Spielbericht: 1. FC Nürnberg - 1. FC Kaiserslautern 2:1

Wehmut in den Augen


1:2 verliert der 1. FC Kaiserslautern beim 1. FC Nürnberg und kassiert wieder ein ärgerliches Tor kurz vor Schluss. Während der Club weiter Richtung Bundesliga marschiert, kamen sich die 1.500 FCK-Anhänger wie auf einer falschen Party vor.

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Das Spiel: Gut gekämpft und doch nicht belohnt

Der Respekt vor dem FCN war groß. Immerhin seit 14 Spielen hatte der fränkische Traditionsklub nicht mehr in der Liga verloren. Konrad Fünfstück beorderte den gebürtigen Franken Lukas Görtler auf die Außenbahn und schenkte dem Ex-Nürnberger Antonio Colak das Vertrauen im Sturm neben Jon Dadi Bödvarsson, da Kacper Przybylko mit einem leichten Infekt geschont wurde.

Das Team fand gut in die Partie und machte es den Nürnbergern schwer. Der FCN, strotzend vor Selbstvertrauen, spielte aber geduldig und fand schließlich durch Patrick Erras die Lücke. Ein vermeidbares 0:1. Der FCK ließ sich allerdings gar nicht beeindrucken und konnte nur drei Minuten später ausgleichen. Antonio Colak, dem Fünfstück eine gute Partie bescheinigte und der immer wieder auch die mitgereisten Fans anheizte, bereitete per Kopfablage den ersten Treffer Jon Dadi Bödvarssons vor.

Nach einer wenig spannenden zweiten Hälfte erhöhten die Gastgeber ab der 85. Minute noch einmal den Druck, drängten auf das entscheidende Tor – was zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit durch den eingewechselten Zoltan Stieber fiel. Marius Müller hatte zuvor eine Hereingabe Danny Blums zu unentschlossen geklärt. 1:2. Wieder ein vermeidbarer Gegentreffer.

In der Schlussphase ging es dann hoch her. Da FCN-Keeper Raphael Schäfer nach gut einer Stunde mit Verdacht auf Achillessehnenriss ausgewechselt wurde und auch Ersatzkeeper Patrick Rakovsky länger behandelt werden musste, ließ Schiedsrichter Florian Meyer sechs Minuten nachspielen. Der FCK – in Überzahl, weil Zoltan Stieber allzu euphorisch jubelte und mit Gelb-Rot vom Platz flog (eine grundbescheuerte Regel!) – verpasste es aber trotz Schlussoffensive, den Ausgleich zu machen.

Die Stimmung: Lobende Worte von Fünfstück und Halfar

Knapp 1.500 Fans aus der Pfalz begleiteten den FCK ins Frankenstadion und machten von Beginn an trotz der zuletzt enttäuschenden Spiele eine richtig gute Stimmung. Mit lauten Anfeuerungsrufen und Gesängen peitschten die pfälzischen Schlachtenbummler ihr Team nach vorne, boten den rund 30.000 Nürnbergern ein ums andere Mal die Stirn. Mit Fahnen und Schals auch optisch schön anzusehen feierten die Rot-Weißen eine Party und rockten das fränkische Achteck vor allem nach dem 1:1-Ausgleich.

Nachvollziehbar anders die Situation nach dem bitteren 1:2. Lähmendes Entsetzen und hängende Köpfe, die dann aber angesichts der langen Nachspielzeit noch einmal umschlugen in Anfeuerung und Trotz. Wie eine wogende Masse verfolgte der Gästeblock die Schlussszenen, brüllte die Roten Teufel nach vorne – nur allzu gerne hätte man den explosionsartigen Torjubel in der 95. Minute erlebt.

Nach Abpfiff bewiesen die Fans allerdings wie schon in Freiburg Feingefühl, munterten die Mannschaft auf. „Die Fans haben uns ordentlich beklatscht und besungen. Das ist ein schöner Trost nach so einer Niederlage“, sagte Daniel Halfar und auch Konrad Fünfstück war wie schon im Breisgau voll des Lobes für die Anhänger, „trotz blöder Anstoßzeiten in so einer englischen Woche“.

Was sonst noch auffiel: Wehmut in den Augen

Trotz des tollen Supports: Nicht wenigen FCK-Fans sah man nach Abpfiff die Enttäuschung an. Nicht nur weil die eigene Mannschaft sich regelmäßig um den Lohn bringt. Als Zoltan Stieber nach seinem Treffer in die kollektiv ausrastende Nordkurve abdrehte und der FCN wenig später trotz aller Widrigkeiten den Vorsprung über die Zeit rettete, da machte sich ein bisschen Wehmut im Lauterer Feld breit. Wie gerne würde man so etwas auch wieder erleben! Eine Mannschaft, die getragen von Euphorie auf dem Weg zu etwas Großem ist… Die Spannung, das Kitzeln, das Rechnen und Hoffen – also all das, was den FCK-Fans diese Saison nicht vergönnt ist, war auf der Gegenseite zu beobachten und zu spüren. Mögen diese Momente auch bald wieder in die Pfalz zurückkehren.

Stimmen zum Spiel: Zwangsoptimismus und leere Beine

Konrad Fünfstück, gebürtiger Franke und lange Jahre in Nürnbergs Nachbarschaft tätig, fand auf der Pressekonferenz viele lobende Worte für den FCN. Schnell richtete sich der Blick aber wieder auf die eigene Mannschaft. „Man muss jetzt mit positiver Energie vorweggehen“, sagte der 35-Jährige. „Und da bin auch der Typ dafür.“ Nun gelte es an die gute kämpferische Leistung anzuknüpfen, „dass dann auch mal für uns am Ende einer reinfällt“, wie Fünfstück sagte.

FCN-Trainer René Weiler äußerte sich mitfühlend. „Für Kaiserslautern tut es mir fast schon leid, wie viele Punkte sie am Ende noch abgegeben haben“, sagte der Schweizer, ehe er seine Mannen für den aufopferungsvollen Kampf lobte. Nun gelte es, zu regenerieren. „Beine und Köpfe sind leer“, sagte er. Genau das gleiche kann man wohl auch beim 1. FC Kaiserslautern konstatieren.

Autor: paulgeht

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