Konzert steuerte auf den nächsten Höhepunkt zu. Auf zwei Klassiker-Cover im Punk-Format („Rock'n'Roll Love Letter“ & „I don't like Mondays“) folgte mit „Diese Stadt“ die erste Hymne auf die Heimat und die vielzitierte, aber wohl niemals besser vertonte „Angst des Tormanns beim Elfmeter“. Bis zum ersten Zugabeblock blieb keine Zeit zum Verschnaufen und nach einem kollektiven „Hey! Ho! Let's Go!“ spielte die Walter Elf den „Blitzkrieg Bop“. Hier durfte sich Tobias am Bass bewähren, der bei Bandproben eine verlässliche Größe und Teil des Teams Walter Elf ist, wie Sänger Beppo Götte verkündete. Der erste Block endete schließlich mit „Kaiserslautern“, der zweiten, aber treibenderen, musikalischen Ehrerweisung gegenüber dem Heimatort. Damit das „Bauernkaff im Pfälzerwald“ nicht als Sackgasse des Abends in Verruf geraten konnte, folgte im zweiten Zugabeblock das langersehnte „Friggin' in the Riggin'“, in dem der Moshpit und die Stimmbänder strapaziert wurden. Mit „12 XU“ von Wire war das musikalische Programm des Abends dann beendet und die Kehlen konnten wieder gekühlt werden.

Der Spaß, den alle an diesem Abend hatten, blitzte unverkennbar aus den Augen oder tropfte aus dem schweißdurchnässten Fußballtrikots. Es gibt noch eine Reihe von Liedern, die die Walter Elf hätte spielen können und nach einem Abend wie diesem dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis man sich wiedersieht. Bis dahin rotieren die Schallplatten und CDs der Band und bleibt ganz viel Zeit für Wehmut. Selbstverständlich wird auch die eigene Trikot-Sammlung ergänzt. Zur nächsten Saison dürfte ja wieder ansehnliches Material erhältlich sein. Und irgendwann um Weihnachten herum steht es wieder im Raum: Heut' oder Nie!

Setlist:

Heut' oder Nie
Peter ist ein Arschloch
Acht Zylinder sticht
Killernieten
Ramstein Fluchtag
Hansi Müllers Schniedelwutz
Männer in Rot
Das Zeichen
Was ihr wollt
Nachts schlag ich meine Freundin
Kaufe dieses Buch
Warten auf Willi
Auf Tour
15 Bier
Nachtgedanken
Rock'n'Roll Love Letter (Bay City Rollers-Cover)
I don't like Mondays (Boomtown Rats-Cover)
Diese Stadt
Die Angst des Tormanns beim Elfmeter

1. Zugabe
Blitzkrieg Bop (Ramones-Cover)
Safety Dance (Man without Hats-Cover)
Kaiserslautern

2. Zugabe
Friggin' in the Riggin' (Googlet das mal!)

3. Zugabe
12 XU (Wire-Cover)

Autor: Toco

Weitere Links zum Thema:

- Weitere Konzert-Videos und -Fotos: Die Walter Elf auf Facebook
- Interview: „Wie geil wäre das, eine FCK-Hymne zu verfassen...“ (vom 15.07.2010)

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