Spielbericht: FC St. Pauli - 1. FC Kaiserslautern 1:0

Ärgerlich, aber doch irgendwie verdient

Ärgerlich, aber doch irgendwie verdient


Jetzt hat es uns doch erwischt. Die erste Niederlage der laufenden Saison am letzten Spieltag der Hinrunde. Und wenn wir ehrlich sind, war sie auch verdient. Verdient deshalb, weil der 1. FC Kaiserslautern in de ersten Hälfte das klar bessere Team war und mit einer Führung in die Halbzeit hätte gehen müssen - die Chancenverwertung war wieder mal mangelhaft. Und verdient deshalb, weil unsere Mannschaft nach 60 Minuten das Spiel aus der Hand gab und der FC St. Pauli den Siegeswillen hatte, der uns heute und auch schon im letzten Spiel gefehlt hat. Woran liegt es?

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Franco Foda fand mit der Mannschaftsaufstellung eine richtig gute Mischung. Jessen überraschend für Bugera, Azaouagh für Zuck, Riedel für den gelbgesperrten Dick, Linsmayer anstelle von Zellner, Simunek für den kurzfristig wegen eines Trauerfalles fehlenden Torrejon und der nach seiner Sperre zurückgekehrte Idrissou sollten das magere Spiel von Regensburg vergessen machen und die Roten Teufel zurück zur alten Stärke führen. Das gelang am Anfang prächtig. Die Außen wurden hervorragend einbezogen und der Ball klatschte in der ersten Viertelstunde dreimal an den Pfosten. Der FCK dominierte!

Zu dieser Zeit schwieg das mit 21.054 Besuchern ausverkaufte Millerntor-Stadion. Die Aktion "12:12 - Ohne Stimme, keine Stimmung" wurde von beiden Fan-Lagern komplett durchgezoge, an dieser Stelle großen Respekt an die Anhänger. Politik, Verbände und Vereine können an dieser deutschlandweiten Kampagne nicht mehr vorbei argumentieren! Die Fans geben ein klares Zeichen gegen das "Sicherheitspapier" der DFL ab! Am Millerntor selber gilt für FCK-Fans auf Grund von Pyrotechnik in den letzten Spielen weiterhin das unsägliche "St. Pauli-Modell". Das besagt, Gästefans dürfen nur mit Schal ins Stadion - Fahnen, Doppelhalter, Trommeln, Megaphone, Spruchbänder, Konfetti, Choreographien und Co. müssen zuhause bleiben. Einige Zaunfahnen fanden den Weg aber doch hinein und so wurden nach den besagten 12:12 Minuten die Kurve beflaggt. Gehört einfach dazu, sieht schöner aus und hoffentlich schaffen die Verantwortlichen die Kollektivstrafe "St.-Pauli-Modell" ab. Das seit Jahren im Umbau befindliche Millerntor-Stadion wird übrigens richtig toll. Die neue Gegengerade, sobald sie einmal fertig wird, passt hervorragend in das enge Stadion. Und bitte liebe St. Paulianer, kümmert euch um den Gästeblock! Wir standen wieder im "Matsch". Hinter der Stahlrohrtribüne ist es zu ungemütlich, um in Ruhe ein Bier zu trinken, weil kaum Platz zum Verweilen ist und auch die Ausgänge scheinen nicht den allerbesten Fluchtweg zu bieten. Nun gut, old school eben.

Zurück zum Spiel. Nachdem beide Fangruppen ihre Stimme wieder einsetzten, motivierte das anscheinend die Mannschaft aus Hamburg mehr. Sie gingen früher drauf. Der FCK war fußballerisch besser, brauchte aber ein wenig Zeit. um sich die Dominanz der ersten 15 Minuten zurückzuholen. Richtig gute Torchancen gab es keine, aber es schien eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis der Tabellendritte aus der Pfalz in Führung gehen würde. Der Halbzeitpfiff unterbrach diese Dominanz.

Nach der Pause und mit unverändertem Personal suchten die Roten Teufel wieder den Weg zum Tor und der gestern noch einer der besten Roten Teufel, Ariel Borysiuk, fand in dem hervorragend haltenden Philipp Tschauner seinen Meister. Von da an ging es bergab mit der spielerischen Leistung der Mannschaft. Die erfahrenen Azaouagh und Baumjohann tauchten ab, den Häuptlingen Bunjaku und Idrissou gelang nichts mehr. Das Mittelfeld um Linsmayer und Borysiuk kam seltener zum Spielaufbau und musste sich immer mehr aufreiben. Die Abwehr kam unter Druck, weil Ginzcek und Buchtmann immer besser ins Spiel fanden.

Und dann in der 65. Spielminute ein Gegentor, das wohl in jeder unteren Fußballklasse Schreikrämpfe ausgelöst hätten: Foul von Riedel an der Mittellinie. Anstatt sich vor den Ball zu stellen, trabt Azaouagh gemächlich zurück und gibt dem Abwehrspieler die Möglichkeit, den Freistoß schnell auszuführen. Buchtmann löst sich im Mittelfeld von seinen Gegenspielern und steht ganz frei. Mit gutem Antritt überläuft er Simunek, flankt flach in die Mitte und Sippel sowie Heintz behindern sich gegenseitig beim Klären des Balles. Der freie Ginzcek sagt Danke und der an diesem Tag so lauternfeindliche Pfosten hilft ihm zum Führungstreffer. Saudummes Gegentor! Für eine Profimannschaft nicht zu verzeihen. Danach blindes Anrennen mit einer guten Möglichkeit des agilen Riedel, der sein Startelfdebüt rechtfertigte. Die eingewechselten Zuck und Zellner sowie Abel als Rammbock konnten das Blatt nicht mehr wenden. Nach diesem Gegentor war der Faden verloren, es zeichnete sich ab der 55. Minute schon ab und zog sich durch bis zum Abpfiff. Verdiente Niederlage, weil die Dominanz der ersten Hälfte wieder nicht in Tore umgemünzt wurden und nach dem vermeidbaren Gegentor der FCK einbrach. Woran liegt es?

Hier kann man nur spekulieren. Konditionelle Defizite könnten ein Faktor sein. Oder spielt es sich alles im Kopf ab? Fakt ist, dass die Gegner Regensburg und St. Pauli in der letzten halben Stunde mehr Körner hatten. Wir alle wissen, dass die Mannschaft das Potential hat, ganz oben mitzuspielen. Dafür müssen die Häuptlinge um Baumjohann, Idrissou und Bunjaku die Mannschaft auch mal in schlechten Phasen mitreißen, ihre Stärken im schnellen Spiel konzentriert zu Ende spielen. Torchancen produzieren. Die jungen Spieler um Heintz, Zellner, Zuck und Linsmayer spielen eine super Hinrunde. Borysiuk und Fortounis sind junge Nationalspieler mit viel Entwicklungspotential. Die Abwehr hat sich gefangen. Es muss Kopfsache sein. Ein kleiner Hänger in der Hinrunde. Jetzt heißt es noch mal den Hintern hochkriegen, sechs Punkte sind noch bis zur Winterpause zu vergeben. Bei Union Berlin wird es ähnlich wie auf St. Pauli. Enges Stadion, super Atmosphäre und viel Kampf.

Ihr könnt besser spielen, Jungs! Zeigt uns euer wahres Gesicht!

Autor: connavar

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