Hall of Game: 1. FC Köln - FCK 2:6 (1990/91)

Ein Fußballmärchen wurde wahr

Ein Fußballmärchen wurde wahr

Foto: Imago

Nur ein Jahr, nachdem der 1. FC Kaiserslautern denkbar knapp den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga geschafft hatte, allerdings auch DFB-Pokalsieger wurde, ergab sich vor dem 34. und letzten Spieltag der Spielzeit 1990/1991 die unerwartete Chance, mit einem Punktgewinn in Köln den ersten Deutschen Meisterschaftstitel seit den beiden Titeln unter der Führung des unvergleichlichen Fritz Walter in den frühen 50-er Jahren zu gewinnen. Eine Woche zuvor war die ganze Pfalz bereits in Feierlaune, als mit einem Punktgewinn gegen Borussia Mönchengladbach - der FCK hatte in den 16 Heimspielen zuvor keine einzige Niederlage kassiert - vorzeitig der Titel gesichert werden sollte. Durch eine 2:3 Niederlage verpassten die Lautrer diese frühzeitige Entscheidung.

So machten sich am 15. Juni 1991 sagenhafte 40.000 FCK-Fans auf den Weg nach Köln - ein Zuschauerrekord für die Ewigkeit! Und damals war der 1. FC Köln noch keineswegs der Lieblingsgegner der Lautrer. Die Kölner, die selbst vor dieser Begegnung noch UEFA-Cup-Chancen besaßen, hatten es dabei zum Glück für die teuflischen Fußballanhänger versäumt, frühzeitig den Kartenverkauf zu reglementieren, sodass die einheimischen 15.000 FC-Fans sich einer unglaublichen Übermacht an Gästefans gegenüber sahen und im Verlaufe des Spiels keine Rolle spielten.

FCK-Trainer Karlheinz Feldkamp, ein Großmeister der Überraschungen, ließ Torjäger Bruno Labbadia auf der Bank und brachte erstmals den bisher nur als Joker in Erscheinung getretenen Bernhard Winkler von Beginn an. Und lag mit dieser Entscheidung goldrichtig!

Die Pfälzer übernahmen sofort das Kommando und versuchten keineswegs, ein 0:0 über die Runden zu bringen, das ja auch gereicht hätte. Schon nach fünf Minuten erzielte der junge Marco Haber mit einem Fernschuss die 1:0-Führung des FCK. Weltmeister Bodo Illgner im Kölner Gehäuse war dabei chancenlos. Als der 1. FC Köln noch an diesem frühen Gegentreffer zu schlucken hatte, legte eben jener Bernhard Winkler in der 14. Spielminute schon zum 2:0 nach. Was für eine Stimmung nunmehr bei den Gästefans, die bis weit nach dem Schlusspfiff nicht mehr enden sollte. Kurzfristig verkürzten die Kölner zwar nach einer halben Stunde durch einen Elfmeter von Frank Ordenewitz noch zum 1:2, doch bis zur Pause stand es bereits 4:1 durch einen Doppelschlag von Bernhard Winkler und Tom Dooley unmittelbar vor der Pause. Die FCK-Fans befanden sich nun bereits in einem regelrechten Siegesrausch und feierten auch die ganze Pause hindurch weiter. Da durfte doch nun wirklich nichts mehr schief gehen, zumal die Gastgeber nach einem frühen Platzverweis in der 30. Minute gegen den heutigen Bundestrainer-Assistenten Hans-Dieter Flick nur noch 10 Mann auf dem Platz hatten.

Kurz nach dem Wechsel verkürzte dennoch Frank Greiner, der später selbst zum FCK wechseln sollte, noch auf 2:4, der Sieg der Pfälzer geriet aber nicht mehr in Gefahr. Marco Haber und Markus Schupp erhöhten in der Endphase dieser Begegnung auf 6:2 für den 1. FC Kaiserslautern. Die Kölner leisteten zu diesem Zeitpunkt schon längst keine wirkliche Gegenwehr mehr.

Nun stürmten aber bereits, obwohl das Spiel noch lief, mehrere Tausend Gästefans den Innenraum des Stadions und formierten sich rund um die Spielfläche, sodass sogar kurzfristig ein Abbruch dieser Begegnung drohte. Aber Schiedsrichter Harder behielt die Nerven und brachte die letzten Minuten noch gut über die Bühne.

Nach dem Abpfiff kannte der Jubel der Roten Teufel dann endgültig keine Grenzen mehr. Mannschaft und Fans des 1. FC Kaiserslautern feierten lautstark und fröhlich diese als absolut sensationell zu bezeichnende dritte Deutsche Meisterschaft des FCK. Besonders freute man sich auch daran, ausgerechnet den ungeliebten FC Bayern München auf Platz 2 verdrängt zu haben, zumal die Bayern in der Endphase der Meisterschaft noch versucht hatten, durch Verbalattacken den Durchmarsch des krassen Außenseiters zu unterbinden. Dies misslang allerdings auf ganzer Linie.

Begleitet von Tausenden von Fans und einem großen Medienaufgebot, begaben sich Mannschaft, Trainergespann und Vorstand des FCK abends bei bestem Wetter auf eine Schiffsreise auf dem Rhein zurück Richtung Heimat.

Viele Fans des FCK feierten noch bis zum frühen Morgen in der Domstadt oder zu Hause in der Pfalz dieses unglaubliche Ereignis. Jeder, der damals mit dabei war, wird dies in seinem ganzen Leben nicht mehr vergessen.

Folgende Truppe machte den Sieg in Köln und damit den Meistertitel 1991 klar:

Ehrmann - Scherr, R. Lutz, Friedmann, Kranz, Hoffmann, Haber, Dooley, Schupp, Winkler (R. Ernst), Kuntz

- Statistik zum Spiel 1. FC Köln - 1. FC Kaiserslautern 2:6 (1990/91)

Autor: Altmeister

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